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DIPLOM-TRAINING

Von Koch, Julia

VORSICHT PRÜFUNG: MANCHE PROFESSOREN SIND HÖHLENFORSCHER, ANDERE SIND INSELSPRINGER.

Manchmal hilft es schon, wenn das Problem einen Namen hat. Stundenlang gelernt und am Ende doch die Hälfte wieder vergessen? - Das ist nicht schlimm, das ist Interferenz. In der Physik bedeutet das: Zwei Wellen überlagern sich so, dass ihre Ausschläge an manchen Stellen in der Summe Null ergeben. In der Prüfungsvorbereitung heißt es, dass die Dinge, die der Examenskandidat am Ende der Lernphase erarbeitet hat, diejenigen vom Anfang überlagern: ausradiert, umsonst gepaukt.

Das muss nicht sein, sagt Wolff-Dietrich Webler, Hochschulforscher an der Uni Bielefeld. In seinem Prüfungstraining für Studenten erklärt der Wissenschaftler daher auch erst mal, wie Lernen funktioniert. Da geht es um Interferenz, Lernplateaus und Vergessenskurven, und die künftigen Prüflinge üben, ihr träges Gedächtnis zu überlisten.

Gegen Interferenz hilft Abwechslung. Verwandte Lernstoffe sollten nicht unmittelbar hintereinander gepaukt werden: "Wer auf mehrere Klausuren lernt, sollte jedes Gebiet nur eine halbe Stunde lang bearbeiten", erklärt Webler.

Wenn das nicht geht: ganz bewusst Pausen machen, damit sich das Gelernte setzen kann. Am Ende eines Lerntags muss dann das neue Wissen ins Langzeitgedächtnis sickern. Weblers Tipp: "An solchen Abenden sollte man nichts allzu Aufregendes mehr erleben - kein Fernsehen, kein Kino und Freund oder Freundin in Ruhe lassen."

Gut gelernt ist halb gewonnen - doch auch für die Prüfung selbst können sich Studenten rüsten. "Das Prüfungsritual macht vielen Angst, weil sie nicht wissen, was da passiert", sagt Webler. Wer kurz vorm Examen steht, hat das Recht, bei mündlichen Prüfungen dabei zu sein - vorausgesetzt, der Prüfling hat nichts dagegen. Und in den Fachschaftsbüros liegen meist Klausuren aus den Vorjahren aus. "Das kann sehr beruhigend sein", hat Webler beobachtet, "natürlich nur, wenn man gut gelernt hat."

Vermeiden sollte der aufgeregte Prüfungskandidat die Begegnung mit jenen Kommilitonen, die unmittelbar vor ihm dran waren. Direkt vor dem Test in bleiche Gesichter zu blicken oder in letzter Minute Informationen über den geprüften Stoff einzuholen steigert nur die Angst.

Sitzt man dem Professor erst mal gegenüber, gilt es, rasch zu erkennen, zu welchem Prüferschlag er gehört. Ist er ein "Inselspringer", der sich mit seinen Fragen von Thema zu Thema hangelt und erfahren möchte, was der Student alles weiß? Oder eher ein "Höhlenforscher", der mit bohrenden Fragen ein einzelnes Gebiet beackert und wissen will, was der Prüfling nicht weiß?

Beim Inselspringer ist es einfacher, selbst die Gesprächsregie zu übernehmen. "Ganz falsch ist, angstvoll auf die Frage zu warten, kurz zu antworten, und dann voller Panik die nächste zu erwarten", rät Prüfungscoach Webler. Besser reden, reden, reden, bis der Prüfer sich zu langweilen beginnt, und dann selbst ein anderes Thema anbieten: "Das steht im Gegensatz zu ..." oder "Ganz ähnlich ist es mit ..."

Wer von einem Höhlenforscher auf dem falschen Fuß erwischt wird, gibt das am besten gleich zu. Zwar sollte versucht werden zu antworten, auch wenn der Prüfling vom Thema keine Ahnung hat. Aber dann, so Webler, "schnell erklären, dass Sie sich gerade auf dieses Gebiet nicht gut vorbereitet haben und ein anderes vorschlagen."

Meist ist auch das keine Katastrophe, glaubt Webler: "Die meisten Kollegen erinnern sich an ihre Studienzeit und sind viel wohlmeinender, als die Studenten glauben."


UniSPIEGEL 4/2003
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