29.01.2008

REPUBLIK IN NOT

Als Hitler am 30. Januar 1933 Reichskanzler wurde, endete eine Demokratie, der es seit Anbeginn an Demokraten gefehlt hatte. Der Weg der Deutschen in die Katastrophe begann.
Am Tag, als die Diktatur kam über Deutschland, war es durchgängig frostig - in der Hauptstadt des Reichs registrierten die Meteorologen als höchste Temperatur minus 3,4 Grad, und dass meist die Sonne schien, konnte an der Düsternis jener Stunden nichts ändern.
Es war Montag, der 30. Januar 1933.
Die Berliner, die ihre Zeitungen aufschlugen, fanden auf der Seite "Vermischtes" je nach Geschmack interessante Nachrichten vor, etwa die Meldung aus Köln, im Karneval sei nun "unser guter alter Walzer" wieder zu Hause, der von den Jecken ganz offenbar vermisst worden war. Oder die Notiz, zwei lange gesuchte Postgeldräuber seien endlich gefasst worden.
Und vorn, im politischen Teil, lasen sie, was ihnen seit Jahren als Normalität erschien, zwangsläufig wiederkehrend wie ein Geburtstag: Rücktritt der Reichsregierung am Wochenende. Kannte man doch längst, Wahlen, Neuwahlen, eine Regierung nach der anderen, der Vorhof der Republik flimmerte längst - und dann war er da, dieser Niemand aus Österreich, der unbekannte Soldat, der "Bierkelleragitator" (Hitler-Biograf Ian Kershaw), Chef jener braunen Partei, die lange Zeit für viele nur eine verrückte politische Randerscheinung gewesen war, die jetzt aber, im 14. Jahr nach ihrer Gründung, schon die stärkste politische Kraft in Deutschland war.
"Hitler ist fabelhaft sicher", notierte am Tag zuvor sein Berliner Gauleiter und Sprachrohr Joseph Goebbels, ein Meister des bösen Worts, "heute wird Tau gezogen." Da klang noch etwas Skepsis mit, denn 100 000 Menschen protestierten gegen Hitler - "Berlin bleibt rot!" -, und der linksorientierte "Vorwärts" warnte, ein Kabinett Hitler würde das "Sprungbrett" hinein in den Faschismus sein. Es war eine Warnung ohne Widerhall, weil Adolf Hitler einfach nicht mehr aufzuhalten war.
Gegen 10 Uhr am 30. Januar verließ der Vorsitzende der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei das Hotel "Kaiserhof" und machte sich auf den Weg zum greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, für 11 Uhr war Hitlers Vereidigung als Kanzler angesetzt. Ein heftiger Streit mit dem künftigen Wirtschaftsminister Alfred Hugenberg verzögerte die Zeremonie.
Er sei zufrieden, dass sich zu guter Letzt doch alle zusammengerauft hätten, sagte der Reichspräsident und nickte gefällig, als Hitler versprach, die Rechte des Staatsoberhaupts zu achten, zum Wohle der ganzen Nation ohne Rücksicht auf Parteiinteressen regieren zu wollen, und dass er alles tun werde, um die Verfassung zu erhalten.
Dann sprach Hindenburg einen letzten Satz: "Und nun, meine Herren, vorwärts mit Gott!"
Hitler war Reichskanzler, und in diesem Augenblick war die erste deutsche Republik endgültig tot, die Weimarer Republik.
"Wie ein Märchen", bejubelte Goebbels das Ereignis. Abends marschierten Zehntausende mit Fackeln durch Berlin, ihr Zug glich einem Feuerband, das auf Gesichter und Häuserwände unruhige Schatten warf, als seien es Menetekel. Musikkapellen spielten. Von einem "sinnlosen Taumel der Begeisterung", schwärmte Goebbels in seinem Tagebuch.
Märchen, auch Wunder - jene Begriffe aus der magischen Sphäre - dienten damals (wie später) den Propagandaspezialisten des Regimes, um dem Beginn der sogenannten Machtergreifung "die Aura übernatürlicher Weihe zu verschaffen", schreibt der Hitler-Biograf Joachim C. Fest. Und auf diese Weise einen Mythos zu kreieren für die Zukunft.
Die Wirklichkeit war viel prosaischer, und sie präsentierte sich vor allem als eine Geschichte gesellschaftlicher Fehlentwicklungen und politischer Fehlkalkulationen. Als die Geschichte eines Parteienstaats, der eigentlich keiner sein wollte - und als Geschichte einer Demokratie ohne wirkliche Demokraten.
20 Reichsregierungen erlebte die Republik, jede hielt im arithmetischen Mittel nur gut acht Monate. Ein Teufelskreis entstand, dessen Formel so einfach wie gefährlich war: Je schwächer eine Regierung erschien, desto leichter neigten die Wähler zu jenen, die autoritäre Machtausübung versprachen - ob sie nun rechts standen oder links.
Einzigartige Bedingungen herrschten damals, und ohne sie wäre Hitler in der Versenkung geblieben. Da war ein übermächtiger Reichspräsident, der am Ende schwach wurde. Misstrauen in die Demokratie, Angst vor dem Bolschewismus, gefühlte Demütigung durch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, die doch aus Sicht von Millionen ein friedliebendes Deutschland in diesen Krieg getrieben hatten. Hohe Arbeitslosigkeit, Inflation, Zusammenbruch der Wirtschaft - alles Gründe, die in ihrer Gesamtheit schließlich binnen wenigen Jahre in eine Diktatur führten.
Und es gab einen weiteren Grund, der auch nichts zu tun hat mit einem Hitler als Verführer einer Kulturnation, nämlich die "Ungleichzeitigkeit der politischen Modernisierung", wie es der Historiker Heinrich August Winkler nennt. Das Wahlrecht sei früh demokratisiert worden, das Regierungssystem freilich "verspätet", und diese Lücke, die sich ergebe aus der "Verschleppung der Freiheitsfrage im 19. Jahrhundert", habe Hitler genutzt und damit das "Fundament seines Erfolges" gelegt. Eine Lücke, entstanden auch daraus, dass die Weimarer Demokratie getragen wurde von einem Führungspersonal, das tief verwurzelt blieb in obrigkeitsstaatlichem Denken der Kaiserzeit.
Der 30. Januar 1933 bedeutete nicht nur eine Zäsur der deutschen Geschichte. Er war auch ein Wendepunkt der Weltgeschichte. Wäre Hitler an diesem Tag nicht zum Reichskanzler ernannt worden, die "Welt, in der wir leben", sagt Winkler, "sähe anders aus".
Der Zweite Weltkrieg, der nur 78 Monate nach dem 30. Januar 1933 begann, kostete 60 Millionen Menschen das Leben, Soldaten und Zivilisten, Kinder, Frauen, Alte. Und Hitlers Hass auf die Juden, der zum wichtigsten Punkt nationalsozialistischer Politik werden sollte, löste den Holocaust aus mit fast sechs Millionen Ermordeten.
Weimar, die Stadt im Thüringer Becken, umgeben von sanften Hügeln, ist gebaut auf geschichtsträchtigem Boden - und das Zentrum der deutschen Klassik. Goethe und Schiller, die Dichterfürsten, lebten und arbeiteten hier, Komponisten, Musiker, Architekten, Weimar steht für deutsche Kultur, für geistige Größe und Zivilisation, für Humanismus.
Und genau deshalb hatten sich hierhin, nach der vierjährigen Barbarei des Ersten Weltkriegs und der sich anschließenden November-Revolution, Anfang 1919 die gerade gewählten Volksvertreter zurückgezogen, um die Verfassung auszuarbeiten für einen demokratischen Bundesstaat, der eine Mischung sein sollte aus präsidialem und parlamentarischem Regierungssystem.
Berlin, die Hauptstadt, war noch zu unruhig, der Versammlungsort Weimar sollte also kenntlich machen, dass das neue Deutschland sich rückbesinne auf die Tradition der Klassiker - ein Signal für die Siegermächte, die drei Wochen früher begannen, in Versailles bei Paris über einen endgültigen Friedensschluss zu beraten und zu verhandeln.
Am 31. Juli nahm in Weimar die Nationalversammlung die neue Verfassung an, mit 262 Jastimmen gegen 75 Neinstimmen und einer Enthaltung, wenige Tage später unterzeichnete sie der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert.
Die Verfassung war zwar genuin demokratisch, aber dennoch ein Werk der Kompromisse, weil ihr verschiedenartige politische und soziale Inhalte zugrunde lagen. Voller Stolz bekannte dennoch Eberts Parteifreund Eduard David, der Reichsinnenminister, nun sei Deutschland die "demokratischste Demokratie der Welt". Ein Aufbruch, zweifelsohne.
Und noch jemand brach auf in jenem Jahr - Adolf Hitler.
Mit 16 hatte er die Schule geschmissen, Adolf sei, sagte sein Lehrer, "widerborstig" gewesen, "eigenmächtig, rechthaberisch und jähzornig". Der Vater will ihn zum Beamten machen, der Sohn aber glaubt, in seinen Adern fließe das Blut des Künstlers; bei der Aufnahmeprüfung zur Akademie für Bildende Künste in Wien rasselt er durch, sein Talent reicht nie und nimmer.
Hitler malt, doch davon zu leben ist schwer, er entwickelt sich zu einem Außenseiter der Gesellschaft, der unter Obdachlosen schließlich den sozialen Abstieg erlebt - eine gescheiterte Existenz auf der Suche nach Sündenböcken für das eigene Versagen und das Elend auf diesem Erdenball.
Ob er schon in dieser Lebensphase zum besessenen Rassisten wurde, ist historisch nicht gesichert. Aber er las die Schriften obskurer antisemitischer Autoren, und er verstand sich als "Großdeutscher", ein Gegner also des Habsburgerreichs und Befürworter einer Vereinigung von Deutschland und Österreich. Anhänger dieser Idee waren auch Anhänger eines extremen Nationalismus, der sich zudem widerspiegelte in einem tiefen Hass gegen alles Jüdische.
Genau dieser Typ Bürger war auch ein gewisser Anton Drexler, Schlosser in der Münchner Eisenbahn-Hauptwerkstätte, der auf die Idee kam, man müsse endlich einmal eine "richtige" Partei gründen, sollte heißen: eine nichtmarxistische Arbeiterpartei. So entstand, am 5. Januar 1919, die Deutsche Arbeiterpartei (DAP), die sich auch gegen Juden richtete, weil Drexlers Häuflein sie für Kriegsgewinnler hielt.
Vielleicht wäre dieser Antisemitismus blass geblieben, hätte er sich nicht verbunden mit der Aggressivität einer verlorenen Generation heimgekehrter, in ihrem Selbstwertgefühl tief verwundeter Frontsoldaten und einer Protesthaltung weiter Bevölkerungskreise, die partout Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg nicht anerkennen wollten.
Und keiner konnte den "Erreger" aller Übel dieser Welt plastischer beschreiben als er: Hitler.
Im September 1919 war er Mitglied der Winzlingspartei geworden und alsbald deren Werbeleiter, ein "Trommler"; Hitler, der im Brotberuf für die Reichswehr Soldaten Nationalistisches und Antibolschewistisches eintrichterte, tobte sich aus "über die Erreger der Rassentuberkulose", die Juden.
Gewiss, dieser Mann aus dem österreichischen Braunau am Inn hatte den Antisemitismus, der vor allem im späten 19. Jahrhundert auf erschreckende Weise präsent war, nicht erfunden. Aber Hitler radikalisierte ihn in ungeahnter Weise "zu einem biologischen Rassismus", so der Historiker und Publizist Peter Zolling - und fand damit schnell Gehör in der aufgeheizten Atmosphäre der Weimarer Republik.
Dass die Republik von Beginn an auf schwachen Füßen stand, zeigte sich bereits bei der Reichstagswahl im Frühsommer 1920, nicht einmal ein Jahr nach Verabschiedung der Verfassung. Überraschend verlor die sogenannte Weimarer Koalition aus SPD, dem konservativen Zentrum und der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) ihre absolute Mehrheit, während ihre Geg- ner auf dem rechten und linken Spektrum erheblich an Stimmen gewannen. Eine glatte Niederlage also für jene gemäßigten Kräfte, die Deutschland herausführen wollten aus Kriegsfolgen und Revolution - und hineinlenken wollten in ein ruhigeres Fahrwasser.
Oder, noch schärfer akzentuiert: Es schien schon jetzt das Aus zu sein für jeden Versuch einer großangelegten Demokratisierung des noch immer obrigkeitsstaatlich gestimmten Volks. Gesiegt hatten die Enttäuschten, und das Fragile des jungen Staatengebildes zeigte sich an allen Ecken. Rechte putschten und zwangen die Reichsregierung kurzzeitig, die Hauptstadt zu verlassen, vielerorts erhoben sich die Kommunisten - im Ruhrgebiet wurde ihr Aufstandsversuch von Reichswehr und Freikorps blutig niedergeschlagen.
Terror und Mord hielten die Menschen beständig in Atem, "blinde Wut und fanatischer Hass" herrschten, konstatierte erschüttert der SPD-Vorsitzende Otto Wels. Im August 1921 fiel der Zentrumspolitiker und Ex-Reichsfinanzminister Matthias Erzberger einem Attentat zum Opfer, er hatte 1918 das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, das den Ersten Weltkrieg beendete - für viele war Erzberger eine Symbolfigur der Niederlage.
Im Juni 1922 töteten rechtsextreme Offiziere mit Schüssen aus nächster Nähe den liberalen Außenminister und früheren AEG-Vorstand Walther Rathenau - wohl der bedeutendste Politiker jener Zeit, ein intellektueller Kopf, der gerade im italienischen Rapallo mit den Sowjets einen weitreichenden Vertrag (einschließlich des Verzichts auf Entschädigungen) geschlossen hatte - und das erregte unbändigen Zorn.
Ein auf fünf Jahre befristetes "Gesetz zum Schutze der Republik", verabschiedet wenige Wochen nach dem Rathenau-Mord, sollte den demokratischen Staat wehrhafter machen. Eine wirksame Waffe im Kampf gegen dessen Feinde konnte das Gesetz freilich schon deswegen nicht werden, weil seine Anwendung einer Justiz anvertraut war, die noch durchweg der wilhelminischen Zeit entstammte - und keinen Hehl machte aus ihrer Sympathie für die politische Rechte und ihrer Aversion gegen die Demokratie.
Die Statistik ist beeindruckend - und gleichermaßen ein Beweis der Verwerflichkeit: Bis 1924 brachten rechtsradikale Attentäter mehr als 400 politische Gegner um, führt Zolling an. In nur 70 Fällen gab es Verurteilungen, viele Angeklagte gingen straffrei aus, konnten rechtzeitig entkommen oder wurden schon bald wieder aus der Haft entlassen.
Linke hingegen, vor allem Kommunisten, bekamen die ganze Härte des Gesetzes zu spüren. Für 22 Morde ergingen zehn Todesurteile, dreimal verhängten die Richter lebenslänglich, alle anderen Angeklagten kamen für 15 Jahre hinter Gitter. Ermittlungen, etwa die gegen die Mörder der KPD-Größen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, wurden stark behindert.
Auch die Justiz, das ist unzweifelhaft, trägt eine große Verantwortung dafür, dass die Weimarer Republik letztendlich scheitern sollte - weil sie mithalf "an ihrer Überwältigung durch autoritäre und totalitäre Bewegungen", formuliert der Bonner Geschichtsforscher Karl Dietrich Bracher.
Bayern übrigens, Hitlers neue Heimat, hatte das Republikschutzgesetz nicht anerkannt; inzwischen steuerte die Landesregierung einen eindeutigen Rechtskurs, der allen extremistischen Organisationen freie Entfaltung gewährte. Und deshalb konnte auch die NSDAP, so hieß die DAP seit Februar 1920, zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Im Jahr vier von Weimar versuchte ihr neuer Vorsitzender Hitler das erste Mal, die Macht in Deutschland zu ergreifen, es war auch das Jahr, in dem der rechtskonservative Schriftsteller Arthur Moeller van den Bruck ein Buch veröffentlichte, dessen Titel als Schlagwort jedermann geläufig ist: "Das dritte Reich". Nach dem ersten, dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, und dem zweiten, von Bismarck geschaffenen kleindeutschen Reich, das van den Bruck als unvollkommenes "Zwischenreich" einstufte, sollte das "Dritte Reich" der Deutschen wieder großdeutsch sein - ein Reich mit Österreich.
Und als Heilslehre schloss die Sehnsucht nach einem solchen "Dritten Reich" die völkische Idee eines Großdeutschlands ebenso ein wie die Revision des Versailler Vertrags mit seiner Fixierung einer deutschen Alleinschuld am Ersten Weltkrieg und milliardenschwerer Reparationszahlungen - die Revision war nicht nur ein Traum aller Nationalisten. Sie sei, urteilt der Mainzer Geschichtsforscher Andreas Rödder, das entscheidende "Bewegungsgesetz der Außenpolitik in der Weimarer Republik" gewesen.
Hitler plante im November 1923 einen "Marsch auf Berlin", um eben ein solches Reich zu errichten und Deutschland endlich zu befreien vom marxistischen Chaos. Sein Vorbild war der italienische Faschistenführer Benito Mussolini, der es mit dem politischen Druckmittel eines "Marschs auf Rom" geschafft hatte, die Regierungsgewalt zu übernehmen.
Die Zeit schien Hitler deshalb reif, weil Deutschlands Wirtschaft immer mehr in der Krise versank. Die Kriegslasten waren nun so drückend, dass der Wert des Geldes in rasender Geschwindigkeit verfiel und die Preise nach oben schossen; seither kennt die Ökonomie einen neuen Begriff: Hyperinflation.
Über Nacht waren Wohlhabende zu Fürsorgeempfängern geworden, der Staat, dem viele Bürger ihre Ersparnisse mündelsicher anvertraut hatten, hatte seine Schulden gerade auf sie abgewälzt - diesen Vorgang brandmarkte ein Zeitgenosse als "eine der größten Räubereien der Weltgeschichte". Massenelend war die Folge, und der Alltag geriet zum Kampf ums nackte Überleben.
Ironisch-nüchtern beschreibt eine Hauptfigur in Erich Maria Remarques Roman "Drei Kameraden" diese Zeit der Beschwernis: "1923 war ich Reklamechef einer Gummifabrik ... Zweihundert Billionen Mark hatte ich monatlich verdient. Zweimal am Tag gab es Geld und jedes Mal eine halbe Stunde Urlaub, damit man in die Läden rasen und etwas kaufen konnte, bevor der nächste Dollar-Kurs rauskam - dann war das Geld nur noch die Hälfte wert."
Hitlers Putschidee hatte, ganz im Gegenteil zu der Mussolinis, schwere Webfehler, die schon früh einen Hinweis auf seinen Größenwahn lieferten. Erstens konnte er sich nicht - wie Mussolini - auf die Unterstützung Hunderttausender verlassen, zweitens hätte die Polizei in Preußen - und durch dieses Gebiet hätte der Marsch erfolgen müssen - diesen nie und nimmer gestattet.
So musste sich Hitler begnügen mit einem "Marsch auf die Feldherrnhalle" in München, der Putschversuch scheiterte kläglich. Den Hochverratsprozess gegen ihn und neun weitere Angeklagte nutzte er weidlich, um gegen Weimar zu hetzen, kaum gebremst von seinen Richtern wilhelminischer Prägung.
Die NSDAP wurde verboten, das Urteil lautete: fünf Jahre Haft, Festungshaft, die angenehmste Form eines Gefängnisaufenthaltes, und das Münchner Gericht verzichtete darauf, die nach dem Republikschutzgesetz - es galt als Reichsrecht auch im Freistaat Bayern - eigentlich angebrachte Ausweisung zu verhängen. Begründung: Jene Vorschrift dürfe keine Anwendung finden bei einem "Mann, der so deutsch denkt und fühlt", auch sei er geleitet gewesen "von rein vaterländischem Geiste und dem edelsten, selbstlosen Willen". Selbstlos, edel, vaterländisch - deutsch.
In Zelle 7 der Haftanstalt Landsberg am Lech, so schildert es Heinz Höhne in seinem Buch "Die Machtergreifung", schickte sich dieser deutsche Mann nun an, "auf einer klapprigen Schreibmaschine sein bisheriges Leben umzuschreiben. Seite um Seite stilisierte er sich zu dem Führer der 'nationalen Bewegung' empor, der - von allen Deutschen erhofft - nur auf seine Stunde wartet". "Mein Kampf" sollte er das Pamphlet nennen, ein Zeugnis der Besessenheit, das lange niemand ernst nahm.
Schon im Dezember 1924 kam er wieder frei - und schnell zu spüren, dass Führerautorität und martialische Sprüche allein die inzwischen in rivalisierende Gruppen auseinandergefallene NSDAP nur schwerlich in Schwung bringen konnten. Hitler erwirkte die Wiederzulassung der Partei gegen das Versprechen, nie wieder zu putschen - bei der zweiten Parteitaufe am 27. Februar 1925 im Münchner "Bürgerbräukeller" schworen ihm 4000 jubelnde Genossen auf ewig Treue.
Zwischenzeitlich hatte sich die Jungrepublik einigermaßen erholt, vor allem dank der klugen Politik eines Außenministers, der schon zuvor als kurzzeitiger Reichskanzler mit einer Neuordnung des Währungssystems die Inflation gestoppt hatte - Gustav Stresemann. Das Multitalent von der Deutschen Volkspartei (DVP) erreichte, dass sich Deutschland den früheren Kriegsgegnern, vor allem Frankreich, annähern und schließlich den Weg finden konnte in die internationale Gemeinschaft des Völkerbundes - für den Locarno-Pakt, der auch die Entmilitarisierung des immer noch besetzten Rheinlands vorsah, bekam er 1926 als erster Deutscher den Friedensnobelpreis.
"Man konnte wieder arbeiten, sich innerlich sammeln, an geistige Dinge denken", schrieb der Schriftsteller Stefan Zweig. "Man konnte sogar wieder träumen und auf ein geeintes Europa hoffen. Einen Weltaugenblick schien es, als sollte unserer schwer geprüften Generation wieder ein normales Leben beschieden sein."
Und das einzige Mal erlebte der Reichstag in der Weimarer Republik eine volle Legislaturperiode, von 1924 bis 1928. Für die stürmische Entfaltung eines neuen Lebensgefühls erfand das Publikum schnell einen plakativen Begriff: "Goldene Zwanziger". Oder "Roaring Twenties".
Es schien, als bringe ein Labor immer Besseres hervor. Die Bauhaus-Architekten, die Expressionisten, freche Chansons und Filme ("Metropolis"), die Kult wurden. Oder die großartigen Romane eines Thomas Mann ("Der Zauberberg"), Alexander Döblin ("Berlin Alexanderplatz") oder Carl Zuckmayer ("Der fröhliche Weinberg").
Frauen schnitten alte Zöpfe ab - ihr Bubikopf wurde zum Markenzeichen. In der Jazzoper "Jonny spielt auf" sang der Chor: "Die neue Zeit bricht an / Versäumt den Anschluss nicht / Die Überfahrt beginnt / Ins unbekannte Land der Freiheit."
Das Leben als Experiment, als zu kurzes freilich. Alle Unbekümmertheit konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Aufschwung weder mit politischer Stabilität zu tun hatte noch mit wirtschaftlichem Aufblühen, sondern ein Produkt "ungeheurer seelischer Spannungen und künstlerischer Schöpfungskraft" war, analysiert der Geschichtsforscher Hagen Schulze.
Weil die extremen Linken und die extremen Rechten die große Mehrheit der Weimarer Szenerie bildeten, wurde der sowieso aus scharfer Frontstellung erwachsene Grunddissens der Deutschen noch verstärkt. Die Avantgarde-Kunst von Weimar fand weit mehr Gegner als Freunde, Goebbels' Angriffe auf die "Asphaltkultur" hatten nicht nur ein Echo bei seinen Nationalsozialisten, sondern auch in der soliden Bürgerschaft, die etwa auf die "Amerikanisierung" der Kultur mit Befremden reagierte.
Das Volk war gespalten: zwischen dem Willen zur Modernität und der Angst davor, zwischen Radikalismus und Resignation.
Historiker haben die Zeit der Weimarer Republik in drei Phasen eingeteilt - erst die Krisenjahre mit zahlreichen Umsturzversuchen, Unruhen und der Hyperinflation, dann die "Goldenen Zwanziger", innenpolitisch nahezu windstill, außenpolitisch erfolgreich und von gewisser ökonomischer Stabilität. Und jetzt begann Phase drei: mit der Weltwirtschaftskrise, dem Aufstieg der Nazis und der Agonie und dem Tod der Demokratie.
Ende 1928 erließ Hitler neue Richtlinien für die Propagandaarbeit seiner Partei: Die üblichen Angriffe auf Konservative wurden gestoppt, stattdessen aktivierte er den Kampf gegen Marxismus, die Internationale und das Judentum, es war ein Rechtsschwenk großen Ausmaßes. Wer das noch nicht verstanden hatte, der musste es begreifen im Sommer 1929.
Alfred Hugenberg, Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), ein Medienmogul, hatte den "Reichsausschuss für das deutsche Volksbegehren" gegen die "Kriegsschuldlüge" und den Young-Plan gegründet; Hitler holte er mit ins Boot, und auch einzelne Industriebosse wie etwa den Stahlmagnaten Fritz Thyssen, der gleich den Flicks oder den Borsigs die NSDAP finanziell unterstützte.
Keine andere Aktion hat Hitler dem mittelständischen Bürgertum so bekannt gemacht wie diese Kampagne, die all die Gefühle von Angst, Ohnmacht und Wut wieder aufpeitschte - eine Seelenlage, die für einen Großteil der Deutschen verbunden war mit dem Begriffspaar "Versailles" und "Reparationen", wobei freilich längst klar war, dass die im anstehenden Young-Plan festgelegten neuen Zahlungsverpflichtungen deutlich günstiger ausfielen als die vorherigen.
Auch wenn das Plebiszit scheiterte - jetzt war zum ersten Mal die "Nationale Opposition" beisammen, die Hitler später an die Macht bringen sollte. Der NSDAP-Chef hatte, auch erstmalig, sein taktisches Konzept erprobt, mit dem er von nun an vor die Wähler treten wollte: konservativ und zugleich reformerisch zu sein, für Veränderung und für Kontinuität, antikapitalistisch und doch gegen Verproletarisierung - raffinierte Antwort auf die restaurativen und revolutionären Wunschvorstellungen so vieler autoritätsgläubiger Deutscher.
Die Stimmung im Land war, fast durch alle gesellschaftlichen Schichten, pro rechts. In Scharen liefen Studenten über zur Hitler-Partei, und Bauern in Schleswig-Holstein bombten gegen Regierungsgebäude; sie glaubten, ein Sieg der Nationalsozialisten auf parlamentarischem Weg werde zu lange brauchen, pure Gewalt war ihnen lieber. Alte Landfrauen trugen an ihren Schürzen plötzlich das Hakenkreuzabzeichen, weil sie überzeugt seien, heißt es in einem Polizeibericht, nur Hitlers Nationalsozialisten könnten die "Retter" aus dem Elend sein.
Am 3. Oktober 1929 starb Stresemann, der vielleicht die Wende geschafft hätte, und drei Wochen später gingen vom Börsenplatz New York aus Schockwellen um den Globus - die Aktienkurse waren erdrutschartig eingebrochen. Deutschland traf dieser Sturz auf viel brutalere Weise als andere europäische Länder, weil es wegen kurzfristiger Kredite vollkommen abhängig war vom amerikanischen Kapitalmarkt.
Eine wieder einbrechende Wirtschaft und das damit zwangsläufig verbundene Hochschnellen der Erwerbslosigkeit - Anfang 1930 waren gut drei Millionen Personen arbeitslos, also etwa 15 Prozent aller Arbeiter und Angestellten - radikalisierte die Menschen entscheidend, und der Neid der Bedrückten wuchs.
Gleichermaßen radikalisierte sich die Politik: Immer mächtiger werdende Kreise in Industrie und Landwirtschaft drängten den Reichspräsidenten Hindenburg, doch endlich die Richtung zu wechseln.
Sie waren das ständige parlamentarische Kräftespiel leid und machten sich deshalb für eine autoritäre Regierung stark, die - unabhängig vom politischen Flickenteppich Reichstag - den für die herrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse angeblich zu arbeitnehmerfreundlichen Sozialstaat überwinden sollte.
Und Hindenburg reagierte, als am 27. März 1930 die Große Koalition aus Sozialdemokraten und Liberalen an einer scheinbaren Marginalie scheiterte - der Frage, ob der Beitrag eines jeden zur Arbeitslosenversicherung um einen halben Prozentpunkt angehoben werden sollte. Für den zurückgetretenen SPD-Kanzler Hermann Müller, er war der 11. Regierungschef seit 1919, installierte Hindenburg einen Zentrumsmann der konservativsten Sorte - Heinrich Brüning, ein stets entrückt und blass wirkender Nationalökonom.
Das Parlament als Gesetzgeber spielte von jetzt an kaum noch eine Rolle, es konnte, wie schon zu Bismarcks Zeiten, auf der Suche nach neuen Mehrheiten jederzeit aufgelöst werden, ein Machtwort Hindenburgs genügte. "Die letzte Chance zur Stabilisierung des Weimarer Parlamentarismus" war dahin, sagt der Augsburger Historiker Andreas Wirsching, endgültig.
Als eine der Brüningschen Notverordnungen - zur Sicherung der Staatsfinanzen nämlich - an der außergewöhnlichen Stimmenkombination von SPD, KPD und NSDAP scheiterte, verkündete er die Auflösung des Reichstags - und genau dies bedeutete den Durchbruch der Hitler-Bewegung. Die Brüning-Partei holte bei den Neuwahlen am 14. September 1930 nur 11,8 Prozent der Stimmen, stärkste Partei blieb zwar die SPD (24,5 Prozent), aber sie hatte kräftig eingebüßt.
Zweiter Sieger waren die Kommunisten - mit 13,1 Prozent (plus 2,5). Erster Sieger war eine Partei, die vier Jahre zuvor lediglich 800 000 Stimmen geholt hatte, jetzt aber 6,4 Millionen: Hitlers NSDAP. 18,3 Prozent auf einen Schlag, und dies bedeutete auch, dass sich fast ein Drittel aller Wähler für ganz links und ganz rechts entschieden hatte. Dieser Wahltag war ein weiterer Tag im schwarzen Kalender deutscher Irrwege.
Tatsächlich hatte der Reichspräsident, und mit ihm die Vertreter des "erstarkenden großagrarisch-schwerindustriell-militärischen Kartells außerparlamentarischer Opposition" (Historiker Eberhard Kolb), seit längerem schon eine bürgerliche Rechtsregierung um praktisch jeden Preis favorisiert, ohne und notfalls gegen das Parlament. An Hitler dachte er dabei nicht, noch nicht.
Mit der Wirtschaft ging es weiter rapide bergab, mehr als ein Drittel der Deutschen lebte mittlerweile von der Fürsorge, Hunger und Krankheiten breiteten sich aus.
"Morgen für Morgen", notierte ein Berlin-Besucher aus England, "wachen überall in der riesigen, taufeuchten, trübsinnigen Stadt junge Männer auf und beginnen einen neuen arbeitslosen, leeren Tag: Schnürsenkel verkaufen, betteln, im Foyer des Arbeitsamtes Dame spielen, sich in der Umgebung von Pissoirs herumdrücken, Klatsch austauschen, faulenzen, stehlen."
Viele wussten keinen Ausweg mehr - und brachten sich um.
Und die innenpolitische Situation eskalierte, wieder einmal. Allein im Juli 1932 starben in Preußen bei Straßenschlachten zwischen Hitlers SA-Horden, die für kurze Zeit nur verboten worden waren, und kommunistischen Schlägern über 80 Menschen. Die Krawalle am "Altonaer Blutsonntag" (17. Juli) forderten 18 Tote, fast allesamt unschuldige Bürger.
Präsident Hindenburg hatte mittlerweile Brüning entlassen und ihn durch den westfälischen Gutsbesitzer Franz von Papen ersetzt, der wie kein Zweiter den Geist der alten preußisch-deutschen Adelskaste verkörperte - und der eigentlich den immer aggressiver auftretenden Nationalsozialisten den Wind aus den Segeln nehmen sollte.
Papen tat erst einmal etwas anderes, um seine Rechtsregierung zu stärken. Im Juni hatte in Lausanne eine Konferenz der Siegermächte beschlossen, Deutschland von der Last der Reparationen, bis auf einen kleinen Rest, zu befreien.
Die Propaganda um das "Diktat von Versailles" wäre also obsolet geworden. Sein Kabinett brachte, um abzulenken, ein anderes Thema auf den Weg. Es machte für die ausufernde Gewalt das seit 1918 fast ununterbrochen sozialdemokratisch regierte Preußen verantwortlich, das "rote" Preußen - weil dessen Polizei angeblich zu lasch sei gegenüber den Kommunisten.
Preußen gehörte zu den wenigen Glücksfällen dieser Republik ohne Fortune, denn das moderne Preußen zu dieser Zeit war die Hauptbastion der Demokratie, und wer gewillt war, Weimar hinter sich zu lassen, der musste diese republikanische Bastion schleifen.
So kam es dann am 20. Juli, drei Tage nach Altona. Im Handstreich ("Preußenschlag") ließ Papen die Regierung absetzen und sich selbst zum Reichskommissar für Preußen ernennen; an die Stelle des geschassten sozialdemokratischen Berliner Polizeipräsidenten trat ein Offizier der Reichswehr - Preußens Polizei, die noch ein Gegner hätte sein können, war so gut wie ausgeschaltet.
Glatter könnte ein Verfassungsbruch nicht vor sich gehen, aber das, was sich die Strategen Hindenburgs und Papens wohl erhofft hatten, blieb aus. Weder beruhigte sich zu ihren Gunsten das politische Klima, noch festigte sich die Stellung der Regierung, ganz im Gegenteil. Bei den Reichstagswahlen wenige Tage später gab es nur einen Sieger - Hitlers NSDAP. Sie holte 37,4 Prozent der Stimmen, das war mehr als eine Verdopplung gegenüber 1930.
Und die Hitler-Partei drängte weiter massiv an die Spitze, woran auch ein großer Stimmenverlust bei den gut drei Monate später angesetzten Neuwahlen nichts änderte. Weil nämlich die Kommunisten 600 000 Stimmen hinzugewannen und so die magische Zahl von 100 Reichstagssitzen erreichten, war die Angst des Volks vor einem Bürgerkrieg fortan Hitlers "mächtigste Verbündete" (Heinrich August Winkler).
Jetzt trat General Kurt von Schleicher auf den Plan, ein enger Vertrauter Hindenburgs, dessen Einflüsterungen auch bisher schon den Niedergang der Republik beschleunigt hatten. Schleicher hatte im vorletzten Umlauf des Regierungskarussells Papen beerbt. Ihm schwebte, um Deutschland aus der Krise zu führen, ein breites Bündnis aus Militärs, Gewerkschaftern und Teilen der NSDAP vor.
Der entmachtete Papen konnte noch einmal kontern, zumal er auch die Unterstützung einflussreicher Industrieller, Banker und ostelbischer Grundbesitzer hatte. Um Schleicher zu stürzen, war dem westfälischen Adligen jedes Mittel recht - auch ein Kanzler Hitler.
Weimars letzte Wochen waren eine grandiose Fehleinschätzung auf allen Seiten - Hitler ausgenommen.
Vielleicht wäre die Ausrufung des Staatsnotstands die letzte Rettung gewesen, vielleicht gar eine vorübergehende Militärdiktatur. Jedoch, die Schlüssel zur eigentlichen Macht schienen "sicher in den Händen der Repräsentanten konservativer Werte zu liegen", urteilt der Berliner Historiker Wolfgang Benz. Vorrangig waren das Hugenbergs DNVP, die Reichswehr und der "Stahlhelm", ein einflussreicher Bund früherer Frontkämpfer.
Wer, wie der auserkorene Vizekanzler Papen und auch ausländische Beobachter, geglaubt hatte, im Amt werde Hitler schon "gezähmt" und sich sodann vom Demagogen zum Staatsmann entwickeln, der irrte genauso wie der designierte Wirtschaftsminister Hugenberg. Der nämlich war überzeugt davon, der "österreichische Gefreite" (Hindenburg) werde nur eine Nebenrolle spielen können: "Wir rahmen Hitler ein", es könne "nichts passieren".
Um 17 Uhr an jenem 30. Januar 1933 fand die erste Sitzung des "Kabinetts der nationalen Konzentration" unter Hitlers Leitung statt. Hauptthemen: Neuwahlen, "Unterdrückung der KPD", ein möglicher Generalstreik. Vizekanzler Papen meldete sich zu Wort. Das deutsche Volk brauche "jetzt Ruhe", und deshalb sei es "am besten, zunächst vom Reichstag ein Ermächtigungsgesetz zu verlangen".
Ermächtigungsgesetz, das hieß im Klartext: Gesetzgeber sollte die Regierung sein, nicht das Parlament. Und das bedeutete: Schlussoffensive. Mit Adolf Hitler, der kein Politiker im herkömmlichen Sinne war, sondern Revolutionär und Ideologe, mit einem Ziel nur, so Historiker Schulze, die Weltherrschaft einer überlegenen Rasse zu errichten, "auf den Knochen der Unterlegenen". F
Von Georg Bönisch

SPIEGEL SPECIAL Geschichte 1/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


SPIEGEL SPECIAL Geschichte 1/2008
Titelbild
Abo-Angebote

Sichern Sie sich weitere SPIEGEL-Titel im Abo zum Vorteilspreis!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

  • Rassismusdebatte um Video: Schüler verklagt Washington Post
  • Safaritour: Touristen treffen wütende Elefantenherde
  • Plasmablitze in der Mikrowelle: Das Weintrauben-Experiment
  • Unfall bei Flugshow: Kampfflieger kollidieren in der Luft