25.03.2008

IDENTITÄT & INTEGRATIONWendiger Weltmann

Der deutsch-ägyptische Multi-Funktionär Ibrahim El-Zayat irritiert Staatsschützer und Politiker - weil er scheinbar spielend islamistische Ideologie mit westlicher Lebensform verbindet.
Der Herr trägt gern Nadelstreifen, aber er kann auch anders. In Sporthosen und Turnschuhen fuhr Ibrahim El-Zayat, 40, vergangenen September mit gut zwei Dutzend Kindern in den Hunsrück. Kletterte, gesichert an Seilen, mit Jungs und Mädels meterhohe Felswände hoch. Spielte Fußball. Und übernachtete im Zelt - ganz engagierter Vater auf Klassenfahrt.
Witzig sei "der Ibrahim", offen, ein "lässiger Typ", berichteten Eltern später. Ihre Kinder besuchen mit Zayats Tochter eine Grundschule im Rheinland, die besonderen Wert auf freiheitliche Erziehung legt - nach den Grundsätzen der italienischen Reformpädagogin Maria Montessori.
Viele von ihnen dürften kaum geahnt haben, dass der nette Klassenfahrtbegleiter seit Mitte der neunziger Jahre im Visier der Staatsschützer ist. Fahnder und Verfassungsschützer halten den deutsch-ägyptischen Multifunktionär für einen der Drahtzieher des Islamismus in Europa. Ordner über dubiose Geldgeschäfte Zayats, zwielichtige Kontaktpersonen und angebliche Verbindungen zu Extremisten füllen bei Bundes- und Länderbehörden inzwischen ganze Aktenschränke. Doch die Ermittler konnten dem weltgewandten Volkswirt bislang keine einzige Straftat nachweisen. Zayat bei strafrechtlich relevantem Handeln zu erwischen, klagt ein leidgeprüfter Staatsschützer, sei schwieriger, "als einen Pudding an die Wand zu nageln".
Vielleicht, weil da jemand schlauer vorgeht als viele, die hinter ihm her sind. Vielleicht, weil da tatsächlich nichts ist. Und so beobachten und rätseln seine Begleiter vom Verfassungsschutz weiter, auch über Episoden wie die Klassenfahrt ins Klettercamp. Alles "nur Tarnung und Taktik", wie ein hochrangiger Experte vermutet, um sich als moderner, weltoffener Muslim zu präsentieren? Oder steckt dahinter nicht eher ein extrem vielschichtiger Mensch? Einer, der es spielend schafft, islamistische Ideologie mit westlicher Lebensform zu verbinden. Und dabei so gewinnend auftritt, dass selbst die auf ihn angesetzten Staatsschützer mitunter zweifeln, ob sie nun einen Hardliner vor sich haben oder vielleicht doch eher einen Reformer - angetreten, um muslimische Organisationen für im Westen aufgewachsenen Nachwuchs attraktiver zu machen. Das Mysterium Zayat: eine Spurensuche.
Wer Zayat treffen will, braucht Geduld. Der Mann ist ständig unterwegs. Mal als Geschäftsmann, im Job des Geschäftsführers und Gesellschafters einer Firma, die Immobiliengeschäfte abwickelt. Mal als Bevollmächtigter der Europäischen Moscheebau und -unterstützungs Gemeinschaft (Emug), die Hunderte Moscheen der vom Verfassungsschutz beobachteten Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs verwaltet. Und natürlich als muslimischer Multi-Funktionär (siehe Grafik) mit etlichen Führungsposten - darunter dem des Präsidenten der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD), die Staatsschützer als verfassungsfeindlich einstufen.
Der "Herr der Moscheen" ("Kölner Stadtanzeiger") hat am Bau oder Kauf von mindestens 100 muslimischen Gebetsstätten mitgewirkt, Grundstücke erworben, Bauherren beraten. Und offenbar nicht schlecht verdient. Der mutmaßliche Multimillionär, der sieben Sprachen spricht, residiert samt Ehefrau und Töchtern auf dem früheren Anwesen des 1985 verstorbenen Schriftstellers Heinrich Böll bei Bonn.
An einem Montagmittag Ende Januar nimmt ein hochgewachsener Mann mit graumeliertem Haar Platz an dem Tee-Tischchen mit goldenen und elfenbeinfarbenen Einlegearbeiten in seinem Büro auf dem Milli-Görüs-Gelände an der Merheimer Straße in Köln: Zayat - dunkler Anzug, hellblaues Hemd, randlose Brille - knipst sein Lächeln an. Er wiederholt die Bedingungen, unter denen er zu sprechen ist: keine Begleitung bei der Arbeit, da habe er schlechte Erfahrungen gemacht. Keine wörtlichen Zitate im Text, höchstens ein separat gedrucktes, von ihm autorisiertes Interview - ein Medienprofi, der sein öffentliches Bild genau kontrollieren will.
Als ihm dann die Fragen nicht gefallen, Fragen auch zu merkwürdigen Geldbewegungen von seinen Kölner Konten, bricht er das Gespräch ab. Zieht alles bis dahin Gesagte zurück. Droht mit rechtlichen Schritten. Später, beim Abschied, ist das Lächeln wieder da. Er plaudert über eines seiner Lieblingsthemen: was zu tun ist, damit junge Muslime in Deutschland ihren Glauben selbstbewusst leben können.
Aufgewachsen ist der Sohn einer zum Islam konvertierten Deutschen in Marburg. Der Vater, ein Diplomingenieur aus Alexandria, gilt als tiefgläubig. Sohn Ibrahim bringt es als Jugendfußballer bis in die Hessen-Auswahl. Er studiert Volkswirtschaft, schreibt seine Diplomarbeit über korankonforme Wirtschaftsordnungen. Engagiert sich im CDU-nahen Ring Christlich-Demokratischer Studenten. Doch dann schlägt er eine andere Richtung ein: den Marsch durch die muslimischen Institutionen.
Seit Anfang der neunziger Jahre führt Zayat die Muslimische Studenten Vereinigung, gründet auf internationaler Ebene das "Forum of European Muslim Youth and Student Organisations" mit, ist Mitglied im "European Institute for Human Sciences" in Frankreich. Eine arabischsprachige Internet-Seite weist ihn in dieser Zeit als Europa-Vertreter der "World-Assembly of Muslim Youth" aus. Die Organisation mit Hauptsitz in Saudi-Arabien, so der Fachjournalist beim Bayerischen Rundfunk, Stefan Meining, werde seit Jahren mit dem radikalen wahhabitischen Islam in Verbindung gebracht.
Meining, Autor des Aufsatzes "Islamische Gemeinschaft in Deutschland: vom Moschee-Bauverein zum politischen Islam", sieht Zayat als "typischen Vertreter der jungen islamischen Elite" - hochintelligent, international, mit besten Verbindungen. Aber auch als jemand, in dessen Person sich die "nahezu undurchdringliche Vernetzung des politischen Islam" spiegele*.
Undurchdringlich, vernetzt, international. Wieso genau ist Zayat zum Beispiel in Ägypten mit 39 anderen wegen "terroristischer Methoden" angeklagt, wenngleich das Verfahren vor einem Militärgericht kaum rechtsstaatlichen Anforderungen genügen dürfte? Und was hat der deutsche Staatsbürger tatsächlich zu tun mit der ägyptischen Muslimbruderschaft - jener 1928 gegründeten internationalen Bewegung, die als ideologischer Ursprung terroristischer Gruppen wie al-Qaida gilt? Diese Frage beschäftigte mehr als einmal deutsche Gerichte.
Muhammad Mahdi Akef, der heutige Führer der Muslimbruderschaft, leitete in den achtziger Jahren das Islamische Zentrum München. Es gehört der seit 2002 von Zayat gesteuerten IGD an. Das Bundesamt für Verfassungsschutz nannte die IGD 2006 die mitgliederstärkste Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft in Deutschland.
Als die Tageszeitung "Die Welt" berichtete, Muslimbruder-Boss Akef habe Zayat in einem Fernsehinterview als deutschen Chef seiner Organisation bezeichnet, setzte Zayat eine Gegendarstellung durch: "Herr Muhammad Mahdi Akef hat sich nicht wie zitiert geäußert." Inzwischen gehört es fast zur journalistischen Ehre, für Berichte über Zayat mindestens eine Gegendarstellung zu kassieren. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler, 30, darf ihn laut Gerichtsurteil aber als Meinungsäußerung weiter einen "Funktionär der Muslimbruderschaft" nennen.
Die Extremismusexpertin der Union mit dem offenen Lachen hält Zayat für einen Menschen, der in Wahrheit "nicht mehr Integration, sondern mehr Islamismus" wolle. Funktionäre der von Zayat ge-
* In: Wolfgang G. Schwanitz (Hg.): "Amerika, der Mittlere Osten und das geteilte Deutschland". trafo Wissenschaftsverlag, Berlin; 400 Seiten; 49,80 Euro; erscheint Ende 2008.
führten IGD, Milli Görüs oder der FIOE, assistiert die Marburger Religionswissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann, respektierten Demokratie "höchstens als derzeit unvermeidbares Zwischenstadium auf dem Weg zur politischen Durchsetzung des Islam auf der ganzen Welt".
Doch die Staatsschützer warten seit mehr als zehn Jahren vergebens auf angreifbare Äußerungen Zayats. Denn er präsentiert sich als Muster-Muslim, der Glaubensbrüder aufruft, sich als Teil der demokratischen deutschen Gesellschaft zu begreifen. Und so bleibt seinen Kritikern nichts anderes übrig, als immer wieder über islamistisches Gedankengut in seinen Organisationen aufzuklären.
Auch CDU-Frau Köhler hat viel recherchiert, Texte heruntergeladen von der Internet-Seite der IGD, bevor sie dort gelöscht wurden. Texte zum Beispiel, in denen der Chefredakteur einer muslimischen Zeitung zwischen Koran und deutschem Grundgesetz eine "Unvereinbarkeit, die kaum aufzulösen ist", konstatiert. Oder in denen bei der Frage, ob ein muslimischer Ehemann seine Frau prügeln dürfe, geraten wird, drei Schritte einzuhalten: "Ermahnung, Trennung im Ehebett und schlagen", allerdings Letzteres "eher symbolisch". Der zweite Text steht bis heute auf der Website des Islamischen Zentrums München.
Später entdeckte Köhler auf der Internet-Seite der Bundeszentrale für politische Bildung den Namen Zayats - angepriesen als Experte für Integrationsfragen: "Das ist wie Margot Honecker zur Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen zu machen", empörte sie sich. Die Bundeszentrale verzichtet mittlerweile auf den Experten Zayat.
Doch auch Zayat kennt die Tricks des Polit-Geschäfts. Spezialität: Überraschungsangriff. Als die Berliner Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) im August 2006 auf einer Pressekonferenz erläutern wollte, warum sie gegen eine geplante Moschee des Vereins Inssan im Stadtteil Neukölln vorgehe, meldete sich im Publikum Zayat höchstpersönlich zu Wort. Er hatte für die Glaubensbrüder bereits den Kauf eines Teils des Grundstücks in die Wege geleitet. Plötzlich interessierte sich niemand mehr für Vogelsangs Zitate aus Verfassungsschutzberichten. Die Medienmenschen lauschten lieber dem ach so gefährlichen Islamisten, der charmant und höflich ihre Fragen beantwortete.
"An dem Mann ist alles Strategie", sagt die 41-Jährige. An einem Punkt habe Zayat sich in Neukölln aber verkalkuliert: "Er wollte einfach nicht damit herausrücken, woher eine Handvoll netter Studenten das Geld für ein Millionenprojekt haben" - juristisch korrekt, aber politisch schwer vermittelbar. Der Moscheebau in Neukölln bekam keine Genehmigung. Wenn Vogelsang heute hört, dass Zayat sich für Transparenz bei Moscheefinanzierungen einsetze, lächelt sie still: "Der macht jeden Fehler nur einmal."
Beste Beziehungen scheint der Deutsch-Ägypter zum saudischen Königshaus zu pflegen. Die als Islamisten-Schmiede geltende König-Fahd-Akademie in Bonn, die mit 14 Millionen Euro des saudischen Monarchen errichtet worden sein soll, gibt beim Amtsgericht Bonn für den Fall der Vereinsauflösung Zayats IGD als Begünstigte an.
Natürlich ist niemandem vorzuwerfen, dass er womöglich Immobilien mit Millionenwert geschenkt bekommen könnte. Doch die Frage nach der Beziehung von Schenker und Begünstigtem drängt sich auf. In der König-Fahd-Akademie soll ein Lehrer beim Freitagsgebet schon mal zum Dschihad aufgerufen haben. Die Stadt Bonn und die Bezirksregierung liegen seit Jahren im Clinch mit der Einrichtung, die nicht der deutschen Schulaufsicht untersteht.
Selbst Zayats kritischste Beobachter unter den Staatsschützern schätzen ihn freilich nicht als jemanden ein, der Gewalt ausüben oder zur Gewalt aufrufen würde. Aber dass er Geld an islamische Extremisten irgendwo in der Welt überweisen könnte, das mögen sie nicht ausschließen - auch wenn ihnen die Beweise fehlen. Zayat sei eine "Spinne im Netz islamistischer Organisationen", sagt der nordrhein-westfälische Verfassungsschutzchef Hartwig Möller. "Was ihn so schwer einschätzbar macht, sind seine vielfältigen Verbindungen zu Islamisten, gekoppelt mit seinen enormen finanziellen Möglichkeiten."
Die Verbindungen fangen schon in der Verwandtschaft an. Zayats Ehefrau Sabiha ist die Schwester des früheren deutschen Milli-Görüs-Chefs Mehmet Erbakan. Necmettin Erbakan, der Gründer der Milli-Görüs-Bewegung in der Türkei, ist ihr Onkel. Nicht zuletzt durch diese privaten Bande verknüpft Zayat zwei bedeutende Strömungen: den politischen Islam türkischer und ägyptischer Prägung.
Ein Dossier des Bundeskriminalamts (BKA) von 2002 beschäftigt sich mit dubiosen Geldbewegungen auf Kölner Konten Zayats. Die Dresdner Bank meldete demnach zum Beispiel ungewöhnlich hohe Einzahlungen aus dem Ausland auf ein Privatkonto Zayats. Über die SEB-Bank, so Fahnder, habe Zayat außerdem eine größere Summe nach Albanien überwiesen - an die islamistische Hilfsorganisation Taibah, deren bosnischer Zweig bei US-Behörden als Terrorgruppe gilt. Zayat hat stets vehement bestritten, dass er oder von ihm vertretene Organisationen terroristische Gruppen unterstützen.
In Zayats Umfeld und in von ihm geführten Organisationen tauchen immer wieder Menschen auf, die zumindest als ideologische Hardliner gelten. Etwa Zayats Vorgänger als IGD-Chef, Ghaleb Himmat, und dessen Geschäftspartner Youssef Nada. Die von Nada und Himmat geführte Schweizer al-Taqwa-Bank, bei der Zayat auf der Aktionärsliste stand, wurde nach dem 11. September 2001 wegen des Verdachts auf Terrorfinanzierung durchsucht. Beweise fanden sich freilich nicht, das Ermittlungsverfahren ist inzwischen eingestellt. Nada und Himmat stehen aber noch immer auf der Liste der Terrorverdächtigen bei den Vereinten Nationen - zu Unrecht, wie beide meinen.
Es sind lauter kleine Merkwürdigkeiten, die Ermittler in diversen Ländern in Sachen Zayat zusammentragen. In London fanden Fahnder einen verlorenen Scheck über eine größere Summe, ausgestellt auf seinen Namen. Auf den Britischen Jungferninseln orteten sie eine Briefkastenfirma, mit deren Hilfe Zayat die Milli-Görüs-Zentrale im rheinischen Kerpen gekauft haben soll. In Köln fiel der Maestro laut BKA-Papier mit einem Geldkoffer auf, aus dem er zwei Millionen Euro in bar bei der Kölner Bank eingezahlt haben soll. Auch auf schriftliche Nachfragen des SPIEGEL äußerte sich Zayat dazu in der Sache nicht.
Es folgten einige Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche, die allerdings mittlerweile eingestellt wurden. Als ein Fernsehmagazin über die Vorwürfe berichtete, setzte Zayat erfolgreich eine Gegendarstellung durch.
Jetzt geht das Räuber-und-Gendarm-Spiel in die nächste Runde. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen Zayat und seine Schwester Amena, frühere Leiterin der inzwischen geschlossenen Deutsch-Islamischen Schule in der bayerischen Landeshauptstadt, wegen versuchten Betrugs. Die Beschuldigten stünden im Verdacht, trotz Aberkennung der Gemeinnützigkeit weiter Fördergelder für die Schule kassiert zu haben, bestätigte der Münchner Staatsanwalt Martin Hofmann.
Das Objekt der Begierde zeigt sich indessen provozierend gelassen. Nach einer Podiumsdiskussion habe Zayat sich schon mal auf eine Tasse Kaffee zu ihm gesellt, berichtet ein leitender Staatsschützer. Und ihm im Plauderton erläutert, Koran und Grundgesetz passten doch prima zusammen. Der Mann und seine Kollegen wurden den Eindruck nicht los, dass sich da jemand über sie lustig machte: "Das ist alles ein intellektuelles Spiel für den."
Ein Spiel, in dem Zayat einstweilen oft wie ein Sieger dasteht. In einer Fernseh-Talkrunde bei Sabine Christiansen trug der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach dem Multi-Funktionär ein wenig oberlehrerhaft vor, was dieser 1996 über eine angeblich nötige Umgestaltung der Gesellschaft im islamischen Sinne geschrieben habe. Sein Kontrahent trumpfte auf, das sei nicht von ihm, das habe er "jedenfalls nicht so gesagt". Stimmt. Bosbach hatte für die Fernsehzuschauer den von Zayat benutzten Begriff "Umma" einfach nur übersetzt mit "Gemeinschaft der Gläubigen". Eine Petitesse, die freilich so schnell niemandem auffiel - Punktgewinn für Zayat vor einem Millionenpublikum.
Einladen oder ausladen? Diskutieren oder ignorieren? Viele wissen offenbar nicht so recht, wie mit einem wie Zayat umzugehen ist. Als er im Mai 2007 ungebeten auf der Islamkonferenz bei Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auftauchte, war die öffentliche Empörung groß. Dabei haben sich ihm längst viele Türen geöffnet: Im europäischen Parlament traten Vertreter seiner Föderation als Kopftuch-Experten in einem Ausschuss auf. Und SPD-Chef Kurt Beck empfing ihn im Januar in seiner rheinland-pfälzischen Staatskanzlei - als Mitglied der Delegation des Prinzen Saud al-Faisal von Saudi-Arabien.
Der größte Coup könnte Zayat in diesem Jahr mit einer Integrationsübung in eigener Sache gelingen: Beim Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), dem Dachverband der wichtigsten islamischen Organisationen, steht die Neuwahl des Vorsitzenden an. Zayat hatte sich schon einmal um den prestigeträchtigen Chefposten beworben - und gegen den integeren und gemäßigten Ayyub Axel Köhler klar verloren.
Kandidiert Zayat auch diesmal, so fürchten Staatsschützer, erreicht er womöglich im zweiten Anlauf sein Ziel. Denn ZMD-Chef Köhler gilt als gesundheitlich angeschlagen. Und ein anderer Kandidat scheint weit und breit nicht in Sicht - jedenfalls keiner, der auch nur halb so gewieft und eloquent wäre wie Zayat.
ANDREA BRANDT

Nachtrag:

Zu unserer Mitteilung, die Staatsanwaltschaft München ermittle gegen die Schwester Amena des Herrn Ibrahim El-Zayat wegen versuchten Betrugs, teilen wir mit, dass der berichtete Verdacht nach Klärung des Sachverhalts nicht mehr aufrechterhalten wird.
Die Redaktion

"Ideologischer Einfluss"
Die von Ibrahim El-Zayat geführte Islamische Gemeinschaft in Deutschland steht nach einer Analyse des Bundesamts für Verfassungsschutz "unter dem bestimmenden ideologischen Einfluss" der ägyptischen Muslimbruderschaft. Diese macht aus ihrer Strategie des Tarnens und Täuschens keinen Hehl. Sie brüstet sich mit Zweigen in über 70 Ländern und ihrer "Flexibilität": Ihren Anhängern sei ausdrücklich erlaubt, auch unter "anderen Namen" auf einen Gottesstaat hinzuarbeiten.
Von Andrea Brandt

SPIEGEL SPECIAL 2/2008
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