31.03.2009

KAPITEL II: KANZLER UND KOALITIONEN

Dompteure der MACHT

Von FLEISCHHAUER, JAN und SCHEUERMANN, CHRISTOPH

Die Befugnisse des Bundeskanzlers sind eng begrenzt. Immer wieder haben die Amtsinhaber aber auch den Mut zu großen Entscheidungen gefunden, mit denen sie sich Respekt verschafften. Geliebt wurde bisher nur einer.

Der Schreibtisch, mit dem das Abenteuer Demokratie in Deutschland begann, steht noch genau an dem Platz, an den ihn der erste Kanzler der Bundesrepublik rücken ließ. Er ist von einem matten Braun, mit einer geschwungenen Kante und leicht ausgestellten Beinen; Konrad Adenauer hatte ihn von einem Mitarbeiter aus einem Kölner Möbelhaus herbeischaffen lassen. Drei Kanzlern hat er als Arbeitsplatz gedient, nach Adenauer noch Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger, erst Willy Brandt wollte einen neuen.

Es liegt alles so da wie vor 60 Jahren im Palais Schaumburg, rechts der Aktenbock mit der braunen Ledermappe obenauf, ein Geschenk der Sekretärin, auf der Platte eine Stiftschale, zwei Tischuhren, das Kästchen für Notizzettel, dazu zwei schwere Telefone, eines für die internen Amtsgespräche, das andere für den Kontakt nach draußen. Nur die Standuhr in der Ecke ist verstummt und tickt nicht mehr.

Es ist kein schlechter Ort, um zu beginnen. Links geht der Blick in den Garten, Ahorn, Buchen, in der Ferne fließt der Rhein. Alles wirkt angenehm zivil, fast heiter, man verspürt Lust, den Armlehnstuhl an den Tisch zu rücken und mit der Arbeit anzufangen, der ersten Kabinettsvorlage, den Mappen mit der Korrespondenz. Es fehlt nur noch, dass die Tür aufgeht und jemand den ersten Besucher ankündigt.

Am 20. September 1949 machte sich ein deutscher Bundeskanzler zum ersten Mal daran, Deutschland zu regieren. Der Tag ist den Deutschen ein wenig aus der Erinnerung gerutscht, dabei nahm an ihm nach der verheerenden Niederlage, die man erst Kapitulation und dann Befreiung nannte, der zweite Versuch in Demokratie seinen Ausgang. Die Hoffnung war groß, dass dieser Anlauf nicht wieder in einem Desaster enden würde, die Skepsis nach den Erfahrungen der Vergangenheit noch größer.

Die zweite deutsche Republik war ein realpolitisches Experiment, auch mit einem neuen Typus von Regierung. Freundlicher sollte diese sein, bürgernäher, gleichzeitig aber die Fehler von Weimar vermeiden, allen voran die Verantwortungsflucht der Mächtigen angesichts schwieriger Aufgaben. Gewünscht war eine zupackende und dann auch wieder zurückgenommene Politik, eine Führung, die den Bürgersinn zu stimulieren verstand und auf ihn vertraute, ohne führungsschwach und entscheidungsscheu zu sein.

Das Grundgesetz, über neun Monate im Parlamentarischen Rat beraten und dann am 23. Mai 1949 verkündet, bildete die Vorlage, von der in der Geburtsstunde allerdings niemand sagen konnte, ob sie funktionieren würde. Die Verfassungsväter haben die Position des Kanzlers, mit Blick auf die Weimarer Republik, gestärkt - und ihn gleichzeitig mit einer Reihe von Institutionen umstellt, die ihm hereinreden können und sollen, das Parlament zu allererst, das jede Regierungsvorlage absegnen muss, dann der Bundesrat, in dem die eifersüchtig über ihre Zuständigkeiten wachenden Länderfürsten sitzen, schließlich das Verfassungsgericht, das alle Gesetze auf ihre Grundgesetztreue prüfen kann.

Die Ausgangsbedingungen sind also von Anfang an eher ungünstig für beeindruckende Machtentfaltung, und sie werden mit der Zeit nicht besser. Gemessen an dem Handlungsraum, den der Parteienstaat noch dem Gründungskanzler eröffnete, sind die Nachfolger in ihrer Entscheidungsfreiheit stark eingeengt.

Alles ist mehr geworden: die Zahl der Leute, die mitreden wollen, die Regelungen und Vorschriften, die es zu berücksichtigen gilt, wenn man etwas Neues auf den Weg bringen will.

612 Abgeordnete sitzen heute im Parlament, 202 mehr als zu Beginn im ersten Deutschen Bundestag, und die Maschine rattert ohne Unterlass: 400 Gesetze wurden allein in der vergangenen Wahlperiode beschlossen, das sind im Durchschnitt 11,11 pro Monat. Die Zahl der Verbände, die offiziell beim Deutschen Bundestag registriert sind, beläuft sich gegenwärtig auf 2058 Organisationen, mehr als 4500 Lobbyisten arbeiten rund um die Uhr in Berlin, um ihre Interessen bei der Legislative vertreten zu sehen.

Es gibt viele Gründe, sich als Kanzler machtlos zu fühlen - und einige empfinden auch so, wenn sie oben angekommen sind. Dennoch haben immer wieder Amtsinhaber die Kraft zu großen Entscheidungen: Helmut Kohl setzte, gegen viele Bedenken, die deutsche Einheit durch, Gerhard Schröder die Agenda 2010, obwohl alle Lobbyverbände des Sozialstaats dagegen anrannten. Gerade mal drei Tage hat Angela Merkel gebraucht, um mit dem Rettungspaket für die Banken das möglicherweise folgenreichste Gesetz in der Geschichte der Bundesrepublik durch alle Instanzen zu pauken. Am Ende war sie selbst etwas überrascht von dem Tempo.

Es braucht einen ausgeprägten Machtinstinkt, Ausdauer und im entscheidenden Moment einfach Mut, um sich an der Spitze durchzusetzen - und sich dort zu halten. So gehen von den sieben Regierungschefs, die bislang im Kanzleramt saßen, einige am Ende als große Männer durchs Ziel und andere als kleine. Über die Frau, die jetzt dort sitzt, ist es noch zu früh, ein Urteil zu fällen. Es lohnt sich, zu fragen, wo die Unterschiede liegen, was den einen Kanzler heraushebt und den anderen vernichtet. Die Macht zu nutzen ist mindestens so schwer, wie sie zu erwerben.

Gleich der Anfang geriet erstaunlich sicher, ja selbstbewusst. Niemand wäre verwundert gewesen, wenn sich die Mitglieder des ersten deutschen Kabinetts vorsichtig in das unbekannte Gehäuse dieser neuen Demokratie hineingetastet hätten. Alles war ja fremd und unerprobt: Die erste Kabinettssitzung musste im Hörsaal des Bonner Naturkundemuseums stattfinden, an einer ausgestopften Giraffe im Lichthof vorbei, weil das zum Kanzleramt bestimmte Palais Schaumburg am Rheinufer noch nicht bezugsfertig war.

Macht braucht Kulisse, auch die Demokratie kann nicht auf Gepränge und Repräsentation verzichten. Der Kanzler soll dicht bei den Menschen sein, aber nicht wie sie, er soll bodenständig wirken, aber gleichzeitig wollen die Bürger zu ihm aufsehen können. Die Verwandlung vom Abgeordneten zum Staatenlenker schafft der Politiker nicht aus eigener Kraft, dazu braucht es den Apparat im Hintergrund, und so beginnt Adenauer noch am Tag, an dem er seine Ernennungsurkunde in Händen hält, die Regierungszentrale nach seinen Vorstellungen zu gestalten.

Der Abglanz seiner adligen Vergangenheit liegt noch in den Räumen des neuen Kanzleramts, als Adenauer im November mit seinem Stab einzieht. Bis alles fertig ist, muss er allerdings noch mit Handwerkern kämpfen. Farbe blättert von den Wänden, die Decken sind morsch, heißes Wasser gibt es nicht. Der spätklassizistische Bau, einst Prunksitz des Geschlechts zu Schaumburg-Lippe, nun Keimzelle demokratischer Macht, ist ein wackliges Provisorium, so wie die ganze Republik.

Mit aller Kraft stürzt der Kanzler sich in die Ausstaffierung des Palais, lässt sich Zeichnungen und Baupläne vorlegen und diktiert Anweisungen an den Innenarchitekten. "Ich weiß nicht", schreibt er dem Möbelrücker, "ob Ihnen schon aufgefallen ist, dass sowohl der Schreibtisch wie auch diese Sessel mit Armlehnen alles andere als stabil sind."

DIE STAATSMASCHINE

Adenauer ist nach außen der Prototyp des knorrigen Patriarchen; ein wortkarger Kölner, Liebhaber der Rosenzucht und der Gartenkunst, verwitwet, konservativ und politisch unbelastet, eine Vaterfigur, zu der die Deutschen aufsehen können. Daneben gibt es den Machtmenschen, der nichts dem Zufall überlässt, nicht einmal die Farbe der Fensterläden, unnachgiebig bei der Durchsetzung seiner Interessen, im Notfall verschlagen und manipulativ.

Es ist eine Last, der erste Kanzler zu sein, es gibt kein Vorbild, keine Anleitung - es ist aber auch ein großes Glück. Wer keine Vorgänger hat, muss sich nicht an ihnen messen lassen, jeder Schritt ist maßgeblich. Adenauer ist daran gelegen, dass sich die Bundesrepublik nach Westen orientiert, zugleich treibt er die Souveränität des Landes voran. Er wirbt für die europäische Integration und unterzeichnet 1951 den Vertrag zur Montanunion, einem Vorläufer der Europäischen Gemeinschaft. 1955 wird die Bundesrepublik Mitglied der Nato, die wesentlichen Schritte zur Westbindung sind damit vollzogen. Nie wieder ist ein Kanzler so mächtig wie der Alte aus Rhöndorf, die Historiker sprechen im Nachhinein von der "Kanzlerdemokratie", weil die Gegengewichte, die alle Nachfolger beschweren, bei ihm noch nicht wirken.

Das Bundeskanzleramt wird das Kernstück der großen Staatsmaschine, mit 19 Beamten des höheren Dienstes zunächst bescheiden ausgestattet. Dass die kleine Truppe ausreicht, die Minister und die Fraktionen unter Kontrolle zu halten, verdankt sie einem korrekt gescheitelten Juristen mit rundlichem Gesicht, Anfang fünfzig, katholisch und im Besitz von außerordentlichem Organisationseifer und einem sicheren Gespür für loyale Mitarbeit. Ministerialdirigent Hans Globke verfügt aus Adenauers Sicht über zwei weitere Vorteile. Er liegt politisch ganz auf Linie des Kanzlers, und er hat einen Makel, der ihn auf die Gnade des Kanzlers angewiesen sein lässt: In seinem Vorleben als Oberregierungsrat des Reichsinnenministeriums war er einer der amtlichen Kommentatoren zu den Nürnberger Rassegesetzen. Rücktrittsforderungen begegnet Adenauer in seiner jovial-herablassenden Art: "Ich wüsste keinen, den ich an seine Stelle setzen könnte."

Globke wird Adenauers Ingenieur der Kanzlermacht. Er bildet Abteilungen und Unterabteilungen, rekrutiert Beamte, ernennt Referatsleiter und knüpft Verbindungen in die umliegenden Häuser. Sorgfältig baut er die Kabinettsstruktur im Miniaturformat nach, jedes Ministerium wird durch ein eigenes Referat repräsentiert. Mit Hilfe dieser sogenannten Spiegelreferate ist Globke in der Lage, aus dem Palais Schaumburg heraus die Arbeit der Minister zu überwachen und seinen Kanzler jederzeit über Konflikte und Intrigen zu unterrichten. Tatsächlich ist er so erfolgreich, dass seine Schöpfung der Misstrauensbürokratie bis heute überlebt hat und jedem Kanzler seither gute Dienste erweist.

Adenauer nimmt sich die Macht, als wäre sie für ihn reserviert gewesen, das macht einen Teil seines Nimbus aus. Der Tag beginnt um neun Uhr mit Besprechungen und Sitzungen, mittags wird geruht, in seinen Privaträumen hatte der alte Herr eine hölzerne Gartenliege aufstellen lassen, mit dickem Polster. Es sind gemütliche Jahre, ein wenig bieder vielleicht, der Kanzler kann sich zum Regieren noch Zeit nehmen. Die Öffentlichkeit bleibt auf respektvoller Distanz, Journalisten sind keine "Wegelagerer", wie Helmut Schmidt sie später nannte, sondern, bis auf Ausnahmen, Gesprächspartner.

Eine durchaus vordemokratische Einstellung zur Presse zeigt sich während der "SPIEGEL-Affäre" 1962, die sich zur Regierungskrise ausweitete. Die Redaktionsräume des SPIEGEL waren von der Polizei durchsucht und besetzt worden, weil Verteidigungsminister Franz Josef Strauß das Magazin des Landesverrats für schuldig hielt; Redakteure wurden verhaftet, auch der Herausgeber Rudolf Augstein. Strauß musste danach zurücktreten, Adenauer war mit beschädigt.

Das Ende kommt für den ersten Kanzler dennoch überraschend, trotz seines Misstrauens und Globkes Überwachungsapparats. Ausgerechnet sein erfolgreicher Wirtschaftsminister, der pausbäckige, nach Zigarre und Gemütlichkeit riechende Ludwig Erhard führt den Streich. Für die politisch Feinfühligeren hingegen hatte es sich seit längerem angekündigt: Adenauer ist 83 Jahre alt, als er 1959 seine Ambitionen auf einen Wechsel in das Amt des Bundespräsidenten erkennen lässt. Das ist zu viel, selbst den eigenen Parteifreunden.

Er hat die Macht überdehnt, auch das kann in der Demokratie den Machtverlust einleiten, wie sich hier erstmals zeigt. Der Grund ist eine Wahrnehmungsstörung, die sich fortan immer wieder im Laufe einer Kanzlerschaft einstellen wird und dann das Ende befördert: Der Bezugsrahmen reduziert sich auf den Kreis der Gefolgsleute und am Kanzlerhof zugelassenen Satrapen. Damit erreichen den Regierungschef nur noch die Informationen, die ihm gefallen, sein Ehrgeiz erlahmt und auch sein Gefahrensinn.

IM BUNGALOW

Das Haus steckt in dem sanft zum Rhein abfallenden Rasen, als hätte jemand zwei große Klötze ein wenig versetzt nebeneinander auf dem Boden abgesetzt. Es ist ein moderner Bau, entworfen in dem von Adenauer verachteten Bauhaus-Stil, der Alte musste nie darin wohnen, doch er hasste ihn aus der Ferne. Die Fenster reichen vom Boden bis zur Decke und überschwemmen die Räume so hell mit Tageslicht, als wollte Ludwig Erhard, der neue Regierungschef, durch die Schiebetüren rufen: Meine Politik ist Offenheit!

Der Bungalow, den der Vater des Wirtschaftswunders planen und von seinem Architekten Sep Ruf bauen ließ, steht heute wieder da wie vor 40 Jahren. Handwerker haben ihn mit Stiftungsgeldern weitgehend in den Erhard-Zustand zurückgebaut. Jeder Kanzler, der nach Ludwig Erhard in den Bungalow einzog, veränderte Details, Schmidt ließ Wände einreißen und Bäder versetzen, Kohl spannte Tapete vor die verklinkerten Wände und brachte Spiegelleisten an. Behutsam wie Archäologen haben die Sanierer jetzt Schicht für Schicht wieder abgetragen.

Als Erhard im Herbst 1963 zum Kanzler gewählt wird, will er vor allem gute Stimmung verbreiten. Seinen Mitarbeitern begegnet Erhard fast väterlich. Er gibt Partys und Empfänge; es sieht aus, als wollte er die Republik nicht führen, sondern mit ihr feiern. Die Macht rinnt ihm durch die Finger, bevor er sie richtig packen kann. Er hat viele gute Pläne, aber führt nichts zu Ende.

Die Menschen machen Witze über ihn und seinen Bungalow, das "Palais Schaumbad" mit dem Mini-Schwimmbecken in der Mitte. Wofür, fragen die Zeitgenossen, braucht ein Nichtschwimmer einen Pool? Die Abgeordneten im Haushaltsausschuss quälen ihn mit Kostenvorgaben und streichen ihm das Geld für einen neuen Weg zwischen Bungalow und Kanzleramt. Der Kanzler muss Lochbleche verlegen lassen, damit sein Dienstwagen bei Regen nicht im Rasen versinkt.

Erhard scheitert, weil er der Nette sein will, der gemochte Kanzler. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Führung zu zeigen und Gefolgschaft zu erzwingen. Widersacher können gekauft oder kaltgestellt werden. In jedem Fall aber braucht es die Präsenz im Kanzleramt, den Willen zur Führung. Kanzlerschaften sind zunächst Ausdauerleistungen. Nur wer über eine robuste Natur verfügt, eine eiserne Gesundheit und eine gewisse Gefühllosigkeit, hält durch. Die nachdenklichen, empfindsameren Naturen kommen in der Regel gar nicht so weit nach oben, schaffen sie es doch einmal, wirken sie merkwürdig verloren, da hilft selbst die Machtmaschine im Hintergrund nicht.

Auch der Schwabe Kurt Georg Kiesinger erweist sich, wie sein Vorgänger Erhard, als Kanzler des Übergangs, beliebt beim Volk, ohne daraus Kapital schlagen zu können. Wie jener ist er undiszipliniert, mit einem Hang zum Wolkigen, Unbestimmten.

Kiesinger, der den Kanzlerbungalow als Wohnhaus übernimmt, fühlt sich im Gegensatz zu Erhard in den beiden Blöcken nie wirklich wohl. Er schläft schlecht, häufig steigt er früh um vier aus seinem Bett, schlurft ins Studierzimmer, liest Romane oder schreibt Gedichte. Nach seinem Auszug 1969 finden die Packer wichtige Mappen mit Dienstvorgängen hinter den Büchern im Regal.

Die Geschichte ist mit Kiesinger nicht sehr freundlich umgegangen, er gilt heute als eher mediokre Gestalt, am ehesten ist noch die Ohrfeige in Erinnerung, die ihm die Sekretärin Beate Klarsfeld aus Empörung über seine NSDAP-Mitgliedschaft verpasste. Dass Kiesinger vermutlich der gebildetste, in jedem Fall aber der intellektuellste aller Kanzler war, ist in Vergessenheit geraten.

DAS NEUE AMT

Den sozialdemokratischen Herren, die 1969 in die mit Wandteppichen und Standuhren ausstaffierten Räume des Palais Schaumburg einziehen, ist schon beim Einzug klar, dass sie hier nicht lange bleiben wollen. Kaum hat Willy Brandt an Adenauers Schreibtisch Platz genommen, erteilt sein Kanzleramtschef Horst Ehmke den Auftrag zu einem Neubau gleich nebenan. Das Palais ist ihnen zu vermufft, zu sehr fünfziger Jahre, insgesamt zu klein für die Ansprüche der ersten sozial-liberalen Regierung. Den neuen Machthabern schwebt etwas Modernes, Zeitgemäßes vor, das den Elan und Fortschrittsoptimismus der neuen Ära verkörpert.

Der Bau, der in Sichtweite emporwächst, ist ein mit bronzefarbenem Aluminiumblech ummantelter Zweckbau, mehr Versicherung als Machtzentrale. Vor allem aber ist das neue Kanzleramt groß, man braucht Platz für die vielen Beamten. Mehr als hundert neue Mitarbeiter stellt Ehmke ein, aus der vergleichsweise schlanken Verwaltung unter Adenauer mit einem Staatssekretär an der Spitze, zwei Abteilungen und neun Referaten wird eine Großbehörde: Chef Bundeskanzleramt, zwei Staatssekretäre, fünf Abteilungen, 22 Gruppen und Referate.

Der ehemalige Staatsrechtler Ehmke träumt vom perfekt organisierten Gemeinwesen, Fehler sind für ihn nicht die Folge menschlicher Unzulänglichkeit, sondern mangelhafter Planung. Sein Amt soll eine Art Politik-Leitwarte werden mit ihm am Steuerpult. Sein ganzer Stolz ist dabei das von ihm erdachte "Vorhaben-Erfassungssystem", mit dem er Willkür und Chaos in den Griff bekommen will.

Jedes Ministerium muss auf Datenblättern Rechenschaft über geplante Vorhaben ablegen. Das Verteidigungsministerium stellt einen Computer zur Datenverarbeitung zur Verfügung. Jeden Monat spuckt der Rechner eine Liste aus, auf der sich ablesen lässt, wer welche Gesetze plant, was sie kosten sollen und wie lange die Umsetzung dauern wird.

Es ist ein seltsames Gespann, das nun die Geschicke des Landes leitet. Vorn, in Rufweite des Kanzlers, der ungestüme, von Arbeitsattacken heimgesuchte Umkrempler Ehmke, hinten, im Kanzlerbüro, der oft in sich gekehrte Melancholiker Brandt. Mit dem Sohn einer Verkäuferin betritt ein Politikertypus die Bühne, wie es ihn so in Deutschland noch nicht gegeben hat - und bis heute auch nie wieder gab. Die Kanzler vor und nach ihm wurden geachtet und respektiert, wenn es gutging, vielleicht sogar verehrt. Brandt wurde geliebt.

Wie viele Charismatiker wirkt er durch seine Aura. Seine Reden sind ordentlich, aber nicht herausragend, oft sogar sehr nüchtern, wie der Historiker Manfred Görtemaker festgehalten hat. Die Bürger berührt nicht so sehr, was er sagt, sondern mehr, wie er es sagt. Wenn Adenauer das Vertrauen in die Demokratie begründet hat, dann kommt mit Brandt die Leidenschaft für diese Staatsform.

Im Nachhinein hat sich das Bild eines Träumers festgesetzt, dabei ist der Kanzler, zumindest in seiner ersten Amtszeit, auch ein ausgesprochen fleißiger Arbeiter. Aber er hat immer längere Phasen innerer Abwesenheit. Es kommt selbst bei Gesprächen mit ausländischen Regierungsmitgliedern vor, dass Brandt minutenlang ins Leere starrt, den Blick verhangen. Nach der Wiederwahl 1972, die mit dem höchsten Wahlergebnis in der Geschichte der SPD endet, verfestigen sich die Absenzen zu Depressionen. Immer öfter muss nun Ehmke zu ihm nach Hause eilen und ihn aus dem Bett rütteln: "Willy, aufstehen, wir müssen regieren."

Das innenpolitische Erbe Brandts ist eher kläglich, deshalb stellen seine Bewunderer später auch immer die Ostpolitik in den Vordergrund. Die Sozialpolitik ist mit Schulden finanziert, auf die Wirtschaftskrise, die Deutschland Mitte der siebziger Jahre trifft, ist die Regierung nicht vorbereitet. Als die Gewerkschaft des Öffentlichen Dienstes 15 Prozent Lohnerhöhung fordert, fühlt sich Brandt zu schwach, um standhaft zu bleiben. Am Ende reicht eine Aktenmappe mit Andeutungen über Frauengeschichten, um ihn aus dem Amt zu kippen. Es ist ein Anschlag auf einen, der nicht mehr kämpfen will: Verfassungsschutzchef Günther Nollau hat die Geschichten im Nachgang zur Guillaume-Affäre sammeln lassen, die Mappe geht an SPD-Fraktionschef Herbert Wehner, und der hält den Kanzler nicht vom Rücktritt ab. So kommt Schmidt, als Ausputzer und Manager der Krise.

Das Urteil der Historiker über Schmidt ist nicht so eindeutig wie das des Volkes, das den 90-Jährigen bedenkenlos unter die größten lebenden Staatsmänner einordnet. Görtemaker hält ihn für einen "Mann ohne Fortune"; Arnulf Baring beschreibt ihn gar als "erstaunlich rachsüchtigen, ressentimentgetriebenen Politiker".

In jedem Fall ist kein Kanzler je so diszipliniert gewesen. Was ihm an Charisma fehlt, macht Schmidt durch Präzision und Fleiß wett. Sein Aktenhunger ist legendär; wenn er im Urlaub ist, lässt er sich alle Vorgänge ins Ferienhaus bringen. Und er hat zwei weitere Eigenschaften, die den Normalbürger für ihn einnehmen: seine Vergangenheit als deutscher Offizier und sein scharfgeschnittenes Profil, das ihn von den weichen, wattierten Gesichtern in seiner Umgebung vorteilhaft abhebt.

Schmidt beweist, dass man es trotz schlechter Nachrichten zu beträchtlicher Popularität bringen kann. Krisenzeiten können für einen Kanzler durchaus gute Zeiten sein. In seine Amtsperiode fallen die Ölkrise, der Deutsche Herbst, die Nachrüstungsdebatte. Als Problem erweist sich dabei nicht das Volk, das auf den Kanzler hört, sondern die eigene Partei. Was bei der Mehrheit für Autorität sorgt, wird dort als autoritär verachtet.

Die Partei ist die natürliche Machtbasis jedes Kanzlers. Sie verschafft ihm die Akklamations- und Bestätigungskulisse, die es braucht, um im Namen des Volkes zu sprechen. Die Bundestagswahl alle vier Jahre reicht als Legitimation politischen Handelns nicht aus, ständig wird ein Kanzler mit Umfragen und Landtagswahlergebnissen konfrontiert, die als Abstimmung über seine Politik interpretiert werden.

Aus der Partei droht damit auch die größte Gefahr. Wenn die eigenen Leute das Zutrauen verlieren oder sich der Führung verweigern, ist das Ende nah. Dann bleibt nur der Rücktritt wie bei Adenauer oder das Ausharren bis zum Koalitionsbruch, was Schmidt als Lösung bevorzugte. Gerade die SPD macht es ihren Kanzlern traditionell schwer. Regieren heißt, Überzeugungen zurückzustellen: Wer eher am Machterhalt als an Programmen interessiert ist wie die CDU, hat damit weniger Probleme, wer hingegen von einem ideologischen Anspruch lebt, quält sich im Regierungsalltag. So sehnt sich die SPD, kaum an die Macht gekommen, zurück in die Opposition.

Sechs Jahre hat Schmidt regiert, als er beim Streit um den Nato-Doppelbeschluss zur Nachrüstung der in Deutschland stationierten US-Raketen endgültig den Keil zwischen sich und die Partei treibt. Vielleicht hat er die SPD unterschätzt, die in großen Teilen zur Friedensbewegung überläuft, vielleicht hat er sie auch provozieren wollen. Jedenfalls will die Partei ihren Kanzler zwingen, die Nachrüstung mit neuen Atomraketen abzusagen, auch aus einem romantischen Pazifismus, für den Schmidt, der Offizier, nur Verachtung übrig hat.

So verlieren die Sozialdemokraten 1982 nicht nur das Kanzleramt, weil die FDP entnervt wegen der Dauerquerelen die Seiten wechselt: Sie sind auf Dauer geschwächt, weil die Grünen, die sich in diesen Jahren bilden, sich nicht als das Übergangsphänomen erweisen, das die SPD-Führung in ihnen sieht, sondern als vierte politische Kraft.

AM AQUARIUM

Der neue Hausherr im Kanzleramt richtet sich in seinem Reich so wohnlich ein, als müsse er es nie wieder verlassen. Links neben den Schreibtisch kommt ein Fischtank, in die Bücherregale wird die Mineraliensammlung geräumt, daneben die Münzen. Es ist ein Bekenntnis zur Normalität, eine Demonstration des Biedersinns, die auch so verstanden wird. Mit Kohl hält der Strickjacken- und Pantoffelkonservativismus Einzug: Nie wäre es Schmidt eingefallen, am Arbeitsplatz die Schuhe auszuziehen, um in bequeme Slipper zu schlüpfen.

Die Linke hält Kohl lange für einen Betriebsunfall der Geschichte, den die nächste Wahl bereits korrigieren würde. Er ist der Dicke, die Birne, der Trampel. Ganze Generationen von Journalisten schreiben sich die Finger wund, um ihn zu erledigen. Es werden Gegenspieler aufgebaut, Rochaden durchgespielt und Intrigen befördert, aber immer sitzt Kohl am Aquarium, trinkt seinen Pfälzer Riesling und regiert das Land, rund und selbstzufrieden wie ein Buddha, bis man sich am Ende gar nicht mehr an eine Zeit ohne ihn erinnern kann.

Kohl ist der deutsche Volkskanzler. Er repräsentiert viel mehr die Mitte als die meisten, die das später von sich behaupten. Kein Kandidat hat jemals so viele Stimmen auf sich vereinen können wie der schwarze Riese. Auf sagenhafte 43,7 Prozent der Wahlberechtigten bringt es Kohl 1976, auf 43,1 Prozent noch einmal 1983. Zum Vergleich: Schröder konnte 1998 33,2 Prozent der Wahlberechtigten für sich gewinnen, was zum Einzug ins Kanzleramt reichte, Angela Merkel rettete sich mit 26,9 Prozent ins höchste Regierungsamt.

Es gab früh Hinweise, dass die Kritiker falsch lagen mit der Einschätzung von Kohl als deutschem Simpel. Hinter der Fassade des Biedermanns steckt ein gewiefter Taktiker, der gut kalkuliert, wie weit er gehen kann. Wie viele Kanzler ist Kohl lesefaul, was Akten angeht, ihn interessieren als Lektüre eher Biografien und historische Werke; dafür besitzt er eine rasche Auffassungsgabe für politische Stimmungen und ein feines Gespür dafür, wo Gefahr lauern könnte. Im Zweifel ist er sogar recht skrupellos in der Absicherung der Macht, wie spätestens die Spendenaffäre zeigt.

Kaum einer hat den Deutschen so viel zugemutet wie Kohl. Er führt sie entschlossen in die Einheit, zementiert ihren Platz in Europa, was sie mit der Aufgabe nationaler Entscheidungsrechte bezahlen, und nimmt ihnen am Ende sogar die D-Mark. Wäre es nach den Umfragen gegangen, hätte er keines der Projekte so durchziehen dürfen: Immer ist die Mehrheit skeptisch, manchmal sogar ablehnend, aber am Ende lassen die Bürger ihn gewähren und honorieren die Entscheidungsfreude mit Wiederwahl. In der Außenpolitik legt der Kanzler ein Temperament an den Tag, das in auffälligem Kontrast zu der bräsigen Vorsicht steht, mit der er in innenpolitischen Fragen agiert. Der parlamentarische Betrieb hasst schnelle, ungestüme Entscheidungen, aber gerade sein Vorwärtsdrang lässt Kohl alle Widerstände überwinden, weil er ihnen nie genug Zeit lässt, sich richtig aufzubauen.

Je länger Kohl regiert, desto weniger will er von der Welt wissen - er erlahmt und wird bequem. Vor Unterredungen bekommen Besucher den Rat, gleich zu Beginn ihr Anliegen in zehn knappen Sätzen vorzutragen, weil sie danach nicht mehr zu Wort kommen werden. Es gibt lange Abende im Bungalow, zu denen sich die Getreuen einfinden, aber die Runden drehen sich um die immer gleichen Themen. Man darf sich vorzeitig entschuldigen, doch es wird als Unartigkeit vermerkt.

Nach der dritten Wiederwahl 1994 ist Kohl nicht mehr willens und in der Lage zum Neuanfang - und einen Nachfolger kann er nicht akzeptieren. So verliert er erst das Vertrauen von Fraktionschef Wolfgang Schäuble, der als Einziger den Machtverlust hätte abwenden können, dann den Kontakt zur Mitte der Gesellschaft, auf die er sich immer verlassen konnte. "16 Jahre sind genug" oder, kürzer noch, "Kohl muss weg" reicht der anderen Seite als Slogan, um zu gewinnen.

Als am Abend des 27. September 1998 die ersten Zahlen eingehen, sitzen alle ein letztes Mal im Bungalow zusammen und trinken Wein aus dem reich bestückten Keller. Die Stimmung ist gelöst, fast heiter.

NACH DEM UMZUG

Vier Jahre dauern die Arbeiten am Kanzleramt in Berlin, 238 Millionen Euro hat es gekostet, am 2. Mai 2001 kann Gerhard Schröder einziehen. Es ist ein hochaufragendes, lichtdurchflutetes Gebäude mit breiten Sichtachsen, ein Theaterbau für die große Politik, der die Sparkassenbescheidenheit des Bonner Amtssitzes bis ins Detail der Türgriffe hinter sich lässt.

Das Amt symbolisiert die wiedergewonnene Souveränität des vereinigten Deutschland, es steht für eine Republik, die über die Jahre gereift ist und nun auch in den staatlichen Repräsentationsbauten selbstbewusst ihre Größe und Bedeutung herzeigt. Schröder äußert sich beim Einzug eher missmutig, ihm gefällt das Haus nicht, schon weil es Kohls Vermächtnis ist. Außerdem ist es ihm zu protzig geraten, sagt er jedenfalls. "Wir fahren nicht vor, wir kommen", hat er als Motto ausgegeben, um den Bruch mit dem Vorgänger zu markieren, ein Anspruch, dem er selbst sogar erstaunlich lange gerecht wird.

Es gibt nicht viele Politiker, die in ihrer Karriere so verlässlich auf die Unterstützung der Medien bauen konnten wie Schröder, das trägt ihm den Ruf des "Medienkanzlers" ein. Mit Hilfe der Journalisten ist er aufgestiegen, gegen den Widerstand in weiten Teilen der Partei; mit ihrer Hilfe erobert er das Kanzleramt, und als er endlich drin sitzt, vertraut er auf sie als Übermittler und Erklärer seiner Politik.

Schröder eignet sich vorzüglich als Titelheld. Er spricht ein klares, allgemeinverständliches Deutsch. Er verfügt über Mutterwitz und eine beträchtliche Portion Charme. Vor allem aber weiß er sich die größte Schwäche der Medienleute, ihre Eitelkeit, zunutze zu machen: Er gewährt großzügig Zugang und gibt auf Wunsch den Macher, den Rabauken oder den Feingeist, der sich für Kunst und Literatur interessiert. "Porträt sitzen" nennt er die Gespräche mit den Reportern, die ihm ins Haus geschickt werden.

Sein halbes Leben hat Schröder auf die Kanzlerschaft hingearbeitet, aber als er sie endlich besitzt, weiß er nicht genau, was er mit ihr anfangen soll. Er will es zu vielen recht machen und verzettelt sich. Die Neuen im Amt bringen Gesetze ein, die so schludrig gearbeitet sind, dass sie nicht funktionieren. Sie machen rückgängig, was die Vorgänger noch an Reformen auf den Weg gebracht haben, um bald festzustellen, dass dies ein Fehler ist. Nun erweist sich auch das Bündnis mit den Medien als weniger belastbar als gedacht.

In einem Kraftakt ringt sich Schröder zu einem großen Reformpaket durch, er nennt es "Agenda 2010", doch ausgerechnet jetzt verlässt ihn das Glück. Die Zahl der Arbeitslosen steigt auf über fünf Millionen, ihm fehlt die Zeit, die er am Anfang vertan hat. Er müsste jetzt Geduld beweisen, bis sich die Wirtschaftsdaten bessern und die Stimmung wieder dreht. Vergebens redet sein Freund Frank-Walter Steinmeier auf ihn ein, jetzt bloß nicht aufzustecken, aber Schröder ist nicht der richtige Mann fürs Zuwarten. Er braucht die Auseinandersetzung, um auf Touren zu kommen, die Aufregung des Wahlkampfs. Deshalb erzwingt er vorzeitige Neuwahlen, auch um den elenden Wartezustand zu beenden.

So sitzt Schröder am 21. November 2005 zum letzten Mal an dem großen, blaugrauen Schreibtisch, den ein Berliner Tischler nach Maß gefertigt hat. Das meiste ist schon in Kisten verpackt, die wenigen persönlichen Erinnerungsstücke, das Bild seiner Frau, der umgedrehte Adler von Baselitz. Es ist ein windig-kalter Tag, man kann aus dem Kanzlerbüro die Menschen in der Kuppel des Reichstags sehen.

Am anderen Tag wird der Nächste hier sitzen und sein Glück versuchen, eine Frau diesmal. Ein neues Kapitel kann beginnen in der Geschichte der Kanzlermacht.


SPIEGEL GESCHICHTE 2/2009
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