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Drach, der Schlussredaktionstester

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Die Korrektur der Schlussredaktion im Original

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Es war vergangenen Freitag gegen 21 Uhr, als aus meinem Nachbarbüro ein Schrei drang.

Nebenan sitzt Lutz Diedrichs, Schlussredakteur des Wirtschaftsressorts. Ich fragte besorgt durch die dünne Wand: "Alles klar, Lutz?" Er kam sichtlich euphorisiert mit der Ressortseite des aktuellen Wirtschaftsaufmachers in der Hand zu mir gelaufen. "Ich bin mein Geld wert", sagte er und tippte auf die Überschrift. "Vergoldeter Drachen" stand dort geschrieben.

Nun geht es in der Geschichte um Luxuskonsum in China, das Land ist gerade zum wichtigsten Markt der Welt für Hersteller teurer und schöner Dinge aufgestiegen. Es geht um einen 23-Jährigen, der gerade auf seinen zweiten Lamborghini wartet, oder die Marke Armani, die allein in China 70 Läden neueröffnete. Doch um einen Drachen geht es natürlich trotz des stürmischen Herbstwetters nicht in der Geschichte. Vielmehr meint die Überschrift das wohl bekannteste Fabelwesen Chinas. Und so muss es in der Überschrift folglich auch "Vergoldeter Drache" heißen.

Die Überschrift wurde geändert, Lutz Diedrichs hat den SPIEGEL vor einem peinlichen Fehler bewahrt.

So was passiert jede Woche zig Mal - dass es am Ende nicht so gedruckt wird oder im ePaper erscheint, ist einmal mehr ein Argument für die gründlichen Lesedurchläufe eines jeden Heftes. Nachdem Redakteur, Ressortleiter, Dokumentation, Rechtsabteilung und Chefredaktion jeden (sic!) Text gelesen haben, bekommt der Schlussredakteur die Stücke auf einer DIN-A-3 großen Seite im Layout vorgelegt. Zusätzlich liest ein für diese Woche auserkorener Redakteur alle Texte seines Ressorts nochmals auf Verständlichkeit und Fehler durch.

Der Schlussredakteur schaut sich Satz für Satz akribisch an, hält Rücksprache mit dem Redakteur oder der Ressortleitung. Sie oder er überprüft auch die Einhaltung von bestimmten Hausregeln. Wird ein Wort groß oder klein geschrieben? Ist die Bildunterschrift ausreichend? Muss man "Financial Times Deutschland" in An- und Abführung setzen (Antwort: ja)? Und Google (Antwort: nein)?

Ist er fertig, folgt ein zweiter Lesedurchlauf durch einen anderen Kollegen aus der Schlussredaktion. Ist auch dieser beendet, überprüfen Mitarbeiter, ob die so entdeckten Fehler korrigiert, also deren Korrekturen auch alle in den Text übernommen wurden. Die Schlussredaktion umfasst 17 Redakteure, hinzu kommen (hauptsächlich studentische) Aushilfen, die die Abschlusskontrolle übernehmen.

Auch dieser Text wurde gegengelesen - von Lutz Diedrichs. Auch wenn das sonst mit Texten in diesem Blog nicht geschieht.

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2 Leserkommentare
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skinnyfists 15.12.2012
Sehr interessant, das alles, vor allem das PDF-Dokument mit den Korrekturen. Ich konnte allerdings eine Änderung, auch nach mehrmaligem Lesen, überhaupt nicht nachvollziehen. Im Text „Vergoldeter Drache“ heißt es nach der im PDF geforderten Änderung nun: „Sie repräsentiert in einem Büro, das wie aus einem Einrichtungskatalog aussieht, die hinter ihrem Schreibtisch im Regal stehen: modern und protzig.“ Vorher stand da, wesentlich korrekter: „Sie repräsentiert in einem Büro, das wie aus einem der Einrichtungskataloge aussieht, die hinter ihrem Schreibtisch im Regal stehen: modern und protzig.“ Warum wurde das geändert? Oder verstehe ich etwas komplett falsch? An wen schicke ich meine Bewerbung? „Ich bin mein Geld wert.“
Wenn weniger Fehler im Heft und in der online-Version stehen, könnte ich das Protzen nachvollziehen. Ehrlicher wäre gewesen "6 von 10 Lesern ist alles scheissegal, überall muss gespart werden, deshalb überfliegen studentische Aushilfen manche Artikel, den Grossteil markieren sie als 'gelesen', ohne auch nur drübergeschaut zu haben." Beispiele: Im Artikel über Ravi Shankar bleiben die Fehler stehen. http://www.spiegel.de/kultur/musik/nachruf-auf-den-sitar-virtuosen-ravi-shankar-a-872383.html Im Artikel über Briefträger http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zusteller-der-deutschen-post-klagen-ueber-die-arbeitsbedingungen-a-872264.html sind etliche Schachtelsätze, aber ohne Kommata, wahlweise schlechter Stil oder Zeichensetzungsfehler.

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