29.11.2004

»Helfen und warnen«

Burkhard Held, 51, ist Dekan der Fakultät Bildende Kunst an der Universität der Künste in Berlin (UdK).
UniSPIEGEL: Nach Berlin zieht es viele Studenten - nur liegt das womöglich eher am Hauptstadtflair und den vielen guten Clubs und weniger am Angebot der Hochschulen. Gefällt Ihnen das?
Held: Der Ruf der UdK ist ja nun auch nicht schlecht. Und die Entscheidung für Berlin ist gerade für Kunststudenten klug: Hier leben viele Künstler, und die Galerienszene ist sehr lebendig. Die Zahl der Bewerbungen ist bei uns konstant - sie liegt bei 500 bis 600. Etwa ein Zehntel davon wird angenommen.
UniSPIEGEL: Man sagt den heutigen Kunststudenten nach, besonders erfolgshungrig zu sein. Gilt das auch an der UdK?
Held: Ja. Wenn ein öffentlicher Rundgang durch die Ateliers veranstaltet wird, dann geht's vielen Studenten nicht mehr ausschließlich darum, ihre Arbeiten und ihre Arbeitsweise darzustellen. Sie hoffen, dass da Käufer kommen, sie halten Ausschau nach Galeristen und Sammlern. Der Realitätssinn der Studenten ist gestiegen. Als Professor ist man nicht nur Ansprechpartner, wenn es um Bildkorrekturen geht, die Studenten erkundigen sich eben auch, welchen Preis sie für ein Bild verlangen können.
UniSPIEGEL: Kommt vor lauter Geschäftstüchtigkeit nicht das Experimentieren, das Entwickeln einer eigenen künstlerischen Sicht zu kurz?
Held: Auch da sind eben die Professoren gefragt. Eine der größten Gefahren für junge Leute besteht darin, zu früh auf den Markt zu drängen. Da sollte man sie warnen. Wenn schließlich etwas vorhanden ist, mit dem man herausgehen kann - dann können wir ihnen helfen. Allerdings kann es nicht unser Selbstverständnis sein, den Kunstmarkt mit Nachwuchs bedienen zu wollen.
UniSPIEGEL: Die Hochschulen reagieren durchaus auf Trends des Marktes. Die Malerei junger Künstler lässt sich derzeit besonders gut verkaufen. Ihr Haus hat nun den erfolgreichen Maler Daniel Richter als Professor berufen. Zufall?
Held: Eine Akademie, die interessant sein will, muss auch aktuelle Positionen zulassen. Natürlich ist Daniel Richter en vogue, und natürlich schauen sich derzeit viele Akademien nach interessanten Malern um. Der Zeitgeist allein reicht uns aber nicht. Wir erhoffen uns eine längerfristige Belebung für die UdK. Und keine Sorge: Bei uns steht ohnehin ein Generationenwechsel bevor, wir haben in den nächsten Jahren fünf, sechs Stellen zu besetzen.
UniSPIEGEL: Die UdK scheint elitärer zu werden. So ist es schwieriger geworden, nach dem Diplom als Meisterschüler angenommen zu werden.
Held: Uns ist die Vorstellung nicht fremd, dass am Ende die Besten besonders herauskommen sollen. Die Ernennung zum Meisterschüler ist ein Prädikat ...
UniSPIEGEL: ... das früher großzügig vergeben wurde.
Held: Wir würden uns lächerlich machen, erweckten wir den Eindruck, jeder unserer Studenten sei gleich hervorragend. Jetzt ist der offizielle Abschluss eine Absolventenprüfung. Nur die Besten dürfen ein Meisterschülerjahr anschließen. Doch so oder so: Wir fällen keine Gottesurteile; man kann auch ohne Meisterschülertitel erfolgreich werden!

UniSPIEGEL 6/2004
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