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Im neuen SPIEGEL Die zwei Gesichter der Angela M.; Hollywood verfilmt WikiLeaks; Gespräch mit dem russischen Schriftsteller Wiktor Jerofejew; Anthony Weiner will New York regieren

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Immer wieder hat SPIEGEL-Redakteur René Pfister die Kanzlerin getroffen, sie auf ihren Reisen begleitet, über eineinhalb Jahre hinweg. Er war dabei, als sie sich mit Wladimir Putin anlegte, er erlebte, wie sie in Athen von wütenden Demonstranten empfangen wurde - und er beobachtete sie im Wahlkampf in Deutschland. So konnte er erkennen, wie Merkel eine neue Selbstgefälligkeit an den Tag legt.

Sie verweigere dem Land, so Pfister, wichtige Debatten - und habe nur sich selbst im Angebot. Schlagfertig sei Merkel aber immer noch, das erlebte Pfister, als er im Besprechungsraum des Regierungsflugzeugs versehentlich einen Knopf drückte. Merkels Kommentar: Alarm zu schlagen entspreche ja offenbar "dem Selbstverständnis des SPIEGEL".

Unlängst kamen meine Kollegen Marcel Rosenbach und Holger Stark, Amerika-Korrespondent, in den Genuss einer eigenen Kinovorführung: In Berlin und New York sahen sie in einer Privatvorstellung "The Fifth Estate" ("Inside WikiLeaks - Die fünfte Gewalt"). Es ist ein auf Fakten basierender Spielfilm über WikiLeaks und über den Kampf zwischen zwei Männern - Gründer Julian Assange und seinem deutschen Ex-Mitstreiter Daniel Domscheit-Berg. Im Oktober soll das Hollywood-Werk in die Kinos kommen; dass Rosenbach und Stark den Film jetzt schon sehen konnten, hat seinen Grund: Sie tauchen kurz darin auf, als Nebenfiguren, verkörpert von Schauspielern, die "Holger" und "Rosenbach" heißen und ihnen sogar ähneln. Der SPIEGEL hat 2010 eine wichtige Rolle bei den diversen Enthüllungen und den ihnen folgenden Debatten gespielt - darum entsandte die Hollywood-Firma DreamWorks vor den Dreharbeiten eine Delegation zu den Originalschauplätzen in Berlin, unter anderem zum SPIEGEL-Büro. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt waren Rosenbach und Stark nicht in Deutschland, sondern in London - bei Julian Assange. Der war von dem Filmprojekt wenig begeistert. Er wisse schon, was ihn erwarte, sagte Assange: ein weiterer feindlicher Angriff, ein Charakter-Attentat.

Es ging auf Mitternacht zu, als einer der wichtigsten russischen Schriftsteller, Wiktor Jerofejew, 65, meine Kollegin Susanne Beyer und unseren Moskauer Korrespondenten Matthias Schepp zum Interview in sein Moskauer Appartement bat - die Wohnung hatte er gerade bezogen, die Kisten waren halb ausgepackt, Möbel standen kreuz und quer. In dem Durcheinander ein Käfig, darin ein vergnügter Papagei, des Russischen mächtig. Bei Jerofejew waren seine Ehefrau Katja, 26, und damit fast 40 Jahre jünger als der Autor, außerdem eine chinesische Musicalsängerin und eine junge Künstlerin, die den Abwasch besorgte. "Frauen sind Russlands Rettung", erklärte Jerofejew fröhlich den SPIEGEL-Redakteuren Susanne Beyer und Matthias Schepp. Die russischen Männer hätten stets zu viel gelogen, zu viel getrunken. In seinem neuen Buch "Die Akimuden" erzählt Jerofejew von der Verderbtheit, aber auch von der Schönheit seines Landes. Der Westen verstehe Russland zu wenig, allerdings gelte das nicht für den SPIEGEL, so Jerofejew. Er und mein Kollege Schepp kennen sich seit 20 Jahren. Jerofejew zu Schepp: "Sie wissen um unsere Abgründe und mögen uns dennoch!"

Der amerikanische Politiker Anthony Weiner, durch Nacktfotos international bekannt geworden, die er versehentlich an 45 000 Twitter-Follower verschickte, will gerade Bürgermeister von New York werden. Er hält jeden Menschen, der in seiner Nähe steht, für einen Wähler, den er überzeugen muss. So ging es auch Alexander Osang, der seinen Wahlkampf beschreibt, Weiner porträtiert. "Und wo kommen Sie her?", fragte ihn Weiner, als die beiden sich bei einer Wahlkampfveranstaltung in Brooklyn zum ersten Mal trafen. Aus Deutschland, sagte Osang. "Wow, Deutschland, ich bin bekannter, als ich dachte", sagte Weiner.

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klausson 09.09.2013

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