Von Iris Klein
"Was ist, wenn ,Normale' und ,Fetischisten' anfangen, sich gleich zu kleiden?" fragt die Kulturhistorikerin Valerie Steele. Der Fetischismus, im 19. Jahrhundert als sexuelle Abweichung definiert, hat seinen kulturellen Ausdruck mittlerweile auch in der Mode gefunden.
Akribischer als Madonna oder die Punks durchforsten Modemacher das Reich erotischer Phantasien, um sich den verbotenen Diskurs des "sexuell Andersartigen" anzueignen. Wie Jean-Paul Gaultier, Claude Montana und Gianni Versace schöpfen viele unbefangen aus dem Reich bizarrer Obsessionen.
Beliebt sind alle Versatzstücke aus der Welt sexueller (Macht-)Phantasien: High Heels, Uniformen, Schnürkorsetts, Gummislips ... Viele Fragen drängen sich auf: Warum ist gerade der Fetisch so sexy und populär? Weshalb wirken enggeschnürte Leiber und schwarzbestrumpfte Schenkel vorrangig auf Männer? Das manchmal etwas versachlichende Buch der Amerikanerin trägt eine Fülle von Material zusammen. Der besondere Vorzug, den die ungewöhnliche Sammlung bietet, ist der wertfreie Umgang mit dem doch erst zum Teil enttabuisierten Thema.
Iris Klein
Valerie Steele: "Fetisch. Mode, Sex und Macht". Berlin Verlag, Berlin; 238 Seiten; 29,80 Mark.
SPIEGEL SPECIAL 4/1997
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