01.07.1995

DER PREDIGER

Jeder Mensch hat mal einen Moment, da er den Glauben verliert an das eigene Leben. Alles geht schief, jede Entscheidung ein Griff ins Klo, und selbst das hat zur Zeit noch Verstopfung. O Jammer, denkt er da, warum ich, kann nicht einmal was funktionieren, so wie bei anderen Menschen auch? Dann packt ihn die Trauer, und er sehnt sich nach bleibenden Dingen, und dann heiratet er oder studiert die Bibel oder kauft so einen Gemüsehobel bei dem Gemüsehobelvertreter in der Fußgängerzone.
Die funktionieren immer. Können Gurken zerschnetzeln oder aus Radieschen rosige Rosen schnitzen und sind so einfach und genial in ihrer Bedienung wie eine Zahnbürste: idiotensicher, in dezentem Orange und aus freundlichem Plastik. "Das Geniale ist immer einfach." Sagt einem jeder Gemüsehobelverkäufer.
Sagte auch Dr. Franz Alt, der deutsche Generalvertreter für Solarenergie und schnellwachsende Schilfgrasfelder. Es war auf einer dieser ewig gleichen Veranstaltungen zum Thema "Leben und Umwelt", wo es nie was zu essen gibt, aber jede Menge Recyclingflugblätter. Auch Franz Alt gibt es auf solchen Veranstaltungen öfter.
Denn der 56jährige Moderator gilt als populärster Verfechter einer alternativen Energiepolitik. Der tapferste Kämpfer gegen Atomstrom und Erdöl und ein unermüdlicher Mahner vor dem Treibhauseffekt. Und dann ist er noch so was wie die demographische Mitte aller Bio-Bewegten. Das, auf was sich jeder aufgeklärte Mensch einigen kann.
Er hat seine Fans von rechtsaußen bis zu den Fußballern vom SC Freiburg, und seine Feinde heißen Veba oder Helmut Kohl oder Mercedes 600. Er ist die Idealbesetzung des kritischen Festtagsredners. Diesmal hatte eine Krankenkasse geladen.
Und so stand Franz Alt jetzt in einem Hörsaal der Braunschweiger Uni und versuchte die Welt zu retten, oder auch die Natur oder wenigstens das, was noch übrig war nach 500000 Jahren Menschheitsgeschichte. Wie jeder Vertreter trug er ein senffarbenes Sakko und ein hellblaues Hemd, sonst aber ähnelte er einem Fliegengewicht-Ringer. Ist drahtig und kurzbeinig und nur knapp über einssiebzig, aber er hat Hände wie Salatschüsseln, und Finger, die zupacken können wie eine hydraulische Presse.
Auch die Nase ist viel zu wuchtig für seine Statur. Von ihr furchen zwei tiefe Falten zu den Mundwinkeln, und darunter ist ein energisches Kinn, und sein fester Blick durchschnitt jetzt den Raum wie eine Klinge. Lauter junges Gemüse hier.
Die Leute waren so um die 20 und hatten Rucksäcke umgeschnallt, die irrsinnig praktisch sind, aber jede Anmut sofort absorbieren. Sie trugen orthopädisches Schuhwerk und manchmal leuchtete ein selbstgestrickter, inka-gemusterter Mensch aus der naturwollenen Menge. Alle waren ungemein kritisch und engagiert und hörten sich gern reden.
Dabei gab es eigentlich gar nichts zum Diskutieren. Jeder hatte eh schon die gleiche Meinung, jedes Argument war hundertmal abgenagt, und alle standen sowieso auf der richtigen Seite. Auch Franz Alt referierte das Gleiche wie in all den anderen Vorträgen auch. Dieselben Thesen im selben Wortlaut, und in seinen Büchern waren dieselben Sätze dann noch einmal nachzulesen.
"Wir fahren unseren Planeten an die Wand", sagte er beispielsweise. Oder: "Restrisiko ist das, was uns den Rest gibt." Er empfahl "Schilfgras statt Atom", und "Rauf mit den Energiepreisen, aber runter mit den Lohnnebenkosten, damit die Firmen lieber Kilowattstunden entlassen als Arbeitskräfte." Gut kam auch: "Wer Straßen baut, wird Autos ernten." Und Begeisterung räumte er ab mit der Behauptung: "Wir handeln wie Dinosaurier: zuviel Masse, zuwenig Hirn."
Statt dessen propagierte er das "Schmetterlingsprinzip": Hier ein bunter Tupfer, dort ein Flügelschlag der Phantasie, immer leicht und unbeschwert, ohne jemals laut zu werden. "Atomkraftwerke sind Dinosaurier", sagte er. Genau wie die Braunkohle, Mercedes, die Deutsche Bank und dieselbetriebene Bootsmotoren. Auch Helmut Kohl ist ein Urviech. Der zartgliedrige Joschka Fischer hüpft dagegen als Schmetterling über die Biowiese. Damit hatte Alt zweifelsfrei recht.
Er hat überhaupt meistens recht mit seinen Analysen. Natürlich führt der alte Energiekurs geradewegs ins Desaster. Natürlich ruinieren Kohle, Erdöl und Atomkraft unseren Planeten. Natürlich braucht die Menschheit dringend eine Wende in der Energiepolitik: weg von den fossilen Brennstoffen und hin zu einem Mix aus Wind-, Wasser-, Sonnen- und Biokraft. Das ist auf Dauer klüger, billiger, gesünder und technisch möglich sowieso. Bereits in 55 Jahren kann das alles wirklich sein, hat Alt in seinem neuesten Buch* errechnet. Sofern wir nur "an Wunder glauben", und alle "praktisch und konkret" was tun. Zum Beispiel:
- "Arbeitskreise gründen",
- "Energie in der Wohnung sparen",
- "weniger Auto fahren",
- "weniger Fleisch konsumieren",
- "Bäume pflanzen" und
- "Solar-Informationen verbreiten, zum Beispiel dieses Buch".
Denn allen, "die den Mut zur Sanftheit haben, wird die Zukunft gehören". Wer würde das bestreiten wollen?
In Braunschweig jedenfalls war niemand da. Das heißt: Ein Menschlein gab es doch. Er war Professor am Institut für Wärme- und Brennstofftechnik und hielt die Klimakatastrophe für eine Erfindung.
Franz Alt hielt sie für wissenschaftlich zu 95 Prozent gesichert. Seine These war: Wir haben zuviel billiges Öl, zuviel teure Autos und zuviel Schwätzer in der Regierung. Deshalb geht''s uns schlecht. Die These des Wärmetechnikers war: Mir wird schon schlecht, wenn ich einen Öko-Schwätzer nur sehe. "Sie haben überhaupt keine Ahnung, Herr Alt", sagte er.
"Sie sind eine Flasche", formulierte der Generalvertreter. Denn Franz Alt liebt das griffige Wort und den offenen Kampf, besonders wenn es um eine gute Sache geht. Das war schon immer so in seinem Leben. Immer war er ein guter Mensch, immer kämpfte er für die richtige Seite, ein Katholik bis in den Kern, voller Mitleid mit den Schwachen, ohne je einen Starken aus den Klamotten zu hauen.
Immer protestierte er gegen die Mächtigen, aber die Macht selbst stellte er nicht in Frage. Er war rebellisch, aber nie zu sehr, und immer strebte er nach betonharten Strukturen. Ging ins Priesterseminar, weil Priester von Berufs wegen gute Menschen sind, bis er dann vor der grausamen Körperfeindlichkeit kapitulierte. Wurde ein CDU-Soldat, weil auch diese Partei das Christentum auf dem Banner hatte, aber irgendwann merkte er, daß Helmut Kohl jede Moral plattsitzen würde. Und er erlernte den Journalismus, weil es zur Ethik des Berufes gehört, ein Anwalt der Namenlosen zu sein.
Er moderierte fast 20 Jahre lang die Sendung "Report Baden-Baden" und machte sie zu einem der besten Politmagazine in Deutschland: schonungslos und kritisch, hart gegen sich und härter gegen jeden ARD-Proporz und gegen alle Mißstände in diesem Land. Dafür bekam Franz Alt den Grimme-Preis und "Bambi" und jede Menge Ärger. Auch das war typisch für sein Leben. Immer hatte er Erfolg, überall bekam er Schwierigkeiten, immer dankte er am Ende ab und war doch der moralische Gewinner.
Und bei allem Streit war er trotzdem ein guter Chef und ein sorgender Vater, der sich schon mal im Krankenhaus einquartierte, weil die Tochter dort mit einem Knochenbruch lag. Immer da, wenn einer ihn brauchte. Immer verständnisvoll, immer sensibel, und immer einen Groschen für den Bettler vom Bahnhof in seiner Tasche.
Wahrscheinlich war er einfach ein Mensch, der nicht anders konnte, als gut zu sein, und der nur ins Schleudern geriet, wenn sein Moralgerüst aus dem Gleichgewicht kippte. Wie damals, als er mit einer anderen Frau ein Zwillingspaar zeugte und Familie gegen Familie stand und er Gut und Böse nicht mehr richtig sortieren konnte. Was er den einen gab, mußte er den anderen stehlen, und je schuldiger er sich bei den einen fühlte, desto größere Schuld lud er sich bei den anderen auf.
Da machte er dann so ziemlich alles falsch, und die integren Sittenwächter von der Bild-Zeitung holten den großen Hobel raus und zerhäckselten ihn wie eine Karotte.
Heute nennt Franz Alt diese Zeit "seine große Krise". Er hatte einen leichten Herzinfarkt und schwere Depressionen, bis er beschloß, sich einer Therapie anzuvertrauen. Er tat es bei einer "großartigen, alten Frau", die früher mit C. G. Jung gearbeitet hatte. "Das wird kein Spaziergang, junger Mann", sagte sie. "Sie müssen sich zuerst Ihren Träumen stellen."
"Ich träume nicht", sagte Alt.
"Schreiben Sie trotzdem alles auf", sagte die Dame.
Das klang nach Weisheit, und so betete Alt jeden Abend: "Liebe Traumkraft, sprich zu mir", und um drei Uhr nachts wachte er dann wieder auf und kritzelte ein paar Traumfetzen auf die alten DIN-A-4-Fahnen seiner Bücher. "Träume sind die vergessenen Worte Gottes", sagte er. "Man muß sie lernen wie ein fremde Sprache."
Er lernte, daß "Frauen dem Leben näher sind, weil Männer immer den Helden geben, und daß das Leben nicht auf Gutheit zielt, sondern auf Ganzheit, und daß die zentrale Frage ist: Was bedeutet mein Handeln für die Kinder?" Wie schon der alte Schamane sagt: Wir haben die Welt nicht von unseren Eltern geerbt. Wir haben sie nur von den Kindern geliehen.
Da begann er dann, Verantwortung zu übernehmen, und schrieb das Buch "Frieden ist möglich", das zur Bibel der Friedensmarschierer wurde und eine Million Leser fand. Danach fiel ihm noch "Liebe ist möglich" ein, und wahrscheinlich hätte er auch "Leben ist möglich" nachgelegt oder sogar "Alles ist möglich", doch dann kam ihm die Klimakatastrophe dazwischen.
Schluß mit Kohl, Öl und den Atomkraftwerken, sagte er und schrieb ein Buch über Jesus und eins über die Sonne und noch eins über wogende Schilfgrasfelder.
Unbeirrt heizte er von einem Vortrag zum nächsten und predigte den liebevollen Umgang mit der Natur. Verhandelte mit Klaus Töpfer, Norbert Blüm und dem Dalai Lama. Wetterte gegen VW und den Golf-Krieg und gegen die Stromkonzerne. Er flüsterte dem US-Vizepräsidenten Al Gore den Begriff "Ökologischer Marshallplan" ein, sammelte 800000 Unterschriften zur Rettung der Erde und forderte Sonnenkollektoren für jedes Kirchendach.
Kein Anlaß war ihm zu mickrig. Kein Problem zu global. Und keine Zeitung zu provinziell, um darin nicht Wind zu machen für die gerechte Sache. Er mahnte auch in der Bild-Zeitung und schrieb öfter mal für den SPIEGEL, und jedes Stück Altpapier gipfelte in der gleichen Erkenntnis: "Umkehr ist möglich".
Ein Satz wie ein Gemüsehobel. Einfach und genial und universell zu gebrauchen. Zerschnetzelt jeden sauertöpfischen Zweifel und schnitzt aus der größten Trübsal noch eine rosige Hoffnung. Das war sein Durchbruch als Generalvertreter.
Kaum eine Energiekonferenz gibt es seitdem, bei der er nicht geladen ist, um die Weltkatastrophe zu schultern. Kein bioenergetisches Seminar, das ihn nicht gern als Top act verpflichten würde. Kein grüner Lebensentwurf, für den er nicht als Vorbild herhalten könnte.
Er lief zwar nicht durch den Wald und umarmte die Bäume. Aber er benutzte doch die Eisenbahn und das Auto nur noch ganz selten, er installierte Sonnenkollektoren auf seinem Dach, aß zum Frühstück Schrotbrei statt Aufschnitt und ernährte sich auch sonst lieber vegetarisch.
Und das alles tat er ziemlich eisern und männlich und konsequent, denn Verschmutzung der Umwelt und Raubbau an der Natur sind Diebstahl, und da gibt es kein Zulassen der Schwäche und keine Kapitulation vor der Trägheit - schließlich geht es um eine moralische Frage.
Es geht immer um eine moralische Frage. Die Zeiten sind lange vorbei, da die Klimakatastrophe ihre Wurzel in der Unkenntnis hatte. Heute weiß einfach jeder Bescheid. Und so informieren Veranstaltungen wie die in Braunschweig nicht mehr, sondern appellieren an das Gewissen, und alles klingt schwer nach Bußgottesdienst, und Franz Alt ist der oberste Priester.
Andächtig hobelt er seine Sinnsprüche vom großen Weisheitsklotz, und jeder Satz ist ein moralisches Ausrufezeichen. "Wer, wenn nicht wir, und wann, wenn nicht jetzt?" fragte er von seiner Kanzel.
Er sagte auch: "Umweltpolitik ist gelebte Bergpredigt." Und: "Wir sprechen hier nur vordergründig von ökologischen Fragen. In Wahrheit geht es um Religion."
Das war natürlich richtig. Endlich hatte die Menschheit wieder ein gottgleiches Wertesystem, das Orientierung bieten konnte für das eigene Leben. Endlich eine Axt, die Gut und Böse sauber spaltet: prima Radfahrer und böses Dosenbier, miese Ferntouristen und klasse Altglassammler. Plötzlich war wieder Klarheit in dieser Welt, und das Leben war griffig, und all die Fahrrad-Fundamentalisten und Nichtraucher-Neros waren im Recht und wußten die Vernunft auf ihrer Seite. So paradiesisch hatten es Moralisten seit der Inquisition nicht mehr.
Trotzdem war es nicht so, daß Franz Alt darin nicht eine Gefahr wittern würde. Er warnte auch vor dem "grünen Diktator" und warb für mehr Toleranz und fand wahrscheinlich die abschließende Diskussion dann ebenfalls nicht sehr erquicklich.
Jede Meldung begann mit den Worten: "Äh, ich möchte mich dem Vorredner, äh, anschließen", und dann kam der gleiche Wortbeitrag noch einmal, nur sieben Minuten länger. Franz Alt nahm die Brille ab und rieb sich verzweifelt über die Augen. Vorträge zur Solarenergie bei engagierten Studenten halten - das war wie Gefrierschränke in der Antarktis verkaufen. Das kann einen Missionar nicht wirklich erfreuen.
Besser war da schon der Termin, den er am Vortage hatte: Eine Reihe von Bankern feierte "125 Jahre Volksbank am Elm". Es gab ein Festbankett im Hotel Königshof zu Königslutter und Hochglanzbroschüren, die ebenfalls unlesbar waren. Die Herren trugen silberne Schläfen oder mindestens ein Toupet, und die wenigen Damen hatten violettgraue Stahlfrisuren, und Frau Judith Mosch wogte am Klavier und spielte Hits aus dem Biedermeier. Eine Stimmung wie bei dem Treffen eines Politbüros. Jeder blickte streng und seriös und kalkte seinem Nachbarn in die Kaffeetasse.
Dann schlingerte der Vorsitzende des Aufsichtsrats ans Mikrofon und blickte "voller Stolz zurück" und freute sich "auf eine Stunde der Besinnung".
Nach dieser Stunde war die Freude arg zerzaust. So war das nicht gedacht. Kein Wort des Lobes für die Bank, nicht mal ein kleiner Dank an die Kreditabteilung. Wie immer sprach Franz Alt von Stromkonzernen, Aufsichtsräten und den Sauriern, und über so was kann ein Bankmensch gar nicht lachen. Er lachte überhaupt recht selten und klatschte nur dezent und leider immer an den falschen Stellen.
"Die Öko-Flüchtlinge werden unser Land überschwemmen", sagte Alt, und der Bankmensch patschte vorsichtig in seine Hände. Dann sagte Alt: "Jede Sekunde verhungert ein Mensch, jede Stunde stirbt eine Tierart aus, und wir haben sie auf dem Gewissen."
Da patschte keiner mehr, kein Mucks im Saal, nur der Chef sah flehentlich zum Dach der Halle. Er rutschte auf dem Stuhl herum wie ein Exzenterschleifer. Dann prüfte er die Länge seiner Fingernägel. Wahrscheinlich hoffte er auf einen schnellen Schluß der Rede.
Doch ein Mensch wie Alt hat immer Stehvermögen. Er sprach vom Filz in den Konzernen und von den falschen Weichenstellungen der Politik und daß noch nichts verloren ist, "wenn fünf Prozent von Euch sich ändern würden". Dann knöpfte er die Jacke zu und federte zurück zu seinem Sessel.
Der stand am ersten Tisch im Saal, mit freiem Blick zur Frau des Chefs, die preußisch applaudierte. Ihr Mann dagegen kauerte im Polster wie ein abgestrafter Musterschüler und hatte nicht die Kraft, den Redner anzuschauen.
"Wir danken Ihnen, daß Sie Ihr Programm hier vortragen durften", sagte er, und kaum ein Mensch im Saal bemerkte den Versprecher. Dann öffnete das Festbuffet, Franz Alt signierte lieber ein paar Bücher. Die waren im Foyer drapiert, strategisch günstig, daß sie keiner übersehen konnte. "Den Banken muß man manchmal Feuer machen", sagte er beim Unterzeichnen.
Doch die Banken sind meist aus feuerfestem Stein gebaut. Keine zwei Prozent kauften seine einfachen, genialen Argumente. Null Umkehr hier im Königshof, wie war das möglich.
Vielleicht, weil Genialität und Praxis manchmal auseinanderliegen. Weil Einfaches manchmal nur einfach simpel ist. Und weil auch die Gemüsehobel meist in einer Schublade verstauben. Vielleicht ist ja der Mensch nur falsch konditioniert und lernt nichts Neues ohne Lustgewinn. Und der ist bei einer Predigt sehr bescheiden.
Alt packte seine Sachen ein und fuhr zum Bahnhof. Wie immer war er mit der Eisenbahn da, und wie meistens hatten seine Gäste tonnenweise CO2 in die Luft gepustet, um ihn zu sehen.
Der Parkplatz war voll mit jeder Menge Golf Diesel und Passat Variant, und irgendein Hotelgast hatte dazwischen noch sein Corvette-Cabrio geparkt, nagellackrot, weißes Verdeck und 295er Walzen. Eine Motorhaube, die erst am Horizont endet, und Auspuffrohre, die wie Kanonen ballern. 5,7 Liter V8-Motor, 25 Liter Super verbleit, ein ganz übler Dinosaurier.
Aber was für ein schweinisch geiler Hobel.
* Franz Alt: "Die Sonne schickt uns keine Rechnung". Piper-Verlag, München; 156 Seiten; 14,90 Mark.
Von Christoph Scheuring

SPIEGEL SPECIAL 7/1995
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