SPIEGELblog

Wer auf Google für Tabakprodukte werben darf - und wer nicht

Screenshot: Werbung für E-Zigaretten auf Google
DER SPIEGEL

Screenshot: Werbung für E-Zigaretten auf Google

 |

Wir befassen uns in der aktuellen Titelgeschichte ausführlich mit der Frage, warum Sie bei Google finden, was sie finden - und warum vor allem die Suche nach Produkten und Dienstleistungen die Trefferlisten produziert, die Sie bei Google vorfinden.

Einer der Vorwürfe, die wir bei unserer Recherche häufig gehört haben, ist das Google seine Großkunden bevorzugen. Wir haben das im Text am Beispiel eines konkreten Beispiels beschrieben.

Till Hermann, der Chef von Steamo, vertreibt so genannte E-Zigaretten, also nicht ganz unumstrittene Geräte, mit denen man verdampfte Flüssigkeiten inhalieren kann. Er schaltete bei Google AdWords, also suchwortbezogene Werbung. Das System ist recht ausgeklügelt, eine begleitende Grafik zu unserer Heftgeschichte, findet sich hier.

Doch eigentlich hatte Hermann mit dem Schalten von Werbung für seine elektrischen Glimmstengel gegen eine Google-Regel verstoßen. Die lautet kurz zusammengefasst: für Tabakprodukte darf nicht geworben werden, auch nicht für E-Zigaretten. So erreichte ihn ihn per Mail eine "letzte Warnung": "Es ist uns nicht entgangen, dass Sie trotz mehrfacher Ablehnung wiederholt Anzeigen übermittelt haben, die gegen unsere Richtlinien im Hinblick auf Tabakprodukte verstoßen. Verstehen Sie diese Mitteilung als letzte Warnung."

Das ist zwar ein forscher Ton gegenüber einem Anzeigenkunden, der nicht gegen geltende Gesetze, sondern nur von Google erlassene Regeln verstößt, aber soweit noch logisch.

Nicht ganz so nachvollziehbar war es für uns allerdings, dass in der vorigen Woche bei Eingabe des Stichworts "E-Zigarette" sehr wohl eine entsprechend gekennzeichnete und farblich hinterlegte Anzeige zu genau diesem "Adword" an Position eins der Trefferliste landete. Nicht von Steamo allerdings, sondern von Amazon, das über seine Plattform auch die Produkte Dritter vertreibt. Darunter eben auch E-Zigaretten.

Till Hermann sagte uns, er sei "wütend" ob dieser Ungleichbehandlung, was, wie wir bei der Recherche erfahren haben, einige Courage erfordert. Andere Unternehmer, mit denen wir sprachen, wollten nicht zitiert werden, aus einer Angst, die der Vorstandsvorsitzende von der Sendergruppe ProSiebenSat.1 neulich so beschrieb: "Fast niemand weiß, warum ein Suchergebnis unter den ersten zehn Treffern erscheint. Aber wir alle wissen, dass ein Ergebnis dort nicht mehr auftauchen könnte, wenn man sich mit Google anlegen würde".

Wir haben Google für unseren Text auch mir dieser Frage konfrontiert. Das Unternehmen antwortete wie folgt: "Google gestattet keine Werbung für Tabakersatzstoffe oder Zigarettenalternativen wie elektronische Zigaretten, selbst wenn diese als Hilfsmittel für den Rauchverzicht beworben werden. Leider können bei den vielen Milliarden Anzeigen, die jedes Jahr bei Google geschaltet werden, immer einmal solche Richtlinienverstöße vorkommen. Wenn wir davon erfahren, reagieren wir entsprechend, wie in diesem Fall."

Tatsächlich ist das mittlerweile geschehen. Gibt man nun "E-Zigarette" in das Suchfenster ein, gibt es keinerlei Anzeigen zu dem Thema. Bleibt die Frage, bei wie vielen ähnlich gelagerten Fällen noch Anzeigen laufen. Hinweise nehmen wir gern entgegen.

Diesen Artikel...
4 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
googui 25.10.2012
stagerbn 25.10.2012
Isdaron 05.11.2012
Isdaron 05.11.2012

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH