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Die braune Landkarte Ostdeutschlands

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Grafik aus dem SPIEGEL: Gemeinden mit hohen NPD-Ergebnissen bei den Landtagswahlen

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Eine im aktuellen SPIEGEL erschienene Karte Ostdeutschlands mit den Stimmenanteilen der NPD auf Gemeindeebene hat zu intensiver Diskussion im Netz und zu Rückfragen ostdeutscher Politiker geführt. Die Karte zeigt eine erschreckende Häufung von Gemeinden mit hohen NPD-Stimmanteilen von teilweise über 30 Prozent.

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Datenjournalisten der SPIEGEL-Grafik und der Dokumentation hatten in einer aufwendigen Recherche knapp 3000 Gemeindeergebnisse der jeweils jüngsten Landtagswahlen in Ostdeutschland zusammengetragen. Die Gemeindedaten wurden dann mit den jeweiligen Längen- und Breitenangaben verknüpft. Ein Geoinformationssystem hat schließlich aus den umfangreichen Daten das Karten-Diagramm errechnet.

Die Diskussion entzündete sich hauptsächlich an zwei Punkten:

1. Die Häufigkeit extrem hoher NPD-Anteile korreliert auch mit den Gemeindegrößen.

Das bedeutet, dass in Gebieten mit vielen Klein- und Kleinstgemeinden häufiger extreme Ergebnisse vorkommen.

Natürlich käme man generell zu weit weniger extremen Ergebnissen, wenn man die NPD-Anteile beispielsweise nur auf Wahlkreisebene abgebildet hätte. Uns ging es aber gerade um die Darstellung der Verhältnisse auf kleinster lokaler Ebene. Nur so wird deutlich, wie teilweise flächendeckend die NPD in kleinräumlichen Strukturen Fuß gefasst hat und Stimmenergebnisse auf Volksparteiniveau einfährt.

164 Gemeinden allein in Mecklenburg-Vorpommern haben ein NPD-Ergebnis von über 10 Prozent, darunter auch eine Stadt wie Ueckermünde mit knapp 10 000 Einwohnern, in der fast jeder fünfte Wähler für die NPD gestimmt hat. Der Freistaat Thüringen ist mit rund 1000 Gemeinden natürlich ein Extremfall und wird dadurch in der Darstellung optisch überzeichnet. Es gibt aber auch dort keinen Anlass zur Relativierung. In 454 Gemeinden hat die NPD einen Stimmenanteil von mehr als 5%, in 52 Gemeinden sogar über 10%.

2. Warum zeigen wir nur Ostdeutschland und nicht die NPD-Stimmen im Westen?

In Ostdeutschland gibt es signifikant höhere Stimmenanteile der NPD als im Westen. Daher sollte sich die Abbildung auf die Verhältnisse in Ostdeutschland beschränken.

Als Flächenstaat hatte Niedersachsen im Westen den höchsten NPD-Anteil bei der jüngsten Landtagswahl mit 1,5 Prozent hinter dem Stadtstaat Bremen mit 1,6 Prozent. Im Vergleich dazu: Thüringen (4,3%), Sachsen-Anhalt (4,6%), Sachsen (5,6%), Mecklenburg-Vorpommern (6%) und Brandenburg (2,6%) In Brandenburg trat zusätzlich die DVU an, die 1,1 Prozent der Stimmen erzielte.

Im Westen gibt es natürlich auch - aber nur sehr vereinzelt - Gemeinden mit extrem hohen NPD-Ergebnissen.

In Niedersachsen hat der Wahlkreis Helmstedt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze besonders viele NPD-Wähler (3,6%); im Wahlkreis sticht die Samtgemeinde Nord-Elm mit 8,3% NPD-Stimmen heraus; in zwei Teilgemeinden, Süpplingen und Süpplingenburg, kommt die NPD auf 10,9 bzw. 11,7% der Zweitstimmen.

Am Sonntag wird in Niedersachsen wieder gewählt. Wie die NPD in diesen Hochburgen abgeschnitten hat, werden wir dann an dieser Stelle nachtragen.

Nachtrag: Vergangene Woche bin ich an dieser Stelle auf die Diskussion um unsere Karte zu NPD-Wählern in Ostdeutschland eingegangen. Zum Vergleich habe ich Niedersachsen als West-Flächenstaat mit dem höchsten NPD-Anteil von 1,5% bei der Landtagswahl 2009 erwähnt. Erfreulicher Trend bei der Landtagswahl am Sonntag: Der Zweitstimmenanteil der Rechten halbierte sich in ganz Niedersachsen auf 0,8%. Im Wahlkreis Helmstedt, der NPD-Hochburg in Niedersachsen, schrumpfte das Ergebnis von 3,6 % auf 1,7%, in der Samtgemeinde Nord-Elm von 8,3 auf 3,7% und in der Teilgemeinde Süpplingen-Burg von 11,7% auf noch 5,1%.

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3 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
-fussel- 24.01.2013
max.felsberg 12.02.2013
fakeraol 10.09.2013

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