Otto John, Widerstandskämpfer und erster Verfassungsschutz-Chef, verschwindet am 20. Juli 1954 unter rätselhaften Umständen in Ost-Berlin. Im Dezember 1955 kehrt er in den Westen zurück und behauptet, entführt worden zu sein. 1956 wird John wegen Landesverrats zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Der SPIEGEL berichtet im Dezember 1995 über bisher unter Verschluß gehaltene Akten der Gauck-Behörde und des KGB, die John belasten.
Beamte von Verfassungsschutz und BND installieren im Dezember 1975 eine Wanze in der Wohnung des Atom-Managers Klaus Traube. Der steht im Verdacht, Kontakt zu dem RAF-Terroristen Heinz-Joachim Klein zu haben und die RAF zu unterstützen. Der Verdacht erweist sich als haltlos. Der SPIEGEL deckt die Affäre 1977 auf, Innenminister Werner Maihofer (FDP) tritt später zurück.
Niedersächsische Verfassungsschützer sprengen 1978, unterstützt von einem Experten der Bundesgrenzschutz-Einheit GSG 9, ein Loch in die Mauer der Justizvollzugsanstalt Celle. Durch eine vorgetäuschte Gefangenenbefreiung soll ein V-Mann an die Terroristenszene herangespielt werden. Der Versuch mißlingt. Die "Aktion Feuerzauber" wird aber erst acht Jahre später bekannt.
Heinz Felfe, Leiter des Referats "Gegenspionage Sowjet-Union", bereitet 1961 dem BND-Chef Reinhard Gehlen die schlimmste Schlappe. Felfe wird als KGB-Agent enttarnt; seit 1949 hat er für Moskau spioniert. Beim BND trägt er den Decknamen "Friesen", beim KGB heißt er "Paul". Felfe wird 1963 zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt, 1969 ausgetauscht und später Professor für Kriminalistik an der OstBerliner Humboldt-Universität.
Verteidigungsminister Georg Leber (SPD) tritt 1978 wegen einer Abhöraffäre zurück. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) hat in einem Büro des maoistischen Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW) Wanzen installiert - und damit das Grundgesetz gebrochen. Bekannt werden mehrere weitere ungesetzliche Lauschangriffe des MAD, unter anderem gegen eine Sekretärin Lebers und gegen Angehörige der Bundeswehr.
BND-Vizepräsident Dieter Blötz vergißt 1979 im Bett seiner Geliebten einen Europieper. Das Dienstgerät piept in der nächsten Nacht, während der Ehemann neben seiner Frau nächtigt. Weil die Dame BND-Sekretärin und der Betrogene BND-Major sind, kommt es in der BND-Zentrale in München-Pullach zum Eklat. Blötz muß gehen.
Der Student Ulrich Schmücker, 22, wird 1974 im Berliner Grunewald von einem "Kommando Schwarzer Juni" erschossen, weil er mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet habe. Der Geheimdienst hat dabei seine Finger im Spiel: Ein V-Mann beherbergt zwei der linksextremen Täter, leiht ihnen seinen gelben VW-Bus und läßt kurz nach dem Mord die Tatwaffe verschwinden.
Mehrere Großunternehmen, darunter der Flick-Konzern, die Dresdner Bank und der HUK-Verband der Versicherer, lassen 1979 und 1980 den BND für sich arbeiten. Sie sammeln 400000 Mark, die aus der Bundeskasse um 442000 Mark aufgestockt werden, damit der berüchtigte Privatdetektiv Werner Mauss auf Terroristenjagd gehen kann. Vom BND erhält Mauss einen Werkvertrag und "logistische Beratung".
Verteidigungsminister Manfred Wörner versetzt 1983 Günter Kießling, den ranghöchsten deutschen Nato-Offizier, in den vorzeitigen Ruhestand. Kießling gilt als Sicherheitsrisiko, seit der Militärische Abschirmdienst über "Erkenntnisse" verfügt, Kießling verkehre in der Kölner Homosexuellen-Szene. Die Vorwürfe sind gegenstandslos, Wochen später wird der General dann rehabilitiert.
Stasi-Überläufer enthüllen 1990, daß der im Jahre 1988 verstorbene frühere Vizechef des MAD, Joachim Krase, Spitzenagent der Staatssicherheit war. "Spionage, logisch, braucht Spione, und sie zeitigt Verräter, überall", hatte Krase 1985 im SPIEGEL geschrieben, nachdem der Verfassungsschützer Hansjoachim Tiedge in die DDR übergelaufen war. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete der Fachmann für Spionageabwehr schon seit 1973 für die Stasi.
Die Vergangenheit des sachsen-anhaltinischen Umweltministers Wolfgang Rauls (FDP) wird 1993 vom Verfassungsschutz ausgeforscht. In Magdeburg kursiert das Gerücht, Rauls sei Inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit gewesen. Die Vorwürfe erweisen sich als haltlos; Ministerpräsident Werner Münch (CDU) bestreitet, von den Nachforschungen der Verfassungsschützer gewußt zu haben.
Hansjoachim Tiedge, Gegenspionage-Experte im Bundesamt für Verfassungsschutz, setzt sich 1985 in die DDR ab und verrät 816 Operationen gegen den Ostblock. Er wurde auf seinem Posten belassen, obwohl die hauseigene Sicherheitsabteilung von seinem Hang zum Alkohol und von privaten Problemen wußte. 1990, nach der DDR-Wende, flieht Tiedge nach Moskau, wo er noch bis heute lebt.
Der BND organisiert 1990 zusammen mit dem israelischen Geheimdienst Mossad eine Waffenschieberei von Deutschland nach Israel. Wasserschutzpolizisten entdecken Flugabwehrpanzer im Hamburger Hafen, die als "landwirtschaftliches Gerät" deklariert sind. SPD-Politiker Norbert Gansel spricht von "Waffenschmuggel im Staatsauftrag". Zwei BND-Mitarbeiter müssen sich vor Gericht verantworten und werden in erster Instanz freigesprochen.
Zwei V-Leute des BND in Madrid, "Rafa" (BND-Nummer V-77188) und "Roberto" (V-77181), fädeln einen Nuklear-Deal ein. Im August 1994 werden in einer Linienmaschine der Lufthansa 363,4 Gramm waffenfähiges Plutonium von Moskau nach München geschmuggelt. Drei kleine Gauner, die den Stoff transportieren, werden daraufhin zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Der BND weiß von der Mitwirkung seiner Leute - angeblich - nichts.
Klaus Kuron, Referatsleiter im Bundesamt für Verfassungsschutz, stellt sich 1990, weil er nach der DDR-Wende mit seiner Enttarnung rechnen muß. Acht Jahre war er - für insgesamt mindestens 730000 Mark - Spion der Stasi. Der Mann, der "die größte Spionageaffäre" der Bundesrepublik (so der ExVerfassungsschutz-Chef Gerhard Boeden) verursachte, wird 1992 zu zwölf Jahren Haft verurteilt.
Johannes Vöcking, Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt, übergibt 1990 einer Bonner Korrespondentin des Axel-Springer-Verlages unter konspirativen Umständen ein Geheimdienstpapier, das den sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten Björn Engholm diskreditieren soll. Angeblich befinde sich ein polnischer Spion in Engholms Umgebung. Vöcking wird in den einstweiligen Ruhestand versetzt; er ist seit Anfang Januar Vorstandschef der Barmer Ersatzkasse.
SPIEGEL SPECIAL 1/1996
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