18.02.2008

Sucht / Alkohol und Arzneimittel Akademiker im Rausch

Ohne reichlich Hilfsmittel aus dem Arzneimittelschrank oder der Bar stehen viele Studenten ihr Studium nicht durch. Die Gründe: zu viel Stress und zu viel Leistungsdruck. Das ist das Ergebnis zweier Untersuchungen zum Thema Alkohol- und Medikamentenkonsum von Studenten. So hat etwa die Techniker Krankenkasse (TK) bei einer Auswertung der Medikamentenverschreibungen von mehr als 130 000 Studenten herausgefunden, dass Nachwuchsakademiker viel öfter auf Antidepressiva angewiesen sind als ihre Altersgenossen, die bereits in Vollzeit arbeiten. Fast zehn Prozent aller Medikamente, zu denen Studenten greifen, sind Stimmungsaufheller. Sie schlucken im Schnitt fünf Tagesrationen Glücklichmacher pro Jahr, Berufstätige kommen mit 3,5 aus. "Vor allem Zeitdruck, Hektik und fehlende Rückzugsmöglichkeiten sind belastende Faktoren für die Studenten", sagt Christoph Straub, stellvertretender Vorsitzender der TK. Auch zur Flasche greifen viele der Studenten zu oft: Einer Studie der Universität Münster und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim zufolge haben 44 Prozent der studierenden Männer ein Alkoholproblem, unter den Frauen sind 19 Prozent betroffen. Insgesamt lag bei 30,2 Prozent der 1130 befragten Studenten ein Alkoholsyndrom vor. "Die Ursachen sind bislang weitgehend ungeklärt, es könnten aber Prüfungsängste oder Konfliktsituationen mit den Eltern oder dem Partner sein", sagt Studienleiter Josef Bailer. "Die Zahlen sind alarmierend."

UniSPIEGEL 1/2008
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