15.10.2016

"Self-Publishing ist ein Risiko"

Melisa Schwermer, 33, promoviert in Literaturwissenschaften und schreibt nebenbei blutige Krimis, die sie unter ihrem Künstlernamen selbst verlegt. Hier erklärt sie, wie das geht.
Dein neues Buch "So bitter die Schuld" ist gerade auf Platz eins der Kindle-eBook-Charts. Was ist das für ein Gefühl? Erst mal: Überraschung – und große Freude. Und dann: Erleichterung. Beim Self-Publishing muss ich für alles in Vorkasse treten, das Lektorat bezahlen, die Werbung und auch die Gestaltung des Covers. Um diese Kosten zu decken, muss sich das Buch etwa 3000-mal verkaufen. Das klingt riskant. Self-Publishing ist ein Risiko, keine Frage. Deshalb habe ich meinen Job als wissenschaftliche Mitarbeiterin behalten. Letztes Jahr hätte ich von meinen Büchern leben können. Ich habe mich dann aber doch nicht getraut, alles auf eine Karte zu setzen. Kann jeder einfach so ein Buch herausbringen? Das ist tatsächlich nicht besonders kompliziert: Du schreibst eine Geschichte und lädst sie hoch. In Deutschland gibt es viele Self-Publishing-Websites, neben Kindle Direct Publishing, das ich nutze, zum Beispiel epubli oder tolino media. Zwischen 30 und 70 Prozent des Erlöses bleiben beim Anbieter. Würdest du – trotz deines Erfolgs – für einen traditionellen Buchverlag arbeiten? Es ist für viele immer noch ein Ritterschlag, von einem Verlag aufgenommen zu werden. Self-Publishing hat aber unschätzbare Vorteile: Ich bin freier in meiner Arbeitsweise, und das Publizieren geht viel schneller. Bei einem Verlag dauert es etwa ein Jahr vom Manuskript bis zur Veröffentlichung. Ich brauche circa drei Monate zum Schreiben. Dann lade ich den Text hoch – und schaue mir im Minutentakt die Verkäufe an. Wollen deine Studenten Autogramme von dir? Nein, keiner weiß Bescheid. Ich schreibe ja unter Pseudonym.

UniSPIEGEL 5/2016
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