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Im neuen SPIEGEL Der neuen Brave

Von SPIEGEL-Redakteur


Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Michel Houellebecq, der Finanzplatz London vor dem möglichen Brexit und das Fußballtalent Julian Draxler im Porträt. Diese Geschichten empfehle ich aus dem aktuellen SPIEGEL.

  • An dieser Stelle stellt Ihnen die SPIEGEL-Redaktion ihre Lieblingsgeschichten aus der neuen Ausgabe vor.
    In dieser Woche: Jörg Schmitt, 48, seit 2003 beim SPIEGEL. Er arbeitet im Ressort Wirtschaft.
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Heft 25/2016
Hillary Clinton muss die Welt vor Donald Trump bewahren

Vielen gilt er als Rassist, Frauenhasser, Reaktionär und als abgrundtief islamophob, doch der Michel Houellebecq, den mein Kollege Romain Leick im Palais de Tokyo in Paris zum Gespräch traf, erwies sich als nachdenklicher, ja fast leidvoller Literat. Bei Zigaretten und einer Flasche Sancerre erzählte der Schriftsteller von seiner Skepsis gegenüber Europa und seiner Befürchtung, dass in Frankreich ein religiöser Bürgerkrieg drohe. Und von seiner Leidenschaft: der Fotografie.

Michel Houellebecq
DPA

Michel Houellebecq

Houellebecqs Bilder, die derzeit in Paris ausgestellt werden, zeigen den zivilisatorischen Verfall, den industriellen Niedergang, das Wuchern der Städte, zeigen Orte, an denen sich die Figuren in seinen Romanen bewegen. Auch seine Bilder belegen die zutiefst skeptische Grundhaltung den Menschen und unserer Zeit gegenüber, die Houellebecq im Gespräch mit Leick so formuliert: "Die Welt ist ein ausgebreitetes Leiden. Die Poesie ist ein Schmerzensschrei des Bewusstseins."

Finanzplatz London
Getty Images

Finanzplatz London

Am 23. Juni stimmen die Briten über einen möglichen Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union, den sogenannten Brexit, ab. Mein Kollege Martin Hesse, ein Kenner der Welt der Banken und des großen Geldes, hat sich in den vergangenen Wochen das letzte Kronjuwel der britischen Wirtschaft angeschaut: den Finanzplatz London, wo mehr als 250 ausländische Banken ihr Geschäft betreiben und mehr als 40 Prozent des weltweiten Devisenhandels abgewickelt werden. Die Banker in der City haben, auch dank laxer Regulierung, jahrzehntelang Milliardenvermögen angelockt. Viel Geld kam von Russen, Chinesen oder Afrikanern, die durch Korruption und Ausbeutung reich geworden sind. Hesse schildert die Verunsicherung der Banker, die Angst, dass nach einem Brexit das Geld nach Dublin, Luxemburg oder Frankfurt abwandern könnte. Und er beschreibt, wie gierige Hedgefonds auch aus dieser Angst Kapital schlagen wollen.

Julian Draxler
Getty Images

Julian Draxler

Seit einer Woche redet die halbe Republik wieder mal nur über ein Thema: die Fußballeuropameisterschaft in Frankreich. Meine Kollegen Rafael Buschmann und Marc Hujer haben für diese Ausgabe eine Geschichte über eines der größten Talente in Deutschland geschrieben. Der 22-jährige Wolfsburger Julian Draxler ist, ebenso wie sein Kollege Mario Götze, ein Prototyp einer neuen, braven Fußballergeneration: ausgebildet im Fußballinternat, nicht auf dem Bolzplatz. Trainiert nicht nur in Fitness und Taktik, sondern auch in Benehmen und Bescheidenheit. Aber lassen sich mit solchen Jungprofis auch Turniere gewinnen? Die beiden SPIEGEL-Autoren trafen Draxler mehrmals, sie erlebten ihn von Nahem im Stadion und beim Abendessen. Entstanden ist das Porträt eines jungen Mannes, der immer noch unter der Fuchtel seiner Eltern steht: Mutti macht die Wohnung, Papa mäht den Rasen und verwaltet Julians Konto. Zu einer Führungspersönlichkeit zu reifen - das wird schwierig für einen, der so geführt wird. Und der nur zwei Bücher im Regal hat: den Finanzplaner für Fußballprofis und die Bibel.

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Eine interessante SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen

Jörg Schmitt

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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