28.09.2010

Die Religion der Schönheit

Grandiose Bauwerke, geniale Ornamente und meisterliche Schriftkunst: Die besondere Ästhetik des Islam entspringt einem Bilderverbot.
Der riesige und ungeheuer vielfältige Raum, der durch die islamische Kultur geprägt ist, reicht von Marokko bis Indonesien. Ungeachtet aller regionalen und kulturellen Unterschiede hat die gemeinsame Religion eine unvergleichliche Ästhetik hervorgebracht, die weit über den islamischen Kulturkreis hinaus beeindruckt und staunen macht.
Die Beziehung zwischen Gott und Mensch, die im Koran und den Texten der islamischen Tradition neu bestimmt wurde, ist nicht zuletzt durch eine ästhetische Dimension gekennzeichnet. Mohammed, der zwischen 610 und 632 in Mekka und Medina eine religiöse Gemeinde und ein erstes islamisches Staatswesen gründete, verkündigte seine Offenbarung als göttlich inspirierten Text in arabischer Sprache. Deren unverwechselbare Laute und Schriftzeichen waren damit von Anfang an Teil der sakralen Aura der neuen Religion. Nach islamischem Verständnis empfing und verkündigte Mohammed erst in Mekka, dann in Medina seine Offenbarung, die auf einer himmlischen Tafel festgehalten und hinterlegt ist.
Der arabischen Sprache als dem vom Allmächtigen gewählten Verkündungsmedium kam demnach ein theologisch grundlegender Rang zu. Ganz anders hatte es sich beim Christentum verhalten: Die aramäische Sprache, in der Jesus seine frohe Botschaft verkündete, hat in der christlichen Tradition nie eine besondere religiöse Rolle gespielt - sie blieb dem Evangelium äußerlich. Das Neue Testament wurde ja auch nicht in der Muttersprache des christlichen Religionsstifters fixiert, sondern in Griechisch. Diese Sprache dominierte in der hellenistischen Umgebung Jesu kulturell und diente als Übermittlungsmedium, ohne dadurch ein sakrales Eigengewicht zu erlangen.
früher islam
Die Ausformungen des Arabischen in Koranrezitation und Kalligrafie kennzeichnen die Anfänge islamischer Kunst. In den vergangenen 14 Jahrhunderten haben sich zudem in den islamisch geprägten Ländern allmählich charakteristische Stilformen in Ornament und Architektur ausgebildet, die auch in der modernen Zeit nach den Medienrevolutionen des Buchdrucks und des Internets ihre charakteristischen Züge behalten.
Was den sakralen Bau betrifft, der im Zentrum islamischer Frömmigkeit steht, so mag es paradox erscheinen, dass die Kaaba in Mekka schon eine vorislamische Geschichte hat. Als die erste muslimische Gemeinde Mohammeds Verkündigungen vernahm und sich an der Kaaba zum Gebet versammelte, diente dieses Bauwerk in Westarabien schon seit Generationen als Pilgerheiligtum. Nach den Angaben islamischer Geschichtsschreiber enthielt es Statuen und Bilder an den Innenwänden, auf denen biblische Figuren und sogar Maria, die Mutter Jesu, abgebildet waren. In der mekkanischen Entstehungszeit des Islam (610 bis 622) orientierte sich die Gebetsrichtung der Gemeinde aber noch nicht an der Lage der Kaaba.
Vor der Auswanderung nach Medina beteten die frühen Muslime noch in Richtung Jerusalem - sie sahen sich als religiöse Gemeinde in der Tradition von Juden und Christen. Erst nachdem die muslimische Gemeinschaft Zuflucht in Medina gefunden und der Prophet dort sein erstes Staatswesen gegründet hatte, wurde die altarabische Kaaba zur verbindlichen Gebetsrichtung.
Nach dem siegreichen Einzug in Mekka im Jahre 630 soll Mohammed befohlen haben, die Kultbilder an der Kaaba zu zerstören und die Bilder an den Innenwänden des Sakralbaus zu entfernen. Jedoch habe er, wie es heißt, angeordnet, das Marienbild im Inneren der Kaaba zu verschonen. Das Betreten der Kaaba war nach dem altarabisch-vorislamischen Pilgerritus, der in seinen Grundzügen von den Muslimen weitergeführt wurde, nicht vorgesehen.
bildkritik und bilderverbot
Die Verbindung von Sakralbau und Bildkritik, wie sie in der "Reinigung der Kaaba" überliefert ist, enthält ein islamisches Leitmotiv. Im Koran selbst ist noch kein Bilderverbot ausdrücklich festgehalten. Explizit bilderkritische und bilderfeindliche Aussagen Mohammeds finden sich erst in den Sammlungen der Aussprüche und Taten des Propheten (Hadithe) aus den ersten beiden Jahrhunderten des Islam. Dem Koran zufolge hat Gott als Schöpfer die Welt und alle Lebewesen gestaltet. Jesus, der nach der Schilderung in Sure 5, Vers 110 Vogelfiguren aus Lehm formt und ihnen Leben einhaucht, handelt "mit Gottes Erlaubnis" und vermag nicht aus eigener Kraft die Lehmfiguren mit Leben zu erfüllen. Außer dieser Geschichte enthält der Koran keine Verse, die Kultbilder und Abbildungen kritisieren.
Nach islamischer Überlieferung soll Mohammed, als man ihm über eine bebilderte Kirche in Äthiopien berichtete, aber gesagt haben: "Wenn unter denen ein frommer Mann stirbt, bauen sie über seinem Grab eine Gebetsstätte und bringen darin diese Bilder an. Solche Leute sind vor Gott am Tage der Auferstehung die schlechtesten Geschöpfe." Diejenigen, die Bilder und Statuen herstellen, soll der Prophet kritisiert haben: "Von demjenigen, der ein Bild macht, wird am Tag der Auferstehung verlangt werden, dass er ihm Leben einhaucht. Das wird er aber nicht tun können." In bildhaften Darstellungen wird also menschliche Hybris gesehen, die sich den allein Gott vorbehaltenen Schöpfungsakt anmaßt.
Aus solchen Traditionen hat ein Teil der muslimischen Rechtsgelehrten ein absolutes Bilderverbot abgeleitet. Dies ist allerdings nur eine von (mindestens) drei islamischen Positionen. Eine zweite Auffassung unterscheidet verschiedene Kunstformen im Hinblick auf ihre religiöse Statthaftigkeit: Skulpturen, die Schatten werfen, sind demnach grundsätzlich untersagt, während Zeichnungen zwar nicht verboten, jedoch zu vermeiden sind; Personen dürfen abgebildet werden, sofern sie nicht vollständig dargestellt sind. Eine dritte Lehrmeinung im vielstimmigen islamischen Recht erlaubt Abbildungen - aber nur unter der Bedingung, dass sie nicht Gegenstand religiöser Verehrung werden.
spätantike tradition im reich der umajjaden
Die repräsentativen Bauten des ersten islamisch-arabischen Herrschergeschlechts, der umajjadischen Kalifen, waren noch stark von der bilderreichen Architektur des spätantiken Nahen Ostens gekennzeichnet. Byzantinische Kunst und Technik hatten diese geprägt. Deshalb entsprechen die umajjadischen Paläste Kusair Amra oder Kasr Muschatta mit ihren Mosaiken, Fresken und in Stein gehauenen Bildprogrammen dem islamischen Bilderverbot keineswegs. Auch der Jerusalemer Felsendom, vom Kalifen Abd al-Malik, der von 685 bis 705 regierte, über dem Felsen des Tempelbergs errichtet, verkörpert spätantike Kontinuität.
Der achteckige Bau, in dessen Mitte sich eine Kuppel über dem Felsen wölbt, hat mit der byzantinischen Mosaikkunst noch nicht gebrochen, auch wenn kei-ne Abbildungen von Lebewesen, sondern nur Pflanzenornamente dargestellt werden. Die achteckige Form selbst scheint an die christlichen Bauwerke anzuknüpfen, mit denen vor allem in der konstantinischen Epoche die theologisch bedeutsamsten Orte (Betlehem, Rom, Ravenna) architektonisch markiert wurden.
Der Bezug zur vorislamischen Zeit wird auch im Bildprogramm der umajjadischen Münzen greifbar. Schrittweise zeigt sich hier jedoch der Bruch mit der Tradition, wenn die Kreuze von der Bildseite getilgt und durch Symbole ersetzt werden, die nicht christlich besetzt sind. Nach der Münzreform von Kalif Abd al-Malik (696/697) erscheint auch die Figur des islamischen Herrschers mit Schwert und Peitsche, die die auf früheren Prägungen dargestellten byzantinischen Kaiser verdrängt hatte, nicht mehr auf Münzen; es ist unklar, ob diese Abbildung einen Kalifen oder gar den Propheten selbst meinte.
kalligrafie und rezitation
Der in arabischer Sprache offenbarte Koran steht am Beginn der islamisch-arabischen Tradition. Ob zu Lebzeiten des Propheten der kunstvolle Rezitationsvortrag des Korans bereits so praktiziert wurde, wie er bis in die heutige Zeit überliefert wird, wissen wir nicht. Da der Text (oder zumindest ein Teil davon) bereits zu Mohammeds Lebzeiten liturgisch verwendet wurde, ist es wahrscheinlich, dass der Vortrag von Abschnitten aus dem Koran beim Gemeindegebet in einem eigenen, von der Alltagssprache abgesetzten Sprachmodus vollzogen wurde. In den späteren Jahrhunderten hat die islamische Tradition stets den ästhetisch herausragenden Charakter des Korantextes hervorgehoben.
So sollen sich allein wegen der Schönheit der Koranrezitation Menschen dem Propheten angeschlossen haben. Manche Zuhörer, so heißt es, habe die Schönheit der koranischen Sprache gar mit solch himmlischer Wucht getroffen, dass sie auf der Stelle das Zeitliche gesegnet hätten. Das schildert der fromme Gelehrte Thaalabi in einem "Buch der vom Koran Getöteten", das der existentiellen Wirkung der Koranrezitation gewidmet ist. Bis in die heutige Zeit ist die Koranrezitation eine spezifisch islamische Kunstform, die sich zwischen gleichförmigem Vortrag (Tartil) und einer raffinierten musikalischen Technik bewegt, bei der die Melodie jeweils von einer einzigen Silbe getragen wird (Tadschwid). Nach islamischem Verständnis wird die Rezitation des Koran trotz der sie kennzeichnenden rhythmischen Elemente und Tonskalen nicht als Musik bezeichnet: Das würde die Rezitation des heiligen Buchs in die Nähe menschlicher Kreativität rücken.
Auch die schriftliche Form der Koranüberlieferung erhält neben der theologischen eine ästhetische Dimension. Aus vorislamischer Zeit kennen wir nur ein knappes Dutzend arabischer Steininschriften - vor allem aus dem nordarabischen Raum, aus Syrien und Jordanien. Zwar existierte bereits eine reiche mündliche Dichtungstradition, doch der Koran ist das erste schriftlich fixierte literarische Zeugnis in arabischer Sprache.
Schon wenige Jahrzehnte nach dem Tod des Propheten sind Fragmente von Koranhandschriften auf Pergament nachweisbar, verfasst in altarabischer Schrift, dem sogenannten Hidschasi-Stil der bis Mitte des 8. Jahrhunderts verwendet wurde. Kodizes aus dieser frühen Zeit sind durch einen noch wenig standardisierten, zum Teil unregelmäßig wirkenden Schrifttyp charakterisiert. Die frühesten Handschriftenfragmente vermitteln so noch den Eindruck, dass das Festhalten des Textes Vorrang vor der Ästhetik der Schrift hatte.
Bereits in der umajjadischen Epoche entsteht ein zweiter monumentaler Duktus, der kufische Schriftstil, der auf Münzen, Meilensteinen und Mosaiken ab der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts nachweisbar ist. In den Mosaiken im Jerusalemer Felsendom ist dieser Schrifttyp zwischen Kuppelumlauf und Oktogon nachweisbar. Das in kufischer Schrift innen und außen umlaufende Schriftband enthält die frühesten datierbaren Texte aus dem Koran.
Die kufische Schrift, die aufgrund ihrer eckigen Form mit der spätantiken, byzantinischen Mosaikkunst hervorragend harmoniert, kann als die erste kalligrafische arabische Schriftform betrachtet werden. Sie wurde bis ins 12. Jahrhundert fast ausnahmslos für repräsentative Korankodizes auf Pergament und für Koranzitate in Steininschriften und Mosaiken verwendet.
Neben der sakralen Verwendung der arabischen Schrift bildeten sich seit dem 8. Jahrhundert an islamischen Herrscherhöfen kalligrafische Schriftvarianten aus.
Während die repräsentativen Koranhandschriften fast immer auf äußerst teurem Pergament geschrieben wurden, verbreitete sich über die eroberten Gebiete in Mittelasien durch den Kontakt mit dem chinesischen Reich immer stärker das kostengünstigere Papier als Beschreibstoff. Der arabische Gelehrte Ibn Mukla, gestorben 940, spricht von sechs verschiede-nen Schriftarten des Arabischen, die sich zu seiner Zeit etabliert hätten.
Für die arabische Sprache, bereits um das Jahr 1000 verbreitet zwischen Atlantischem Ozean und China, haben sich neben diesen kanonischen Schriftstilen immer auch lokale Stile gebildet.
Ab dem 16. Jahrhundert wurde im Osmanischen Reich eine neue, offizielle kalligrafische Variante entwickelt, die Diwani-Schrift, benannt nach dem Hof - "Diwan" - des osmanischen Sultans. Darin wurden zum Beispiel Erlasse des Sultans notiert, die mit dem kalligrafischen Siegel der osmanischen Sultane, einer Tugra, unterzeichnet wurden. Die Diwani-Schrift, in der Schreiber nur an den offiziellen Schulen am Hof ausgebildet wurden, hatte neben ihrer ausgereiften Ästhetik auch den Vorteil, dass die in ihr verfassten Dokumente relativ fälschungssicher waren. ¨
umgehung des bilderverbots
Um figürliche Illustrationen zu vermeiden, entwickelte die arabische Kalligrafie elegante Lösungswege. So wurden die rein verbalen Beschreibungen von Mohammeds physischer Erscheinung, das Lob seines Charakters, sein koranischer Ehrentitel "Siegel der Propheten" (Sure 33, Vers 40) und andere Preisungen kalligrafisch so ingeniös dargestellt, dass in den von der arabischen Schrift umrissenen Flächen das Gesicht des Propheten vorstellbar wird.
Nichtbildliche Illustrationen kalligrafischer und ornamentaler Art stehen im Mittelpunkt islamischer Kunst. Geometrische Muster und Pflanzenornamente, die in der Architektur noch ergänzende Funktion hatten, rückten in das Zentrum anderer künstlerischer Ausdrucksformen. Die Mosaiken im Felsendom und an der Umajjaden-Moschee in Damaskus bilden Pflanzenornamente dabei zunächst noch naturgetreu ab. Ohne die Absetzung von Vordergrund und Hintergrund, ohne die Verwendung von Rahmen entwickelten sich die Ornamente an Bauwerken, Kunstgegenständen und Handschriftenverzierungen allmählich von naturgetreuer zu stilisierter Darstellung.
Künstler im Raum des heutigen Irak schufen im 9. Jahrhundert einen neuen geometrischen Ornamenttyp, der seit dieser Zeit die Kunst der abbasidischen Ära charakterisierte und im 10. Jahrhundert zur Vollendung gelangte. Nachweisbar ist er zum ersten Mal in der Architektur der neuen abbasidischen Hauptstadt Samarra; er verbreitete sich innerhalb des islamischen Raums sehr schnell. Die pflanzlichen Ornamente sind nun nicht mehr nach den Gesetzen der Natur miteinander verbunden, sondern folgen in ihrer Anordnung den Gesetzen der Geometrie. In ihrer geometrischen Weiterentwicklung und Stilisierung nehmen sie abstraktere Formen an - und werden zu jenem Dekorationsstil, den man in westlichen Sprachen als arabesk bezeichnet.
Als hervorragendes Beispiel kann die Ausschmückung der Großen Moschee von Córdoba gelten. Die Anordnung der sich ins unendliche ergänzenden Ranken zeigt das Genie islamischer Ornamentkunst. Das gilt auch für ein anderes Beispiel: die Außenverzierung der Kuppel der Imam-Moschee in Isfahan, errichtet 1612 bis 1630. Hier scheinen die beiden Ornamente (eines in Gelb, das andere in Weiß) gleichzeitig zu verlaufen und einander zu durchdringen, sie umschließen so die Moscheekuppel.
die moschee: funktion und symbol
Der Begriff Moschee (arabisch: Masdschid) bezeichnet im Koran zunächst einen Ort, an dem sich die Gläubigen zum Gebet zusammenfinden. In Medina fanden solche Versammlungen im Haus des Propheten statt.
Erst mit den Eroberungen bedeutender Städte (wie Damaskus oder Jerusalem) und im Zuge der Gründung neuer Städte wie Kufa, Basra, Fustat (heute Alt-Kairo) oder Kairawan (im heutigen Tunesien) entstanden neue Bauten mit eigener Formensprache. Besonders interessant ist Damaskus, wo nach der islamischen Eroberung im Jahre 636 ein Teil der christlichen Johanneskathedrale für die Muslime abgeteilt wurde. In den anschließenden Jahren beteten offenbar Muslime wie Christen dort und feierten in ein und demselben Gebäude ihre Gottesdienste.
Die Moschee ist nach ursprünglichem Verständnis kein sakraler Bau, sondern Versammlungsort der Muslime. Seit der Auswanderung der muslimischen Urgemeinde nach Medina ist die Gebetsrichtung nach Mekka durch einen überdachten Bereich an der entsprechenden Innenwand markiert (arabisch Kibla). Später (ab circa 700) entwickelt sich der sogenannte Mihrab - die Gebetsnische, deren Lage die Gebetsrichtung vorgibt. Der Platz vor der Gebetsnische, vor der ersten Reihe der Betenden, ist dem Vorbeter, der das Gemeindegebet leitet, zugedacht.
Der Mihrab ist der am besten ausgestaltete Ort in einer Moschee, der oft mit besonderen Lampen beleuchtet wird. Da in einer Moschee Gruppengebete, aber nicht wie in einer Kirche heilige Handlungen stattfinden, verfügt der islamische Gebetsraum über kein sakrales Inventar. Im Lauf der Zeit wurde eine Kanzel (arabisch: Minbar) oder erhöhte Plattform für denjenigen eingerichtet, der die Predigt hält - zur Zeit des Propheten handelte es sich um einen hohen Stuhl. Sehr früh sind Minarett-Türme nachweisbar, von denen aus zum Gebet gerufen wird und durch die schon von weitem islamische Präsenz sichtbar wird.
Die frühesten Moscheebauten sind Säulenhallenmoscheen, in denen eine große Zahl von regelmäßig beieinander stehenden Säulen einen Raum überdachen. Als ideellem Prototyp folgen diese ersten Moscheebauten dem Haus des Propheten in Medina, dessen Südhof durch ein auf Palmstämmen ruhendes Dach überdeckt war. Ab dem 11. Jahrhundert wurde in den persischen Provinzen ein neuer Moscheetyp entwickelt, bei dem ein großer zentraler Innenhof von vier Räumen umgeben war. Dieser neue Typ der Moschee fand vor allem im Gebiet des heutigen Iran (die Imam-Moschee in Isfahan gehört dazu) und im indischen Raum Verbreitung. Besondere Bedeutung bei den zahlreichen Weiterentwicklungen und Regionalstilen der Versammlungsmoschee hat der von den Osmanen entwickelte Moscheetyp - der Innenraum wurde hier mit einer Kuppel überwölbt.
jenseits des bilderverbots
Im Moscheeraum ist die Abbildung von Lebewesen verboten. Aber die islamische Kunst hat höchst einfallsreich den Spielraum der Ornamente genutzt. Bei den architektonischen Bauformen ergänzen sich abstrakte Ornamentik und arabische Kalligrafie; beide vermitteln nach islamischem Kunstverständnis den Bezug zur Transzendenz.
Vor allem durch die Entwicklung der Kalligrafie hat die islamische Kunst den Bezug zum arabischen Text des Korans festgeschrieben. So fand sie, unter weitgehendem Verzicht auf menschliche Abbildungen, ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Weg zu Kreativität und Schönheit.
Michael Josef Marx, 39, unterrichtet Arabistik an der Freien Universität Berlin.
Von Michael Josef Marx

SPIEGEL GESCHICHTE 5/2010
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