Heute vor einer Woche veröffentlichten wir das Video von dem Vorfall im ICE 1508 der Deutschen Bahn auf unserem SPIEGELblog. Die Resonanz war überwältigend. Dort haben Nutzer mittlerweile fast 900 Kommentare geschrieben, hinzu kamen etwa 60 E-Mails, die ich persönlich erhalten habe. Bei Facebook haben rund 20.000 Leser den Button "Gefällt mir" gedrückt. Bei Twitter gab es ebenfalls eine überwältigende Resonanz.
Hier einige Beispiele aus der Diskussion über das Video:
- Auf Twitter diskutierten Juristen über die Verhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes. Prof. Dirk Heckmann von der Juristischen Fakultät der Universität Passau will den Fall an seinem Lehrstuhl besprechen und in einer Vorlesung thematisieren. Auch Politiker reagierten mit Unverständnis auf den rabiaten Polizeieinsatz. Der sozialdemokratische EU-Abgeordnete Ismail Ertug will den Bahnchef Rüdiger Grube bei einem Treffen im Mai im Europäischen Parlament auf den Fall ansprechen.
- Viele Leser haben von ähnlichen Geschichten wie der von Asya berichtet, auch wenn die Situation nie so eskaliert sei. So schrieb mir eine Leserin, dass sie erst im Februar 2013 neben zwei ausländischen Kunden gesessen hätte, die sich ebenfalls mit ihren ausländischen Reisepässen identifiziert hätten. Sie seien von einem rüden Schaffner aufgefordert worden, entweder sofort ein neues Ticket zu kaufen oder den Zug zu verlassen. Ihre eigene Beschwerdemail zu dem Vorfall an die Deutsche Bahn sei nie beantwortet worden.
- Offensichtlich gibt es auch bei deutschen Kunden häufig Probleme mit der Identifizierung von Online-Tickets. So schrieb uns ein Leser, dass er es bei der Buchung versäumt hätte, die Kundennummer seiner neuen Bahncard einzutragen. Andere Kunden hatten zwischen Buchung und Fahrt neue Kreditkarte bekommen und deswegen die falsche Nummer angegeben. Die Leser ärgerten sich vor allem, dass sie wegen solcher Formalia im Zug wie Schwarzfahrer behandelt worden seien. Bei der Bahn heißt das übrigens Fahrpreisnacherhebung. Oft hätten sie über Monate mit der Deutschen Bahn ringen müssen, um hohe Nachzahlungen zu vermeiden.
Ich würde mich freuen, wenn sich weitere Betroffene an mich wenden und ihre Erlebnisse schildern. Wir werden an dem Thema dran bleiben.
Zum Schluss möchte ich Ihnen noch sagen, dass ich seit dem Vorfall mit der Kundin Asya in Kontakt stehe. Wie schon berichtet, ist das Ermittlungsverfahren gegen sie eingestellt worden. Asya hat allerdings selber Anzeige gegen die Zugbegleiterin und die Bundespolizisten erstattet. Der Rauswurf aus dem Zug hat sie in den letzten Monaten seelisch schwer belastet. Jetzt freut sie sich sehr über die vielen freundlichen Mails und Kommentare. In der Öffentlichkeit möchte Sie sich nicht mehr äußern. Deswegen hat sie mich auch darum gebeten, dass wir ihre Kontaktdaten nicht weiterleiten.