05.12.2015

Korruption an HochschulenBetrüg dich hoch!

Unehrlichkeit und Ungerechtigkeit gehören an europäischen Universitäten zum Alltag. Zu diesem Ergebnis kommt eine bisher unveröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov über Korruption an Hochschulen in zehn Ländern. Als besonders korrekt erlebten Studierende demnach die britischen Universitäten, am kritischsten wurde die Situation in Spanien gesehen. Deutschland landet im Mittelfeld, hinter Polen und Ungarn.
Jeder vierte deutsche Umfrageteilnehmer hat offenbar Erfahrungen gemacht mit Ungerechtigkeiten bei der Studienzulassung (26 Prozent), unfairer Notenvergabe (27 Prozent) oder der Personalpolitik an Universitäten (27 Prozent). Etwas seltener beobachteten deutsche Akademiker Korruption beim Studienabschluss (20 Prozent) und bei Doktorarbeiten (15 Prozent).
"Ernüchternd und alarmierend" findet der Berliner Headhunter Paul Milata die Ergebnisse. Er hatte die Studie in Auftrag gegeben, weil in seiner Branche Haftungsklauseln üblich sind, mit denen die Personalvermittler für die Ehrlichkeit ihrer Kandidaten bürgen. Er selbst habe gerade mit einem schweren Betrugsfall zu tun: "Da ist die Haftungsfrage für mich ein ganz reales Risiko."
Dass die deutschen Unis und Absolventen bei diesem Vergleich nicht besser abschnitten, habe ihn überrascht. "Vor allem hatte ich nicht erwartet, dass Deutschland so ein deutliches Problem mit der Rekrutierung von wissenschaftlichem Personal hat." Während über Promotionsplagiate immer wieder diskutiert werde, stünden personelle oder politische Seilschaften so gut wie nie im Fokus der Öffentlichkeit.
Für das Academic Corruption Perception Ranking hatten die Meinungsforscher potenzielle Korruptionsfelder definiert, die über gekaufte Abschlüsse hinausreichen: "Hierzu zählen insbesondere politische oder verwandtschaftliche Beziehungen, Geschenke, Geld oder die absichtliche Unterlassung der Beaufsichtigung während der Prüfung." Befragt wurden jeweils rund 520 Uni-Absolventen in Tschechien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Ungarn, Italien, Polen, Rumänien, Schweden und Großbritannien.

UniSPIEGEL 6/2015
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