20.10.2008

Werbeaktion / StadtverschönerungGuerilla mit Behördenschein

Guerilla-Krieger stehen außerhalb des Gesetzes und kämpfen in kleiner Gruppe wacker gegen einen übermächtigen Gegner. Diese revolutionärromantische Bedeutung war durchaus beabsichtigt, als Aktionskünstler vor Jahren in New York den Trend des "Guerilla Gardening" ausriefen: Sie verschönerten über Nacht die Betonwüste der Großstadt mit Blumenbeeten und Pflanzenarrangements - natürlich ohne Genehmigung der Behörden.
Der Trend schwappte nach Europa, mittlerweile ist er sogar in Lüneburg angekommen. Drei angehende Kulturwissenschaftler der dortigen Leuphana Universität machten sich im September daran, Hamburg zu verschönern. Sie beglückten die Passanten in der grauen Haupteinkaufsmeile Mönckebergstraße mit ihrer Floristikkunst. Subversiv war die Aktion indes nicht: Die drei Initiatoren planten sie zusammen mit ihrem Uni-Dozenten, für das Ganze gibt es sogar einen Seminarschein im Fach Angewandte Kulturwissenschaften. Die Stadtbegrünung wurde penibel von einer Landschaftsarchitektin geplant, beim nächtlichen Aufbau halfen professionelle Gärtner. Sogar eine Genehmigung vom Ordnungsamt holten die Lüneburger zuvor ein.
Sie tun etwas für ihre Karriere, die Pseudo-Guerillas: Die Aktion war Teil einer Marketingkampagne für die Gartenschau 2013 im Stadtteil Wilhelmsburg, mit der die Stadt Hamburg die Seminargruppe beauftragt hatte. Für die Lüneburger Studenten sollen dabei vor allem Kontakte zur Wirtschaft herausspringen. Das ist teilweise schon geglückt: Ein Unternehmer versprach den Studenten bereits den Rohstoff für eine weitere Aktion, 10 000 Hyazinthenzwiebeln. "Im Moment haben wir noch keine Ahnung, was wir damit anstellen sollen", sagt die Studentin Hannah Dietze, 24.

UniSPIEGEL 5/2008
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