07.04.2014

SEXISMUSKüche und Kinder

Frauen gehören an den Herd, müssen sich um den Nachwuchs kümmern und sorgen sich in der Freizeit vor allem um ein apartes Äußeres: So rückständig geht es noch immer in Texten zu, die während der bayerischen Juristenausbildung eingesetzt werden.
In fiktiven Übungsfällen, die Jurastudenten etwa im Referendariat bearbeiten sollen, würden Frauen "mehr oder weniger offen lächerlich gemacht", schreibt die Juristin Daniela Schweigler, wissenschaftliche Referentin am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, in einem Aufsatz für die "Deutsche Richterzeitung". In den Texten sind Richter, Staatsanwälte und Verteidiger fast ausnahmslos männlich, wenn überhaupt Frauen vorkommen, dann nur als Schöffinnen und mit dem Beruf "Hausfrau". Bei ihrer Recherche entdeckte Schweigler unter anderem den Fall von Frau K., die B. auf Schadensersatz verklagt, weil sie durch dessen scharfkantiges Treppengeländer einen Schaden an ihrer Gucci-Handtasche erlitten habe. Schweigler stieß auch auf die Misere der "attraktiven Friseurin Simone Mühlberger", die von Herumtobenden im Schwimmbad nassgespritzt wurde: "Dabei bekam Fräulein Mühlberger zweimal eine größere Menge Wasser ins Gesicht, wodurch ihre frisch gelegte Frisur in Mitleidenschaft gezogen wurde und später neu hergerichtet werden musste."
In einer Übungsklausur zum Thema Erbrecht sagt eine fiktive Mandantin über ihre erwachsenen Söhne, sie seien "erfolgreiche Kaufleute geworden und verdienen beide sehr gut. Allerdings haben beide keine Kinder, weil auch ihre Frauen berufstätig sind". Weitere weibliche Figuren in den Beispielfällen werden entweder von ihren Ehemännern "kurzgehalten" und dann mit der Sekretärin betrogen, oder sie bekommen ein Auto geschenkt, weil auch die Ehefrau "ihren ganz privaten Wagen" haben solle. Ein Grund für das antiquierte Frauenbild sei, dass viele Übungsaufgaben schon vor zig Jahren konzipiert wurden und immer wieder Eingang in neue Buchauflagen fanden. In neueren Fällen, sagt Schweigler, seien die Verhältnisse ausgeglichener. Allerdings fehle es an Bewusstsein und Sensibilität für das Thema Sexismus, um die Materialien entsprechend zu überarbeiten.
Rollenmodell Hausfrau: Lehrbeispiel im Jurastudium

UniSPIEGEL 2/2014
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