Von P. M.
Wenn Wagnerische Wohllaute wie "Woge, du Welle, walle zur Wiege!" wacker walhallwärts wabern, wird es ernst an der Frankfurter Oper. Für die weihevolle Wiedereröffnung des abgebrannten Hauses soll Regisseur Alexander Raven sein Uralt-Konzept einer kompletten "Ring des Nibelungen"-Inszenierung wiederbeleben.
Doch Intrigen, technische Probleme ("Heut kriesche mer den Vorhang nimmer uff"), ein Mordversuch an der texanischen Sopranistin sowie der "goldene Schluck" des trunksüchtigen Regisseurs Raven ("König Alzheimer") machen dieser aufgewärmten "Inszenierung aus der Mikrowelle" den Garaus. Immerhin gelingt es der cleveren Dramaturgin Cora Starneck herauszufinden, wer die Oper seinerzeit in Schutt und Asche gelegt hat und die erste "Ring"-Aufführung verhindern wollte.
Thea Dorn, 26, aus Frankfurt stammende Philosophin und Krimi-Autorin ("Berliner Aufklärung"), wollte selbst Opernsängerin werden. Doch den furiosen Werken des sächsischen Tonsetzers war ihr zartes Stimmchen nicht gewachsen. "Ringkampf" ist aber keineswegs der literarische Racheakt einer verhinderten Operndiva.
Denn neben der süffisanten Beschreibung zickiger Diven, hypersensibler Sängerschwuchteln und anderer exaltierter Exoten liefert die Sprachartistin Dorn auch eine gelungene Satire über das "Großkonfusionswesen Oper" (Eckhard Henscheid) und dessen Zeitgeist-Zampanos, die "Hei-Teck-Ferlefanz" so geschickt mit Einfallslosigkeit kombinieren, daß sie damit unweigerlich groß rauskommen.
P. M.
Thea Dorn: "Ringkampf". Rotbuch, Hamburg; 243 Seiten; 16,80 Mark.
SPIEGEL SPECIAL 10/1996
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