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Eine Frage des Handwerks

"taz"-Bericht vom 3. April Zur Großansicht

"taz"-Bericht vom 3. April

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Die "taz" veröffentlicht in der heutigen Ausgabe eine Geschichte über eine ehemalige freie SPIEGEL-Mitarbeiterin in Indien. Die "taz"-Autorin Jasmin Kalarickal unterstellt darin, der SPIEGEL habe diese freie Mitarbeiterin unfair behandelt, weil er ihr keine feste Korrespondentenstelle anbot. Die freie Mitarbeiterin hatte 2011 gegen den SPIEGEL geklagt, das Arbeitsgericht Hamburg hat ihre Klage abgewiesen. Kalarickal schreibt: "Der Spiegel will sich dazu nicht äußern."

Aber das ist so nicht richtig. Jasmin Kalarickal hatte schon im Februar hier angefragt - und bekam selbstverständlich eine Antwort. Am 28. Februar habe ich ihr eine Mail geschickt. Ich bat darin zunächst um Verständnis dafür, dass Details von Mitarbeiter-Verträgen der Vertraulichkeit unterliegen. Ein Vorgehen, an das wir uns im Übrigen weiterhin halten. Gleichzeitig jedoch ging ich in allgemeiner Form durchaus auf den Vorwurf einer unfairen Behandlung ein. Ich umriss die Auseinandersetzung kurz und stellte dar, dass die wesentlichen Vorhaltungen der ehemaligen freien Mitarbeiterin unzutreffend waren. Nichts davon erwähnt die "taz".

Frau Kalarickal hatte auch gefragt, warum nun indisches Recht zur Anwendung kommen soll, obwohl der Mitarbeiter-Vertrag doch auf Deutsch abgefasst sei. Darauf antwortete ich, dass die ehemalige freie Mitarbeiterin, die ja in Indien lebt, im Dezember 2011 vor dem Arbeitsgericht Hamburg Klage erhoben hatte, das Arbeitsgericht diese Klage jedoch abgewiesen habe. Die Richter hätten argumentiert, dass die Klage auch bei Anwendung deutschen Rechts abzuweisen sei.

Ich bot Frau Kalarickal an, dass sie mich bei weiteren Fragen natürlich jederzeit anrufen könne, verwies aber darauf, dass ich bei einem Telefonat, auch im Sinne der ehemaligen freien Mitarbeiterin, um Vertraulichkeit bitten müsse. Ich habe mich dann gewundert, dass die Kollegin Kalarickal mich trotz des Angebots nach der Mail nicht angerufen hat. Eigentlich gehört so etwas zum journalistischen Handwerk, zu einer gründlichen Recherche. Aber jetzt lässt sie im Artikel meine Mail-Antwort nicht nur beiseite - sondern behauptet sogar falsch, der SPIEGEL wolle sich gar nicht äußern. Das finde ich enttäuschend.

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3 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
lowandorder 04.04.2013
lutzmöller2 05.04.2013
missnice 10.04.2013

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