Im neuen SPIEGEL Marcel Reich-Ranicki; Deutschlands Kanzler; Warlord-Porträt; Filbinger-Tochter
Drei Titelgeschichten widmete der SPIEGEL dem am Mittwoch verstorbenen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, gleich die erste davon trug dem SPIEGEL heftige Kritik ein; nicht nur Reich-Ranicki selbst fand den Tier-Vergleich ungehörig.
Autor zweier Geschichten war mein Kollege Volker Hage, der Reich-Ranicki seit 1975 kannte. Vier Jahre lang hatte Hage bei der "Frankfurter Allgemeinen" das literaturkritische Handwerk erlernt, unter und mit Reich-Ranicki, der damals den Literaturteil der "FAZ" verantwortete. "Er war ein begeisterter Leser", sagt Hage, "und keineswegs nur von Büchern. Ihn interessierte auch jeden Tag, was in den Zeitungen stand - und einmal in der Woche besonders, was der SPIEGEL brachte." Was wohl nach dem Tod komme, fragte das Magazin "Penthouse" Reich-Ranicki schon vor 20 Jahren. "Nichts! Gar nichts", antwortete der. Ein "furchtbarer" Gedanke sei das allerdings, fügte er hinzu, "denn ich möchte wissen, was im nächsten SPIEGEL steht, und ich bin nicht mehr da."
Was macht einen Bundeskanzler zu einem großen Bundeskanzler? Muss man ein guter Mensch sein, um ein guter Politiker zu werden? Acht Kanzler hat die Bundesrepublik bisher gehabt, an den sieben Amtsvorgängern von Angela Merkel untersucht mein Kollege Jan Fleischhauer, inwieweit eine robuste Natur, eine starke Psyche und allgemeine Rücksichtslosigkeit Voraussetzungen sind für das wichtigste politische Amt in Deutschland. Herzensgüte, das ist Fleischhauers Fazit zum Abschluss der SPIEGEL-Wahlserie, gehört jedenfalls nicht dazu; freundliche Naturen haben es im Kanzleramt nicht weit gebracht. "Ein gutes Herz und Erfolg schließen sich in der Politik nicht aus", so Fleischhauers Fazit, "aber dass man das eine ohne das andere erreicht, ist wahrscheinlicher."
Seit 27 Jahren bereist mein Kollege Christian Neef regelmäßig das Krisenland Afghanistan. Er hat den Abzug der sowjetischen Truppen miterlebt, er war während des Bürgerkriegs dort und während der Taliban-Zeit, nach dem Einmarsch der Nato ging er wiederholt als Reporter nach Kabul. Immer wieder berichtete er über die Warlords, die Kriegsherren der afghanischen Volksgruppen. Neef traf den berühmten Mudschahidin-Führer General Massud, kurz bevor der ermordet wurde, gleich mehrmals begegnete er dem wegen seiner Grausamkeiten berüchtigten General Dostum. Jetzt besuchte Neef einen der derzeit mächtigsten Männer des Landes - Tadschiken-Führer Ismail Khan, der den Beinamen "Löwe von Herat" trägt. Khan, derzeit Minister in der Kabuler Regierung, ruft offen zur Aufstellung von Milizen auf, er will gewappnet sein für die Zeit nach dem Abzug der Nato. Khan half Neef, seinen Besuch in Herat vorzubereiten, bereitwillig stellte er den Kontakt zu seinen lokalen Statthaltern her. "Die Leute dort bereiten sich aufs Schlimmste vor", verkündete er, "und sie stehen hinter mir."
Susanna Filbinger-Riggert war 26 Jahre alt, als ihr Vater, der CDU-Politiker Hans Filbinger, als Ministerpräsident von Baden-Württemberg zurücktreten musste: 1978 kam heraus, dass Filbinger als NS-Marinerichter in den letzten Kriegstagen mitverantwortlich für Todesurteile war; es war das Ende einer langen politischen Karriere. Susanna Filbinger-Riggert hat über die schwierige Beziehung zu ihrem Vater ein Buch geschrieben, sie hat dafür die Tagebücher ihres Vaters verwendet; meine Kolleginnen Susanne Beyer und Simone Kaiser haben mit ihr gesprochen. Was bedeutet es für die Angehörigen von Politikern, wenn die Politik immer privater wird? Oder, in den Worten von Walter Kohl, eines anderen Politikerkindes: Wie kann es gelingen, endlich wieder mehr zu leben und weniger gelebt zu werden?
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Wolfgang Büchner
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