Im neuen SPIEGEL Vom Umgang mit Wölfen

Von SPIEGEL-Redakteurin


Ein Auschwitz-Überlebender, der ein gutes Leben führte, weil er das Grauen nie verdrängte. Ein weißes, lesbisches Paar, das versehentlich ein schwarzes Kind erhielt. Und wie man mit wilden Wölfen umgeht. Diese Geschichten empfehle ich aus dem neuen SPIEGEL.

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Heft 16/2015
Was bringt ethischer Konsum?

  • An dieser Stelle stellt Ihnen die SPIEGEL-Redaktion ihre Lieblingsgeschichten aus der neuen Ausgabe vor.
    In dieser Woche: Barbara Hardinghaus, 39, seit 2005 beim SPIEGEL. Sie arbeitet im Ressort Gesellschaft.
Mein Kollege Jonathan Stock hat eine Geschichte aufgeschrieben, die bei mir eine Frage auslöste. Es geht um das lange, dramatische, unglaubliche Leben des israelischen Journalisten Noah Klieger, der drei Konzentrationslager überlebte. Warum zerbrechen einige Menschen am Leid, während anderen eine normale, gute Biografie gelingt, mit Familie, Beruf und Witzen? So, wie es Klieger gelang, der heute 88 Jahre alt ist. Er hat es geschafft, das lerne ich bei der Lektüre des dicht erzählten Porträts, indem er das Grauen nie hat ruhen lassen. Klieger besuchte nach 1945 als Reporter sämtliche Kriegsverbrecherprozesse, bis heute ist er 150-mal in Auschwitz gewesen, um jungen Leuten vom Unsagbaren zu erzählen. Klieger stellt sich der Vergangenheit, um die Gegenwart zu verstehen. Darin liegt, so die Überschrift des Textes, "Der Auftrag seines Lebens".

Die Reportage meines Kollegen Markus Feldenkirchen stellt eine andere wichtige Frage, eine, die zunächst absurd erscheint: Ist ein schwarzes Kind weniger wert als ein weißes? Feldenkirchen erzählt den Fall eines lesbischen Paares aus Ohio, das bei einer Samenbank das Sperma eines weißen Mannes bestellte, jedoch versehentlich das eines schwarzen erhielt. Als das "Versehen" geboren war, reichten die Mütter Klage ein. Das Paar prozessiert sozusagen gegen die Hautfarbe des eigenen Kindes, ein bildhübsches Mädchen, Payton mit Namen, heute zweieinhalb Jahre alt. Der Autor sieht in der Geschichte ein "modernes amerikanisches Märchen" - ein Märchen, dem allerdings das glückliche Ende fehlt.

Männlicher Jungwolf (in Großbritannien): "Wunderschöne Tiere"
Getty Images

Männlicher Jungwolf (in Großbritannien): "Wunderschöne Tiere"

Dabei könnte es so einfach sein! Zumindest im Verhältnis zwischen Mensch und Wolf, das ja, nicht zuletzt durch ein anderes Märchen, schwer belastet ist. Das Raubtier macht sich, wie man weiß, derzeit wieder in Deutschland heimisch, und der italienische Ökologe Luigi Boitani rät im SPIEGEL-Gespräch: Man muss den Wolf nur mögen. Boitani kennt sich aus mit Wölfen. In seiner Heimat, dem Apennin, sind die Wölfe nie wirklich ausgestorben, noch vor ein paar Wochen sah der Wissenschaftler "zwei wunderschöne Tiere auf einer Lichtung". Meine Kollegin Julia Koch entlockt dem Mann praktische, aber nicht ganz leicht umsetzbare Tipps für deutsche Spaziergänger im Umgang mit dem Wolf: "Nicht wegrennen! Ein flüchtendes Lebewesen ist Beute in seinen Augen."

Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen

Barbara Hardinghaus

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12 Leserkommentare
akmsu74 10.04.2015
saschad 10.04.2015
Kulifumpen 11.04.2015
Ja ja 11.04.2015
Ja ja 11.04.2015
Andy091965 11.04.2015
caipidoc 11.04.2015
John M 11.04.2015
mundilfari 11.04.2015
lyrasaturn 11.04.2015
fairplay24 11.04.2015
akmsu74 20.04.2015

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