26.02.2008

FRAUEN-WELTENDie Stunde der Frauen

Neunzig Jahre nachdem Bürgerinnen in Deutschland erstmals wählen durften, drängen Frauen weltweit in Spitzenpositionen. Dort, wo sie es geschafft haben, bewahrheitet sich, was die ersten Feministinnen prophezeiten: Geteilte Macht ist doppelte Macht.
Es gehört zu den fest gemauerten Vorurteilen von Männern, dass Frauen keinen Humor haben. An Stammtischen und unter Schenkelklopfern kommen lustige Weiber allenfalls in Windsor vor und gelten als ähnlich seltene Exemplare wie Männer, die es mit Heimarbeit in Spitzenpositionen schaffen.
Dabei ist es gerade diese Qualität, die Fähigkeit, herzhaft über die Wirklichkeit und über sich selbst zu lachen, die seit Jahrhunderten zum Überlebensprogramm gestandener Weibsbilder gehört. Was Frauen so erfolgreich mache? Judith Rosmair lacht ihr herrlich ansteckendes, glucksendes Lachen. Das sei doch wohl klar, sagt die Schauspielerin des Jahres 2007 ("Theater heute") und reckt die schmale Figur: "Busen! Busen! Busen!"
Unternehmerin Nina Öger, 34, musste mit Ausdauer und viel Sinn für Humor "Stammhalter"-Qualitäten beweisen, als sie 2003 in die Geschäftsführung der väterlichen Touristikfirma aufstieg. Und Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann schaffte es vor allem dank Mutterwitz und Selbstironie, die Angriffe "weit unter der Gürtellinie" zu parieren, als sie sich scheiden ließ.
"Die weibliche Geduld und der weibliche Sinn für Humor" müssten in einer "besseren Welt" unbedingt erhalten bleiben, riet Simone de Beauvoir, die für ihre Scherzhaftigkeit am wenigsten berühmt war. Immer wenn es im Stellungsspiel der Geschlechter wieder einmal persönlich wird, machen Unternehmerinnen, Künstlerinnen, Politikerinnen mit typisch weiblichen Waffen wie Humor und Gelassenheit entscheidende Punkte - weil sie, wie so oft, von Männern nicht ernst genommen werden.
Sie sei "ein relativ sonniges Gemüt", erklärte Christdemokratin Angela Merkel, bevor sie Bundeskanzlerin wurde. Mit dieser Haltung hoffe sie, "einigermaßen fröhlich durchs Leben zu kommen, egal, was passiert". In der Wahlnacht 2005, als der schäumende Verlierer Gerhard Schröder immer noch so tat, als würde Deutschland sicher nicht von einer Frau und schon gar nicht von Frau Merkel regiert werden, wurde ihr Gemüt wohl auf die bisher härteste Probe gestellt. Gesiegt hat die Spitzenkandidatin an diesem denkwürdigen Abend nicht nur wegen des Wahlergebnisses.
Gesiegt hat ihre Fähigkeit, bei sich zu bleiben. Sich bei aller Schlagfertigkeit nicht anstecken zu lassen vom männlichen Kampfhundstil. Verbindlich, aber konsequent in der Sache zu argumentieren. Angela Merkel gewann das Duell gegen Gerhard Schröder gerade auch mit Instrumenten, von denen sie stets vorgab, sie gar nicht einzusetzen: mit sogenannten weiblichen Waffen.
Das ist gut so, denn es zeigt, wie weit die Frauen gekommen sind. Und es zeigt, dass weibliche Waffen verdienen, ernst genommen zu werden - von Männern und von Frauen.
Weibliche Waffen - damit sind weder Augenaufschlag noch Push-up-Dekolleté gemeint. Frauen, die wie Merkel um höchste Ämter konkurrieren, bringen sowieso ihren Intellekt, eine umfassende wissenschaftliche Bildung, Stehvermögen und eisernen Willen mit. Darüber hinaus brauche "jede Gesellschaft", so die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich, "in ihren Spitzenpositionen Qualitäten, die Frauen über Jahrhunderte eingeübt haben: zuhören, mitfühlen, mütterlich beschützen".
Disziplinen wie Verhandlungstaktik, Management und Organisation gehören allerdings ebenso zum Trainingsprogramm im weiblichen Ausbildungslager. Im Giftschrank weiblicher Ressourcen droht ein ganzes Arsenal an analytischen Fähigkeiten und praktischen Strategien zu verstauben, das bisher viel zu wenig, weder für das eigene Vorankommen noch zur Lösung von gesellschaftlichen Fragen und politischen Konflikten, selbstbewusst eingesetzt wird.
Doch neue Hoffnung glimmt. Und zwar in einem Biotop, das historisch wie kein anderes als Männer-Schutzgebiet definiert ist: in der Politik. Ausgerechnet in jenem Reservat männlicher Eitelkeiten, in dem das weibliche Element vorzugsweise als Begleitprogramm für hübsche Fotos taugte, trumpfen starke Frauen auf. Der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero ("Ich bin Feminist") verordnete Wirtschaft und Politik seines Landes eine Frauenquote von 40 Prozent. Von Finnland bis Argentinien, von Irland bis Liberia besetzen Regierungschefinnen das höchste Amt im Staat. Bei der Verteilung der Ministerposten übernehmen Frauen nach dem Beispiel von US-Außenministerin Condoleezza Rice zunehmend klassische Männerressorts.
Überraschend daran ist weniger die Statistik, die weltweit gerade mal acht Prozent Staatslenkerinnen registriert. Überraschend ist, dass sich trotz dieser rückständigen Zahlen ein Wahrnehmungs- und Paradigmenwechsel anbahnt.
Manchmal, sagt Ursula von der Leyen, sei es strategisch geschickter, "zunächst eine bestimmte Position" zu erobern, um "auf Dauer inhaltlich zu erreichen, was einem wichtig ist". Damit liegt die Bundesfamilienministerin auf der Höhe der Erkenntnis von Frauenrechtlerinnen wie Hedwig Dohm, Clara Zetkin und vielen anderen, die vor 90 Jahren erstmals in Deutschland das Wahlrecht für weibliche Bürger erkämpften. Dohm, die in ihrem Salon Größen aus Politik und Kultur, darunter Ferdinand Lassalle, Franz Liszt und Fritz Reuter versammelte, appellierte 1876 in ihrer Abhandlung "Der Frauen Natur und Recht" an ihre Geschlechtsgenossinnen: "Anspruch ohne Macht bedeutet wenig. Erhebt Euch und fordert das Stimmrecht."
Nun endlich, mehr als 130 Jahre später, erobern mehr und mehr kämpferische Frauen die Machtzentren der Politik. Und es zeigt sich, was die Protagonistinnen der ersten Frauenbewegung gepredigt hatten: Geteilte Macht ist doppelte Macht. Erst wenn Frauen nicht nur mitreden, sondern gemeinsam mit Männern die Geschicke der Gesellschaft lenken, kommt es zu jenem Werte- und Bewertungswandel, für den Generationen von Suffragetten, Feministinnen, Gleichstellungsbeauftragten in ermüdenden Ritualen mit mäßigem Erfolg gestritten haben.
Plötzlich ist Politik buchstäblich Frauensache, werden Krippenplätze und Lohngefälle zur Staatsaffäre. Themen, die Merkels Vorgänger noch "Frauen und sonstiges Gedöns" genannt hat, stehen wie selbstverständlich neben Wirtschafts-, Außen-, Sicherheits- und Umweltpolitik auf der Agenda der Parteien. Und siehe da: Eine Frau an der Spitze der Regierung erweist sich mehr und mehr als Einstieg in jene "immer tiefgreifendere Integration der Frau in die einst männliche Gesellschaft", die Simone de Beauvoir als einzig denkbare Zukunft einer aufgeklärten, demokratisch verfassten Menschheit voraussah.
Die "neue Macht der Frauen", weist die österreichische Juristin und Journalistin Trautl Brandstaller in ihrem jüngsten Buch nach, bringt reizvolle Koalitionen hervor. Nicht etwa jene Art von Seilschaften, die Männer gern bilden, um sich gegenseitig in höhere Positionen zu hieven. Sehr wohl aber knüpfen Frauen Netzwerke von Gleich zu Gleich, was Männer gern überflüssig nennen.
Die Bandbreite weiblicher Kontaktbörsen reicht von Gaudi bis Gewinnmaximierung und verbindet zuweilen beides, wie die Münchner Mietwagen-Mutter Regine Sixt, die 600 potente Geschäfts- und Gesellschaftsladys zur "Damen-Wies'n" mit Sorgenkind-Kollekte lädt. Netzwerkerin Merkel, der seit ihrem Wahlsieg von Alt-Feministin Alice Schwarzer hoffnungsfroh ein "Merkel-Effekt" zugetraut wird, kommt in einem informellen Salon, begleitet von ihren Ministerinnen, mit einflussreichen "Quoten-Königinnen und Print-Primadonnen" ("Die Zeit") von der "Emma"-Herausgeberin über Friede Springer bis zu Sabine Christiansen zusammen.
Juristinnen, Ingenieurinnen, Hebammen, Sekretärinnen, Haus-, Land- und Pfarrfrauen treffen sich in Berufsvereinigungen. Private Wirtschaftsunternehmen wie der Finanzdienstleister MLP gründen "Women's Business Clubs". Netzwerke zu knüpfen, das heißt auch - typisch Frau -, nach Sachverstand und Qualifikation zu fragen, anstatt, wie in Seilschaften üblich, Hofschranzen um sich zu sammeln. "Warum sollten wir das nachahmen?", sagt Universitätspräsidentin Gesine Schwan, "wir erleben doch gerade in vielen Unternehmen, wie viel Unzulänglichkeit in diesen Männerbünden regiert."
Trotz versöhnlicher Bilanzen: Es gibt sie noch, die unsichtbaren Mechanismen, die Frauen am Aufstieg hindern. Niemand bestreitet, dass Frauen dort, wo sie zum Zuge kommen, mit Männern auf Augenhöhe arbeiten oder sie inhaltlich und hierarchisch überflügeln. Aber wieso sollten sie sich gleichberechtigt fühlen, solange unter 194 Vorständen in deutschen Dax-Unternehmen genau eine Frau sitzt? Solange in den Aufsichtsräten der Dax-Notierten gerade mal 67 weibliche Vertreter mit 469 Männern diskutieren? Und der Anteil weiblicher Topmanager Anfang 2008 im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf 5,6 Prozent zurückfiel? Erst kürzlich hielt es Aufsichtsratsprofi Gerhard Cromme (Siemens und ThyssenKrupp) für nötig, vor einer Versammlung gestandener Bankerinnen, Geschäftsführerinnen und Professorinnen diese Zahlen indirekt zu rechtfertigen, indem er sie darüber aufklärte, dass Aufsichtsräte "kein Kaffeekränzchen" seien.
Von der Gewissheit, im "Mekka der Gleichberechtigung" zu leben, blieb bei der Philosophin Thea Dorn nicht viel übrig, als sie den letzten Gender-Datenreport der Bundesregierung las. Von allen Beschäftigten mit den niedrigsten Durchschnittseinkommen stellen Frauen danach 70 Prozent, aber nur 16 Prozent von den Höchstverdienern. "Was ist also mit all den schicken Macherinnen", die in den Medien gefeiert werden, fragte sich die Autorin, die in ihrem Bestseller "Die neue F-Klasse" untersucht, "wie die Zukunft von Frauen gemacht wird". Umgeben von den fröhlichen Kampfstiefelchen ihrer Girlie-Generation war Dorn, Jahrgang 1970, in der Überzeugung aufgewachsen, der Feminismus sei "überflüssiger als Fäustlinge im Hochsommer". Und dann diese Fakten.
Im Überschwang des ungetrübten Selbstbewusstseins jeder jungen Generation kündigen stolze Post- oder Anti-Feministinnen regelmäßig die Überwindung von Emanzipation, Geschlechterkampf und Frauenförderung an - eine Prophezeiung, die sich bisher noch nicht erfüllt hat. Im Gegenteil.
Immer wieder in der Berg-und-Tal-Fahrt ihrer Geschichte entwickelte sich die Frauenbewegung nach dem Ein-Schritt-vor-zwei-zurück-Prinzip. Schon 1869 hatte der englische Philosoph John Stuart Mill die "gesetzliche Knechtschaft der Frau" verurteilt und August Bebel für die Frau, die "dem Manne als Freie, Gleiche" gegenüberstehe und "Herrin ihrer Geschicke" sei, gekämpft. Aber weil bürgerliche und proletarische Frauenrechtlerinnen bis zum Ersten Weltkrieg über unterschiedliche Ziele stritten, errangen sie das Wahlrecht in Deutschland erst 1918.
Die Nationalsozialisten und ihre Mütterideologie machten eine Gleichstellung im öffentlichen Leben für Frauen zunichte. Kommunistinnen und Sozialistinnen in Osteuropa und der DDR hielten sich systembedingt für gleichberechtigt - eine Illusion: Sie durften zwar in Betrieben und zu Hause arbeiten; Partei und Zentralkomitee aber wurden von alten grauen Männern beherrscht.
Die Frauenbewegung der siebziger Jahre erkämpfte im westlich geprägten Teil der Welt eine weibliche Selbstbestimmung und liberale Abtreibungsgesetze - wobei die politisch-patriarchalischen Strukturen der Gesellschaft vor lauter Diskussionen um Sex und freie Liebe allerdings zu kurz kamen. Doch in den Neunzigern, räumt die Autorin und Journalistin Katja Kullmann, 37, selbstkritisch ein, ruhten sich die Erbinnen der "Emma"-Generation auf dem aus, was "die dicken Frauen mit den Schlabber-T-Shirts und den schrecklichen Frisuren" errungen hatten. Kullmann: "Wir hatten kein historisches Bewusstsein."
Das scheint sich gerade zu ändern. Mit dem Zusammensturz der Türme in New York dämmerte vielen westlichen "in die Sinnkrise geratenen Wohlstandsbabys", so Thea Dorn, "dass die Vertreibung aus dem Streichelzoo begonnen" hat. Religiöser Fanatismus, Terrorismus und die Unterwerfung von Frauen - plötzlich wird wie unter einem Brennglas sichtbar, dass es für Millionen Bürgerinnen in fundamentalistisch-islamischen Regionen, in Teilen Afrikas und in Ländern wie China und Indien vorerst noch immer um physische Unversehrtheit geht, darum, als Mensch respektiert zu werden.
Fast komisch klang es, als die derzeitige US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton die bahnbrechende Wahrheit verkündete, "dass Menschenrechte Frauenrechte und Frauenrechte Menschenrechte" seien - das war 1995 vor der vierten Weltfrauenkonferenz der Uno, 120 Jahre, nachdem die Berlinern Hedwig Dohm appelliert hatte: "Menschenrechte haben kein Geschlecht." Tatsächlich haben die Statements beider Damen nichts an Aktualität eingebüßt.
Zeit für eine neue Frauenbewegung?
Schon unterwegs. Noch zieren sich die Protagonistinnen, weil zwar nicht dem Feminismus, aber seinem Image "Humor und Sexappeal" fehle. Das ist nicht irgendein Herrenwitz, sondern das sagt Lisa Ortgies, 41, Schwarzer-Nachfolgerin als "Emma"-Chefredakteurin. Die ebenso blondgelockte wie scharfzüngige und urteilsfreudige Mutter von zwei Kindern steht für eine junge Generation von weiblichen Rollenmodellen, mit der sich die sogenannten F-Klassefrauen identifizieren können, die das Wort "Feministin" scheuen, als würde ihnen damit die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht aberkannt. "Schade und scheiße", poltert Ortgies und wünscht sich "Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen, Schauspielerinnen", die sich "in der würdigen Nachfolge einer stolzen Tradition sehen".
Es ist paradox. Viele von denen, die mit den Altvorderen der Frauenbewegung nicht verwechselt werden wollen, sprechen ihrerseits eine Sprache, mit der sie vor 20 Jahren als Hardcore-Feministinnen durchgegangen wären. Die "Familien-, Mutter-, Teilzeitfalle" prangert Bestseller-Autorin Kullmann ("Generation Ally") an. Die 37-Jährige, die zu den neuen wilden Frauen gehört, verurteilt den "pornoartigen Beautydruck" westlicher Gesellschaften und beschwört die Notwendigkeit, wieder "zu einer größeren Solidarität" unter Frauen zu finden - Alice Schwarzer hätte es nicht treffender sagen können.
Egal, wie sie sich nennt: Eine Frauenbewegung wird dringender gebraucht als je zuvor. Schon immer in der Geschichte war es das vermeintlich schwache Geschlecht, das in Kriegs- und Krisenzeiten die Ärmel aufkrempelte. Egal, welches existentielle Übel das Individuum oder ganze Volksgruppen bedrohte, ob Armut, Krankheit, politische Verfolgung, Hunger oder Tod: Wenn es ums Überleben ging, konnten Männer sich darauf verlassen, dass sich ihre Heimchen, Püppchen, Mütterchen ruckzuck in Trümmerfrauen, Samariterinnen, Arbeitsbienen verwandelten. Derartige Spontan-Emanzipationen durften sich bekanntlich regional begrenzt und vorübergehend ereignen, gewissermaßen am Rande der Schlachtfelder blutiger Auseinandersetzungen, die nicht selten das Ergebnis halbstarker Kraftmeierei und rücksichtsloser Machtgier waren.
Doch was, wenn sich Krisen nicht mehr begrenzen lassen? Wenn Klimakatastrophen, Terrorismus, Religionskriege die Menschheit als Ganzes bedrohen? Im Zeitalter der Globalisierung gibt es keine Feldherrenhügel mehr, wo der Boss aus sicherer Entfernung Sieg und Niederlage kommandiert. Da braucht es nonkonformistische Konfliktlösungsmodelle. Unterhändler und Verhandlungsführer ohne soziale oder kulturelle Scheuklappen. Die keine Volksreden halten, sondern gewohnt sind, unter Zeitdruck zu entscheiden. Unverbrauchte Strategien und Verhaltensmuster einsetzen. Mit sensiblen Sensoren für Krisensymptome. Und der Erfahrung, wie es ist, unterdrückt zu sein.
Gebraucht werden gewitzte Pragmatikerinnen, wie die slowenische Soziologin Sonja Lokar, die sich als Leiterin einer "Gender Task Force" zusammen mit mehr als 150 Frauenorganisationen für eine demokratische Gesellschaft in Südosteuropa einsetzt. Wie die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik, die im Mai 2007 erstmals ihre israelische Amtsschwester Zipi Livni und die palästinensische Abgeordnete Hanan Aschrawi an einen Verhandlungstisch brachte. Aktivistinnen wie Globalisierungskritikerin Arundhati Roy oder die Preisträgerin des Alternativen Nobelpreises Vandana Shiva, die gewaltlos gegen "Raubtierkapitalismus" antreten. Tausende tapfere Frauengruppen kämpfen in Indien für Bildung und gegen Töchtermord. In Kalifornien verteilt eine von Isabel Allende finanzierte Stiftung an legale und illegale Einwanderinnen Startkapital für den Weg in die Unabhängigkeit.
Wenn es in der Geschichte Augenblicke gibt, in denen über Macht oder Ohnmacht entschieden wird, dann könnte dies die Stunde der Frauen sein. Denn diesmal geht es nicht nur darum, die Hälfte irgendeines weit entfernten Himmels zu reklamieren. Es geht nicht um den Sieg der Emanzipation. Es geht darum, in den Krisenregionen der Welt, ob in Entwicklungsländern oder in der postindustriellen Gesellschaft, "das weibliche Reservoir an Zielstrebigkeit, Kreativität und Intelligenz zu nutzen", sagt Deutschlands Top-Unternehmensberater Roland Berger: "Frauen sind unsere bedeutendste verfügbare Ressource."
Und sie sind endlich dabei, in die Politik einzumarschieren. Weder die reaktionären Damen und Herren aus dem Neo-Mutti-Paradies noch eine glamouröse Phalanx internationaler Playgirls, weder ein medial geschürter Zickenkrieg zwischen Mehr- oder Weniger-Feministinnen noch die todernsten Männer und Frauen von der Burka-Fraktion werden diese Entwicklung zurückdrehen.
"Eigentlich", überlegt die Schauspielerin Natalia Wörner nach dem SPIEGEL-SPECIAL-Gespräch (siehe Seite 12), "eigentlich wissen wir alles darüber, wie die Geschlechter gut zusammen leben könnten, wie Frauen und Männer überall in der Gesellschaft vertreten sein müssten. Dieses Wissen muss nur noch gelebt werden."
BETTINA MUSALL

Schillernde Prinzessin
War die Prinzessin von Eboli (1540 bis 1592) intrigant, zügellos und herrschsüchtig? Oder ehrgeizig, gefühlsstark und unkonventionell? In jedem Fall war das reale Vorbild für Schillers und Verdis Eboli eine politische Begabung. Wegen eines Mordes am Hof des spanischen Königs Philipp II. wird sie verurteilt und bis zu ihrem Tod im Turm des eigenen Schlosses eingesperrt.

Großbürgerliche Feministin
Hedwig Dohm (1831 bis 1919) war das vierte von 18 Kindern eines wohlhabenden Berliner Tabakfabrikanten. Sie erhielt keine höhere Schulbildung und musste sich den Besuch eines Lehrerinnenseminars erkämpfen. Fortan forderte sie eine bessere Schulbildung für Mädchen, sie schloss sich der Frauenbewegung an und schrieb Romane, Essays sowie politische Artikel.

Trauriger Filmstar
Romy Schneider (1938 bis 1982)drehte an der Seite von Alain Delon, Yves Montand und Michel Piccoli mit Regisseuren wie Luchino Visconti und Orson Welles. Obwohl ihre Schauspielkunst anerkannt war, litt sie darunter, dass die Teenager-Rolle der Kaiserin Sissi an ihr klebte "wie Griesbrei". Nach gescheiterten Beziehungen und dem Tod ihres Sohnes starb die tragische Schöne im Alter von 43 Jahren.
Von Bettina Musall

SPIEGEL SPECIAL 1/2008
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