27.05.2008

GESCHICHTE

ANGRIFF AUF DEN WELTHERRSCHER

Von Eberstein, Bernd

Lange lehnte China gleichberechtigte Handelskontakte mit anderen Ländern strikt ab. Weil sie an Tee, Seide und Porzellan aus dem Reich der Mitte interessiert waren, setzten europäische Imperialmächte im 19. Jahrhundert gewaltsam die Öffnung des Landes durch. Von Bernd Eberstein

Weltherrscher, dem Polarstern gleich, um den sich der Himmel dreht, Sohn des Himmels - so sahen sich seit jeher die chinesischen Kaiser - als Lenker einer im Zentrum der Welt liegenden Kulturnation.

Als dann gegen Ende des 18. Jahrhunderts europäische Kapitäne und Händler auf dem Seeweg nach Kanton kamen und mit einem nicht weniger universalistischen Anspruch Chinas Öffnung und seine Teilnahme am Weltmarkt erwarteten, standen sich zwei gegensätzliche Welten gegenüber, die nebeneinander kaum existieren konnten.

Auf der einen Seite junge aufstrebende Industrie- und Handelsmächte, deren Interesse die Schaffung eines Weltmarktes war; auf der anderen Seite ein selbstgenügsames Land, das jeglichen gleichberechtigten Handelskontakt nach außen ablehnte. Hier moderne Nationalstaaten; dort ein traditioneller Universalstaat, der sich selbst als Quelle der Kultur und Zivilisation sah und für den alle anderen Völker nur die unterlegenen, zu Loyalität verpflichteten Barbaren waren. Hier das zukunftsorientierte Bürgertum; dort das vergangenheitsorientierte Gelehrten- und Beamtentum, das an den alten - und bisher durchaus bewährten - Prinzipien hing.

Hier stand man an der Schwelle zu einem Zeitalter der Machtpolitik, in dem sich Überlegenheit auf materielle Grundlagen stützte; dort ein Volk mit alten, festgefügten sittlichen Wertmaßstäben, geprägt durch die Überzeugung, Überlegenheit sei moralisch definiert. Hier wurde eine Epoche durch Adam Smith und Charles Darwin geprägt; dort folgte man Konfuzius, dem "Lehrer der zehntausend Generationen".

Diese Gegensätze waren so prinzipieller Art, dass ihr Zusammenprall auf einer Seite zwangsläufig zu tiefen Krisen führen musste. Am Ende war es China, das in dieser historischen Auseinandersetzung unterlag.

Das Land war den europäischen Mächten militärisch nicht gewachsen, war politisch und geistig zu unbeweglich und lange Zeit auch unfähig zu begreifen, dass die Europäer sich nicht mit den vertrauten Maßstäben messen ließen. Schließlich war es auch hinsichtlich einer gewissen Rücksichtslosigkeit bei der Verfolgung eigener Interessen seinen Widersachern nicht ebenbürtig.

Die Europäer versuchten die Öffnung Chinas zunächst auf diplomatischem Wege. Nach den Portugiesen, Spaniern, Holländern, die im 16. und 17. Jahrhundert den China-Handel dominierten, traten im 18. Jahrhundert die Briten in den Vordergrund. Sie wollten sich nicht mehr mit der Beschränkung des Handels auf das südchinesische Kanton zufriedengeben, dem einzigen für den Überseehandel geöffneten Hafen. 1793 reiste der Gesandte des britischen Hofes, George Lord Macartney, mit großem Gefolge an den Hof des Qianlong-Kaisers. Sein Ziel war es, die Öffnung weiterer Häfen und die Einrichtung einer ständigen Gesandtschaft in der Hauptstadt zu erreichen. Dort stieß er auf ebenso viel Höflichkeit wie Unverständnis und musste unverrichteter Dinge wieder abreisen.

Es zeigte sich schließlich, dass der chinesische Widerstand gegen eine Öffnung nur mit Gewalt zu brechen war. Ein Anlass war bald gefunden - 1840 brach der "Opiumkrieg" aus. Die Briten hatten, wie andere europäische Handelsnationen, einen steigenden Bedarf an Tee, Porzellan und Seide, standen aber mit den Chinesen einem Volk gegenüber, das kaum Güter aus Europa benötigte. Sie mussten also ihre Importe aus China mit barem Silber bezahlen. Erst mit dem Opium hatten sie seit dem späten 18. Jahrhundert eine Ware gefunden, die in China Absatz fand, mit der sie die Schlagseite des China-Handels überwinden konnten.

Der Hof in Peking versuchte wiederholt, die Einfuhr des Opiums zu unterbinden; ein letzter energischer Versuch - die Konfiszierung und Vernichtung des in Kanton lagernden Opiums - lieferte den Briten den Casus Belli: Die Öffnung Chinas sollte mit Waffengewalt erzwungen werden.

Der Opiumkrieg endete mit einem weitgehenden Nachgeben des chinesischen Hofes. 1842 wurden in dem Vertrag von Nanjing neben Kanton vier weitere Häfen geöffnet: Shanghai, Ningbo, Fuzhou und Xiamen/Amoy. Die Insel Hongkong wurde an die britische Krone abgetreten. Die Bedeutung des Vertrags für den Welthandel wurde nicht zu Unrecht mit derjenigen der Entdeckung Amerikas gleichgesetzt. In ganz Europa weckte er Erwartungen hinsichtlich der unermesslich erscheinenden Handelsmöglichkeiten mit China.

Bald jedoch zeigte sich, dass die Hoffnungen bei weitem nicht erfüllt wurden. Der Handel stagnierte, mit Ausnahme des Opiumgeschäfts, das noch lange der Lebensnerv der europäischen Interessen in China blieb. Auch verlagerte sich das Zentrum des Außenhandels von Kanton nach Norden, besonders nach Shanghai.

Die enttäuschende Entwicklung hatte das Bemühen um eine Revision des Nanjinger Vertrags zur Folge, in der Absicht, weitere Häfen und Handelsplätze zu öffnen und diplomatische Repräsentanzen in Peking zu etablieren. Das entsprach den Gepflogenheiten des diplomatischen Verkehrs zwischen den europäischen Nationen. Von direkten Kontakten und Verhandlungen mit den höchsten Regierungsstellen versprach man sich bessere Ergebnisse als vom umständlichen und undurchsichtigen Weg über die lokalen Behörden in den Vertragshäfen.

Von chinesischer Seite sträubte man sich besonders hartnäckig gegen den Austausch ständiger Gesandtschaften, weil das an den Grundfesten des Selbstverständnisses gerüttelt hätte: Der Austausch hätte bedeutet, fremde Staaten als gleichrangig anzuerkennen und China als überlegene Kulturnation, der sich alle anderen unterzuordnen haben, zur Disposition zu stellen.

Auch die Vertragsrevision wurde schließlich durch Waffengewalt erzwungen. 1860 drang ein britisch-französisches Truppenkontingent bis nach Peking vor, um die chinesische Regierung zu zwingen, Verträge, die 1858 nach einem zwei Jahre zuvor vom Zaun gebrochenen Krieg abgeschlossen worden waren, zu ratifizieren. Der Hof musste fliehen, der Kaiser war dem Tode nahe, die Dynastie schien am Ende zu sein.

Die Truppen drangen in den Sommerpalast ein, plünderten und brannten ihn nieder. Es war von symbolischer Bedeutung, dass sie dabei auch einige Gebäude zerstörten, die 100 Jahre zuvor von den Jesuiten für den Qianlong-Kaiser im Stil des europäischen Rokoko erbaut worden waren - Zeugnisse einer Zeit, da die Europäer den Chinesen noch sehr viel achtungsvoller begegnet waren; Überbleibsel vielversprechender kultureller Begegnungen, in deren Mittelpunkt einige Jesuiten-Missionare standen, die in Peking sogar bis in hohe Beamtenposten aufrückten, weil sie die chinesische Kultur achteten und weil sie überragende naturwissenschaftliche Kenntnisse mitbrachten. Aufgrund ihrer Berichte sahen damals viele Europäer in China den Philosophenstaat Platons verwirklicht; Leibniz, Voltaire und andere Philosophen der Aufklärung äußerten sich begeistert über das Land.

So symbolisierte der zerstörte Sommerpalast auch zwei verschiedene Epochen im Verhältnis zwischen China und Europa. Schlaglichtartig wurde hier der Wandel im europäischen Denken deutlich: von der Achtung, die China im Zeitalter der Aufklärung genoss, zur überheblichen Verachtung während des imperialistischen Zeitalters.

Durch die Pekinger Verträge des Jahres 1860 bekam das Vertragssystem - von den Chinesen als Ungleiche Verträge bezeichnet - die Form, die es im Wesentlichen bis ins 20. Jahrhundert behielt. Zahlreiche Orte an der Küste, an den großen Flüssen und im Landesinnern wurden für den Handel geöffnet, dazu wurde der Warenaustausch durch weitgehende Zollprivilegien begünstigt. Der Austausch von ständigen Repräsentanzen in den Hauptstädten wurde vereinbart.

Vielerorts erwarben die europäischen Mächte Konzessionsgebiete, die sie selbst verwalteten und schützten. Die christliche Missionierung wurde erlaubt, europäische Staatsangehörige hatten freien Zugang ins Landesinnere, sie unterstanden nicht der chinesischen Jurisdiktion, sondern der Konsular-Gerichtsbarkeit ihrer jeweiligen Staaten. Zunächst wurden solche Verträge 1858/1860 mit Großbritannien, Frankreich, den USA und Russland abgeschlossen, 1861 folgte erst Preußen, danach zahlreiche weitere europäische Staaten.

Die chinesische Regierung ließ sich zu einer so weit gehenden Preisgabe ihrer Souveränität verhältnismäßig leicht bewegen, weil die mandschurische Qing-Dynastie eine Fremddynastie war, die trotz ihrer langen und erfolgreichen Herrschaft im Volk nur geringe Sympathien genoss. In den Auseinandersetzungen mit den Europäern zog sie folglich eine beschwichtigende Friedensregelung einer offenen und katastrophalen Niederlage im Krieg stets vor.

Den Europäern kam außerdem zu Hilfe, dass sich die chinesische Regierung in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts einer innenpolitischen Bedrohung gegenübersah: dem Aufstand der Taiping, einer christlich inspirierten Bewegung. Deren Revolte brachte in den Jahren 1853 bis 1864 die Herrschaft der Mandschuren an den Rand des Abgrunds. Nur mit großer Mühe konnte der Aufstand am Ende niedergeschlagen werden.

Im Vergleich zu dieser Bedrohung mussten die Zugeständnisse an die Europäer dem chinesischen Herrscherhaus zunächst marginal erscheinen. Langfristig hatten sie jedoch einen tiefgreifenden Einfluss auf das Wirtschafts- und Gesellschaftsgefüge. Die Vertragshäfen und Konzessionsgebiete entwickelten sich zu bedeutenden Wirtschaftszentren; auch waren sie Anziehungspunkt für viele Chinesen, die mit den Europäern gewinnbringend zusammenarbeiteten.

China versuchte zwar, sich gegen die militärische Übermacht und die diplomatischen Vorstöße des Westens zur Wehr zu setzen, indem es in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts während der sogenannten Selbststärkungsbewegung moderne Industrie, Waffentechnik und Armee aufbaute sowie ein Amt für auswärtige Angelegenheiten und Sprachenschulen schuf. Man sah ein, dass das Land, um stark zu sein, auch reich sein musste. Also wurden Fabriken und Unternehmen für zivile Zwecke errichtet: Handelsschifffahrt, Bergbau, Telegrafenwesen, Eisenbahn.

Doch die Modernisierungsbemühungen waren wenig erfolgreich. Zwar wurden Delegationen losgeschickt, die sich in Europa und Amerika ein Bild von westlicher Politik, Industrie, Wirtschaft und Erziehung machen und so Grundlagen der westlichen Überlegenheit kennenlernen sollten. Aber die von Delegationsmitgliedern verfassten Berichte zeigten, wie tief die Kundschafter in der chinesischen Tradition verhaftet waren; ihre Schilderungen offenbarten vor allem befremdetes Staunen und ergaben kein klares Bild.

Zudem gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der chinesischen Verwaltung oder in der Regierung kaum einflussreiche Persönlichkeiten, die vor dem Hintergrund der eigenen Tradition intime Kenntnisse neuer politischer Systeme, industrieller und technischer Möglichkeiten vorweisen konnten.

Entscheidenden Einfluss am Hof hatte damals eine Frau, die vielgescholtene Kaiserinwitwe Cixi. 47 Jahre lang, 1861 bis 1908, herrschten sie und ihre engen Vertrauten über China. Sie war eine machtbewusste, flexible und zweifellos auch fähige Frau - nur irgendeine Idee, in welche Richtung China in dieser schwierigen Zeit hätte steuern müssen, hatte sie nicht. Deshalb reagierte sie nur auf Einflüsse und Ereignisse von außen.

Der Niedergang war also unabwendbar, zog sich aber noch über fünf Jahrzehnte hin. Zwei Ereignisse waren es, die auch den Chinesen diesen Niedergang schmerzhaft vor Augen führten: die Niederlage im Chinesisch-Japanischen Krieg 1895 und der Boxeraufstand 1900.

Japan hatte die Modernisierung vor allem des Militärs sehr viel schneller erreicht und versuchte energisch, seine Macht auf das ostasiatische Festland auszudehnen, auf Staaten also, die seit jeher chinesische Tributstaaten waren. 1894 kam es zum Krieg, der mit dem äußerst schmerzlichen Friedensdiktat von Shimonoseki endete. Die "japanischen Zwerge", deren Land von den Chinesen als Tributstaat angesehen wurde, reihten sich damit in die Riege der Kolonialherren ein - für jeden Chinesen ein Schock.

Auch im Inneren gärte es erneut. Wirtschaftliche und soziale Probleme verschärften sich rapide, die christlichen Missionare riefen durch ihr Auftreten an vielen Orten gewaltsame Proteste der Bevölkerung hervor. In Nordchina breitete sich die fremdenfeindliche Volksbewegung der "Fäuste für Gerechtigkeit und Frieden", der sogenannten Boxer, aus. In dieser Bewegung verband sich eine alte Geheimgesellschaft mit einer im Volk und der Beamtenschaft bis hinauf zum Hof weitverbreiteten extremen Fremdenfeindlichkeit und führte zu einem gewalttätigen Aufstand.

Mitte des Jahres 1900 übernahmen die Boxer praktisch die Macht in Peking und belagerten das Gesandtschaftsviertel. In letzter Minute gelang es einer von acht internationalen Mächten aufgestellten alliierten Streitmacht, das schwerbedrängte Viertel zu entsetzen. Wieder wurde Peking mit seinen Palästen zur Plünderung freigegeben. Der mit dem Oberbefehl betraute deutsche "Weltmarschall" Alfred Graf von Waldersee schrieb in sein Tagebuch: "Durch die der Eroberung Pekings folgende dreitägige zugelassene Plünderung, der viele private Plünderungen noch gefolgt sind, muss der Einwohnerschaft ein gewaltiger Schaden zugefügt worden sein ... Wenn man bei uns zu Hause so harmlos ist zu glauben, es würde hier für christliche Kultur und Sitte Propaganda gemacht, so gibt es einmal eine arge Enttäuschung."

China war auf dem Tiefpunkt der Ohnmacht und der Demütigung angelangt, auf einem Tiefpunkt auch der politischen Kultur. Denn ebenso wenig wie das rücksichtslose Verhalten der europäischen Mächte zu deren Proklamation christlicher Grundsätze passte, ließ der blinde Fremdenhass der Boxer und ihrer Gönner in der Beamtenschaft jenes konfuzianische Selbstbewusstsein und jene Größe erkennen, mit denen gut ein Jahrhundert früher die Chinesen den Europäern begegnet waren.

Jetzt schien das bisher Undenkbare möglich - das Ende des Kaiserreichs und die Errichtung eines neuen, den westlichen Republiken nachempfundenen politischen Systems. Am energischsten verfolgte der Revolutionär Sun Yat-sen diesen Gedanken. 1911 fiel die Macht des mandschurischen Kaiserhofes in sich zusammen, wenig später dankte der letzte Kaiser ab. Sun Yat-sen wurde Provisorischer Präsident der Republik.

Er war indes nicht nur Revolutionär, sondern auch chinesischer Nationalist: Eine seiner ersten Amtshandlungen war der Besuch am Grab des ersten Kaisers der Ming-Dynastie bei Nanjing. Dieser hatte, ebenso wie Sun Yat-sen, 1368 eine Fremddynastie, die der Mongolen, vertrieben und die Herrschaft der Chinesen wiedererrichtet.

2000 JAHRE AUS CHINAS GESCHICHTE

Die Chinesen berufen sich traditionell auf eine 5000-jährige Kultur und eine Reihe legendärer Herrscher.

221 v. Chr. Shihuangdi schafft das erste geeinte Reich Qin (Ch'in = China). Er zentralisiert die Verwaltung, eint Schrift, Gewichte und Währung. Frühere Befestigungen werden erstmals zur Großen Mauer verbunden. Nach dem Tod des ersten Kaisers, der sich bei Xian mit einer Tonkriegerarmee verewigt, wird die Dynastie gestürzt.

206 v. Chr. bis 220 n. Chr. Militärische Expansion kennzeichnet die Han-Dynastie - nach der sich die ethnische Mehrheit in China heute "Leute der Han" nennt. Ihre Armeen annektieren den Norden Vietnams und Koreas; der Vorstoß in den Westen erlaubt Karawanenverkehr entlang der "Seidenstraße".

Das überdehnte Machtgebiet zerfällt erst in "Drei Reiche", später in "Südliche und Nördliche Dynastien": Fast 400 Jahre toben die später romantisch verklärten Bürgerkriege. Dennoch gibt es Fortschritte in der Wissenschaft. Der Buddhismus breitet sich aus, Medizin, Astronomie und Kartografie entwickeln sich.

Die Restauration der Einheit und der Aufstieg zu imperialer Größe folgen mit der kurzlebigen Sui- und der nachfolgenden Tang-Dynastie (618 bis 907): Bauern erhalten Land, ein Netz von Kanälen und Kornspeichern erlaubt die Ausdehnung des Reiches bis nach Persien und in die Mandschurei. Beamte werden durch Examina ausgewählt, ein Zensus- und Steuersystem geschaffen, Strafgesetze kodifiziert. Dichtkunst, Schauspiel und Gelehrtenakademien florieren. Dank Handel und Diplomatie fassen Islam, Nestorianismus und andere fremde Religionen in China Fuß.

960 bis 1279 Trotz der Aufgliederung in zwei zeitliche und räumliche Phasen während der Song entwickeln sich große Handelszentren, die Städte blühen auf. Eine Klasse der Kaufleute bildet sich neben dem Landadel. Literatur, Kunsthandwerk (Porzellan) und Kalligrafie gedeihen, Neo-Konfuzianismus wird zur staatstragenden Ideologie.

1279 bis 1368 Türkische und mongolische Stämme unter der Führung von Dschingis Khan dringen 1211 nach China vor, durchbrechen die Große Mauer Nordchinas und besetzen 1215 Peking. Der Enkel Kublai Khan errichtet die Fremdherrschaft der Yuan. Die Eroberer benachteiligen die unterworfenen Chinesen, verbessern aber die Infrastruktur: In Europa beeindrucken Marco Polos Schilderungen von Pekings prachtvollen Palastanlagen.

1368 bis 1644 Rivalitäten, Naturkatastrophen und Bauernaufstände stürzen die Fremdherrschaft, mit den Ming übernehmen wieder Chinesen die Macht. Ihre Streitkräfte stabilisieren das Reich, ihre Flotten dringen nach Südostasien, bis in den Indischen Ozean und nach Afrika vor. Nachfolgende Ming-Kaiser stellen die Landwirtschaft wieder in den Vordergrund - politische Isolation ist die Folge.

1644 bis 1911 Trotz erbitterten Widerstands errichten die Mandschus die Qing-Dynastie und erweisen sich als erfolgreiche fremde Regenten. Trotz ethnischer Trennung (Eheverbot), strikter militärischer Kontrolle und der Auflage für chinesische Männer, ihre Haare zum Zopf zu flechten, übernehmen sie Errungenschaften der Ming, sorgen für Frieden und Wohlstand. Lokale Aufstände und das militärische Eindringen westlicher Kolonialmächte schwächen das Imperium.

1840 Als Peking sich gegen den forcierten Opiumimport wehrt, kommt es zum Krieg. Die unterlegenen Qing werden fortan immer wieder durch "Ungleiche Verträge" zu territorialen Zugeständnissen gezwungen.

Nach Rebellionen von Geheimgesellschaften wie dem "Weißen Lotus" und später dem "Boxer-Aufstand" fordern Reformer der "Selbststärkungsbewegung" seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Industrialisierung Chinas - ohne großen Erfolg.

1912 Erst Sun Yat-sen, dem Führer des Vorläufers der "Nationalen Volkspartei" (Kuomintang) gelingt der Sturz des Kaiserhauses und die Errichtung der Republik China.



SPIEGEL SPECIAL 3/2008
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