25.09.2012

Russischbrot und Peitsche

Mal mit Charme, mal brutal kämpften die sowjetischen Besatzer ab Mai 1945 um die Herrschaft in der Vier-Sektoren-Stadt.
Die Erstausgabe der "Deutschen Volkszeitung", die am 13. Juni 1945 an den Kiosken der Ruinenstadt Berlin erschien, brachte verblüffende Neuigkeiten. Das Blatt enthielt den ersten Aufruf des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands nach dem Krieg. Darin hieß es, "dass der Weg, Deutschland das Sowjetsystem aufzuzwingen, falsch wäre". Die KPD, die bis 1933 ein "Sowjetdeutschland" propagiert hatte, forderte nun die Errichtung "einer parlamentarisch-demokratischen Republik mit allen demokratischen Freiheiten und Rechten für das Volk".
Die meisten Berliner freilich, die hungrig durch die Trümmerwüste irrten, dachten in jenen Tagen kaum an den künftigen Staatsaufbau. Wie den Hauptstädtern zumute war, wusste der KPD-Vorsitzende Wilhelm Pieck von seinem Sohn Arthur. Der war Hauptmann der Roten Armee und schrieb dem Vater am 7. Mai 1945 in einem vertraulichen Bericht: "Die Ernährungslage ist katastrophal. Es gibt kein Licht, kein Wasser. Die wenigen Pumpen oder Brunnen reichen nicht aus, und die Leute stehen den ganzen Tag Schlange an den Pumpen, vor den wenigen Läden." Pieck junior fügte hinzu: "Obwohl alle Menschen froh sind, dass die Bombardierungen aufgehört haben und der Krieg für die Berliner nun aus ist, ist die Stimmung gedrückt und niedergeschlagen. Männer wie Frauen fangen leicht an zu weinen. Die meisten haben alles verloren: Wohnung, Eigentum, Geld und stehen vor dem Nichts."
Nur eine Minderheit der Berliner interessierte sich für den plakatierten "Befehl Nr. 2" der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) vom 10. Juni 1945. Der sah die Bildung "antifaschistischer" Parteien vor. Binnen wenigen Wochen formierten sich in Berlin vier Parteien. Neben den Kommunisten sammelten sich Sozialdemokraten, eine Christlich-Demokratische Union (CDU) und eine Liberal-Demokratische Partei (LDP). Stalin wollte Weichen stellen, ehe die Westalliierten wie vereinbart im Juli 1945 die Westhälfte Berlins als Besatzungsmächte übernahmen.
Schon am 19. Mai ernannten die Sowjets einen Berliner Magistrat, geleitet vom parteilosen Bürgerlichen Arthur Werner. Der promovierte Ingenieur, der bis Oktober 1946 amtierte, diente als Galionsfigur. Schlüsselfunktionen in der Stadtverwaltung besetzten KPD-Funktionäre wie Arthur Pieck und Karl Maron, später DDR-Innenminister.
Die neue Stadtverwaltung setzte die Stromversorgung wieder in Gang. Sie eröffnete Theater, Schulen und im August die Deutsche Staatsoper. Und sie versuchte, im Juli beginnende Ruhr- und Typhus-Epidemien zu bekämpfen, denen Tausende ausgezehrte Berliner zum Opfer fielen.
KPD-Wortführer Walter Ulbricht drängte seine Genossen, zu den Sozialdemokraten "ein neues, vertrauensvolles Verhältnis zu schaffen", um beide Parteien rasch zu fusionieren. Einer Vereinigung unter Druck widersetzte sich die SPD, zunächst auch deren Ostvorsitzender Otto Grotewohl. Doch der harmoniesüchtige Hobbymaler neigte bald zum Weichzeichnen der sowjetischen Politik.
Wie wichtig Moskau die von Berlin aus geführte Einheitspartei war, zeigt eine geheime Weisung der SMAD-Informationsverwaltung: Jeden Abend bis 22 Uhr mussten im Frühjahr 1946 alle regionalen Abteilungen Berichte über die Einheitsvorbereitung liefern.
In der Informationsverwaltung dienten mehrere hundert erfahrene Kader der Roten Armee, während des Kriegs tätig in Abteilungen für "die Arbeit in den Streitkräften und der Bevölkerung des Gegners". Chef der Informationsverwaltung war Oberst Sergej Tjulpanow. Der Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaftler, der zeitweise in Heidelberg studiert hatte, residierte in der Ehrenfels-Straße in Berlin-Karlshorst.
Tjulpanow war Stalins wirksamster Kämpfer an der ideologischen Front in Deutschland. Denn er erweckte den Eindruck, kein sturer Stalinist zu sein.
Tjulpanows Aufgabe hatte Marschall Georgij Schukow, der Eroberer Berlins, im Mai 1945 vor Parteifunktionären der Sowjet-Garnison in der Hauptstadt so formuliert: "Wir haben Berlin erstürmt, doch die Seelen der Deutschen werden wir erst erkämpfen müssen. Das wird eine schwere Schlacht, und nun verläuft unsere vorderste Linie gerade hier."
Tjulpanows Waffe war Freundlichkeit. Strahlend und liebenswürdig empfing er führende Berliner Sozialdemokraten. Er fragte sie, ob sie Wünsche hätten. Es durfte auch mal ein BMW sein, etwa für den SPD-Politiker und späteren DDR-Justizminister Max Fechner.
Viele SPD-Funktionäre im Ostteil Berlins fügten sich, teils genötigt, teils in der Hoffnung, sie könnten die neue Partei dominieren. Dennoch wollten Berliner Sozialdemokraten eine Urabstimmung über die Vereinigung.
Die Sowjets aber verboten den Ost-Berliner SPD-Mitgliedern die Teilnahme. Das Abstimmungsergebnis in den Westsektoren zeigt, warum: Von 32 547 West-Berliner Sozialdemokraten stimmten am 31. März 1946 nur 2937 für die sofortige Vereinigung. 14 763 votierten für ein Bündnis von SPD und KPD. Gegen jedes Bündnis und jede Vereinigung wandten sich 5559 Mitglieder. Dennoch wurde der Vereinigungsparteitag von SPD und KPD am 21. und 22. April 1946 im Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße für mehr als tausend Delegierte und Hunderte Gäste ein emotionales Erlebnis. Vor Porträts August Bebels und Wilhelm Liebknechts sowie dem Transparent "Auf, Sozialisten, schließt die Reihen" hörten die Versammelten Beethovens "Fidelio"-Ouvertüre und das Versprechen Grotewohls, der jahrzehntelange "Bruderkampf" sei jetzt beendet.
Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), die bei ihrer Gründung knapp 1,3 Millionen Mitglieder zählte, beteuerte, sie wolle "kein Einparteiensystem", und warb für den "Ausbau der Selbstverwaltung auf der Grundlage demokratisch durchgeführter Wahlen".
Tatsächlich durfte die Hauptstadt ein halbes Jahr später frei über die Zusammensetzung einer Stadtverordnetenversammlung entscheiden, auch im Osten. Zur Wahl standen im Oktober 1946 Christdemokraten und Liberale, Sozialdemokraten und SED. Das Ergebnis war ein Desaster für die Einheitspartei: Nur rund 20 Prozent votierten für die SED, 48,7 Prozent für die SPD. Selbst im sowjetischen Sektor erhielt die SED nur knapp 30 Prozent. Es sollten die letzten freien Wahlen im Osten bleiben für mehr als 43 Jahre, bis zur Volkskammerwahl im März 1990.
Immer dünner wurde die Luft im Berliner Osten für jene Sozialdemokraten, die sich der SED angeschlossen hatten. Im September 1947 verkündete Pieck auf dem 2. SED-Parteitag: "Die Sowjetvölker haben uns den Weg gewiesen, auf dem wir den Sozialismus verwirklichen können." Als die SED ab Juni 1948 zur "Ausmerzung von schädlichen und feindlichen Elementen" in ihrer "Partei neuen Typus" aufrief, brach Panik unter den Berliner Mitgliedern aus. Zahlreiche Sozialdemokraten flüchteten in den Westen, im Oktober 1948 auch Erich Gniffke, Mitglied des SED-Zentralsekretariats.
Die SED, kritisierte Gniffke, betreibe "eine Politik des Selbstbetruges und des Betruges gegenüber anderen". Unter stärkeren Druck gerieten auch Christdemokraten und Liberale, die sich im Osten mit der sowjetischen Besatzungsmacht arrangiert hatten.
Zunächst versuchten es die Sowjets mit dem, was Tjulpanow "positive Methoden" nannte. An üppig gedeckten Tischen bewirteten Moskaus Statthalter mäßig genährte Gesprächspartner aus CDU und LDP bei Banketten. Hohlwangige Gäste konnten sich an Hammel- und Spanferkelrücken delektieren, wie sich der Berliner CDU-Politiker Ernst Lemmer später erinnerte. Mit Trinksprüchen auf das "große deutsche Volk" hielten Sowjetoffiziere ihre Gäste bei Laune, dazu floss reichlich Wodka. Da erwies sich manch Bürgerlicher bald als nicht mehr standfest.
Die Masse der Berliner hungerte und fror, vor allem im strengen Winter 1946/47. Kohle war Mangelware, die per Lebensmittelkarten zugeteilten Fettrationen waren erbärmlich. In der zum Elendsquartier mutierten Metropole grassierte die Tuberkulose.
In dieser Lage praktizierten die Sowjets Zuckerbrot und Peitsche. Wie bürgerliche Politiker mit Nahrhaftem geköder werden sollten, zeigt ein geheimes Dossier Tjulpanows vom April 1948. "Die fortschrittlichsten Führer der LDP", heißt es da, erhielten "als Ausdruck der 'Sorge um den Gesundheitszustand' häufig Lebensmittelpakete, Lebensmittelmarken, Geschenke und manchmal auch Geld". Gegen "reaktionär eingestellte Führer und Funktionäre der Partei" hingegen solle "kompromittierendes Material verwendet" und auch an die Presse lanciert werden, zwecks "Säuberung der Leitungsinstanzen der Partei".
Wer bei den Sowjets in Ungnade fiel, musste fliehen. Die Berliner CDU-Vorsitzenden Lemmer und Jakob Kaiser, die noch im September auf einem Parteitag im Berliner Osten die CDU als "Wellenbrecher gegen den Marxismus" in Stellung gebracht hatten, wurden im Dezember 1947 von den Sowjets abgesetzt. Die CDU in Berlin zerfiel ab Anfang 1948 in einen westlichen und einen sowjetisch gelenkten Teil. Die Ost-CDU gab die Losung aus: "Ex oriente pax" - aus dem Osten kommt der Frieden. Zu Jahresbeginn 1948 spaltete sich auch die LDP.
Die Berliner, bekannt für Realitätssinn, ahnten schon Anfang 1947, was auf sie zukam. Tjulpanow meldete im März 1947 in einer Depesche ("geheim") nach Moskau: "In der Berliner Bevölkerung wird lebhaft darüber diskutiert, ob Deutschland ein Einheitsstaat bleibt oder zerstückelt wird. Zugleich wächst die Befürchtung, Deutschland könnte infolge der gegensätzlichen politischen Auffassungen und Bestrebungen der Alliierten aufgegliedert werden."
Die Berliner gerieten in die Zwangslage, sich entweder den USA oder der Sowjetunion unterzuordnen. Im September 1948 forderte Tjulpanow in der SMAD-Zeitung "Tägliche Rundschau" von den Berlinern Moskau-Treue. Da-bei verbarg sich der Sowjetoberst hin-ter dem deutschen Pseudonym "R. Schmidt": "Es ist ganz klar, dass in einer von den Truppen eines sozialistischen Staates besetzten Zone nur wirklich demokratische Parteien Aussichten für eine weitere Entwicklung haben."
Dahinter stand die Drohung mit Gewalt. Denn auch für den rabiaten Umgang mit politischen Gegnern verfügten die Sowjets im Berliner Osten über erfahrenes Personal.
Die sowjetische Staatssicherheit in Deutschland mit ihrer Zentrale in Berlin befehligte im Januar 1946 über 2230 Mitarbeiter und 2304 deutsche Zuträger. Geführt wurde die Filiale des sowjetischen Geheimdienstes von Iwan Serow. Der kleinwüchsige Generaloberst, Sohn eines zaristischen Gefängnisaufsehers, war Spezialist für Deportationen und Unterwerfung widerständiger Völker vom Baltikum bis zum Kaukasus.
Auch in Deutschland blieb er seinem Ruf treu. Ohne Gerichtsurteil befanden sich im Juli 1947 mehr als 60 000 Gefangene in Lagern der sowjetischen Besatzungszone. Zu diesen Haftanstalten gehörte auch das "Speziallager Nr. 3" in der Genslerstraße in Berlin-Hohenschönhausen.
Bis Ende 1945 saßen dort überwiegend niedere NS-Funktionäre ein, aber auch prominente Mitläufer wie der Schauspieler Heinrich George, der in Durchhaltefilmen wie "Kolberg" Hauptrollen gespielt hatte. Ab 1946/47 gerieten auch immer mehr Sozialdemokraten, Christdemokraten und Liberale in die ungeheizten fensterlosen Kellerzellen ohne fließendes Wasser.
Viele Insassen starben. Allein in Hohenschönhausen kamen von Ende Juli 1945 bis Oktober 1946 nach offizieller Statistik 886 Häftlinge um, die meisten durch Hunger und Infektionskrankheiten.
Der Satz "Den haben sie abgeholt" war im sowjetisch kontrollierten Berlin Synonym für eine Willkürherrschaft, die zuvor auch schon die Sowjetbürger erlitten hatten. Allein bis März 1948 waren 6455 Berliner "verschwunden". Den Betroffenen konnten weder Anwälte noch Gerichte helfen. Oft erfuhren die Angehörigen nicht einmal, wo sich der Gefangene befand.
Dass diese Methoden sich verheerend auswirkten, war sowjetischen Generälen durchaus bewusst, wie lange geheim gehaltene Dokumente aus Moskau zeigen. So schrieb Generalmajor Iwan Kolesnitschenko, SMAD-Leiter in Thüringen, im November 1948 in einem Bericht: "Auch jetzt ruft bei der deutschen Bevölkerung das 'Verschwinden' von Menschen aufgrund der Tätigkeit unserer Operativen Sektoren größte Unzufriedenheit hervor. Ich wage zu behaupten, dass dieses Vorgehen unserer Sicherheitsorgane auf Seiten der Deutschen die stärkste antisowjetische Propaganda und Hass uns gegenüber hervorruft."
Die sowjetische Besatzungsmacht befand sich in einem Dilemma: Ihre Option eines neutralen Gesamtdeutschland mit Berlin als ungeteilter Hauptstadt war spätestens im Dezember 1947 hinfällig. Damals scheiterten in London Verhandlungen der Außenminister der USA, der Sowjetunion, Frankreichs und Großbritanniens über die Zukunft Deutschlands.
Amerikaner und Briten bereiteten die Gründung eines westdeutschen Staates vor, eingebunden in ein von ihnen dominiertes Bündnis. Ein zentraler Schritt dazu war die Währungsreform in den Westzonen am 20. Juni 1948. Die Sowjets antworteten mit einer Unterbrechung der Straßen- und Schienenwege zwischen Westdeutschland und West-Berlin.
Emissäre aus Moskau erläuterten SMAD-Mitarbeitern derweil das Ziel der Maßnahmen. Der jetzt 90-jährige Alexander Galkin, damals Major in der SMAD, erinnert sich: "Man sagte uns, die Sowjetzone werde durch die Präsenz westlicher Truppen mitten in dieser Zone, in West-Berlin, destabilisiert. Die Truppen seien ein Störfaktor und sollten verschwinden."
Doch Galkin ahnte früh das Scheitern der Blockade: "Das konnten sich nur Leute ausdenken, die weder die Stimmung im Berliner Westen kannten noch das Transportpotential der britischen und amerikanischen Luftwaffe."
Durch drei Luftkorridore begannen die Westalliierten Ende Juni, West-Berlin zu versorgen. Die "Rosinenbomber", wie die West-Berliner sie bald nannten, brachten Getreide, Trockenmilch, Mehl und Kohle, Benzin und Medikamente in den Westteil der Metropole. Zwar versuchte die Ost-Berliner Kino-Wochenschau "Der Augenzeuge", die Deutschen an die alliierten Bombenangriffe zu erinnern ("Damals kamen die Menschenfreunde mit Bomben und Phosphor"), doch diese Propaganda blieb im Westen wirkungslos.
Während im Himmel über Berlin die amerikanischen "Douglas"-Propellermaschinen dröhnten, zerriss die Stadt in zwei Hälften. Als die Berliner Stadtverordnetenversammlung sich der SED nicht fügen wollte, organisierte die Einheitspartei ab Ende August 1948 Krawalle gegen die Volksvertretung. Am 6. September verlegten die Abgeordneten gegen den Protest der SED-Fraktion das Stadtparlament in den Westen.
Drei Tage später appellierte Bürgermeister Ernst Reuter vor mehr als 300 000 Teilnehmern auf einer Kundgebung vor dem Reichstag an die Solidarität des Westens: "Ihr Völker der Welt! Ihr Völker in Amerika, in England, Frankreich und Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft, nicht preisgeben könnt." Die Spaltung war da. Die SED bildete im November 1948 einen separaten "Demokratischen Magistrat", per Akklamation zwangsmobilisierter "Werktätiger".
Ironie der Geschichte: Die Kommunisten kürten im Osten den früheren Sozialdemokraten Friedrich Ebert, Sohn des ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, zum Oberbürgermeister. Im Westen dagegen formierte ein ehemaliger führender Kommunist den Widerstand gegen die Sowjets. Ernst Reuter war zu Lenins Zeiten Volkskommissar im Gebiet der Wolgadeutschen und danach 1921 kurzfristig Generalsekretär der KPD gewesen.
Die politische Luftschlacht um Berlin geriet zur Niederlage der Sowjets. Nach rund 280 000 Luftbrücken-Flügen, zeitweilig im Minutentakt, bei denen 39 Briten, 31 Amerikaner und 13 Deutsche durch Unfälle ums Leben kamen, gaben die Sowjets am 12. Mai 1949 die Blockade auf.
Die West-Berliner, erleichtert darüber, dass sie Stalins Zugriff entkommen waren, verdrängten die Schattenseite. Die Stadt war auf lange Sicht gespalten. West-Berlin blieb für Jahrzehnte als unselbständige Einheit ein Protektorat der Besatzungsmächte. Deren Geheimdienste konnten Deutsche nach Gutdünken bespitzeln und hatten ein Vetorecht bei der Bestellung von Behördenleitern etwa des Verfassungsschutzes.
Die im Osten nunmehr herrschende SED setzte anfangs auf patriotisches Pathos: "Als Oberbürgermeister von Groß-Berlin", tönte Ebert im Januar 1949 auf einer SED-Parteikonferenz, "wiederhole ich das Gelöbnis der Bevölkerung der Hauptstadt, den Kampf um die Einheit Deutschlands, um die Schaffung einer einheitlichen demokratischen Republik mit Berlin als Hauptstadt nicht eine Stunde früher zu beenden, als bis dieses Ziel erreicht und das Banner der deutschen Einheit und der deutschen Freiheit über dem ganzen Lande weht."
Die Umstände jedoch, unter denen sich die Einheit 40 Jahre später vollziehen sollte, konnte sich Ebert wohl kaum vorstellen.

Die KPD verlautbarte, es sei falsch, "Deutschland das Sowjetsystem aufzuzwingen".

Der Satz "Den haben sie abgeholt" war im sowjetisch kontrollierten Berlin Synonym für Willkürherrschaft.

Auf die Währungsreform in den Westzonen antworteten die Sowjets mit einer Blockade West-Berlins.

Von Uwe Klußmann

SPIEGEL GESCHICHTE 5/2012
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