01.06.2002

UNTERGANG DER „GUSTLOFF“DIE VERDRÄNGTE TRAGÖDIE

Es war die wohl größte Seefahrtskatastrophe, schlimmer noch als der Untergang der „Titanic": Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs versenkte ein sowjetisches U-Boot das deutsche Flüchtlingsschiff „Wilhelm Gustloff“. Etwa 9000 Menschen kamen ums Leben, zumeist Frauen und Kinder.
Die jungen Mädchen waren unter den Ersten, die starben: Marinehelferinnen, einige Dutzend, die meisten erst 17 oder 18 Jahre alt. Die Offiziere der "Wilhelm Gustloff" hatten ihnen als Quartier das Schwimmbad des ehemaligen Kreuzfahrtschiffes zugewiesen, dazu die umliegenden Kabinen. Es war gekachelt, von Säulen umstanden und mit einem Mosaik verziert, vor allem aber etwas abgelegen vom Chaos auf dem Rest des Schiffes.
Doch das Schwimmbad lag auch nahe dem Bug der "Gustloff", auf dem tiefsten Deck, einige Meter unter der Wasserlinie. Und genau dort traf einer von drei Torpedos in dieser eiskalten Nacht, der des 30. Januar 1945.
Ursula Pautz hatte es gerade geschafft einzuschlafen, als ein "entsetzlicher Schlag" sie wieder hochriss: "Es war, als wenn Eisenplatten mit wahnsinniger Wucht gegeneinander geschlagen wurden. Entsetzensschreie gellten durch die Luft. Ich sah Verwüstung. Umgestürzte Spinde, eingeklemmte schreiende Mädchen. Durch die Tür, die zum Schwimmbad führte, drang Wasser. Ich riss sie auf und sah ein entsetzliches Bild. Überall lagen meine Kameradinnen, teilweise schon vom Wasser überflutet, ein schreiender, betender Haufen. Die Mädels, die noch nicht tot oder ertrunken waren, versuchten die Treppe nach oben zu erreichen. Doch die Schotten waren dicht, es gab kein Entkommen mehr. Wir sind eingesperrt, schrie eines der Mädels, eingesperrt haben sie uns. Ich hörte Schreie nach der Mutter, nach Gott, nach Hilfe. Ich will nicht sterben, schrie eines der Mädchen. Eine andere Kameradin neben mir hatte von irgendwoher ein Messer und schnitt sich die Adern an beiden Armen auf - ihr Blut mischte sich mit dem immer höher steigenden Wasser." Nur wenige Mädchen konnten schließlich doch noch eine Fluchtluke aufstemmen.
Mit dem Torpedotreffer im Schwimmbad begann die wohl größte Katastrophe der Seefahrt. Als das sowjetische U-Boot "S 13" das deutsche Flüchtlingsschiff "Wilhelm Gustloff" in den letzten Monaten des Krieges in der Ostsee versenkte, überlebten etwa 1200 Menschen die Attacke. Rund 9000 aber starben - sechsmal so viele wie beim Untergang der "Titanic".
Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder. Sie traten sich in den Gängen zu Tode, wurden von Stahlwänden zerquetscht oder brachen sich das Genick, als sie über das vereiste Deck kletterten. Zwischen den Wrackteilen schwammen sie nachher meist nur Minuten, bis die Kälte des Wassers sie einschläferte.
Die "Titanic" zeugte von der Hybris der technikbegeisterten Zivilisation, die glaubte, sie könne die Natur besiegen. Die "Gustloff" war Symbol der deutschen Hybris, des Traumes von der großdeutschen Volksgemeinschaft - der im Alptraum endete. Sie war Adolf Hitlers "Titanic".
Doch während der britische Luxusliner Stoff lieferte für Dutzende Bücher und Filme, wagten sich an die "Gustloff" nur wenige. Eine Hand voll Bücher gibt es und einen Spielfilm. Ansonsten verdrängten Deutsche und Russen die Katastrophe bald. Die Jungen in der Nachkriegsrepublik, die 68er, wollten von Deutschen als Opfern wenig wissen. Sie interessierten sich nur für die Täter unter den Vätern.
"Irgendjemand, so dachten wir, müsste doch büßen für die unfassbaren deutschen Verbrechen", erinnerte sich jüngst die Grüne Antje Vollmer an ihren Blick auf die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Ostgebieten. All das Leid war eben die Rechnung für den Angriffskrieg und für Auschwitz. Und "das sei schon so in Ordnung", dachte sie - wie viele andere. Opfer, das durften jahrzehntelang nur jene sein, die Hitler verfolgt hatte.
Das große Schweigen begann. Der erbitterte Streit um die Ostpolitik Willy Brandts ließ die Vertriebenenverbände weiter nach rechts rücken. Wer von den Toten der "Gustloff" sprach und den anderen Gräueln der Flucht, geriet nun schnell in Verdacht, ein Revanchist zu sein. Die politische Linke, räumt der Sozialdemokrat Otto Schily ein, hat "zeitweise über die Vertreibungsverbrechen, über das millionenfache Leid, das den Vertriebenen zugefügt wurde, hinweggesehen". Die Ostsee hatte die "Gustloff" begraben, und das Schweigen hatte sich über die Schicksale der Menschen an Bord gelegt.
Es wurde erst brüchig, als die Mauer fiel und Helmut Kohl die deutsche Ostgrenze endgültig festschrieb. Die deutsche Frage war beantwortet, der Blick nach Osten wurde frei. Und das neue Buch von Günter Grass lenkt ihn nun auf die "Gustloff", lenkt ihn nach Gdynia oder Gdingen, in jene Stadt, welche die Nazis Gotenhafen nannten.
DER KESSEL
Unaufhaltsam rückt die Rote Armee Ende Januar 1945 nach Westen vor, Richtung Königsberg, Richtung Danzig. Ein Volk flüchtet, zu Fuß, mit Pferdewagen, bei rund 20 Grad minus. Die Elenden fliehen über das zugefrorene Haff, gejagt von russischen Flugzeugen, die mit ihren Bordkanonen die Trecks der Verzweifelten angreifen. Sie mähen sie nieder, die Frauen und die Kinder, die Greise und die schwer Verletzten - für die Piloten alles "Hitleristen", keine Menschen.
Bald ist ganz Ostpreußen eingekesselt, Hunderttausende laufen, im Rücken die Rote Armee. Es bleibt für viele nur eine Hoffnung - und dorthin fliehen sie nun vor den Sowjetpanzern: nach Gotenhafen, zu den Schiffen.
Der Hafen ist einer der wichtigsten Stützpunkte der Kriegsmarine, so weit im Osten, dass alliierte Bomberflotten kaum hinkommen. Bald aber wird auch Gotenhafen ein Inferno sein, das wissen alle, und schon jetzt ist die Stadt die Hölle.
Die letzten noch fahrenden Züge bringen Menschen, und auch über See kommen sie in kleinen Booten. Selbst auf den Decks stehen die Flüchtenden dicht an dicht, in Gischt und schneidendem Wind. Wenn die Boote anlegen und sich die Masse auflöst, fallen einige steif um, tot, erfroren, wie zu gläsernen Statuen erstarrt.
Überall in den Häusern von Gotenhafen, den Schulen und Kneipen liegen Flüchtlinge, in den Fluren der Lazarette wälzen sich die schwer Verwundeten. Kinder betteln auf der Straße um Brot. Trotzdem ist es ein Hafen der Hoffnung, denn in der Bucht liegen nicht nur große Kriegsschiffe wie die Schweren Kreuzer "Admiral Hipper" und "Prinz Eugen". An den Piers festgemacht haben auch Schiffe, von denen jedes Tausende Fliehende aufnehmen könnte, die "Hansa" etwa, die "Cap Arcona" - und die "Wilhelm Gustloff".
1937 lief sie vom Stapel, das bis damals größte Kreuzfahrtschiff der Welt, über 208 Meter lang, fast 24 Meter breit, weiß, prachtvoll, mit Kino und Schwimmbad. Für Hitlers Freizeit-Organisation "Kraft durch Freude" brachte sie anderthalb Jahre lang Urlauber nach Norwegen oder Schweden. Dann ließen die Admiräle sie grau überstreichen, den größten Teil des Krieges über lag die "Gustloff" an der Pier in Gotenhafen als schwimmende Kaserne für die Kadetten der 2. U-Boot-Lehrdivision.
Doch die "Gustloff" und die anderen Schiffe dürfen noch keinen Flüchtling an Bord nehmen, obwohl immer mehr Menschen zum Hafen strömen. Auch die Kapitäne wollen schnell weg. Sie fürchten den Bombenangriff, der sie irgendwann treffen muss. Es kann den Alliierten nicht verborgen bleiben, dass sich im Hafen immer mehr Schiffe konzentrieren. Die Verzweifelten auf den Straßen, die Seeleute auf den Schiffen, sie alle warten, Tag um Tag.
DIE "OPERATION HANNIBAL"
Am 21. Januar endlich gibt Großadmiral Karl Dönitz den Befehl: Alle verfügbaren deutschen Schiffe sollen vor den Sowjets retten, was zu retten ist. Die "Operation Hannibal" wird die größte Evakuierung über See aller Zeiten - mehr als zwei Millionen Menschen gelangen so gen Westen. Die Offiziere haben Order, vor allem die U-Boot-Kadetten in den Westen zu bringen und deren Kriegsmaterial. In jeden dann noch freien Winkel ihrer Schiffe sollen sie Flüchtlinge stopfen, allerdings nur Frauen und Kinder. Männer müssen bleiben und bis zur letzten Patrone kämpfen.
Den Kapitän der "Gustloff", Friedrich Petersen, beschleicht ein mulmiges Gefühl. Er ist bereits 63 und hat seit Jahren kein Schiff mehr gefahren, schon gar nicht einen solchen Koloss. Petersen lässt sich zwei junge "Fahrkapitäne" zuteilen, die das Schiff manövrieren können. Seine Mannschaft ist ein zusammengewürfelter Haufen aus Kriegs- und Handelsmarine. Dazu übernimmt der schneidige Korvettenkapitän Wilhelm Zahn, Befehlshaber der angehenden U-Boot-Leute auf der "Gustloff", das militärische Kommando. Die Kompetenzen sind ungeklärt: vier Kapitäne auf einem umlackierten Musikdampfer - und draußen die Ostsee voller Minen und U-Boote.
Nun beginnt Gott zu würfeln, und Menschen kommen zueinander, deren Schicksale bis heute miteinander verknüpft sind durch die "Gustloff": Robert Hering - er wird der Held des Dramas - hat erst im Dezember sein Torpedoboot "T 36" bei der Werft abgeholt. Es ist sein erstes Kommando, sein erstes eigenes Schiff, und seine Männer sagen "Herr Kaleu" zu dem Kapitänleutnant, der gerade 26 Jahre alt ist. "Das war ein absoluter Traum, vor allem in diesem Alter", weiß er noch heute.
Im Januar bekommt er den Befehl, Flüchtlinge aufzunehmen. In Danzig sammelt er 255 Menschen ein, die aus Elbing kommen; auch seine Mutter holt er an Bord. Nun liegt "T 36" in Gotenhafen, Hering wartet auf weitere Befehle.
Ursula Resas, 21, erreicht Gotenhafen am 24. Januar nach wochenlangem Umherirren, "immer an der Küste lang, alles andere war ja schon von den Russen abgeschnitten". Dort trifft sie ihre jüngere Schwester Rosemarie, auch sie Marinehelferin. Mit rund 20 Kameradinnen sollen die beiden sich auf der "Gustloff" melden. Doch Rosemarie will nicht, sie hat Angst, eine unbestimmte Angst.
"Ich gehe aber nicht ohne dich", jammert Ursula Resas. Erst ein Machtwort des Vaters hilft, der in der Nähe bei den Flugbeobachtern Dienst tut: "Papa hat gesagt: Ihr dürft euch nicht trennen", erinnert sie sich. "Also stapften wir am 25. Januar zum Hafen. Schnee bis zu den Knien, jeder durfte nur das mitnehmen, was er in der Hand tragen konnte. Am Hafen lagen die Menschen unter Schnee. Ich habe gedacht, das sind nur Sachen, die da liegen, aber dann bewegten sich diese Haufen."
Die beiden Mädchen bekommen Matratzen, Schwimmwesten wie alle und Lebensmittelmarken. Sie legen sich im Vorführraum des Bordkinos auf den Boden und fühlen sich in Sicherheit, endlich: "Wir dachten, wir haben ein großes Schiff, das uns nach Westen bringen wird."
Vom 26. Januar an - am nächsten Tag betreten Rotarmisten das KZ Auschwitz - werden immer mehr Flüchtlinge eingeschifft. "Jeden Tag kamen neue Gerüchte", sagt Resas, "morgen läuft sie aus. Und immer neue Parolen und immer neue Menschen. Als Erstes kamen die Frauen von Parteibonzen, die kriegten die Kabinen."
Der Ehemann von Ebby Baronin Maydell starb schon 1934 - aber sie kennt jemanden, der ihr und ihrem Jungen Günther, damals 13, helfen kann: Adolf Bock. Der Führer persönlich schätzt die dramatischen Werke des Marinemalers, die auch Titelseiten von Propaganda-Heften wie "U-Boote ran!" zieren. Seit Jahren schon hat Bock eine feine Kabine auf der "Gustloff" als Wohnung, und nun sorgt er dafür, dass die beiden Maydells ebenfalls gut unterkommen.
Der Junge Günther kennt das Schiff bestens, schon oft hat er an Bord gespielt,
wenn seine Mutter Bock besuchte. Für ihn ist das alles hier "ein großes Abenteuer". Er rennt durch die Gänge, über Deck, inspiziert sein Schiff. Die Rettungsboote, das sieht er sofort, sind in einem lausigen Zustand, voller Eis und Schnee, außerdem gar nicht einsatzklar, weil ihre Halterungen, die Davits, noch nach innen geschwenkt sind. Aber was soll er, der Junge, den Offizieren sagen? Und überhaupt: "Wir dachten, wir sind in Sicherheit."
Bald laufen durch Gänge und Treppenhäuser der "Gustloff" so viele Kinder auf Entdeckungstour, dass ein Suchdienst mit Hilfe der Bordlautsprecher ständig nach Müttern fahndet. Einer der Jungs ist Heinrich Korella, 13. Der Mann, den seine Mut-
ter Käthe heiraten will, arbeitet als Koch auf der "Gustloff", Arthur Krohn heißt er.
Krohn lotst die beiden auf das vermeintlich rettende Schiff. "Es war dunkel, grau, kalt und Schnee fiel", so Korella. Als sie an der gewaltigen Schlange auf der Pier vorbeigehen, fällt dem Kind auf, "dass alles so still war. Tausende Menschen standen da. Aber die Leute waren glücklich, es bis Gotenhafen geschafft zu haben, denn die ,Gustloff'' war ja die Rettung." Doch das Gedränge am Kai der Hoffnung wird immer dichter, langsam merken die Wartenden, dass längst nicht alle mitkommen werden. "Es war wie die Arche Noah, alles strömte zu den Aufgängen", sagt Winfried Harthun, damals 7.
Am Anfang werden die Flüchtlinge noch gezählt. Zahlmeister-Aspirant Heinz Schön ist einer derjenigen, die im Schichtdienst die Namen in Kladden schreiben. Schwangere gehen vor, das weiß Schön, denn die "Gustloff" hat eine Entbindungsstation.
Doch bald brechen die Dämme, alle wollen mit, um jeden Preis. Und als 7956 Menschen an Bord sind, gehen Schön und den Marinehelferinnen auch noch die Kladden aus. Es gibt kein Papier mehr. Nun drängen die Flüchtlinge ungezählt an Bord, noch über 2000, meint Schön.
DIE JAGD
Am 29. Januar ist die "Gustloff" klar zum Auslaufen. In der Nacht kommt noch eine gute Nachricht, ein Telegramm vom Führer der Unterseeboote Ost: "drei feindliche u-boote im seequadrat viktor toni 4923 - laufen aufgetaucht langsame fahrt kurs sw - sind erfasst und werden überwacht - mittlere und westliche ostsee frei von u-booten."
Diese drei U-Boote haben die Deutschen also im Griff, aber eines wissen sie nicht - da draußen kreuzt noch ein viertes U-Boot, ein Irrläufer: "S 13" unter Kapitän Alexander Marinesko. Der Trinker und Schürzenjäger hatte den Befehl zum Auslaufen ignoriert und war stattdessen im finnischen Stützpunkt Turku auf Sauftour gegangen. Als Militärpolizisten ihn schließlich fanden, sollte er sus pendiert werden, doch da murrte seine Mannschaft. Mit mehreren Tagen Verspätung lief "S 13" aus, allein.
Marinesko weiß, er muss die Scharte wieder auswetzen, seinen Ruf aufpolieren, und zwar auf dieser Feindfahrt. Er braucht dringend einen Abschuss und geht auf volles Risiko: "S 13" pirscht sich Richtung Gotenhafen an die noch deutsche Küste heran. Überall muss der Kommandant hier mit Minen rechnen, außerdem passiert tagelang erst mal gar nichts: "Wir strichen vor dem Bau der Faschisten hin und her, aber die Hunde wollten nicht herauskommen."
Am 30. Januar um 12.20 Uhr ziehen vier Schlepper die "Gustloff" von der Pier weg. Oben an Deck steht Ursula Resas: "Alles war glücklich und froh, als wir ausliefen. Wir hatten jetzt 18 Grad unter null. Aber als ich da oben stand, kam Wehmut auf. Da hab ich gedacht, ob ich unsere schöne Nehrung wohl jemals wieder sehen werde."
Kapitänleutnant Hering sieht von seiner "T 36" aus, wie noch während des Auslaufens Menschen von Booten aus auf die "Gustloff" springen: "Die Fallreeps waren unten, permanent kletterten Leute auf das Schiff."
Die "Gustloff" soll im Geleitzug fahren, zusammen mit dem Passagierschiff "Hansa", geschützt von drei kleineren Kriegsschiffen. Noch in der Danziger Bucht, vor der Halbinsel Hela, finden die Kapitäne die "Hansa". Sie liegt still vor Anker. Die Offiziere sehen Flaggensignale: "Maschinenschaden - Weiterlaufen verzögert sich."
Der alte Kapitän Petersen und der schneidige U-Boot-Ausbilder Zahn entscheiden sich, trotzdem auszulaufen. Statt der versprochenen drei Kriegsschiffe kommen aber nur zwei: das Torpedoboot "Löwe" und ein schwächliches Torpedofangboot.
Der Wind wird nun ruppig, fünf bis sechs Beaufort, dazu setzt Schneetreiben ein. Die "Gustloff" bolzt gegen die kurzen harten Ostseewellen an, und bald schon muss das Torpedofangboot abdrehen. Bleibt als Schutz nur noch die "Löwe" - "ein Hund führt einen Riesen durch die Nacht", spottet Zahn.
Nun müssen Petersen und er zwei Entscheidungen treffen. Und sie machen zwei Fehler: Zahn, der erfahrene U-Boot-Mann, weiß, dass Geschwindigkeit sie retten kann. U-Boote sind langsam. Zahn will, dass Petersen die "Gustloff" volle Kraft voraus fährt, 15 Knoten. "Unmöglich", kontert Petersen. Er fürchtet, dass die lange vernachlässigte Maschine nicht durchhält. Außerdem wurde die "Gustloff" bei einem Bombenangriff leicht beschädigt. Die Stelle ist längst wieder geschweißt, doch Petersen traut den Nähten nicht. Mehr als zwölf Knoten lässt er nicht zu. Nur: Da können sowjetische U-Boote mithalten.
Einig sind sich die beiden beim Kurs: Weit draußen auf See führt eine freigeräumte Route durch die Minenfelder, der so genannte Zwangsweg 58. Und dann gibt es noch eine sehr schmale Gasse im flachen Wasser nahe der Küste. Mit ihren nur sieben Meter Tiefgang könnte die "Gustloff" dort noch fahren. U-Boote würden sich jedoch nicht dahin trauen. Sie könnten nicht abtauchen und wären einem Beschuss hilflos ausgeliefert. Doch die beiden Kapitäne fürchten sich vor Luftangriffen und Minen in der engen Schneise und wählen gegen den Rat eines erfahrenen Offiziers den Kurs über die hohe See.
Abgedunkelt kämpfen sich die "Gustloff" und die "Löwe" nun durch die finstere Nacht. Nur selten lassen fliegende Wolkenfetzen den Mond sehen. Der kleine Günther von Maydell liegt in seiner Koje und liest Karl May. Auf der Krankenstation hat Marineoberstabsarzt Helmut Richter seit Beginn der Einschiffung schon vier Schwangere entbunden, alle brachten Jungs zur Welt. Die fünfte, eine junge Frau aus Elbing, liegt nun da. Zwischen 21 und 22 Uhr dürfte es soweit sein.
Ursula Resas kämpft sich durch die überfüllten Gänge zu ihrem Schlafsaal, klettert über Menschen, Gepäck. Ein Matrose spricht sie an: "Mädchen, ist das nicht schön, dass wir fahren? Ich hab noch eine Flasche Cognac, ich lad dich ein." Und der Koch Arthur Krohn bringt seiner Geliebten Korella und ihrem Sohn Heinrich belegte Schwarzbrote in die Zimmermannskabine, wo er sie untergebracht hat.
Als er geht, kann es niemand ahnen: Die beiden werden Krohn nie wieder sehen. Und das Baby, auf das Oberstabsarzt Richter wartet, es wird zwar leben. Aber im Moment seiner Geburt werden die meisten Passagiere der "Gustloff" tot sein.
Denn gegen 18 Uhr stürmt ein Maat auf die Brücke. Er bringt einen Funkspruch. Ein Minensuchverband laufe der "Gustloff" entgegen, genau auf Kollisionskurs. Dieser Funkspruch ist bis heute ein Rätsel der "Gustloff"-Katastrophe. Es kommt kein Minensuchverband. Das aber merken die Kapitäne erst später. Sie befehlen, Positionslichter einzuschalten, Rot an Backbord, Grün an Steuerbord, wie im tiefsten Frieden. Das wird ihr letzter Fehler. "Wenn wir Entgegenkommer haben, werden wir die ohne Lichter auf die Hörner nehmen", weist Petersen einen protestierenden Offizier zurück.
Als die Lichter der "Gustloff" aufflammen, fährt Marineskos U-Boot gerade aufgetaucht. Der wachhabende Offizier auf dem Gefechtsturm sieht das große Schiff sofort, auch das Torpedoboot "Löwe" ist zu erahnen. Marinesko lässt Vollgas geben. Sein Plan: Er will die beiden Schiffe auf Parallelkurs einholen, und zwar auf der Landseite. Dort kann ihm die "Löwe" nichts anhaben, weil sie die andere Seite der "Gustloff" deckt. Und gegen die dunkle Silhouette der Küste ist "S 13" kaum zu sehen. Um auf volle Geschwindigkeit zu kommen, muss er nämlich aufgetaucht fahren. Die Jagd beginnt.
Um 19.30 Uhr schalten die "Gustloff"-Kapitäne die Positionslichter zwar wieder aus, aber zu spät. "S 13" schiebt sich nun Meter um Meter auf ihre Höhe; zwei Stunden braucht das U-Boot für die Aufholjagd. Das Ziel scheint Marinesko "riesig", vielleicht ein Truppentransporter, mutmaßt er, voll gepackt mit Männern, "welche die Erde Mütterchen Russlands zertrampelt hatten und nun auf der Flucht waren".
Viele Überlebende halten den Angriff auf die "Gustloff" noch heute für ein Kriegsverbrechen, waren doch hauptsächlich Frauen und Kinder an Bord. Aber Hitlers Reichsregierung selbst hatte die Ostsee am 11. November 1944 zum so genannten Operationsgebiet erklärt. Deutsche Kriegsschiffe sollten auf alles feuern, was schwimmt. Und damit, da sind sich die Experten einig, galten für den Gegner die gleichen Rechte. Auch hatten die Sowjets nie eine der Konventionen zur Seekriegsführung unterzeichnet.
Zudem hatten Matrosen kurz vor dem Auslaufen notdürftig ein paar Flakgeschütze auf das oberste Deck der "Gustloff" montiert. Sie war also bewaffnet und hatte auch rund 900 Soldaten der U-Boot-Lehrdivision an Bord. Damit galt die "Gustloff" als Kriegsschiff.
DER TOD
Nach zwei Stunden läuft "S 13" schließlich neben der "Gustloff", Marinesko lässt vier Bugrohre klarmachen. Auf dem Torpedo in Rohr eins steht "Für das Mutterland", auf Torpedo zwei steht "Für Stalin", auf dem dritten "Für das sowjetische Volk" und auf dem vierten "Für Leningrad". Sie sind eingestellt auf drei Meter Tiefe. Drei Meter unter der Wasserlinie liegt auf der "Gustloff" das Schwimmbad mit den jungen Marinehelferinnen.
Marinesko hält jetzt auf die "Gustloff" zu. Bei 700 Meter Distanz läuft der Bug des Schiffes schließlich in sein Fadenkreuz. Der Kommandant gibt Feuerbefehl. Drei Torpedos schießen fauchend durchs Wasser. Nur "Für Stalin" bleibt in Rohr zwei stecken.
Die anderen Torpedos treffen. Als der zweite ins Schwimmbad hinein explodiert, läuft im Radio gerade der Schluss der Nationalhymne. Auch der Führer hatte gesprochen zum Jahrestag. Denn der 30. Januar war der Tag seiner "Machtergreifung" 1933. Es ist 21.16 Uhr.
Als die drei Schläge das Schiff erbeben lassen, läuft Oberstabsarzt Richter sofort zu der Hochschwangeren in seinem improvisierten Kreißsaal. Seine Helferinnen glauben, dass das Baby jetzt kommen wird. Er streicht der Frau über die Stirn und gibt ihr eine Spritze, welche die Wehen stoppt. Ein Helfer trägt sie an Deck.
Das Schiff krängt hart nach Backbord, Feuerlöscher fallen von den Wänden, platzen auf. Einer erwischt Ursula Resas'' Schwester Rosemarie. "Sie hatte das ganze Gesicht voll Schaum. Und dann kam eine Panik auf, wie man sie sich kaum vorstellen kann. Ich habe die Rosemarie angefasst, festgehalten wie im Schraubstock."
Die beiden wollen vom unteren Promenadendeck nach oben. Wie alle. "Frauen verloren ihre Kinder, da wurde drüber hinweggetrampelt. Alte Menschen blieben liegen. Es war grauenvoll." An den Aufgängen stehen auf einmal Matrosen mit Pistolen, sie lassen nur Frauen und Kinder durch. Rosemarie Resas jammert: "Ulla, jetzt müssen wir sterben."
"Ich will nicht sterben", schreit Ursula Resas zurück: "Dann habe ich meine Schuhe ausgezogen und wie eine Verrückte gegen die Fenster gehämmert, aber natürlich gingen die nicht auf."
Allein das breite untere Promenadendeck mit seinen Panzerglasfronten wird für Hunderte Menschen zum gläsernen Sarg, als das Wasser kommt. Der Obermaschinist Johann Smrczek aus dem Sudetenland hat sich in dem Moment schon auf das weiter oben liegende Sonnendeck gerettet: "Und da sah ich unten das Drama. Durch das Panzerglas. Ich konnte keine Schreie hören, gar nichts. Aber die Menschen waren da gedrängt wie die Ölsardinen. Und das Deck war schon halb im Wasser. Und ich sah Blitze. Das Mündungsfeuer der Pistolen. Mit denen erschossen Offiziere ihre Familien."
Jahre nach dem Krieg wird ein Taucher hinter den Scheiben viele seltsame Bälle treiben sehen, kleine und große. Die Schädel.
Die Resas aber haben Glück. Ein Offizier schießt mehrfach auf ein Fenster in ihrer Nähe, bis sich die Scheibe nach außen drücken lässt. Die "Gustloff" liegt nun schon so schräg, dass die beiden auf der Außenwand entlangrutschen können. Dann holt eine Welle sie. "Menschen klammerten sich an mich. Die habe ich weggetreten. Sonst hätten die mich mit in die Tie fe gezogen."
Der Zahlmeister-Aspirant Heinz Schön klettert an Steuerbord auf eines der wenigen Rettungsboote zu. "Es ist total überfüllt mit Frauen und Kindern. Einige Männer haben sich an den Bootsrand geklammert und hängen in der Luft. Rücksichtslos schlagen Bootsinsassen auf deren Hände. Einer nach dem anderen stürzt ab, fällt in die See. Endlich lassen einige das Boot zu Wasser." Aber in dem Moment legt sich die "Gustloff" plötzlich noch weiter auf die Seite, ein Flakgeschütz reißt sich los, rutscht über das schräge Deck, schießt über Bord - und zerschmettert das gerade zu Wasser gelassene Boot.
"Gustloff"-Kapitän Petersen weiß, dass er nicht unbedingt schnell von dem sinkenden Schiff weg muss. Die Ostsee ist hier nur 60 Meter tief. Die "Gustloff" aber misst vom Kiel bis zur Schornsteinspitze 58 Meter. Sie kann also nicht tief sinken, es wird nicht diesen mörderischen Sog geben. Petersen hat Zeit genug, sich zu einem der Boote durchzuschlagen, die kurz vor der Abfahrt noch aufs Sonnendeck ganz oben gehievt worden sind.
Marinemaler Bock schafft es mit Baronin Maydell und ihrem Sohn Günther zum selben Boot. Dann sitzen sie dort und warten. Bock beschrieb es nach dem Krieg in einem Protokoll: "Ich sah in dem dämmrigen Mondlicht von vorn eine hohe Welle über die versinkende Kommandobrücke rollen und alles, was an Menschen an der Reling hing, hinwegwaschen, hörte noch die durchdringenden Todesschreie, dann wurde unser Kutter von der Flut emporgerissen und wir mit voller Wucht gegen die Schornsteinaufbauten geschleudert. Dann versank alles, nur ein unendliches Gewirr von schreienden Menschen, Wrackteilen, Flößen und Bojen blieb übrig."
Doch kurz vorher passiert noch etwas, das mit Sicherheit erfunden wäre, wenn es nicht viele Menschen gesehen hätten: Während die "Gustloff" sinkt, schaltet sich plötzlich die gesamte Beleuchtung des Kreuzfahrers ein.
Und dann heulen die Sirenen.
Ursula Resas schwimmt einem Rettungsfloß hinterher. "Da hingen Menschen wie Trauben dran." Die meisten überleben nur ein paar Minuten in der eisigen Flut: "Einer nach dem anderen ließ los, und endlich konnte ich mit einer Hand eine Leine erwischen." Andere Flöße treiben vorbei. Einer schreit: "Hast du ''ne Pistole? Erschießt mich doch, ihr feigen Hunde."
Minuten vergehen wie Stunden, und irgendwann sieht sie Kinder, viele: "Sie hatten Schwimmwesten an. Aber die Köpfchen sind schwerer als die Beine, und die Beine ragten also aus dem Wasser."
Günther von Maydell hat sich in dem Rettungsboot des Kapitäns, in das sich irgendwie dann auch noch der zweite "Gustloff"-Kommandant Zahn gerettet hat, unter einer Ruderbank verkrochen. Von dort aus lernt der Junge, wie unterschiedlich Todesangst Menschen verändern kann. Als eine schwimmende Frau direkt neben dem Boot um Hilfe schreit, will Maler Bock sie hineinziehen. Doch "Gustloff"-Kapitän Petersen herrscht ihn an: "Lassen Sie das, wir sind voll." Bock brüllt etwas sehr Unflätiges zurück und zieht die Frau an Bord.
In einem anderen Boot bricht plötzlich eine Frau vor Schmerzen zusammen. Es ist die Hochschwangere aus Elbing. Die Männer an Bord rufen nach einem Arzt. Da hören sie von einem dritten Rettungsboot eine Stimme: "Hier ist ein Arzt." Es ist Helmut Richter, der dieser Frau die Spritze gegen die Wehen gegeben hatte. Kurz danach werden die Schwangere und der Mediziner von dem Torpedoboot "Löwe" aufgenommen, das sofort mit der Rettung begonnen hatte. Dort wird das Baby geboren.
Aber die "Löwe" ist längst nicht groß genug für all die Ertrinkenden um sie herum. 472 wird sie nachher gerettet haben. Ein paar Stunden nach der "Gustloff" hatte jedoch der Schwere Kreuzer "Admiral Hipper" in Gotenhafen abgelegt, zusammen mit dem Torpedoboot "T 36". Die Offiziere an Bord sehen die Notsignale der "Löwe", die roten Raketen.
Doch die große "Hipper" stoppt nur kurz auf und läuft dann gleich wieder ab, haars charf an den Leichen, den Schiffbrüchigen und den Flößen vorbei. "Das U-Boot war ja noch da", sagt "T 36"-Kommandant Hering. Der "Hipper"-Kapitän bringt sein Schiff in Sicherheit, während Hering seine Maschine stoppen lässt.
Lautlos gleitet das Torpedoboot mitten hinein in das Meer aus treibenden Köpfen - und auf den Präsentierteller. Trotzdem: "Man tut seine Pflicht." "Unten trieben Kopf an Kopf Menschen. Tot oder lebendig. Lauter Köpfe", sagt Hering. Seine Männer werfen die Fallreeps hinunter und ziehen an Bord, so viele sie können. 564 Menschen werden es nachher sein, die Hering gerettet hat. "Meine Leute haben das gemacht", sagt er.
Auch die beiden Kapitäne Petersen und Zahn klettern aus ihrem Holzboot an Bord und lassen sich im Kartenhaus nieder. Hering urteilt nicht. Aber als er selbst gegen Kriegsende sein beschädigtes Boot versenken muss, geht er als Letzter von Bord. "Wie sich das gehört", sagt er, und dass er kaum mit den beiden geredet hat.
Keine Zeit, sicher, auch das ist ein Grund. Denn auf der Brücke versucht Hering in diesen Minuten noch zu ahnen, wo das U-Boot sein könnte. Dorthin dreht er den Bug, um eine möglichst schmale Trefferfläche zu bieten. Plötzlich sieht er tatsächlich die Blasenspuren von zwei Torpedos. Sie laufen genau auf "T 36" zu.
Hering gibt Kommando "Volle Fahrt voraus", bei hart gelegtem Ruder. Er muss es tun. "T 36" schafft es, den Torpedos auszuweichen - über Dutzende Köpfe im Wasser hinweg. Zwei von seinen Leuten, die gerade am Heck Schiffbrüchige bergen, gehen über Bord, bleiben zurück, für immer. "Das war der schlimmste Moment meines Lebens."
Hering lässt sofort Wasserbomben werfen. Beinahe vernichtet er das inzwischen getauchte U-Boot Marineskos, das wird aber erst Jahrzehnte später bekannt. Noch einmal dreht Hering bei und rettet Schiffbrüchige, dann muss "T 36", hemmungslos überladen, weg. In der Nacht bergen andere Schiffe noch weitere Überlebende. Aber die meisten bringt Hering an Land.
EPILOG
Vom Wrack der "Gustloff" sind heute nur noch Bug und Heck erhalten. Taucher mehrerer Expeditionen haben Löcher in
den Rumpf geschnitten. Denn lange Jahre hielt sich das Gerücht, die Nazis hätten mit der "Gustloff" auch das legendäre Bernsteinzimmer in Sicherheit bringen wollen.
Die "Gustloff"-Kapitäne Petersen und Zahn starben erst lange nach dem Krieg, ebenso U-Boot-Kommandant Marinesko. Heute ist ein Museum in St. Petersburg nach ihm benannt.
Der Junge mit dem Karl-May-Buch, Günther von Maydell, war nach dem Krieg jahrzehntelang als Dokumentar beim SPIEGEL. Und wie Archivare so sind, hat er viel gesammelt über die "Gustloff". Er arbeitete jetzt, obschon seit elf Jahren im Ruhestand, für diesen Artikel noch einmal in seinem alten Büro.
Auch den Zahlmeister-Aspiranten Heinz Schön ließ die "Gustloff" nicht mehr los. Er schrieb zwei präzise Bücher über die Katastrophe**. Aber als er 1992 mit einer Expedition zum Untergangsort fuhr, wäre er dort beinahe ohnmächtig geworden. Nun wird er zusammen mit Günter Grass auf der Leipziger Buchmesse auftreten, nutzte der Schriftsteller doch auch Schöns Recherchen zur "Gustloff".
Die Marinehelferin Ursula Resas fand zwar ihre Schwester wieder, leidet aber noch heute unter dem, was sie gesehen hat. Ihrem Kind konnte sie etwa nie "Alle meine Entchen" vorsingen - wegen des Refrains "Köpfchen unter Wasser". Und doch denkt sie immer wieder an genau diese Zeile. Dann sieht sie die Kinderleichen neben sich treiben, die Beine nach oben.
Der Retter Hering, 83, ist zwar zu Treffen der Überlebenden gefahren, aber: "Die kennen mich, und ich kenne sie nicht. Das ist schon schwer." Mit seinen Kindern hat er nie über die "Gustloff" gesprochen. Er würde weinen, und er will auch nicht der Held sein.
Er tippt mit dem Zeigefinger auf das Zifferblatt seiner Armbanduhr. "Wissen Sie, etwas später als jetzt sind wir ausgelaufen", sagt er. Hering sagt nicht "damals". Die Geschichte ist für ihn nicht vorbei.
Und das Baby, das in jener Nacht erst auf der "Gustloff" und dann auf der "Löwe" geboren wurde, das starb wenige Wochen nach der Rettung - in der Wirklichkeit. In der Literatur wird es jetzt zum zweiten Mal geboren: Günter Grass hat es zu einer Hauptfigur seiner Novelle gemacht.
CLEMENS HÖGES, CORDULA MEYER, ERICH WIEDEMANN, KLAUS WIEGREFE
* Aus dem Spielfilm "Nacht fiel über Gotenhafen" von 1959. * Ursula Resas (M.), Heinz Schön, 1995 mit einem Freund bei einem Treffen der Überlebenden und Retter in Damp. ** Heinz Schön: "Die Gustloff-Katastrophe". Motorbuch-Verlag, Stuttgart; 516 Seiten; 16 Euro. "SOS-Wilhelm-Gustloff". Motorbuch-Verlag, Stuttgart; 254 Seiten; 26 Euro.
Von Clemens Höges, Cordula Meyer, Erich Wiedemann und Klaus Wiegrefe

SPIEGEL SPECIAL 2/2002
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SPIEGEL SPECIAL 2/2002
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