"Blutendes Badener Herz" Was uns Leser zum SPIEGEL 31/2015 geschrieben haben

Von , Leiterin Leser-Service


Wir haben uns geirrt. Und Sie haben es gemerkt. SPIEGEL-Redakteur Jan Fleischhauer hat in seiner Kolumne "Der schwarze Kanal" ("Mr Pickelhaube") über das Bild von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der Weltöffentlichkeit folgenden Satz geschrieben: "Wie alle Schwaben kann er außerdem rechnen, was nicht brutal, sondern vernünftig ist."

Die große Mehrheit der über 20 Leser, die uns zu diesem Beitrag geschrieben haben, monierte die falsche Zuordnung des Finanzministers zur Stammesgruppe der Sueben. Einige von ihnen als Mit-Betroffene: "Viele Menschen sagen Herrn Schäuble sicherlich viel Schlechtes nach. Dass Sie ihn aber zum Schwaben machen, geht doch etwas zu weit. An dieser Stelle blutet mir als Badener das Herz." Ein anderer Leser streicht die Vorzüge der Bewohner Badens heraus, darunter ihre Rechenkünste: "Auch wir Badener können gut rechnen, nur ist dies bundesweit nicht so bekannt." Außerdem führt er mit einem Anflug vom Lokalstolz aus: "Die Badener sind bekannt für ihre gute Küche, Weine und für ihre revolutionäre Ader (badische Revolution 1848/49, Anti-AKW-Bewegung Wyhl Kaiserstuhl - und dies alles lange vor der schwäbischen erfolglosen Anti-Stuttgart-21-Bewegung)".

Ein Mannheimer Leser - (liegt "in Baden-Württemberg, aber nicht in Schwaben") - dreht den Spieß sogar humorvoll um: "Offenbar ist die Tatsache, dass Baden-Württemberg mitnichten nur aus Schwaben besteht, immer noch nicht in Schleswig-Holstein, oder wo auch immer dieses Hamburg liegt, angekommen."

Auch uns machen Fehler, die im Heft stehen, unglücklich. Denn wir verwenden viel Zeit darauf, für die Richtigkeit aller Fakten, die im SPIEGEL genannt werden, zu sorgen. Hauptverantwortlich für die sogenannte "Verifikation" ist die SPIEGEL-Dokumentation. Dort sitzen 70 spezialisierte und fachlich hochqualifizierte Dokumentationsjournalistinnen und -journalisten, die neben der Zuarbeit bei der Recherche auch alle SPIEGEL-Manuskripte auf Plausibilität, Faktenkorrektheit (unter anderem bei Namen und Daten) und genaues Zitieren prüfen. Jede redaktionelle Zeile, die der SPIEGEL veröffentlicht, wird diesem Fakten-Check unterzogen. Hierbei werden die von der Redaktion verwendeten Quellen sowie anderes, der Dokumentation vorliegendes Material miteinander und mit dem geschriebenen Text verglichen. Am Ende dieses Prozesses steht die "Übergabe" des Manuskripts an die Redaktion, was nichts anderes heißt, als dass die Dokumentarin oder der Dokumentar die sachlichen Änderungsvorschläge mit dem Hauptautor des Artikels bespricht. Die Korrekturen werden dann ins Manuskript übernommen, bevor dieses in die nächste Produktionsstufe geht.

So weit das übliche Verfahren, das sich im SPIEGEL-Alltag seit Jahrzehnten bewährt hat. Trotzdem unterlaufen auch uns mitunter Fehler, zum Beispiel bei Artikelkürzungen nach der Übergabe eines Manuskripts oder bei Angaben, über die man in der hektischen Produktionsphase leider nicht stolpert. Als Beispiel hierfür fällt mir die Verwechslung von "Bundespräsident" und "Bundestagspräsident" ein, die schon mal im SPIEGEL vorgekommen ist. Und manchmal ist ein von den Lesern vermeintlich aufgespießter Fehler dann doch keiner. Immer jedoch erklären wir ihnen persönlich, wie es sich mit ihrem Hinweis verhält.

Auch bei Schäubles "Nationalität" wollen wir Ihnen diese Klarstellung nicht vorenthalten. Unser Kolumnist Jan Fleischhauer wird in der Ausgabe 33 im Leserbriefteil erklären, wie er dazu kommt, aus dem Bundesfinanzminister einen Schwaben zu machen - und damit der Badener Seele so zu schaden.

Über 270 Briefe hat die Redaktion diese Woche zur Ausgabe 31 bekommen (Stand Freitagmittag, den 31.7.2015). Gut 100 davon beschäftigten sich mit der Titelgeschichte ("Die Grenzen des Glücks") und etwa 30 mit der Story über den Besuch zweier SPIEGEL-Redakteure beim ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis ("Patsch"). Wir freuen uns auch beim nächsten Mal auf Ihre Kommentare (und Richtigstellungen!) unter leserbriefe@spiegel.de.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



Diskutieren Sie mit!
0 Leserkommentare

© DER SPIEGEL 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.