23.05.2005

Die Kolumne

Was soll das, Uni Eichstätt?

Von HINRICHS, PER

Hat der Kapitalismus das verdient? Die maßlosen Gewerkschaftsforderungen nach mehr Lohn hat er gerade noch verkraftet, mit dem Kündigungsschutz muss er leben, den Angestellten gar bezahlten Urlaub gewähren. Doch jetzt holt die Katholische Universität Eichstätt zum wohl finalen Schlag gegen das weltweit beliebteste Wirtschaftssystem aus: Sie führt den ersten Master-Studiengang für »mehr Ethik« in der Ökonomie ein: »Werteorientierte Personalführung und Organisationsentwicklung«. Und das im Land der Ackermanns und Essers, dieser erfolgreichen Konzernkapitäne! Aber nein, es gebe angeblich »Plausibilitätsverluste für Führungspersönlichkeiten«, meint der Dekan der Fakultät für Religionspädagogik, Professor Uto Meier. Hallo? Ethik? Wo taucht die denn in einer Unternehmensbilanz auf? Gibt's dafür überhaupt eine Kostenstelle? Firmen brauchen Profit, am besten mehr Profit, nicht mehr Ethik, dafür kann sich in Zeiten der Globalisierung keiner etwas kaufen. Und darum geht es im Kapitalismus: Kaufen und verkaufen - mit Profit, nicht mit Ethik, Herr Meier! Wer Firmen Ethik verordnen

will, käme wahrscheinlich auch auf die Idee, Heuschreckenschwärmen das Fressen zu verbieten. Ethik ist in der Wirtschaft so nützlich wie ein Skilift in Ostfriesland. Wer schon unbedingt schlaumeiern will, worauf es bei visionärer Unternehmensführung ankommt, sollte sich um die Kunst der Symbolik kümmern. Als Dozent dringend zu empfehlen ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann - der mit dem Victory-Zeichen.


UniSPIEGEL 3/2005
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