18.04.2005

Die Glitzer-Boys vom Alex

Steffen Kaluza und Martin Schmid studieren an der Universität der Künste in Berlin Produktdesign ­ und entwerfen nebenbei die gesamte Gestaltung für den Bundespresseball.
Schnell packt Martin Schmid, 26, mehrere Präsentationsmappen in seine Umhängetasche. Steffen Kaluza, 23, schlüpft in seinen schwarzen Mantel. Dann marschieren die beiden Berliner Produktdesignstudenten los ins Luxushotel InterConti, um ihr Konzept für den kommenden Bundespresseball vor Sponsoren wie DaimlerChrysler oder Telekom zu präsentieren. Eigentlich müssten sie jetzt nervös sein. Doch die beiden Studenten wirken vollkommen gelassen. Sie sind Profis in der Gestaltung des Bundespresseballs.
Schon mehrfach haben Martin und Steffen das alljährliche Gipfeltreffen von Polit-Prominenz und Hauptstadtjournalisten optisch in Szene gesetzt. Einladungskarten, Briefpapier, Menükarten und ein Magazin gehören ebenso dazu wie die Dekoration des Festsaals. »Der Ball ist eher klassisch-konservativ«, sagt Martin, »wir versuchen, das zu brechen, aber trotzdem etwas Edles zu entwerfen.«
Alexanderplatz, ein graues Hochhaus, 10. Stock. Hier ist ihr Büro. Von der Decke baumeln braune Lampen im Retro-Design. Auf einem Regal steht ein Miniatur-Modell für den Bundespresseball 2004 - eine schicke Bar aus edlem dunklem Holz. Fürs Kreative ist Martin zuständig. Der Schweizer, grellblaues Shirt mit buntem Aufdruck, hat bereits in St. Gallen ein Grafikdesignstudium abgeschlossen. Steffen, Brille, schlichtes weißes Shirt, macht die Planung und Organisation.
Alles begann mit einem Zettel am schwarzen Brett der Bundespressekonferenz. Während eines Praktikums im Bundestag entdeckte ein WG-Mitbewohner Martins die Ausschreibung zum Bundespresseball und riet seinem Kumpel: »Mach da mal mit!« Gesagt, getan, gewonnen. Das war 2002. Im Jahr darauf fragte Martin seinen Kommilitonen Steffen, ob er er sich beteiligen wolle. Beide hatten damals gerade ihr Vordiplom in der Tasche. Zusammen gründeten sie ein Designbüro: Kaluza + Schmid. Für 150 Euro im Monat mieteten sie sich ein paar Quadratmeter in einer Bürogemeinschaft mit zwei PR-Leuten. Für ihre Laptops und zwei kleine Drucker hatten die beiden Studenten nur einen Schreibtisch.
Heute ist das anders. Zwar teilen sie sich das Büro immer noch mit den PR-Beratern. Doch sie haben mehr Platz, zwei Schreibtische, einen großen, hypermodernen Drucker - und so viele Aufträge, dass sie ihr Studium bis zum Sommersemester auf Eis legten. Hatten sie für den Bundespresseball anfangs nur die Einladungskarten und das Programm entworfen, gestalteten sie im vergangenen Jahr erstmals auch die gesamte Dekoration des Festsaals. »Das Schwierigste ist die Umsetzung des Mottos, das die Bundespressekonferenz jedes Jahr vorgibt«, sagt Steffen. »Die Gäste müssen es beim Betreten des Saals auf Anhieb erkennen«, erklärt Martin, »und zugleich müssen die verschiedenen Räume, Wände und Tische so dekoriert sein, dass sie zusammen eine Einheit bilden.«
Für dieses Jahr haben sie zwar schon einige Ideen, dürfen aber noch nicht darüber sprechen. Nur so viel: 5000 Quadratmeter Stoff, 300 handgegossene Kerzen und 100 Meter roten Teppich werden sie verarbeiten.
Und wollen damit den Bundespresseball 2004 toppen. Im vergangenen Jahr entwarfen sie für das Eingangsportal der Festhalle einen 5,80 Meter hohen Vorhang aus 55 000 glitzernden Swarovski-Kristallen. Als Helfer engagierten sie ein paar Kommilitonen, zogen sich weiße Handschuhe über, breiteten die Kristalle auf Tischen aus und verknüpften sie durch Metallklammern miteinander. »Das war so aufregend, dass wir in den letzten Nächten vor dem Ball beide denselben Alptraum hatten«, erinnert sich Steffen: »Alles bricht zusammen!« Aber alles blieb heil. Und die Feier wurde ein Erfolg.
Deshalb nicken die Sponsoren jetzt auch nur freundlich, als die beiden Nachwuchsdesigner ihre Ideen für den kommenden Bundespresseball vorstellen. Und Steffen und Martin? Die haben sich jetzt auch noch in eine Bürogemeinschaft in St. Gallen eingemietet, um mehr Aufträge aus der Schweiz an Land zu ziehen. Im kommenden Sommersemester werden sie zwischen Hörsaal und ihren beiden Büros pendeln. »Wir gehen wieder zur Uni, um zu Ende zu bringen, was wir angefangen haben«, sagt Steffen. »Und weil Studieren Luxus ist«, fügt Martin hinzu, »denn an der Uni kann man größtenteils frei wählen, was man machen will.«
Von SABINE HOFFMANN

UniSPIEGEL 2/2005
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