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Wie aus der "roten Gruppe" plötzlich "Bild" wurde

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Manchmal machen es Journalisten Pressestellen einfach, Nachrichten im Sinne des Unternehmens umzudeuten. Vorvergangenen Sonntag erschien meine Recherche über die Axel Springer AG und aktuelle Sparüberlegungen bei der "roten Gruppe" ("Bild", "Bild am Sonntag", "B.Z.").

Unter dem Titel "Die Platt-Macher" beschreibe ich, dass bis zu 200 Stellen wegfallen könnten und um ein Sparvolumen von bis zu 20 Millionen Euro debattiert wird. Bereits am Mittwoch hatte ich erstmals die Konzernsprecherin Edda Fels mit meinen Erkenntnissen konfrontiert, am Donnerstag bekam sie einen umfangreichen Fragenkatalog zugesandt. Die Antwort fiel eher knapp aus. Am Sonntag, nachdem die Vorab-Meldung zum Text auf SPIEGEL ONLINE erschien, konfrontierten andere Journalisten die Presseabteilung des Springer-Konzerns. Dort antwortete ein Sprecher, etwa der "Süddeutschen Zeitung":

"Die vom Spiegel genannten Zahlen zu Sparplänen und Personalabbau bei Bild seien aber nicht korrekt und ohnehin viel zu hoch. Ob und in welchem Umfang in diesem Zuge Stellen abgebaut und in welchen Bereichen wiederum aufgebaut werden, wird derzeit in verschiedenen Szenarien diskutiert."

Nun ist das zwar kein Dementi, aber auch keine Reaktion auf das, was ich geschrieben habe. Für "Bild" mag richtig sein, dass über ein Sparprogramm in dieser Höhe nicht diskutiert worden ist. Was ich aber geschrieben habe ist, dass es um die "rote Gruppe" geht, also neben "Bild" auch um die "B.Z." und die "Bild am Sonntag". Wörtlich heißt es in meinem Text:

" Die Sparpläne betreffen nicht etwa in erster Linie die wirtschaftlichen Sorgenkinder des Zeitungsbereichs wie die "Welt" oder die "Berliner Morgenpost". Sie zielen vielmehr ins publizistische Herz der intern als "rote Gruppe" benannten Boulevardblätter "Bild" und "Bild am Sonntag" und "B.Z.". Wie mehrere mit den Verhandlungen vertraute Springer-Leute bestätigen, geht es bei den aktuell diskutierten Sparszenarien um ein Volumen von bis zu 20 Millionen Euro. Die Quellen, die anonym bleiben wollen, sprachen übereinstimmend von 170 bis 200 Stellen, die bei der "roten Gruppe" im Zuge des Kostensenkungsplans wegfallen könnten."

Die Überlegungen basieren auch und vor allem darauf, Synergien zu nutzen. Diese Denkweise ist bei Springer nicht unbekannt, etwa die "Berliner Morgenpost", das "Hamburger Abendblatt" und die "Welt-Gruppe" haben damit Erfahrungen. In meinem Text nenne ich zudem zwei konkrete Überlegungen, die beide die "rote Gruppe" und nicht "Bild" isoliert betreffen:

" Ein dort diskutiertes Szenario sieht etwa vor, die "B.Z.", größte Zeitung Berlins, mit "Bild Berlin-Brandenburg" zusammenzuführen. Der Lokalteil der Berliner "Bild" würde dann zusammen mit der "B.Z." erstellt.

Das würde nach Ansicht der Springer- Oberen ermöglichen, bei der personell vergleichsweise gut aufgestellten Berliner "Bild"-Ausgabe Kosten zu kappen. Allein die Lokalausgabe der Hauptstadt wird bislang noch von etwa 60 Journalisten produziert. Ihre verkaufte Auflage liegt bei nicht mal 90.000 Exemplaren - rund zwei Drittel davon werden zudem im Brandenburger Umland und nicht in Berlin verkauft.

Auch die konkreten Mittel und Wege, sich von Mitarbeitern zu trennen, wurden unter Vorstandsbeteiligung bereits durchgespielt. Eine diskutierte Variante sah offenbar vor, "Bild"-, "Bild.de"- und "B.Z."-Redakteure in eine gemeinsame Gesellschaft zu überführen - etwa in die Bild Digital GmbH.

Dort arbeiten die Beschäftigten ohne Tarifbindung und auch sonst zu oft deutlich schlechteren Konditionen als ihre traditionellen Printkollegen. Dazu wird es wohl eine Reihe Kündigungen geben, auf die der Konzern sich bereits eingerichtet hat: 50 Millionen Euro hat Springer dieses Jahr für Strukturanpassungen zurückgestellt - ein Teil davon für Sozialpläne."

Abschließend sei vielleicht noch erwähnt, dass sich Springer nach Erscheinen des Textes mit mir nicht mehr über das Stück unterhalten hat. Offenbar sah man wenig Klarstellungsbedarf.

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