Im neuen SPIEGEL: Lauter Charismatiker, geplagte Apple-Arbeiter, EADS-Affäre, Parteitag in Peking

Von Chefredakteur Georg Mascolo

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Liebe Leserin,
liebe Leser,

Lady Di hatte es. Helmut Schmidt hat es. Angela Merkel hat es nicht. Dafür hat es Daniel Craig als James Bond: Charisma, den Stoff, der Millionen verzücken und die Welt aus den Angeln heben kann. Selten sind sie, die echten Charismatiker, aber man trifft sie in allen Bereichen, in der Politik, im Sport, im Kino - weshalb der SPIEGEL gleich mit sieben verschiedenen Titelbildern an den Kiosk kommt. SPIEGEL-Autor Matthias Matussek hat während seiner Laufbahn schon einige von ihnen getroffen, etwa das Ehepaar Angelina Jolie und Brad Pitt, für ihn "Götterkinder mit elektrisierender Wirkung", oder Joachim Gauck, "dessen pastorale Aura sofort alle Wogen glättet". Um die Strahlkraft von Barack Obama zu überprüfen, fuhr er vor einigen Wochen zum Parteitag der Demokraten nach North Carolina. Dort traf er ein erweckungsbereites Parteivolk, doch das innere Feuer ging nicht von Obama aus, sondern von seiner Frau Michelle. Der Präsident fand sein Charisma erst wieder, als er in der Siegesnacht seinen Anhängern zuwinkte und sich an die Nation wandte. Und da der Charismatiker weiß, dass seine Wirkung nur im Wechselspiel mit seiner Gefolgschaft entsteht, rief Obama seinen Anhängern zu: "Ihr habt einen besseren Präsidenten aus mir gemacht."

"Das Leben schöner machen": Dieses Verkaufsmotto steht auf der sogenannten "Credo Card", die Angestellte deutscher Apple-Stores ständig mit sich tragen sollen. Die Losung scheint aber das Leben der Mitarbeiter nicht einzuschließen, wie die Recherchen von SPIEGEL-Redakteurin Anna Kistner ergaben. Was spielt sich hinter den glänzenden Fassaden deutscher Apple-Stores wirklich ab? Es war nicht einfach, Mitarbeiter zu finden, die über ihren Alltag - den Dauerstress, die ständige Überwachung, den Zwang zur guten Laune - mit der Presse sprechen wollten. "Wer über die Arbeitsbedingungen bei Apple schimpft, muss sich immer auch persönliche Verblendung eingestehen", sagt Kistner. Viele der Angestellten, mit denen sie sprach, fühlen sich in ihrer Begeisterung für Produkte aus dem Hause Apple ausgenutzt. Ihr Glaube an die Marke ist trotzdem ungebrochen. Ein Mitarbeiter aus Frankfurt blieb Kistner besonders in Erinnerung: Eine Woche nachdem ihn Apple fristlos entlassen hatte, stand er mitten in der Nacht auf, um sich in die Schlange vor dem Apple-Laden einzureihen. Er wollte das neue iPhone 5 als Erster kaufen.

Als der SPIEGEL vergangene Woche über einen mutmaßlichen Korruptionsfall des EADS-Konzerns in Saudi-Arabien berichtete, war nicht abzusehen, dass schon kurz danach Ermittler in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einer Razzia ausschwärmen würden. Wieder ging es um dubiose Geschäfte des Rüstungskonzerns, diesmal aber um Gelder, die nicht in exotischen Ländern gezahlt wurden, sondern möglicherweise an Entscheider im EU-Partnerland Österreich, beim Verkauf von Eurofighter-Jagdflugzeugen. Noch gilt die Unschuldsvermutung, doch die Bundesregierung könnte den Fall nun nutzen, um Druck auf den ohnehin in Ungnade gefallenen EADS-Chef Tom Enders auszuüben und seinen Abschied zu erreichen. SPIEGEL-Redakteur Gerald Traufetter traf bei seiner Recherche in Österreich einen Informanten, der seine Akten zum Fall an einem besonderen Ort verwahrt: unter einem Aquarium, bewohnt von Piranhas.

SPIEGEL-Korrespondent Bernhard Zand hat am vergangenen Donnerstag in Peking den Parteitag der KP besucht respektive am streng orchestrierten Programm für Pressevertreter teilgenommen. "Die Veranstaltung", so Zand, "war bis ins Detail durchwirkt von alten Ritualen." Am Eingang der Großen Halle des Volkes wurden den Journalisten die Mäntel abgenommen wie in der Oper, auf den Tischen standen Parteitags-Necessaires zur Verfügung: Nadel und Faden, falls ein Knopf sich löst, eine Kleiderbürste, ein Scherchen, um den Zwirn zu schneiden. Einmal schwebte ein Ballett von jungen Kellnerinnen herein und goss synchron heißes Wasser in die Teetassen. Während diese Inszenierungen den Wunsch der Mächtigen nach einer planbaren Wirklichkeit illustrieren, sprach der scheidende KP-Chef Hu Jintao am Parteitag von drohendem Staatszerfall und der Notwendigkeit von Veränderungen. Zand kommt zu dem Schluss: "China braucht unbedingt die Reformen, die seine Führung seit Jahren verspricht, aber nicht eingelöst hat."

Hier kommen Sie zur Digitalausgabe des neuen SPIEGEL.

Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen

Georg Mascolo

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