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Franz Josef Strauß starb nicht sechs Jahre vor seinem Tod

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Ausriss aus Leserzuschrift

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Franz Josef Strauß war ein außergewöhnlicher Politiker, aber das hat er dann doch nicht fertig gebracht: Nach seinem Tod noch sechs Jahre lang bayerischer Ministerpräsident zu sein.

Zugegeben: Dafür müsste man nun nicht ein eigenes Blog ins Leben rufen, um sich mit solchen Lappalien zu beschäftigen. Aber die Panne ist schon bemerkenswert. Es ist vermutlich der kleinste peinliche und der peinlichste kleine Fehler, der dem SPIEGEL passieren kann: In einer Infografik zu einer Titelgeschichte, die sich zum 50. Jahrestag der sogenannten "SPIEGEL-Affäre" mit der eigenen Geschichte beschäftigt, ausgerechnet das Todesjahr des Erzgegners Strauß falsch anzugeben (siehe Ausriss oben).

Die Häme hielt sich dennoch in Grenzen. Ganze drei Leser wiesen auf den Fehler hin; einer schrieb:

"Nun hat der SPIEGEL die Karriere des Altbayern sicher nicht gefördert. Aber dem ehemaligen Verteidigungsminister gleich sechs Lebensjahre abzuschneiden, ist nicht die feine hanseatische Art. Zudem F.J. Strauß seine letzten Lebensjahre im Amt der Bayerischen Ministerpräsidenten zubrachte, nach eigener Aussage dem schönsten nach dem Amt des Papstes."

SPIEGEL-Titelbild aus dem Jahr 1962 Zur Großansicht
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SPIEGEL-Titelbild aus dem Jahr 1962

Größer war die Zahl der Leser, die sich darüber beschwerten, dass in derselben Geschichte ein Ritterkreuz als "Eisernes Kreuz" bezeichnet wurde. Nämlich das, das Friedrich Foertsch, der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr, auf dem Titelbild der SPIEGEL-Ausgabe 41/1962 trägt - das ist die mit der berüchtigten Titelgeschichte "Bedingt abwehrbereit".

Die SPIEGEL-Bezeichnung ist in der Tat verkürzt und irreführend. Die Sache mit dem Orden ist kompliziert, erzählt aber viel über die damalige Zeit. Das "Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes", so die genaue Bezeichnung des Ehrenzeichens, ist, wie der Name schon verrät, eine hohe Stufe des Eisernen Kreuzes. Es greift eine alte preußische Tradition auf. In seiner Mitte war es jedoch mit einem Hakenkreuz versehen. Es war die höchste deutsche Tapferkeitsauszeichnung im Zweiten Weltkrieg, wurde im September 1939 neu gestiftet und in all seinen Klassen nur rund 8250 mal verliehen.

Dass das Ritterkreuz von Foertsch auf dem SPIEGEL-Titel kein Hakenkreuz zeigt, liegt daran, dass es sich um eine Version des Ordens handelt, der eigens nach dem Krieg in der Bundesrepublik angefertigt wurde. Den ehemaligen Wehrmachtsoldaten war 1957 erlaubt worden, ihre militärischen Ehrenzeichen wieder öffentlich zu tragen, auch das Ritterkreuz. Nur bitte ohne das Nazi-Emblem, das durch ein dreiblättriges Eichenblatt ersetzt wurde.

Also eine Vergangenheitsbewältigung im Stil der fünfziger Jahre: Über das Verbrecherische des Krieges sollte Gras wachsen, aber die Tapferkeit der Soldaten unvergessen bleiben, ganz gleich, wofür sie gekämpft hatten.

Nicht jeder wollte das tun, aber Foertsch zeigte sich, wie ein Leser schreibt, "in seiner Bundeswehruniform gerne im vollen Ornat mit allen seinen zur NS-Zeit verliehenen Orden in der 1957er Fassung. Dies zeigt ein Traditionsverständnis das heute so politisch nicht mehr gewollt ist, in der Bundeswehr aber durchaus auch heute noch seine Anhänger hat."

Um substanziellere Fragen rund um die Affäre und die Rolle des SPIEGEL nach dem zweiten Weltkrieg geht es in einer zweitägigen Konferenz an diesem Wochenende. Mehr darüber auf SPIEGEL ONLINE und hier im Blog.

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6 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
stanislaus2 22.09.2012
Kurvenfieber 22.09.2012
loeweneule 22.09.2012
kohge 22.09.2012
#144000 22.09.2012
jochem 22.09.2012

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