Studentin macht Inventur Wie viele Dinge besitze ich - und warum?

BWL-Studentin Judith Gebbe, 22, zählte alle Dinge, die sie besitzt. Bei 2189 hörte sie auf.

Studentin Judith Gebbe: Ein bewussterer Konsum macht sie zufriedener
Henning Ross / UNI SPIEGEL

Studentin Judith Gebbe: Ein bewussterer Konsum macht sie zufriedener

Von Marie-Charlotte Maas


Es war nur eine Zahl, die sie irgendwo aufgeschnappt hatte, aber sie sorgte dafür, dass Judith Gebbe begann, sich zu hinterfragen: ihre Art zu leben - und ihre Art zu kaufen. 10.000 Dinge, sagt die Statistik, habe der Durchschnittseuropäer in seinem Besitz. "Verrückt hoch klang das", sagt die 22-Jährige und beschloss herauszufinden, wie viel sie selbst in ihrem WG-Zimmer in Iserlohn und im Jugendzimmer im Haus ihrer Mutter hortet.

Zu diesem Zweck entwickelte die BWL-Studentin, die gerade ihre Bachelorarbeit in Green Business Management abgegeben hat, eine Datenbank, mit der sie nicht nur zählen, sondern auch Informationen festhalten konnte: Wann habe ich das Stück gekauft? Wie oft benutze ich es?

Die Inventur ihres Lebens ergab: 100 Bücher, die Hälfte ungelesen, 251 Kleidungsstücke, 17 Paar Schuhe, 237 Dekogegenstände wie Kerzen und Tischdecken, 122 Nägel und Schrauben, 2 Stofftiere, 6 Scheren, 100 alte "Bravo", 21 Kugelschreiber, 8 USB-Sticks, 3 Trinkflaschen. "Ich habe zwei Überlegungen angestellt: Woher kommt das nur alles? Und was bringt es mir?", erzählt Judith.

Gebbe: Weniger ist manchmal mehr

Beantworten konnte sie die Fragen nur selten, geholfen haben sie trotzdem: Allein der Anblick der puren Masse ließ den Reiz verschwinden, Neues zu kaufen. Als Entbehrung sieht sie das nicht - im Gegenteil: Der bewusstere Konsum, sagt Judith, mache sie zufriedener. Weniger sei eben manchmal wirklich mehr.

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Nur einer Leidenschaft kann sie nicht abschwören: Kleider. Die wandern weiterhin in den Einkaufskorb. "Jeden Sonntag trage ich eines und freue mich schon die ganze Woche darauf. Aus jedem Urlaub bringe ich mir eines als Souvenir mit." Teil der Minimalismusbewegung, deren Anhänger dafür plädieren, mit nur hundert Gegenständen zu leben, möchte Judith auch aus diesem Grund nicht sein. "Aber ich wünsche mir, dass die Leute sich bewusst machen, wie viel Schönes sie besitzen, ehe sie etwas kaufen." Die Menschen sollten die vorhandenen Dinge in die Hand nehmen und sich fragen, wie viel Aufmerksamkeit und Zeit sie ihnen widmen.

Wie viele Gegenstände sie genau besitzt, weiß Judith übrigens bis heute nicht. Nach Nummer 2198 beendete sie ihr Experiment vorzeitig. Das Zählen und Dokumentieren war einfach zu viel Arbeit.

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
siebenachtneun 28.03.2017
1.
Interessant wäre zu wissen, wie viele sie davon im Monat nutzt. Zieht sie alle 17 paar Schuhe regelmäßig an und trägt sie alle Kleidungsstücke oder liegen einige Dinge davon nur rum?
jschm 28.03.2017
2. gute Frage
also bei 17 Paar Schuhen würde ich (m,55) mich auch fragen "Was bringt mir das?" Ansonsten kann ich mit diesen existenziellen Fragen herzlich wenig anstellen. Nach 30 Jahren Familie mit Kindern ist da einiges mehr zusammen gekommen und bereitet mir überhaupt keine Bedenken
rouvino 28.03.2017
3. 17 Paar Schuhe sind nicht viel
ich als (m, 43) habe ja schon aeh wenn ich die Schlittschuhe und Rollerblades dazunehme auch 17 Paare. Da ist die generelle Frage, "Was bringt mir das?" und "Warum habe ich die Dinge?" viel interessanter. Muss ich wirklich 10 Kugelschreiber aufheben, damit wenn dann einer mal ausgeschrieben hat, gleich einen Ersatz habe? Brauch ich auf Vorrat hunderte von Schrauben im Werkzeugkeller, von denen dann doch keine genau passt, wenn was zu reparieren ist? Nein natürlich nicht, dennoch brauch ich sie nicht wegzugeben, da sie kein Brot fressen und Platz genug da ist.
mwil 28.03.2017
4. Und jetzt?
Was soll das jetzt aussagen? Sie hat das Experiment nicht beendet und weiss immer noch nicht, wie viel sie eigentlich besitzt. Und hat sie was ausgemistet? Sich von Sachen getrennt, die sie eigentlich nicht braucht? Und Kleider kauft sie trotzdem weiterhin uneingeschränkt, auch wenn sie sie nicht braucht. Das ist doch dann irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes...
Newspeak 28.03.2017
5. ...
"Nach Nummer 2198 beendete sie ihr Experiment vorzeitig. Das Zählen und Dokumentieren war einfach zu viel Arbeit." Tja, mit so wenig Arbeit kommt man schon auf SPON. Mal ehrlich, das "Experiment" ist laecherlich. Nicht mal die Aufzaehlung... "Die Inventur ihres Lebens ergab: 100 Bücher, die Hälfte ungelesen, 251 Kleidungsstücke, 17 Paar Schuhe, 237 Dekogegenstände wie Kerzen und Tischdecken, 122 Nägel und Schrauben, 2 Stofftiere, 6 Scheren, 100 alte "Bravo", 21 Kugelschreiber, 8 USB-Sticks, 3 Trinkflaschen." ...erreicht 2198 Artikel. Wenn schon, dann doch bitte mal richtig.
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