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Helmut Berger küsst auch nicht jeden

Helmut Berger aus SPIEGEL 51/2012 Zur Großansicht
Dieter Mayr / DER SPIEGEL

Helmut Berger aus SPIEGEL 51/2012

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Ich war auf heftigsten Körperkontakt gefasst, als ich Ende November nach Salzburg flog, um einen Abend mit dem einstigen Weltstar Helmut Berger zu verbringen, der nun so weit abgestiegen ist, dass er für RTL ins Dschungelcamp einziehen soll.

Ein Kollege, der für das Magazin "Park Avenue" einmal mehrere Tage mit ihm verbrachte, hatte mir von seinen Berger-Erlebnissen berichtet: Er musste für ihn einen Aschenbecher klauen, sich als Trottel beschimpfen lassen - und wurde am Ende von ihm geküsst. Den Verleger Oliver Schwarzkopf, der gerade einen Band mit Fotos vom göttlich schönen jungen Berger herausgebracht hat, knutschte der 68-Jährige vor versammelter Presse, was Schwarzkopf später als "Kuss des Todes" bezeichnete, weil er danach zwei Wochen lang grippekrank darniederlag.

Mich dagegen fand Berger einfach nur doof. Kein Kuss. Keine Annäherungen.

Nicht, dass ich sie vermisst hätte. Aber dass Berger so gelangweilt, müde, angegriffen, ja: fertig mit der Welt wirkte, hat mich schon irritiert. Am Tag vor unserem Treffen hatte ich noch einmal das Vier-Stunden-Epos "Ludwig II." angeschaut mit Berger als Märchenkönig. Und auf YouTube seinen Auftritt in den neunziger Jahren bei Harald Schmidt, da machte er den dicken Maxe, trug eine getönte Brille, rief nach Champagner und lästerte über Schmidt.

Von dieser Souveränität schien an diesem Abend in Salzburg nichts mehr durch.

Tags darauf fuhr ich zu dem Haus, in dem Berger zwei Zimmer bewohnt. Es liegt an einer Durchfahrtsstraße und schaut ziemlich trist aus. Bekannte von ihm erzählten mir, dass er seine Behausung selten verlässt, meist im Sessel sitzt, fernsieht. Ich habe dann versucht, meinen Text über Berger als Mischung aus Komödie und Sozialdrama anzulegen.

Ein gemeinsames Foto, wie sonst bei ähnlichen Begegnungen für den SPIEGEL üblich ist, gibt es nicht. Es war Mühe genug, Berger überhaupt dazu zu bringen, sich fotografieren zu lassen, dass wir darauf verzichtet haben.

Alexander Kühns Bericht über Helmut Berger lesen Sie im aktuellen SPIEGEL: "Heute kein König".

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3 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
troy_mcclure 20.12.2012
Celestine Trueheart 20.12.2012
dameohnehund 20.12.2012

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