Im neuen SPIEGEL Syrien - Assads kaltes Kalkül; NSA-Affäre - neue Erkenntnisse; Tschetschenien - Ansturm der Belogenen
Fast alle Indizien sprechen dafür, dass Syriens Präsident Baschar al-Assad Giftgas gegen sein Volk einsetzte - als Bestrafung, gegen Kinder, Frauen, Unschuldige. Die Bilder sind erschütternd. Und erschütternd sind auch die ersten Augenzeugenberichte, die mein Kollege Christoph Reuter einsammeln konnte, unter großen Schwierigkeiten, denn das Regime hat das Gebiet für Journalisten abgeriegelt.
Ist Assads Kalkül aufgegangen? War das der große Schlag? Der Auftakt zu einem noch brutaleren Krieg? So sieht es aus. Gleichwohl zögert der Westen, militärisch einzugreifen. Doch wenn der Einsatz von Massenvernichtungswaffen nicht um sich greifen, gleichsam zum Repertoire jedes Diktators gehören soll, muss genau dies geschehen.
Seit mehr als zwei Monaten beschäftigen sich die amerikanische Dokumentarfilmerin Laura Poitras sowie meine Kollegen Marcel Rosenbach und Holger Stark mit internen Dokumenten des amerikanischen Geheimdienstes NSA, die aus dem Archiv von Edward Snowden stammen. Eine solche Beschäftigung kann gelegentlich unangenehm werden. Am vorvergangenen Wochenende erlebte Poitras, wie der Partner ihres Kollegen Glenn Greenwald auf der Rückreise von Berlin neun Stunden lang am Londoner Flughafen Heathrow festgehalten wurde. Der Druck, der auf Journalisten ausgeübt wird, wird den SPIEGEL jedoch nicht von seiner Berichterstattung abhalten. Stark hatte kürzlich, auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus, von Obama gehört, die NSA tue nichts, als Terroranschläge zu verhindern - ein eklatanter Gegensatz zu dem, was aus den Snowden-Dokumenten hervorgeht. Stark sprach in New York mit Diplomaten der EU sowie der Uno und besichtigte die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, die die EU nach einem SPIEGEL-Bericht Anfang Juli über die NSA-Aktivitäten eingeführt hatte. "Die Diplomaten scherzen gern darüber, dass sie belauscht werden", sagt Stark, "aber wenn es tatsächlich so kommt, reagieren sie erstaunlich betroffen."
Ob man als Asylbewerber tatsächlich ein Stück Land in Deutschland bekäme - gleich nach der Ankunft? Und wie hoch das Begrüßungsgeld sei? Ob man auch mit einer Begrüßungs-Wohnung rechnen könne? Nicht immer waren die Fragenden so anspruchsvoll, doch oft genug musste SPIEGEL-Korrespondent Benjamin Bidder Rede und Antwort stehen: In Grosny kursiert das hartnäckige Gerücht, tschetschenische Asylbewerber seien in Deutschland hochwillkommen. Erschreckend viele haben in ihrer Heimat Häuser und Autos verkauft, um die Reise zu bezahlen; in Deutschland sind bereits mehr als 10.000 Tschetschenen angekommen. Die meisten von ihnen werden zurückkehren müssen, wie Bidders Kollege Maximilian Popp recherchierte. Und woher stammt das Gerücht? "Mal heißt es, al-Qaida habe es in die Welt gesetzt, um Kämpfer nach Deutschland zu schleusen, mal sei es Russlands Geheimdienst gewesen, der die Tschetschenen loswerden wolle", sagt Bidder.
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Klaus Brinkbäumer
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