Im neuen SPIEGEL: Drei Wochen in Damaskus, Porträt Uli Hoeneß, Großbritanniens letzte Europa-Fans, Schleichwerbung

Von Martin Doerry, Stellv. Chefredakteur

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Doerry

Liebe Leserin,
lieber Leser,

in den vergangenen zehn Jahren ist meine Kollegin Susanne Koelbl mehrmals in Syrien unterwegs gewesen, sie hat Präsident Baschar al-Assad zum Interview getroffen, über seine Familie hat sie ebenso geschrieben wie über die syrische Opposition. Kurz vor Silvester fuhr Koelbl noch einmal nach Damaskus. Ein syrischer Parlamentarier hatte sie eingeladen, sie wollte den Zerfall einer Herrschaft beschreiben, den Untergang eines Staates. Sie blieb drei Wochen. Sie erlebte eine Gesellschaft, die im Café sitzt, während Bomben fallen; die in der Disco feiert, während der Strom knapp wird; die zu aufwendigen Hochzeiten einlädt, während Mörsergranaten explodieren. Damaskus, für Koelbl vor dem Bürgerkrieg eine der schönsten Städte der Welt, stehe erst am Anfang eines fürchterlichen Zerfalls, "der so brutal werden kann", sagt Koelbl, "wie wenig Vergleichbares in der Geschichte Syriens".

Uli Hoeneß, langjähriger Manager des FC Bayern München und inzwischen Präsident seines Clubs, war in der Vergangenheit für viele Fußballfans in Deutschland ein verlässliches Feindbild: Polternd, machtbewusst und arrogant hielt er den Bayern Mitbewerber vom Leib, indem er die besten Spieler der Konkurrenz einfach nach München holte. Unser Reporter Markus Feldenkirchen, selbst Fan von Borussia Mönchengladbach, traf Hoeneß mehrmals für ein Porträt - und war am Ende überrascht. Er begegnete einem nachdenklichen, engagierten und sozial denkenden Menschen, den der große Erfolg offenbar gelassener gemacht hat - und der sich aufrichtig bemüht, im Spannungsverhältnis von Herz und Verstand, Erfolg und Fürsorge nicht zerrieben zu werden.

Etwa die Hälfte der Briten würde aus der EU austreten, wenn es zu dem Referendum kommt, das Premierminister David Cameron kürzlich angekündigt hat - Großbritannien, so der Eindruck, zieht sich aus Europa immer mehr zurück. Tatsächlich ist es nicht einfach, auf der Insel Menschen zu finden, die sich öffentlich positiv zu Europa und über die EU äußern wollen, das erfuhren meine Kollegen Christoph Scheuermann und Juan Moreno bei ihrer Suche nach Großbritanniens Europa-Befürwortern. Auch viele Politiker schweigen lieber. Sie haben Angst vor der brutalen, in weiten Teilen europafeindlichen Presse, vor allem vor den Reportern der "Daily Mail". Ein EU-Beamter in London sagte den beiden: "Sie jagen dich, dich und deine Familie." Am Ende trafen sie Briten, die unter anderem für die Einführung des Euro kämpfen, eine aussichtslose Schlacht. Sie wollen nicht länger schweigen und haben sich zusammengetan, um sich gegen die Propaganda der EU-Hasser zu stemmen. "Jetzt schlagen wir zurück", sagt einer von ihnen.

Vor drei Wochen enthüllte der SPIEGEL, wie in der ZDF-Show "Wetten, dass..?" Mercedes-Autos bei Gewinnspielen ins beste Licht gerückt wurden, mit präzisen Regieanweisungen des Herstellers. Seitdem haben die Redakteure Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt den Schleichwerbe-Fall "Wetten, dass..?" weiterverfolgt. Bei ihren Recherchen erlebten sie immer wieder, dass mögliche Informanten auf ihren Anruf geradezu gewartet zu haben schienen. Mehrfach wurden die SPIEGEL-Leute mit "Wetten, dass ich weiß, warum Sie anrufen" begrüßt. Auch der Marketing-Chef eines süddeutschen Markenartiklers wusste gleich, worum es ging. Der Mann hatte noch eine Powerpointpräsentation von 2008 in seinem Schreibtisch, die belegt, was auch schon andere Gesprächspartner den SPIEGEL-Redakteuren anvertraut hatten: dass die Firma Dolce Media von Christoph Gottschalk, dem Bruder von Thomas, deutschen Unternehmen angeboten hat, Produkte von Firmen heimlich in die Sendung einzubauen. Damit gibt es erstmals Hinweise auf Schleichwerbung, die für die Zuschauer nicht erkennbar, den Firmen aber offenbar dennoch hohe Summen wert war.

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Martin Doerry

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