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Zur Einheit des Orts: Eine Korrektur zur Reportage "Asadullahs Spiel"

Asadullah Rezai Zur Großansicht
Lela Ahmadzai / DER SPIEGEL

Asadullah Rezai

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Ich habe im SPIEGEL vor drei Wochen aus Afghanistan über den ersten landesweiten Fußball-Wettbewerb berichtet. Der Fernsehsender Tolo TV hat dafür mittels einer Casting-Show acht Mannschaften aus allen Landesteilen zusammengestellt, die im September und Oktober in Kabul gegeneinander antraten. Das Projekt bringt Angehörige ehemals verfeindeter Volksgruppen auf dem Fußballplatz zusammen, hat Millionen von Fernsehzuschauern erreicht und im Land eine Fussball-Euphorie ausgelöst.

Für die Reportage habe ich mich auf den Spieler Asadullah Rezai konzentriert, einen jungen Mann aus der besonders umkämpften Provinz Helmand, der nur Wochen vor dem Turnier bei einem Taliban-Anschlag von einem Bombensplitter getroffen wurde. Der Text erzählt die Geschichte dieses Spielers, der sich für seinen Sport in Lebensgefahr begibt. Es geht um ein erstaunliches und hoffnungsvolles Friedensprojekt in einem kriegsversehrten Land, um den Versuch, mittels Fussball eine Gesellschaft zu vereinen.

Der Text beginnt mit der Schilderung einer Hinrichtung aus dem Jahr 1999, als radikalislamistische Taliban auf dem Rasen des Ghazi-Fussballstadions vor Publikum eine Frau hinrichteten, und beschreibt darauf den Spieler Rezai während des Halbfinalspiels am selben Ort. Die Einstiegsszene beschwört die Symbolkraft der Veränderung: damals Exekution, heute Friedensprojekt, im selben Stadion.

Die Spiele der Afghan Premier League fanden jedoch nicht auf dem Hauptplatz statt, sondern auf einem Platz direkt daneben. Dieser benachbarte Platz, den ich als Teil derselben Sportstätte wahrnahm, trägt einen eigenen Namen, nämlich AFF-Stadion (für Afghanistan Football Federation), was mir nicht bewusst war. Erst eine Leserin, die Kontakt zu afghanischen Journalisten hat, machte mich nach Erscheinen des Artikels darauf aufmerksam. Alle, mit denen ich vor Ort zu tun hatte, nennen die ganze Anlage "Ghazi", beziehen also den neuen Platz daneben in die Bezeichnung mit ein. Bei den beiden Szenen, die ich am Anfang des Textes parallel beschreibe, bin ich von einer bedeutungsmässigen Einheit des Ortes ausgegangen, so wie man "Wimbledon" sagt, auch wenn auf verschiedenen Feldern gespielt wird.

Auf dem Platz des Ghazi-Stadions, der ehemaligen Hinrichtungsstätte, fanden die Trainingsspiele der Mannschaften statt, hier habe ich die Spieler während mehrerer Tage beobachtet, hier führte ich etliche Interviews. Auf diesem Platz finden Fussball-Spiele statt, etwa solche von lokalen Kabuler Mannschaften. Der Platz war für mich und auch für die Spieler der Mittelpunkt dieser wochenlangen Veranstaltung. Für die Wettbewerbsspiele der Afghan Premier League selbst mussten die Spieler aber jeweils auf den Platz neben dem Hauptstadion ausweichen. Die Organisatoren erklärten das so: Für die ersten Wettbewerbsspiele, für welche wenig Zuschauer erwartet wurden, wären die Tribünen des Hauptplatzes zu gross gewesen. Als man aber, wie es geplant war, für die Halbfinal- und Finalspiele wieder auf den Hauptplatz wechseln wollte, weigerte sich die Fernsehproduktionsfirma das ganze Equipment für die Live-Übertragung ab- und neu aufzubauen.

Insofern haben Erschiessung und Halbfinale nicht im selben Stadion stattgefunden, da die beiden Plätze offiziell verschiedene Namen haben. Der SPIEGEL hat in der Ausgabe 46 eine Korrektur gedruckt.

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Sinan_A. 14.11.2012

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