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13. Januar 2013, 08:14 Uhr

Im neuen SPIEGEL

Schleichwerbung im ZDF, Antisemitismus-Debatte, Fluchtgeld-Hafen Zypern

Von Chefredakteur Georg Mascolo

Liebe Leserin,
lieber Leser,

seit langem ist Thomas Gottschalk dafür bekannt, dass er über jedes Thema reden kann. Auch als der SPIEGEL jetzt mit ihm über dubiose Verträge aus seiner "Wetten, dass ..?"-Zeit sprechen wollte, sagte er zu - und wenige Stunden später plötzlich ab. In dieser Sache sollte sein Anwalt sprechen. Meine Kollegen Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt waren auf Verträge gestoßen, in denen klar geregelt ist, wie lange etwa ein Mercedes in der Sendung gezeigt werden und dass Gottschalk bitte auf der Bühne nicht das schöne Auto verdecken sollte. Schleichwerbung ist der Show mehrfach vorgeworfen worden, das gebührenfinanzierte ZDF hatte stets Besserung gelobt. Ausgerechnet jetzt, wo wieder einmal über die Fernsehgebühren gestritten wird, stellt sich die Frage: Wie kann es sein, dass der Sender seine wichtigste Show der Wirtschaft auslieferte? "Dass die Markenrechte an ,Wetten, dass ..?' in diesem Umfang extern vermarktet wurden, lag auch daran, dass Gottschalk für den Sender damals so wichtig war", sagt ZDF-Intendant Thomas Bellut. Der neue Moderator Markus Lanz ist an noch laufende Verträge gebunden, präsentierte die Fahrzeuge bislang aber weniger aufdringlich.

Der Name Augstein ist mit dem SPIEGEL verbunden, untrennbar. Rudolf Augstein war Gründer, Chefredakteur und Herausgeber. Und sein Sohn Jakob Augstein ist im SPIEGEL-Verlag in zwei Funktionen tätig: Als Journalist schreibt er eine Kolumne auf SPIEGEL ONLINE, als Miteigentümer vertritt er die Augstein-Erben. Auf die Berichterstattung der Redaktion hat Augstein keinen Einfluss. Wie sehr die Öffentlichkeit dennoch Augstein dem SPIEGEL zurechnet, erfuhren jetzt meine Kollegen Susanne Beyer und Erich Follath. Sie hatten Dieter Graumann, den Präsidenten des Zentralrats der Juden, zum Streitgespräch mit Jakob Augstein gebeten. Es ging um die Frage, ob Augsteins Kritik an Israel statthaft ist oder - wie das Simon-Wiesenthal-Zentrum meint - Ausdruck antijüdischer Ressentiments. Nur halb im Scherz sagte Graumann, das sei ja "drei gegen einen". In der Diskussion gingen die SPIEGEL-Leute natürlich auf gleiche Distanz zu beiden. Zum einen, weil das der journalistische Standard ist, von Rudolf Augstein so gesetzt. Zum anderen, weil das Gespräch sonst womöglich vorzeitig beendet worden wäre - so hitzig gingen die Gesprächspartner miteinander um.

Das EU-Land Zypern hat weniger Einwohner als das Saarland, von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Europäische Union ist das Land auch nicht. Trotzdem: Die Frage, ob das Land gut 17 Milliarden Euro Hilfen für seine maroden Banken bekommen soll, wird für Angela Merkel nun problematisch. Im November hatte der SPIEGEL von BND-Erkenntnissen über Zypern berichtet. Demnach kämen Zahlungen aus den Rettungsschirmen auch russischen Fluchtgeldkonten zugute - und dafür ließe sich im Bundestag wohl keine breite Mehrheit finden. Im SPIEGEL dieser Woche beteuert der zyprische Finanzminister Vassos Shiarly, sein Land sei keine Drehscheibe für Geldwäscher - zugleich zeigen die Kollegen im Heft aber, welche russischen Oligarchen ihre Konzerne über zyprische Holdings steuern. Die Liste ist nahezu deckungsgleich mit der Liste der reichsten Männer des Landes.

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Georg Mascolo

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