Näherin Mushamat Sokina Begum "Ich bin so glücklich"
Als im April ein Fabrikgebäude in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, einstürzt, hat die Näherin Mushamat Sokina Begum Glück im Unglück: Sie überlebt die Katastrophe, bei der mehr als 1100 Menschen sterben. Nach drei Stunden unter den Trümmern wird sie gerettet.
Danach berichtet sie voller Wut im SPIEGEL, wie wenig sich die Fabrikbesitzer um die Arbeitsbedingungen scheren und wie schlecht die Arbeiterinnen behandelt werden.
Und sie sagt: "Schön wäre es, wenn ich eine eigene Nähmaschine hätte. Das wäre eine Existenzgrundlage. Dann könnte ich von zu Hause aus arbeiten und Aufträge annehmen. Ich kenne Frauen, die das so machen. Aber ich kann mir keine Nähmaschine leisten. Das Gehalt meines Mannes reicht hinten und vorne nicht. Ich möchte genug verdienen, um meinen Kindern eine Ausbildung zu finanzieren. Ich möchte ihnen eine bessere Zukunft ermöglichen."
Es sind diese Sätze, die viele Leser bewegen. Sie schreiben, dass sie gerne spenden würden, damit Mushamat Sokina Begum eine Nähmaschine bekommt. Manche wollen ihr ungenutztes Gerät nach Bangladesch schicken und fragen, ob wir eine Adresse nennen könnten. Am Ende entscheiden wir uns wegen der Vielzahl der Anfragen, ein Spendenkonto einzurichten. Obwohl es nie einen Spendenaufruf gab, kommen allein wegen des aufrüttelnden Berichts von Begum mehr als 6000 Euro zusammen.
Am vergangenen Dienstag haben Sie, die Leser, damit Mushamat Sokina Begum einen Traum erfüllt: Sie hat eine Nähmaschine bekommen. Ihr Mann Abdul Motin erhielt eine Fahrradrikscha - bislang musste er eine Rikscha mieten, um damit Lasten zu transportieren. "Ich bin so glücklich, dass ich nicht wieder in eine dieser schrecklichen Fabriken muss", sagt Begum. "Jetzt kann ich von zu Hause aus arbeiten."
Übergeben hat die Spenden der Fotograf Tushikur Rahman, der auch für den SPIEGEL in Bangladesch arbeitet. Nähmaschine und Rikscha kosteten umgerechnet etwa 400 Euro. Das verbleibende Geld soll den Familien von Opfern des Fabrikeinsturzes zugute kommen.
Wir haben die Leserspenden daher an die Organisation der Aktivistin und Fotografin Taslima Akhter weitergeleitet, die sich seit Jahren um die Belange der Näherinnen und Näher in Bangladesch kümmert. So soll zum Beispiel dem Arbeiter Sheikh Juel geholfen werden, der bei dem Unglück beide Beine verlor. Seine Frau erwartet in den kommenden Tagen ein Kind, doch Juel kann die Arztrechnungen nicht bezahlen, da er nicht mehr arbeiten kann. Mithilfe der Spenden soll nun die medizinische Versorgung von Juels Frau und des Kindes gewährleistet werden.
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Fläche: 147.570 km²
Bevölkerung: 149,772 Mio.
Hauptstadt: Dhaka
Staatsoberhaupt: Abdul Hamid
Regierungschefin: Sheikh Hasina
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