AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 42/2016

SPIEGEL-Kanon Die 50 wichtigsten Romane unserer Zeit

Vor 15 Jahren präsentierte Marcel Reich-Ranicki im SPIEGEL die wichtigsten Werke der deutschen Literatur. Nun haben sechs SPIEGEL-Redakteure einen neuen Kanon erstellt - denn unsere Welt hat sich verändert.

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

Von


Am Anfang des Jahres, in dem, wie Francis Fukuyama meinte, die Geschichte endete, wurde in der nordenglischen Stadt Bradford ein Buch verbrannt. Mehr als tausend Muslime waren am 14. Januar 1989 zusammengekommen, um "Die satanischen Verse" des in Indien geborenen britischen Autors Salman Rushdie den Flammen zu übergeben. Ihr Vorwurf: Beleidigung des Propheten. Am Tag danach nahm Englands größte Buchhandelskette das Buch aus den Regalen. Einen Monat später rief der iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini zur Ermordung des Autors auf und aller, die zur Verbreitung dieses Werkes beitragen. Die zur Vollstreckung aufgeforderten Henker: die Muslime der ganzen Welt. Der Aufruf gilt bis heute.

Titelbild
Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Heft 42/2016
Jaber Albakr, eine Heldentat und das Versagen der Justiz

Das Buch, das da verbrannt wurde, beschreibt eine Gesellschaft, die bislang von den "drei großen Erzählungen" orchestriert wurde: von Geschichte, Wirtschaft und Ethik, und es erzählt davon, dass die Volksmassen nunmehr durch einen "undurchdringlichen Staatsapparat" von diesen Geschichten ausgeschlossen werden. Die Folge davon ist, "dass sie ihre ethische Befriedigung in der ältesten der großen Erzählungen, nämlich der Religion, suchten". Die Frontlinien werden neu gezogen: "säkular gegen religiös, Licht gegen Finsternis".

Der Roman wird Wirklichkeit. Es ist eine neue Welt, die da entsteht, in dem Jahr, als der weltweite Kampf um dieses Buch entbrannte, nach der Epoche der kapitalistisch-kommunistischen Konfrontation wurde offensichtlich, dass der Religion und der Kultur eine entscheidende Bedeutung zukommen würde. So gehört Rushdies Werk zu den 50 wichtigsten Romanen der Gegenwart. Tobias Becker, Martin Doerry, Sebastian Hammelehle, Elke Schmitter, Claudia Voigt und Volker Weidermann haben den neuen SPIEGEL-Kanon erstellt.

Rushdie schreibt später in seiner Autobiografie "Joseph Anton": "Die Kriege der Ideologie und der Kultur rückten in die Mitte der Bühne. Und zu seinem Leidwesen (Rushdie schreibt von sich in der dritten Person. Er hat sich, unter falscher Identität lebend, längst in eine Romanfigur seines Lebens verwandelt) sollte sein Roman zu einem Schlachtfeld in diesem Krieg werden."

Es werden Übersetzer und Verleger angegriffen, der japanische Übersetzer stirbt nach einer Messerattacke, Großbritannien und Iran unterbrechen kurzzeitig die diplomatischen Beziehungen, und Rushdie muss sich verstecken wie eine Maus. Schon vorher hat es in den Büroräumen seines amerikanischen Verlags Bombenalarm gegeben. Sein Agent Andrew Wylie rief ihn an und sagte: "Die Angst wird spürbar." Rushdie fügt in seiner Autobiografie hinzu: "Dann kam das Jahr 1989, und die Welt veränderte sich."

Die Angst wird spürbar. Diese vier Wörter stehen wie ein Brandzeichen über der Epoche, die nun beginnt.

Wenn man heute Rushdies Roman wieder liest, ist man erst mal überrascht von der guten Laune, von der dieser Roman getragen wird, von dem Übermut des Erzählers, der gleich zu Beginn zwei so unterschiedliche indische Migranten, Saladin und Ismail, aus einem explodierenden Flugzeug stürzen und in England unversehrt landen und ihre gegensätzlichen Leben leben lässt. Und wie dieser Roman von den großen Themen unserer Zeit, von Terror, schwankenden Identitäten, Flucht und Vertreibung, Intoleranz und Vereinzelung erzählt und von der Religion als Fiktion, als lebensrettende und Leben zerstörende Fiktion, das ist atemberaubend.

Und dann berichtet dieser Roman auch von diesem einsamen Mann im Exil, dem Imam. Rushdie schreibt: "Für den Mann im Exil ist Paranoia eine Vorbedingung des Überlebens." Und er schreibt: "Das Exil ist ein Ball, der hoch in die Luft geschleudert wird. Und dort hängen bleibt: gefroren in der Zeit." Und er schreibt: "Das Exil ist ein seelenloses Land. Im Exil sind die Möbel hässlich, teuer, alle zur selben Zeit im selben Laden und in zu großer Eile gekauft." Vorbild für diesen Religionsführer in seinem Londoner Exil, der alle fünf Minuten ein Glas frisch gefiltertes Wasser zu trinken verlangt, um sich zu reinigen, der selbst eine "berühmte Monografie über das Wasser" geschrieben hat, ist Ajatollah Khomeini.

Rushdie und viele andere haben später vermutet, dass es diese realistisch-spöttischen Beschreibungen waren, die den Ajatollah dazu veranlassten, den Autor zum Tode zu verurteilen. In den "Satanischen Versen" heißt es: "Solcherart ist die wundersame Zukunft der Männer im Exil; was zuerst in der Ohnmacht einer überhitzten Wohnung geäußert wurde, wird zum Schicksal von Nationen. Wer hat diesen Traum nicht schon geträumt, König für einen Tag zu sein? Doch der Imam träumt von mehr als einem Tag, spürt, ausgehend von seinen Fingerspitzen, die Spinnenfäden, mit denen er die Bewegung der Geschichte kontrollieren wird."

Der Imam als Bruder des Autors, als Kontrolleur der Geschichte. Und wenn Salman Rushdie das nächste Mal über einen Mann im Versteck, einen Mann im Exil in einer geheimen Wohnung mit teuren, hässlichen Möbeln schreiben wird, dann wird das seine Autobiografie sein. Und der Mann im Verborgenen, das ist er selbst.

Dass sie Brüder sind, die Dichter und die Diktatoren, das hatte schon Thomas Mann 1938 im Exil in seinem Essay "Bruder Hitler" beschrieben. Der Unterschied: Die einen legen ihre Untertanen auf eine einzige Geschichte fest. Die anderen lassen allen möglichen Geschichten ihren freien Lauf.

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

Der Epochenbruch von 1989. Die Welt hat sich verändert, rasend schnell und unübersichtlich und explosionsartig. Die Mauer fällt, der Kommunismus ist besiegt, die Sowjetunion zerbricht. Der Westen hatte gar keine Zeit, sich ausgiebig zu feiern. Zahllose neue Konflikte brachen auf, das frisch geeinte Europa drohte in den Jugoslawienkriegen gleich wieder zu zerfallen, in New York stürzten die Türme ein, der alte Westen zog in neue Kriege, der militante Islam erstarkte, Terrorangst hat die Welt im Griff. Der Flüchtling ist der Protagonist unserer Epoche, tragische Figur unserer live getickerten Nachrichtenwirklichkeit. Getrieben durch eine Welt der Kriege, Armut, Verfolgung. Eine immer unübersichtlicher werdende Welt, in der der Einzelne zugleich von Technologiekonzernen und Geheimdiensten so umfassend überwacht und beobachtet wird.

Aber das Zeitalter der Information und Beobachtung ist auch das Zeitalter der Selbstbeobachtung, Epoche der Narzissten. Je einfacher es ist, jederzeit mit jedem Menschen in der Welt in Kontakt zu treten, umso mehr interessiert sich der Einzelne für sich selbst, für sein Abbild in der Welt. Jeder ist mit jedem jederzeit im Gespräch und redet doch meistens nur mit sich.

Alte Familienstrukturen zerfallen, neue entstehen, Identitäten sind so vielfältig wie nie. Herkunft, Geschlecht, Rollenbilder, alles wankt, alles wird jeden Tag wieder neu infrage gestellt. Was ist der feste Grund, auf dem wir stehen können? Gibt es ein Zurück zu den alten Leitkulturen, klaren Geschlechterrollen, eindeutigen Identitäten, zur Klarheit? Vergesst es! Die alten Verteidigungskämpfe sind längst verloren.

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

Das Zeitalter des Schwankens, der Beweglichkeit und Zerbrechlichkeit, das ist die Stunde der Literatur, der großen Möglichkeitskunst. Klar, sie ist leise, sie hat Mühe, sich Gehör zu verschaffen in der großen, lärmenden Gereiztheit der Welt. Wo immer aber ein neues diktatorisches Regime an die Macht kommt, sind die Bücher Fiktionen und ihre Erschaffer meist die ersten Opfer. Starke Fiktionen können die Basis, auf der ein waffenstarrendes Regime seine Macht errichtet, ins Wanken bringen. So die Furcht der Diktatoren. So die Hoffnung der Dichter.

Welche Romane, welche Fiktionen sind es, die unsere Epoche prägen? Als Marcel Reich-Ranicki vor 15 Jahren im SPIEGEL seinen Kanon der deutschen Literatur vorstellte, sprach er von der "Angst vieler Zeitgenossen, überinformiert und dennoch unwissend zu sein". Die Bücher, um die es hier in diesem Text und in der Liste der besten 50 Romane unserer Zeit gehen soll, sind Bücher aus der ganzen Welt, über die ganze Welt, von heute, von gestern und von morgen.

Die Zeit, von der die Romane jener Epoche erzählen, ist eine, die mit dem Triumph der Freiheit begann und mit dem Wunsch vieler Menschen endet, diese Freiheit so schnell und radikal wie möglich wieder loszuwerden. Die Freiheit hat sie überfordert. Sie fühlen sich abgehängt, erniedrigt und beleidigt, sie suchen neue Führung, neues Heil: in der Religion, in den Regeln der digitalen Konzerne, in der Obhut autoritärer Politiker.

1989 und die ersten Jahre danach: Der Kapitalismus breitet sich aus, die ganze Welt wird ein Markt, im zerfallenden Sowjetreich werden die unendlichen Ressourcen in wenigen Weltsekunden unter einigen Oligarchen aufgeteilt. Die Basis unfassbaren Reichtums einiger weniger und völliger Mittellosigkeit vieler entsteht. Gleichzeitig erscheint für wenige Momente die westliche Welt als Fest, Selbstfeier, Genusssucht, Ichsucht, Abschied von Politik, Feier des Augenblicks und der Schönheit. Die Fesseln sind abgestreift. Die Historie ist der Schrecken, der ideale Ort ist der von der Geschichte verschonte. Venedig zum Beispiel. Bollwerk gegen die Zerstörungskraft der Moderne. Lasst die Menschen, lasst die Häuser, lasst sie alle in Schönheit, in Ruhe, langsam verschwinden.

Ein großer Dichter verabschiedet sich mit einem Roman. Friedrich Dürrenmatt, der Gewaltige, an einem riesigen Schreibtisch über dem See von Neuchâtel thronend, lässt in "Durcheinandertal" ein letztes Mal die Welt einstürzen. Der Held ist ein Gott ohne Bart, ein irdischer Gott, viel mächtiger als der Erdachte dort oben im Himmel. Ein Mafiaboss des entfesselten Kapitalismus, nicht zu greifen, nicht zu belangen. Sein Traum ist ein Erholungsheim für Millionäre in einem Schweizer Bergtal, in dem sich erschöpfte Weltauspresser von ihrem Reichtum befreien lassen. Alle kommen, und alle verbrennen, der Palast des Kapitalismus brennt, es ist wie ein World Trade Center in den Schweizer Bergen. "Der Westturm fiel in sich zusammen", "der Ostturm erzitterte", Gott, der Autor, Dürrenmatt lacht. "Bei einem Physiker hatte er einmal gelesen, wenn die Wirklichkeit reden könnte, so würde sie keine physikalischen Formeln aufsagen, sondern ein Kinderlied singen."

Dass die Wirklichkeit irrsinniger ist als jede Fiktion, das war das Grundstaunen seines Schreibens. Sein letzter Text, "Das Hirn" aus seinem Sterbejahr 1990, endet mit der Beschreibung eines Besuchs in Auschwitz. Nicht von einem Gott sei dieser Ort erdacht worden, schreibt Dürrenmatt, "und auch ich habe ihn nicht erdacht oder geträumt. Er ist undenkbar, und was undenkbar ist, kann auch nicht möglich sein, weil es keinen Sinn hat. Es ist, als ob der Ort sich selbst erdacht hätte. Er ist nur. Sinnlos wie die Wirklichkeit und unbegreiflich wie sie und ohne Grund".

Das Venedig-Buch des großen russisch-amerikanischen Dichters Joseph Brodsky erschien 1991. In Leningrad 1940 geboren, die Stadt belagert von den Deutschen, die jüdische Familie wusste, was ein Sieg der Angreifer für sie bedeuten würde. Schon als 18-Jähriger schreibt er Gedichte, später wird er sagen, dass, seit er denken konnte, immer eine Macht da war, die ihn körperlich vernichten wollte. Das habe ihn auf den innersten Ort seines Bewusstseins zurückgeführt. Ein Dialog, später als Angeklagter vor Gericht, ist überliefert: "Richterin: 'Was ist Ihr Beruf?' Brodsky: 'Ich bin Dichter. Und Übersetzer von Dichtung.' Richterin: 'Und wer attestiert, dass Sie Dichter sind? Wer hat Sie zum Dichter beordert?' Brodsky: 'Niemand. Wer hat mich zur Spezies Mensch beordert?'"

1972 verließ er gezwungenermaßen die Sowjetunion in Richtung Amerika. Literatur war für ihn keine Gegenwelt, Literatur war die Wirklichkeit selbst und die Realität nur eine Ableitung von ihr. "Ob ihr's glaubt oder nicht, das Ziel der Evolution ist Schönheit", hat er geschrieben. Und "Ufer der Verlorenen", sein Venedig-Buch, darin war alles, was er über Schönheit wusste, enthalten. Die Utopie, das ist dieser Ort, den die Weltgeschichte seit vielen, vielen Jahren vergessen hat. "Wie es nun einmal steht, wird dieses Jahrhundert, abgesehen von der Mondlandung, vielleicht am positivsten dafür in Erinnerung bleiben, dass es diesen Ort nicht vergewaltigt hat, dass es ihn so gelassen hat, wie er ist." Literatur, das ist auch festhalten, was verschwinden wird. "Weil wir abtreten, und die Schönheit bleibt. Weil wir uns in Richtung Zukunft bewegen, während die Schönheit die ewige Gegenwart ist."

Es sind in Europa auch die Jahre der, ja, Aufarbeitung der Vergangenheiten. Deutschland hat beschlossen, die Akten des totalen Überwachungsapparates des kommunistischen Regimes den Opfern zur Verfügung zu stellen. Die Vergangenheit überschattet mehr und mehr die Gegenwart. Ein unvorstellbares Netz an Überwachung und Verrat tritt zutage. Der Nachbar, der beste Freund, die Ehefrau, jeder konnte ein Verräter gewesen sein. Menschliche Abgründe. Aber auch: Wiedererlangung der Macht über die eigene Geschichte. Es ist das beherrschende Thema in Deutschland und der deutschen Literatur. Aber auch nach wie vor jene andere Geschichte, der lange Schatten der Nazizeit. Geschichte, die nicht vergehen und deren Fortwirken über die Generationen hinweg immer deutlicher wird. Die deutsche Literaturgeschichte seit 1933 ist eine Fluchtgeschichte. Die Besten, Größten, Weltberühmten, sie waren Vertriebene.

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

1991 ist Monika Marons "Stille Zeile Sechs" erschienen, dieses Hassbuch auf die Welt der alten Männer. Maron, Stieftochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron, die 1988 aus der DDR in den Westen kam, schreibt die Geschichte von Rosalind Polkowski, die der alte Funktionär Beerenbaum für das Schreiben seiner Memoiren bezahlt. Oh, so ein famoser Hass, auf die Selbstgerechtigkeit der alten Männer, diese Welt der Menschen, die ihr Leben lang recht haben. Aber sie kann nicht fliehen. Der paradoxe Versuch, den alten Mann durch Zuhören und Mitschreiben zum Verstummen zu bringen, misslingt. Und der Tod? Wenn die ewig quasselnde Vergangenheit endlich stirbt? "Meine Seele, schien es, war zu klein, um das Wunder zuzulassen, auf das ich wartete, und ich dachte, dass es so bleiben wird für alle Zeit, dass ich nie erleben werde, wonach ich mich sehne, solange ich selbst dabei bin." Selbst die Memoiren wird sie nicht los. Das Geschriebene bleibt. Nach seiner Beerdigung bekommt sie das Buch ausgehändigt, in Papier eingeschlagen. Sie wird es im Regal vergraben. Sie wird es auf keinen Fall öffnen. Es wird ihr nicht helfen.

Auch in dem Roman "Herztier" von Herta Müller, die viele Jahre später den Nobelpreis bekommen wird, ist der Tod kein Ausweg aus dem Dilemma. "Als Edgar und ich den Friedhof verließen, wehten die Bäume. Der Himmel drückte auf ihre krummen Zweige. Erfrorene Freesien und Tulpen standen auf den Gräbern wie auf Tischen. An den Baumstämmen hätten Türklinken sein müssen. Blind wie ich war, wie damals im Wald, sah ich sie nicht." Hören Sie diesen Ton, diesen Herta-Müller-Ton? Ihre Gedichte setzt sie aus ausgeschnittenen Wörtern zusammen, ihre Prosa aus manchmal überraschenden Wortkombinationen. "Wenn es glückt", sagt sie, "kann man diesen Schock produzieren, der durch das Zusammenkommen von Wörtern entstehen kann."

Herta Müller ist 1987 aus Rumänien, wo sie zur deutschsprachigen Minderheit gehörte, nach Westdeutschland gekommen. Die Securitate schrieb auch nach ihrer Flucht weiter mit. "Herztier" ist ein Buch über ein Leben in Angst, die die ganze Welt verfärbt: "Sie liegt frei herum, man sieht sie auf den Gegenständen, die in der Nähe sind." Ein Buch auch, um über den Heroismus zu reden und zu schreiben, auch wenn man die Türklinken übersieht, die den Weg in eine andere Welt eröffnen könnten: "Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm, sagte Edgar, wenn wir reden, werden wir lächerlich." Lasst uns also lächerlich werden!

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

W.G. Sebald ist nicht eingewandert in die deutsche Literatur, nicht eingewandert nach Westdeutschland, sondern er wanderte aus. Aufgewachsen war er im Allgäu, das kriegszerstörte München war das Bild, das ihm aus seiner Kindheit geblieben ist. 1966 ging er nach England, auch aus Verachtung für ein Land, das sich seiner eigenen Vergangenheit zunächst nicht stellte. Sein Buch "Die Ausgewanderten", bestehend aus vier langen Erzählungen, die alle zusammen eine romanhafte Geschichte des Exils ergeben. Die Geschichte einer Auslöschung. Als der Erzähler den Spuren eines seiner Helden in die deutsche Gegenwart hinein folgt, findet er nur Gleichgültigkeit und Schweigen. "Das Geschick, mit dem man alles bereinigt hatte", begann, "mir Kopf und Nerven anzugreifen". Die Helden seiner Geschichten erschießen sich, legen sich vor den Zug, weisen sich selbst in die Psychiatrie ein oder radieren ihre Kunstwerke aus, bis nichts mehr von ihnen übrig bleibt. Gezeichnete ihrer Flucht. Je länger sie leben, desto tiefer wird der Graben, der sie von ihren Mitmenschen, den Nichtgeflohenen, trennt. Wie hatte Rushdie das genannt? "Das Exil ist ein Ball, der hoch in die Luft geschleudert wird. Und dort hängen bleibt: gefroren in der Zeit."

Einer, Sebalds Vermieter in der ersten Geschichte, berichtet von seiner Flucht aus Litauen auf einem großen Schiff hierher, nach England. Die Fahrt sollte eigentlich nach New York gehen, so hatten die Organisatoren es versprochen. Als sie in England landeten, fanden sich die meisten notgedrungen in ihre Lage ein. "Einige freilich hielten, allen gegenteiligen Beweisen zum Trotz, lange an dem Glauben fest, in Amerika zu sein." Wenn man sich über viele Jahre und Träume hinweg das Bild einer zukünftigen Welt, seiner zukünftigen Heimat gemacht hat, lassen sich das manche eben nicht durch die schnöde Wirklichkeit kaputt machen. Sebald schrieb deutsche Weltliteratur in England bis zum Ende seines Lebens auf Deutsch. Es sei die Sprache der Erinnerung, hat er gesagt.

Woran erinnern wir uns und wie? Welche Erinnerung erlangt Macht über uns, und wie kann man noch davon erzählen? Je älter die Literatur wird und der Roman, desto klarer scheint die Erkenntnis, dass man nicht mehr auf die alte Weise von den Dingen erzählen kann. Es ist das Zeitalter der totalen Individualisierung, Vereinzelung, Isolation. Wenn die Familien zerfallen, wie soll man von der Welt dann noch als Familienroman erzählen? Wenn die Gesellschaften auseinanderreißen, wie soll uns dann noch ein Gesellschaftsroman von der heutigen Welt erzählen? Ist das nicht von vornherein ein verlogenes Unterfangen?

Eine junge Frau aus dem südindischen Bundesstaat Kerala hatte solche Zweifel wohl nicht. Sie fing einfach an zu schreiben, eine Geschichte aus ihrer Heimat, aus einer religiös, wirtschaftlich, ethnisch zerrissenen Gesellschaft, schrieb die Geschichte der Zwillingsschwestern Rahel und Estha, "eine seltene Art siamesische Zwillinge, mit getrennten Körpern, aber mit einer gemeinsamen Identität", sie schreibt von der Übermacht "der großen Dinge", Marxismus, Religion, Kolonialgeschichte, Kastensystem, sexuelle Ausbeutung und von der kleinen, revolutionären Minimacht, "den kleinen Dingen". Arundhati Roy war 35 Jahre alt, als "Der Gott der kleinen Dinge" erschien und sofort ein Welterfolg wurde. Es ist ein fantastisches, erfindungsreiches, märchenhaft realistisches, pathetisches Widerstandswerk gegen die Zwänge der Welt. Ein Werk über die letzten Kämpfe der westlichen Hegemoniegläubigen, die den widerspenstigen Zwillingen die Strafarbeit geben, hundertmal den Satz "Ich werde immer englisch sprechen" zu schreiben. Dem Reporter Christian Kracht, der sie damals für den SPIEGEL in Indien besuchte, erklärte sie ihre Kindheit in der archaischen Welt so: "Mir ist das Schlimmste widerfahren, was einem Mädchen in Kerala passieren kann: Ich war zu dünn, zu dunkelhäutig und zu schlau." Aus diesem Dreiklang weiblicher Lebensnachteile hat sie den Widerstandsroman einer Frau gestaltet. Dass es alles vergebens sein soll? Egal. "Die großen Dinge lauerten allzeit in ihrem Inneren. Sie wussten, dass sie nirgendwo hingehen konnten. Sie hatten nichts. Keine Zukunft. Deswegen hielten sie sich an die kleinen Dinge."

Zu den Aufgaben des Schriftstellers, hatte Salman Rushdie geschrieben, "gehört es, ebenso öffentlich wie privat, ebenso Mittelsmann für die Gesellschaft wie für das menschliche Herz zu sein".

"Drecksbuch" heißt es über "Die satanischen Verse" in dem lustigsten und multikulturellsten Familienroman unserer Epoche, in "Zähne zeigen" von der Engländerin Zadie Smith. "Drecksbuch", ruft ausgerechnet Millat, jener top-integrierte Sohn eines Ehepaars aus Bangladesch, als er sich auf nach Bradford macht, um diese papierne Beleidigung zu verbrennen. "Wir haben zu viel eingesteckt in diesem Land. Und jetzt kriegen wir's von unsern eigenen Leuten, Mann. Dieser Drecksack!" Seinen Bruder Magid hatte sein Vater nach Bangladesch geschickt, um ihn vor dem westlichen Werteverfall zu schützen. Ausgerechnet er kommt als vollendeter Engländer mit weißem Anzug und Oxford-Englisch zurück. Und sein in England gebliebener Bruder wird bärtiger Fundamentalist, der alles tut, um sichtbar zu werden in diesem Land: "Kurz gesagt, er wusste, dass er in diesem Land kein Gesicht hatte, in diesem Land keine Stimme hatte, bis vorletzte Woche, als plötzlich Leute wie Millat auf jedem Fernseh- oder Radiosender und in jeder Zeitung waren, und sie waren zornig, und Millat erkannte diesen Zorn wieder, glaubte, von ihm erkannt zu werden, und packte ihn mit beiden Händen." Wie werden wir erkannt? Wie leben wir zusammen? Zadie Smith hat einen phänomenal ehrlichen Roman der Einwanderung geschrieben, Konflikte nicht wegschweigend, sondern auslebend. Optimistisch, cool, streitbereit. Ein Dialog: "'Es geht darum, die eigene Kultur zu verteidigen, die eigene Religion gegen Schmähungen zu schützen. Davon verstehst du natürlich nichts. Immer viel zu beschäftigt mit diesem Hindi-Hirnpopcorn, um auf deine eigene Kultur zu achten!' - 'Meine eigene Kultur? Und die wäre, bitte schön?' - 'Du bist Bengalin. Also benimm dich bitte wie eine.' - 'Und was ist eine Bengalin, bitte schön?' - 'Steh auf und schlag's nach, und geh endlich aus dem Bild.'"

Einen letzten Verteidigungskampf der eigenen Kultur sehen wir auch in Jonathan Franzens Familienroman "Die Korrekturen". Es ist in der Woche des 11. September. Das Buch beginnt so: "Der Irrsinn einer herbstlichen Prärie-Kaltfront, näher kommend. Es war deutlich zu spüren: Etwas Furchtbares würde geschehen. Die Sonne tief am Himmel, ein winziges Licht, ein erkaltender Stern. Windstoß auf Windstoß der Unordnung. Die Bäume rastlos, die Temperaturen fallend, die ganze nördliche Religion der Dinge aufs Ende gerichtet." Es ist die Geschichte einer verfallenden Familie im verfallenden Zentrum der USA. Der Vater an Parkinson und Demenz erkrankt, die Kinder an modernen Zerfallserscheinungen leidend und im ganzen Land verstreut, die Mutter versucht ein letztes Mal, die Familie zu einem Weihnachtsfest zu vereinen. Die letzte Einheit mit übermenschlicher Kraft und gegen alle Wirklichkeit in der einen kleinen, großen christlichen Tradition zusammenzupressen. Es misslingt. Die Fliehkräfte sind zu stark. Die Kinder können das misslingende Leben der Eltern nicht korrigieren. Eine Parabel auf die schwindende Kraft Amerikas. Roman eines Untergangs, hundert Jahre nach dem deutschen Untergangsroman "Buddenbrooks". Dann stürzten die Türme. "Die ganze nördliche Religion der Dinge aufs Ende gerichtet."

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

Das herbeigesehnte neue Jahrtausend beginnt mit diesen perfekt inszenierten, apokalyptischen Bildern des Grauens. Die Türme des Welthandels - ein Inferno. Wie kann der Westen sich schützen? Wie gewinnt man die Oberhand über die Bilder, über die Geschichte zurück? Die gerade begonnene Geschichte der Freiheit - ist sie schon wieder zu Ende? So viele Menschen und Mächte, die diese Freiheit, diese amerikanische, kapitalistische Freiheit nicht wollen. Die Freiheit ist eine Bedrohung. So empfinden es viele Menschen im Westen, vor allem aber jene, die einer anderen, einer religiösen Erzählung folgen.

In jenen Tagen ist auch in Deutschland ein unheimlicher Untergangsroman erschienen. "1979" von Christian Kracht. Der hatte einige Jahre zuvor in seinem ersten Roman "Faserland" einen jungen Weltverächter im Interregio durch Deutschland in Richtung Untergang fahren lassen. Sein neuer Roman beginnt in Iran während der islamischen Revolution von 1979. Es ist ein Buch westlichen Selbstekels, Müdigkeit, Sehnsucht nach einer neuen Gemeinschaft, nach Strafe für ein überflüssiges, dekadentes Leben. "Ich war schwach, ich wusste nichts, ich war nicht stark genug." Sein Weg führt den erlösungsbedürftigen Helden auf den heiligen Berg Kailasch in Tibet und schließlich in ein chinesisches Umerziehungslager und endet mit den Sätzen: "Ich habe mich gebessert. Ich habe nie Menschenfleisch gegessen."

Einige Jahre zuvor war schon ein Verwandter Krachts, klein, blass, mit zerknautschter Zigarette und Nikotinfingern erstmals aufgetreten. "Sie sind nicht mehr ganz jung. Sie werden sterben, jetzt gleich. Es ist nichts. Ich bin da. Ich lasse Sie nicht fallen. Lesen Sie weiter." So Michel Houellebecq in seinem ersten Buch "Ausweitung der Kampfzone". Houellebecq ist der rücksichtsloseste neue Dichter der Epoche. Sein Blick auf die Welt ist eiskalt, dabei nicht ohne Humor. Er beschreibt die Ausgestoßenen, die Verworfenen, die Verlierer der totalen Wettkampfswelt. Die traurigen Typen, die glaubten, wenn sie sich an die Regeln der Welt halten, werden sie auch Teil einer großen, erfolgreichen Geschichte sein. Das sind sie aber nicht. Sie sind die Dummen, und es wächst der Hass in ihnen, auf die Welt und auf sich selbst. Und auch der sexuelle Liberalismus weitet die Kampfzone aus, auf alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen. Houellebecqs Menschen sind höllisch einsam. "Müsste ich den geistigen Zustand unserer Zeit in einem Wort zusammenfassen, ich würde unweigerlich dieses wählen: Verbitterung." Der einsame Held, am Ende des Buches im Gespräch mit seiner Psychologin; wann er das letzte Mal Geschlechtsverkehr hatte, möchte sie wissen. Er entgegnet, das sei mehr als zwei Jahre her. "'Ah!', rief sie beinahe triumphierend. 'Wie wollen Sie unter diesen Umständen das Leben lieben?' - 'Würden Sie mit mir ins Bett gehen?'", fragt er, einer kindlichen oder verzweifelten Logik folgend, sofort. Sie wird rot, sagt, das entspreche nicht ihrer Rolle, und lässt sich in den nächsten Sitzungen von einem männlichen Kollegen vertreten. Die Lösung war so nah. Leider sieht er einfach nicht gut aus.

In seinem nächsten Roman, "Elementarteilchen", der 1998 in Frankreich erschien, hatte er eine Lösung aus dem Dilemma unserer Zeit entdeckt: "Die Wandlung findet nicht im Geist statt, sondern in den Genen." Der alte Mensch wird abgeschafft, ein neuer, glücklicher Mensch entsteht. Ein neues Wesen, das "auf glaubhafte Weise den Sinn für die Kollektivität, die Kontinuität und das Heilige wiederherstellen würde". Und die Menschen, hier auf der Erde, die machen das mit? Ein Satz von Houellebecq am Ende des Buches ist wie ein letztes Atemholen am Ende eines erschöpfenden Jahrhunderts: "Es ist durchaus überraschend mitanzusehen, mit welcher Ruhe, welcher Resignation und vielleicht sogar insgeheimer Erleichterung die Menschen ihrem eigenen Verschwinden zugestimmt haben."

War es nicht Freiheit, die die Menschen in Osteuropa wenige Jahre zuvor erkämpft hatten? War Freiheit das Versprechen des amerikanischen Jahrhunderts? Von der unerträglichen Last dieser Freiheit loszukommen, das ist der Antrieb und die Sehnsucht der Figuren Houellebecqs.

Alles ist möglich, Tiere klonen, Menschen klonen, das Erbgut entschlüsseln, jeder Mensch ist ein Roman, und jeder Mensch ist Gott. Wir können uns lesen, und wir können die Menschen umschreiben, nach unseren Wünschen. Wir können alles neu schaffen und damit alles vernichten. Das grenzenlose Wachstum der Wirtschaft, des Ressourcen-Verbrauchs, der Möglichkeiten wird auf einem endlichen Planeten zum Kollaps führen. Zum Ende der Menschen, Ende von allem. In dem Roman "Alles, was wir geben mussten" des in Japan geborenen Briten Kazuo Ishiguro wären die Helden froh, wenn sie die Freiheit derer aus Houellebecqs Reich hätten.

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

Die jungen Menschen dieses Internatsromans, der in England, Ende des 20. Jahrhunderts, spielt, erfahren eines Tages, was ihre Bestimmung ist, für die sie hier, in der von der Außenwelt abgeschlossenen Schule auf dem Land, vorbereitet werden. Sie sind Klone, die gezüchtet werden, um eines Tages als Ersatzteillager für die ungeklonten Menschen dort draußen zu dienen. Sie fügen sich, wie die Helden Krachts, wie die Helden Houellebecqs, in ihr Schicksal. Ihr Bestreben geht nur dahin, ihre Würde zu bewahren. Und irgendjemand hat sie auf die Idee gebracht, sie könnten ihre Zeit hier auf der Erde verlängern, wenn sie wahre Liebe empfinden. Der Glaube daran ist ihre Religion. Unerheblich ob es wahr ist oder nicht, sie glauben daran, und ihr Schöpfer Ishiguro scheint sie für diesen Glauben zu lieben. Sein Mitleid mit den Figuren jedenfalls, das auf jeder Seite aus seinem Buch zu spüren ist, unterscheidet ihn fundamental von Kracht und Houellebecq.

Ein Jahr nach Ishiguros Roman ist das dunkelste Werk unserer Epoche erschienen, ein Buch als schwarzes Loch im Leseall, das den Leser widerstandslos einsaugt und wie einen schwarzen Mantel ganz umhüllt. "Die Straße" des Amerikaners Cormac McCarthy. Es geht um fast nichts, ein Vater und sein Sohn wandern durch eine beinahe menschenleere Welt auf dem Weg ans Meer. Sie sind Flüchtlinge, beinahe die letzten. "In jenen ersten Jahren waren die Straßen mit Flüchtlingen bevölkert, die ihre Kleidung wie ein Leichentuch trugen, Mundschutz und Schutzbrillen aufhatten und in ihren Lumpen am Straßenrand saßen wie verarmte Luftschiffer." Grauer Schnee, warten auf nichts, die Sorgen des Vaters um den Sohn. Es gibt nichts zu hoffen. McCarthy scheibt mit Wucht und Kraft, schwarzer Magie, man bekommt Angst beim Lesen. Keine Chance, es wegzulegen. Es ist schrecklich und grauenhaft möglich. Illusionen duldet der Vater nicht: "Wenn deine Träume von einer Welt handeln, die es nie gegeben hat oder nie geben wird, und du wieder glücklich bist, dann hast du aufgegeben. Verstehst du? Und du darfst nicht aufgeben. Das lasse ich nicht zu." Es ist der bittere Witz dieses aussichtslosen Buches, dass der Sohn seinen Vater bis zum Ende bei jeder Begegnung mit Menschen treuherzig fragt, ob das ein Guter oder ein Böser war. In einer letzten Welt, in der jeder jeden tötet und isst und man die Tage zählt, bis zum letzten. Der Vater gibt dem Sohn bis zum Ende klare Antworten: Ja, ist ein Guter. Nein, ist ein Böser. Der alte Vater Amerika. Der Kompass der Moral Amerikas zittert nicht, bis zum letzten Tag. "Zehntausend Träume in ihren verschmorten Herzen begraben. Sie gingen weiter. Nahmen die tote Welt unter die Füße wie Ratten in einem Rad."

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

Wozu sind Geschichten da? Um uns die Angst zu lehren? Um eine andere Wirklichkeit zu behaupten als die bedrohliche, verworrene da draußen? Literatur ist Möglichkeitskunst, Kunst der Verwandlung. Jede starke Fiktion ist ein Protest. Wie Salman Rushdie sagte: Tyrannen legen die Welt auf eine Geschichte fest. Mauern sich ein, hinter einem Wall der einen Wahrheit, Beton der Fakten. Schriftsteller lassen die Fakten frei und setzen sie neu zusammen. Eine andere Welt ist möglich.

Frank und Claire Underwood, das satanische Paar im Weißen Haus in "House of Cards", der erfolgreichsten Wirklichkeitssimulation unserer Zeit, lassen sich ihre Lügen, also ihre Reden und öffentlichen Erklärungen, in der vierten Staffel von einem Romanautor schreiben. Er macht das so überwältigend gut, dass selbst das gefühllose, machtversessene Killerpaar beim Hören der eigenen erlogenen, erdichteten Geschichte beinahe in Tränen ausbricht.

Wie groß ist die Macht der Fiktion? Der alte deutsche Soldatenschriftsteller Ernst Jünger, der am Ende des vorigen Jahrhunderts im Alter von 102 Jahren starb, hat in einer Rede an seinem 100. Geburtstag 1995 gesagt: "Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, so scheint mir, dass ich es als Leser verbracht habe. Das mag verwunderlich klingen - doch habe ich von Werken und Taten zuerst durch Bücher erfahren, also platonisch - den Ariost habe ich in der Kartentasche mitgeführt -, und bin dann durch die Realität enttäuscht worden. So auch durch die Kriege. Karl Marx hat es auf die Formel gebracht: 'Ist eine Ilias möglich mit Schießpulver?' Das ist mein Problem."

Die Bauwerke der Jahre nach dem Mauerfall sind: Mauern und Zäune. Die USA schotten sich nach Süden mit einem undurchlässigen Sperrgürtel ab, europäische Politiker träumen von neuen Zäunen, Mauern und Grenzen oder haben sie längst errichtet, um sich vor der verdammten Armut da draußen, vor den Erniedrigten und den Hoffnungslosen zu schützen. Die Welt des freien Warenverkehrs will mit aller Macht den freien Menschenverkehr verhindern. Ein aussichtsloser Abwehrkampf, der viele Tausende auf dem Weg in die ersehnte Welt das Leben kostet.

Eine Ernst-Jünger-hafte Figur ist der geheime Held des Epos "2666" des chilenischen Schriftstellers Roberto Bolaño, das in dem mexikanisch-amerikanischen Grenzort Santa Teresa nach dem Vorbild des realen Grenzortes Ciudad Juárez gestaltet wurde. Hier ist die Hölle schon real, es ist der Ort des Wahnsinns der globalisierten Welt, der täglichen Morde, der Abschottung der Reichen gegen den Ansturm der Armen. Ausgerechnet hierhin flüchtet sich der deutsche Soldatenautor, der sich in seinen Werken als kalter Zuschauer seiner selbst porträtiert hat. Hier, an der Nahtstelle unserer Zeit, lebt er als unerkanntes Phantom, schreibend, sich nähernd vom "Unschuldstheater" des Soldaten von einst zur Wahrhaftigkeit der Literatur. Der Chilene Bolaño führt ihm die Hand.

Während die alte Weltmacht Amerika schwankt und sich abschottet, steigt im Osten China immer mächtiger empor. Das Experiment, den alten totalen Staatskommunismus mit den Kräften einer gesteuerten und zugleich entfesselten Marktwirtschaft zu vereinen, birgt ungeheuerliche Sprengkraft. Es braucht eine ungreifbare staatliche Macht, um dieses Gebilde zusammenzuhalten. Und auch in Russland und Weißrussland versucht man, Freiheit der Wirtschaft und Unfreiheit des Einzelnen und der Meinungsäußerung zu verknüpfen. Die Abwehrkräfte des Staatsapparats gegen die Fliehkräfte des Marktes und der Menschen sind enorm.

Es sind die Jahre, in denen uns die großen Bücher der Helden der Gegenwirklichkeit erreichen. Die Bücher der Weißrussin Swetlana Alexijewitsch zum Beispiel und des Chinesen Liao Yiwu. Liao saß am 3. Juni 1989 in der Provinz Sichuan vor dem Fernseher, als die Panzer anrollten, um die Demokratiebewegung niederzuschlagen. Am nächsten Morgen schrieb er ein Gedicht, das sich in China wie ein Lauffeuer verbreitete. Es hieß "Massaker", der Dichter wurde vier Jahre lang ins Gefängnis gesperrt und gefoltert. Heute lebt er in Berlin, schreibt Gedichte, Romane, und er hat ein bewegendes Gesprächsbuch, "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser", geschrieben, ein Gesellschaftspanorama. Er war unterwegs in Gefängnissen, Irrenhäusern, Untergrundklubs, unterwegs im Leben Chinas, spricht mit Mördern, Bettlern, Menschenhändlern. "Ich bin kein Reporter", erklärt er einem irre gewordenen Gefangenen, der sich für den Bauernkaiser hält, "ich bin nur ein einfacher Mann, der die Gefühle des Volkes untersucht." Ein Gefühlsreporter, sein Buch ist Wirklichkeitsbericht, vor allem ein poetischer Gegenroman gegen die Geschichtsschreiber der Macht.

Ein Zwillingsprojekt dazu verfolgt Swetlana Alexijewitsch zuletzt in ihrem Chorroman "Secondhand-Zeit". Ja, es ist ein Chor, Gespräche mit Menschen, die aus der Zeit gefallen sind. Sie sind houellebecqsche Helden des Ostens, Menschen, die mit der plötzlichen Freiheit nichts anzufangen wissen, die wie Billardkugeln durch diese Nachsowjetzeit taumeln, auf der Suche nach einem Geländer, nach Wegweisern im Getümmel. "Alle waren berauscht von der Freiheit", schreibt Alexijewitsch, "aber nicht bereit für die Freiheit." Die Schriftstellerin als Fragende und als Teilnehmerin der Geschichte. Sie schreibt: "Die Barrikade ist ein gefährlicher Ort für einen Künstler. Eine Falle. Dort verdirbt man sich die Augen, die Pupille verengt sich, die Welt büßt ihre Farben ein. Dort ist die Welt schwarz-weiß. Von dort aus sieht man den Menschen nur noch als schwarzen Punkt, als Zielscheibe. Ich stand mein Leben lang auf Barrikaden, und ich möchte weg davon. Möchte lernen, mich am Leben zu freuen. Wieder normal zu sehen. Aber Zigtausende gehen erneut auf die Straße. Nehmen sich bei den Händen. Sie tragen weiße Bänder an den Jacken. Ein Symbol der Wiedergeburt. Des Lichts. Und ich gehe mit." Liao und Alexijewitsch sammeln und komponieren nicht bereits vorhandenes Material. Sie sind selbst Sammler. Teilnehmer der Geschichte.

Wir sind im Zeitalter der totalen, der rasend schnellen, millionenfachen Information. Die Suche nach der Wahrheit macht das nicht leichter. Manche Lüge vervielfältigt sich so oft, bis sie als Wahrheit gilt. Auch das hat Salman Rushdie erlebt: "Wie so viele falsche Behauptungen, die zu Beginn des Zeitalters der Information (oder Desinformation) ins Kraut schossen, wurden sie allein durch Wiederholung wahr. Erzähle einmal eine Lüge über einen Menschen, und viele werden die nicht glauben. Erzähle die Lüge eine Million Mal, und man wird dem Menschen selbst nicht mehr glauben."

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

Von der Verbesserung der Welt mit allen Mitteln erzählt der beunruhigendste Zukunftsroman unserer Epoche, "Der Circle" von Dave Eggers. Eggers hatte im Jahr 2000 den sehr traurigen, lustigen, echten Roman seiner eigenen Familie veröffentlicht und ihn einfach "Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität" genannt, was es dann einfach auch war. Dann beschloss er, über sich selbst zu schweigen und interessantere Geschichten zu schreiben, zum Beispiel die Fluchtgeschichte von Valentino Achak Deng, dem Helden seines Wirklichkeitsromans "Weit Gegangen", und jetzt also "Der Circle", der Roman über unser Informationszeitalter. Eigentlich ein Kolportageroman, eher holzgeschnitzte Figuren, klare Story: Die Geschäftsfelder der Kommunikationskonzerne Google, Facebook, Apple werden im neuen Weltkonzern "Circle" zusammengeführt. In diesem Konzern werden - ein bisschen wie in unseren Chorromanen - Stimmen gesammelt, von allen Menschen, jederzeit, aus aller Welt und live, aber das Ziel ist hier nicht Gegenwirklichkeit. Das Ziel ist der totale Roman. Das Ziel ist die totale Überwachung. Der maximale Gewinn. Der Kreis schließt sich. Und die Menschen geben ihre einst mühsam erkämpfte Freiheit freiwillig auf. Sie hätten nichts zu verbergen, sagen sie. Das Geschenk, das es bedeutet, im Verborgenen zu leben, ein Geheimnis zu haben, frei zu sein, das werden sie erst erkennen, nachdem der Kreis geschlossen ist. Die suggestive Kraft dieses Romans ist so stark, dass der Leser die Zukunft ganz nah sieht.

Es scheint fast so, als hätte dieser norwegische Berserker-Autor das Werk des Circle einfach selbst in die Hand genommen. Karl Ove Knausgård stellt sich selbst, sein Leben und das seiner Familie in seinem sechsbändigen Riesenwerk "Min Kamp" ins Schaufenster der Welt. Ein Entblößungsroman, die Geschichte vom Leiden und Kampf des modernen Mannes. Aber indem er es selbst, als Künstler, gestaltet, auf mehr als 3000 Ich-beschwörenden Seiten ausstellt, gewinnt er die Gestaltungsmacht über seine Geschichte zurück. Machtdemonstration des Ich. Und Knausgård tut damit einerseits nichts anderes, als was die ganze Welt im Informations- und narzisstischen Selbstdarstellungszeitalter auch tut, aber, und das macht sicherlich einen Teil der weltweiten Faszination dieses Werkes aus: Er posiert nicht. Er schreibt sich keine Heldenrolle zu, wie all die Facebook-Würstchen da draußen. Er zeigt sich als Leidender, als Kämpfender, oft genug als Lächerlicher, Jämmerlicher. Ja, da ist er, der Mann, der von sich und seinem Schreiben das Unbedingte fordert und erwartet und das auch aufschreibt, und auf der nächsten Seite sehen wir ihn als verklemmtes Hühnchen beim Abholen der Tochter von einem Kindergeburtstag. Es geht auch um den männlichen Mann von heute, was es ihn kostet, seine Männlichkeit aufzuweichen, um sich in einen femininen, zeitgemäßen Mann von heute zu verwandeln.

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

Vor allem geht es um Ehrlichkeit und um die Kunst, ein Leben fühlbar, mitlebbar zu machen. Einmal, im zweiten Band seines Riesenwerkes, liest er etwas von seiner Frau, Linda, sie ist auch Schriftstellerin, und er schreibt: "Wenn ich las, was sie schrieb, kam ich dem Menschen, der sie war, so nahe. Es kam mir vor, als würde das Ureigene, das sich in ihr bewegte, dann erst wirklich sichtbar. Im tagtäglichen Leben verschwand es in dem, was wir taten."

Das beschreibt den Schritt vom Realismus zum Surrealismus von Knausgårds Werk. Salman Rushdie hat es so beschrieben: "So etwas wie das 'gewöhnliche Leben' gibt es nicht", schreibt er in seiner Autobiografie. "Ihm hatte schon immer die Überzeugung der Surrealisten gefallen, laut der unsere Fähigkeit, die Welt als etwas Außergewöhnliches wahrzunehmen, durch Gewohnheit geschmälert wird. Wir gewöhnen uns daran, wie die Dinge sind, an die Alltäglichkeit des Lebens, und eine Art Staubschicht, ein Film legt sich über unseren Blick, weshalb die wahre, wundersame Natur des Lebens auf Erden verborgen bleibt. Zu den Aufgaben des Künstlers gehört es, diese blind machende Schicht fortzuwischen, unsere Fähigkeit zum Staunen zu erneuern."

Und am Ende ist da wieder dieser kleine Mann mit der zerknautschten Zigarette. Dichter unserer Zeit. Diesmal sehen wir ihn als zahnlose Karikatur mit Zauberhütchen auf dem Titelblatt eines Satiremagazins. "Im Jahr 2022 mache ich Ramadan" stand da. Es war der 7. Januar 2015, es war das Magazin "Charlie Hebdo", der Titelheld war Michel Houellebecq. Zwei maskierte Täter stürmten die Redaktionsräume und töteten elf Menschen, auf ihrer Flucht brachten sie einen Polizisten um. Es war der Tag, an dem Houellebecqs Roman "Unterwerfung" erschien. Und während weite Teile der westlichen Welt sich mit den Worten "Nous sommes Charlie" solidarisch erklärten, sagte der französische Regierungschef Manuel Valls: "Frankreich, das ist nicht die Unterwerfung. Frankreich ist nicht Houellebecq."

Was war geschehen? War Houellebecq schuld am Tod der Redakteure, Zeichner, des Polizisten? Was trieb einen Premierminister in der Stunde nationaler Solidarität dazu, einen Schriftsteller aus der Bürgergemeinschaft auszuschließen? Hatte Houellebecq Frankreich zur Unterwerfung unter den Islam aufgefordert? Wie hatte er das gemacht? Mit einem Roman?

"Unterwerfung" spielt im Jahr 2022, der Held heißt François, ist Literaturwissenschaftler, verliebt in die Werke des Décadence-Dichters Huysmans, überhaupt in die Literatur: "Allein die Literatur vermittelt uns das Gefühl von Verbundenheit mit einem anderen menschlichen Geist, mit allem, was diesen Geist ausmacht, mit seinen Schwächen und seiner Größe, seinen Grenzen, seinen Engstirnigkeiten, seinen fixen Ideen, seinen Überzeugungen; mit allem, was ihn berührt, erregt oder abstößt."

Das Frankreich, in dem er lebt, wird von einem Bürgerkrieg erschüttert. Rechte kämpfen gegen Muslime und Linke. François hält sich raus, er ist "politisiert wie ein Handtuch". Ein Sonderling, der vom komischen Zwang beherrscht wird, immer sagen zu müssen, was er sieht und denkt. Er kann irgendwie die normalen Kompromisse, die zu einem normalen, nicht in Isolation verbrachten Leben dazugehören, nicht machen. Seine Geliebte Myriam sagt zu ihm: "Du hattest immer so eine Art von anormaler Ehrlichkeit, eine Unfähigkeit, all die Kompromisse einzugehen, die den Leuten letztlich erlauben zu leben."

Das Zukunftsfrankreich, das Houellebecq schildert, ist ein erschöpftes Land, müde der Kompromisse, der Kämpfe und Abwehrkämpfe der vergangenen Jahre. Die Linke und eine gemäßigt muslimische Partei unter ihrem charismatischen Führer Mohammed Ben Abbes schließen sich zum Kampf gegen die Rechte zusammen und gewinnen. Der Muslimbruder wird Präsident, die Kämpfe sind vorbei. Eine Utopie? Eine Dystopie? Wer entscheidet das?

Sebastian Rether / DER SPIEGEL

Islam heißt Unterwerfung, Hingabe an den einzigen Gott. Auch Rushdie hatte in den "Satanischen Versen" die Religion mit dem übersetzten Begriff beschrieben. "Der Name der neuen Religion ist UNTERWERFUNG." Und seine Figur Baal hat eine Abschiedsode gedichtet: "Was für eine Art Idee / Scheint UNTERWERFUNG heut'? / Eine Religion in spe, / Eine Idee der Furchtsamkeit."

Romane erzählen uns von den Möglichkeiten der Welt. Wir spiegeln uns darin. Wir und unsere Zeit. Die besten Romane lesen sich, als ob sie Wirklichkeit wären. Sie sind es nicht. Sie sind Abbilder einer möglichen Welt. Es liegt an uns, den Lesern, diesen Visionen zu folgen oder andere Visionen zu schaffen. In der Dichtung und der Wirklichkeit.

Zum Schluss noch einmal Salman Rushdie, dessen Buch brannte und der selbst sterben sollte. Als ihm langsam klar geworden war, wie groß und fürchterlich die Wirkung seines Buches war, schrieb er am 22. Januar 1989 im "Observer": "Wie anfällig die Zivilisation ist, wie schnell, wie fröhlich doch ein Buch brennt! In meinem Roman versuchen die Figuren, Mensch zu werden, indem sie sich den großen Gegebenheiten stellen, der Liebe, dem Tod und (ob nun mit oder ohne Gott) dem Wirken der Seele. Außerhalb meines Romans aber beginnen die Mächte der Unmenschlichkeit zu marschieren."

SPIEGEL-Autor Volker Weidermann erklärt im Video den SPIEGEL-Kanon: Was muss man gelesen haben? Und was hat das alles mit Freiheit zu tun?

DER SPIEGEL
Mehr zum Thema
Newsletter
Bücher: Bestseller und Lesetipps


insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
RitaSchulthess 19.10.2016
1. Und ...
... kein Richard Powers?
Frank_Heckert 19.10.2016
2. Drei Mal Houellebecq ...
... war nix anderes da? Eine erwartbare und deshalb wenig inspirierende Auswahl. Das, was man halt so lesen sollte. So langweilig wie das Literarische Quartett - ohne Biller.
RalfHenrichs 19.10.2016
3. Leider fehlt den Kritikern die Ahnung, was Literatur eigentlich ist
In der Musik haben sich E und U mittlerweile angenähert, in der Literatur noch nicht. Ansonsten wäre es nicht möglich gewesen, dass DIE wichtigste Romanserie - Harry Potter - in dieser Liste nicht auftaucht. Packt ein "guter" Kritiker ja auch nur mit spitzen Fingern an. Solche Kritiker sollten sich aber einen anderen Job suchen. Schließlich hat kein Roman mehr Menschen in den letzten Jahren zusammengebracht, hat mehr Emotionen bei den Lesern geweckt, mehr Menschen zum Lesen verführt als dieser. Aber das zählt ja nicht. Was zählt sind Bücher, die praktisch niemand liest, weil man sich damit als Kritiker vom "einfachen Leser" abheben kann.
michwitz 19.10.2016
4.
Zitat von RalfHenrichsIn der Musik haben sich E und U mittlerweile angenähert, in der Literatur noch nicht. Ansonsten wäre es nicht möglich gewesen, dass DIE wichtigste Romanserie - Harry Potter - in dieser Liste nicht auftaucht. Packt ein "guter" Kritiker ja auch nur mit spitzen Fingern an. Solche Kritiker sollten sich aber einen anderen Job suchen. Schließlich hat kein Roman mehr Menschen in den letzten Jahren zusammengebracht, hat mehr Emotionen bei den Lesern geweckt, mehr Menschen zum Lesen verführt als dieser. Aber das zählt ja nicht. Was zählt sind Bücher, die praktisch niemand liest, weil man sich damit als Kritiker vom "einfachen Leser" abheben kann.
... zählt doch und deswegen ist "Harry Potter" auch mit auf der Liste. Gestehen Sie nun den Kritiker zu, sein Handwerk zu können? Ach ja - man darf davon ausgehen, dass Dürrenmatt, Jelinek oder Roth, den ein oder anderen Leser haben. Mit Charlotte Roche, Uwe Tellkamp oder Wolfgang Herrndorf wird die Liste dazu noch sehr ausgewogen. Mir gefällt sie.
ecki in mexico 20.10.2016
5. Da ist einiges dabei, aber...
Houllebecq, Bolaño, Roth, Mantel, Ishiguro (lieber auf English, denn seine Sprache ist einmalig) auf jeden Fall. Oft scheint es jedoch eher um die politische Dimension und den grossen Aufschrei zu gehen, wie im Fall Rushdie oder den vielen "Migranten bzw. Migrationsromanen". Mir fehlen ganz klar Donna Tartt, Jean Marie Gustave Le Clezio, Peter Stamm, Aravindh Adiga, Richard Russo anstelle von Franzen, Richard Ford, eher "Faserland" als "1979" von Kracht. Was ist mit T.C. Boyle? Wo ist David Foster Wallace (muss ja nicht gleich "Infinite Jest" sein - "This is Water" haette gereicht)? Roberto Saviano (auch wenn er keine Romane schreibt)?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© DER SPIEGEL 42/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.