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Im neuen SPIEGEL Alles zur Bundestagswahl 2013: Wagt Merkel Schwarz-Grün?; Gibt es eine Zukunft für die Liberalen?; Ist die Fünfprozenthürde wählerfeindlich?

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Die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag zeichnete sich am Ende durch Überraschungen und Rekorde aus: Die FDP fiel auf ein historisches Tief - und aus dem Bundestag -, die Union erhielt so viele Stimmen wie seit 1990 nicht mehr.

Die Euro-Gegner von der AfD, erst im Frühjahr gegründet, beeinflussten den Urnengang stärker als je eine junge Partei zuvor, und die Piraten erlitten Schiffbruch trotz einer öffentlichen Konjunktur ihrer Themen. Nie zuvor entfielen zudem auch nur annähernd so viele Stimmen (15,7 Prozent) auf Gruppierungen, die den Sprung in den Bundestag schließlich nicht schafften.

Für diese Ausgabe des SPIEGEL, die ganz im Zeichen der Wahlen steht, waren rund 50 SPIEGEL-Journalisten unterwegs, um Sieger und Verlierer zu treffen, um mit Wählern und Gewählten zu sprechen und um zu ergründen, wie und von wem die Republik denn nun in den kommenden vier Jahren regiert werden soll.

Angela Merkel in der CDU-Zentrale am Montag nach der Wahl Zur Großansicht
Alexander Hassenstein/ Getty Images

Angela Merkel in der CDU-Zentrale am Montag nach der Wahl

Richtig glückliche Gesichter gab es am Sonntagabend vor allem in der CDU-Zentrale im Berliner Konrad-Adenauer-Haus zu erblicken, wo jubelnde Jugendliche in orangefarbenen T-Shirts "Angie"-Sprechchöre anstimmten und Deutschlandfähnchen schwenkten, als die alte und neue Kanzlerin die Bühne betrat. Im Willy-Brandt-Haus dagegen, wo meine Kollegen Horand Knaup, Barbara Schmid und Gordon Repinski den Sozialdemokraten beim Verlieren zuschauten, saß der Frust tief. In Peer Steinbrücks Büro sah man Tränen fließen, und auf den Fluren machte unter den Gegnern einer Großen Koalition bereits das Wort von der "Schwarzen Witwe" Merkel die Runde, die ihre politischen Partner umzubringen pflege - 2009 die SPD, 2013 die FDP.

Zeitgleich sah mein Kollege Ralf Neukirch im Berliner Kongresszentrum einem Geisterzug zu, angeführt von FDP-Chef Philipp Rösler. Begleitet von seiner Ehefrau Wiebke und zahllosen Kameras irrte Rösler auf der Suche nach Parteifreunden durch die Räume, doch die meisten hatten die Feier längst verlassen, tief enttäuscht über das historische Debakel der Liberalen. Am nächsten Morgen waren im Reichstagsgebäude die Folgen des Erdbebens zu besichtigen. Überall standen Grüppchen von Mitarbeitern beisammen, es gab nur ein Thema: "Was machen wir nun?". 93 liberale Abgeordnete verlieren ihren Job, ebenso wie mehr als 400 Bundestags- und Wahlkampfmitarbeiter. Für viele geht es um die Existenz.

Vier weitere Jahre Merkelismus also: Einer, der sich darob überraschenderweise unglücklich zeigt, ist der konservative Pädagoge Bernhard Bueb, langjähriger Leiter des Internats Schloss Salem und gern als "strengster Lehrer Deutschlands" bezeichnet. Aus seiner wohlwollenden Sicht auf Angela Merkel hat er nie einen Hehl gemacht. Umso bemerkenswerter ist nun sein deutliches Urteil über die Kanzlerin, deren Politik er im Gespräch mit meinen Kollegen Katja Thimm und Alfred Weinzierl in weiten Teilen jene Tugenden abspricht, die Thema seines neuen Buches sind: Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Merkel sei eine Meisterin des Uneindeutigen, des Ungefähren, und auch dies sei eine Form der Lüge. Thimm fiel beim Gespräch auf, "wie schwer es Bueb fiel, sich von seinem positiven, alten Merkel-Bild zu verabschieden".

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Ihr

Wolfgang Büchner

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