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Der Mann, der sagt, was Dirk Nowitzki sagt

Cathrin Gilbert mit Dirk Nowitzki (links) und Holger GeschwindnerZur Großansicht
Dieter Mayr / DER SPIEGEL

Cathrin Gilbert mit Dirk Nowitzki (links) und Holger Geschwindner

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Ein Interview mit Dirk Nowitzki ist ein Geduldspiel, von der ersten bis zur letzten Sekunde. Das liegt nicht an Dirk Nowitzki, sondern an seinem Berater Holger Geschwindner. Der Einstieg ist immer der gleiche: Das Gespräch beginnt während der Autofahrt mit Geschwindner.

Auch diesmal fährt der 66-Jährige in seinem Mercedes-Kombi von Bamberg nach Randersacker und brieft, einen Pappbecher mit Kaffee in der Hand, seine Beifahrerin. Er erzählt mir von den Bemühungen eines amerikanischen Präsidentschaftskandidaten, Nowitzki für seinen Wahlkampf zu gewinnen und von der "Bild"-Zeitung, die die Hochzeit seines Schützlings mit der Galeriemanagerin Jessica Olsson gleich dreimal hintereinander verkündet habe, "nur, um als erste mit der Nachricht um die Ecke zu kommen".

Zwei Stunden später sitze ich auf dem verstaubten Boden einer fränkischen Turnhalle: Sportanlage Sonnenstuhl in Randersacker. Draußen geht gerade die Sonne über den Weinbergen auf, hier drinnen flackert Neonlicht, es riecht nach Schweiß und Gummi. Dirk Nowitzki versenkt 90 Minuten lang einen Ball nach dem anderen, wirft mit links genauso sicher wie mit rechts.

Unter dem Korb tänzelt Holger Geschwindner in ausgeleiertem blauem Shirt und Schlabberhose, fängt die Bälle auf und passt sie zurück. Als ein Wurf den Korb verfehlt, wirft Nowitzki die blonden Locken in den Nacken und schreit: "Leck mich doch am Arsch" und wiederholt den Wurf gleich neunmal - und trifft neunmal.

Mehr wird nicht geredet. Nowitzki und Geschwindner, ein außergewöhnliches und außergewöhnlich erfolgreiches Duo im deutschen Profisport - die beiden scheinen sich ohne Worte zu verstehen.

Nach den Training setzen sie sich zu mir auf den Hallenboden und sprechen über ihre persönlichen Schiffbrüche, über Liebes-Enttäuschungen, ferngesteuerte Hollywood-Sternchen und ein Leben nach der Profi-Karriere. Es gibt wenige Interviewpartner, die so locker und ehrlich erzählen können wie Dirk Nowitzki.

Ein Interview mit Dirk Nowitzki endet jedoch erst nach einem zähen Autorisierungsakt - natürlich übernimmt das Holger Geschwindner. Wie sorgfältig der Nowitzki beschützt, spürt man in dieser finalen Phase vor der Veröffentlichung des Interviews. Dieses Mal zieht sich der Prozess über eineinhalb Wochen hin. Die erste Deadline lässt Geschwindner verstreichen, weil die Entlassung Dirk Bauermanns, des ehemaligen Trainers des Basketballbundesligisten Bayern München, die ganze Szene durcheinanderruckeln könnte und das Gespräch möglicherweise zum geplanten Erscheinungstermin nicht mehr aktuell wäre. Außerdem müsse er eine eigens verfasste Biographie über Nowitzki Korrektur lesen und sich um einen Bekannten kümmern, der nach dreifacher Bypass-Operation im Krankenhaus liege.

Wir verabreden uns zu Beginn der darauffolgenden Woche zur persönlichen Autorisierung in Bamberg. Mit Kugelschreiber hat Geschwindner in der ursprünglichen Fassung herumgemalt. An manchen Stellen hat er "Quatsch" an den Rand gekritzelt, die amerikaspezifischen Aussagen kürzt er knallhart zusammen, "weil die Amis dieses Gespräch eins zu eins übersetzen und dem Dirk jede politische Aussage um die Ohren fliegen würde." Zweieinhalb Stunden lang dauert der Prozess, am Ende haben wir jedes Wort mindestens zweimal herumgedreht.

Das Ergebnis lesen Sie im aktuellen SPIEGEL.

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7 Leserkommentare
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Jan_der_Wolf 10.10.2012
Frau Gilbert, ist der Autorisierungsprozess denn auch in einem schwierigen Fall wie diesen (Geschwinder) sinnvoll im Sinne des Eintrags Herr Tumas?
moki13 10.10.2012
Nichts gegen die Arbeit der Autorin. Aber bei so einem elenden Autorisierungsprozess mit so vielen Änderungen fragt man sich doch, was ein solches Interview im Wortlaut überhaupt noch wert ist. Der Ehrlichkeit halber sollte man dem Gesprächspartner einfach die Fragen per Mail schicken. Dann kann er sie schriftlich beantworten und gut is... Vielleicht brauchen wir aber als Journalisten auch wieder den Mut, einem Gesprächspartner zu sagen: So nicht. Wenn Sie das Interview bis zur Unkenntlichkeit verschandeln, dann drucken wir es eben nicht. Und mag der Interviewte an sich noch so nett sein...
cathringilbert 10.10.2012
Gerade in diesem Fall ist es sinnvoll, da bin ich ganz auf der Linie des Kollegen, denn durch den Aufwand entsteht eine besondere Dramaturgie und Tiefe - finden Sie nicht?
Jan_der_Wolf 10.10.2012
Ich frage mich bloß, ob diese Dramaturgie und Tiefe dann noch authentisch ist, wenn "jedes Wort mindestens zweimal herumgedreht" wurde. Ist es?
Ulrike_maier 11.10.2012
Also ich kann die Autorisierungsmühe nachvollziehen. Denn meiner Meinung nach kann nur durch eine so sorgfältige Arbeit und Auseinandersetzung mit den Gesprächspartnern die Bedeutung und Relevanz der SPIEGEL-Gespräche gehalten werden.
rainers.punkt 12.10.2012
Die Interviewautorisierung bzw. -redigierung respektive Verfälschung ist einer der wahrlich miesen Fakten am sonst durchaus guten deutschen Journalismus. Aber leider ist es inzwischen Usus und vermutlich nur sehr schwer zurückzudrehen.
Warum nicht einfach den aufgenommenen O-Ton im Original mit veröffentlichen? Im Radio und im Fernsehen sind Autorisierungen schlichtweg unbekannt.

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