25.05.2009

Moby / Wait For Me

In inniger Zuneigung

Von RAPP, TOBIAS

Es dürfte keinen Popstar geben, gegen den sich guten Gewissens so wenig einwenden lässt wie gegen Moby. Ist er überhaupt ein Popstar? Ist er nicht eigentlich so wie du und ich und nur zufällig berühmt? Und berühmt ja auch nur in dem Sinne, dass man selbst und die Nachbarin ihn kennen, aber nicht die ganzen anderen Menschen, mit denen man keine Geschmacksvorlieben teilen möchte?

Dieses Gefühl weiß der Amerikaner Richard Melville Hall, 43, wunderbar zu vermitteln, seit nunmehr 17 Jahren, als sein erstes Album erschien. Doch es kann nicht ganz stimmen: Der Mann hat schließlich mehr als 20 Millionen Platten verkauft! Aber er hat zugleich die kleine und beschauliche Moby-Welt erfunden, die ab und zu eine Platte absondert, die man dann in inniger Zuneigung genießt.

Gerade ist es wieder so weit. "Wait For Me" heißt das neue Werk. Begleitend hat Moby einen Brief an seine Fans geschrieben, in dem er mit schönen Moby-Worten umreißt, wie er eine Platte macht. Dass mit Freunden zu arbeiten immer schöner sei als mit Rockstars. Dass er "Wait For Me" nicht in einem Studio eingespielt habe, sondern in seinem Schlafzimmer. Mit einem Haufen Equipment, das er bei E-Bay ersteigert hat. Und außerdem: dass diese neue Platte entstanden sei, weil er im vergangenen Jahr eine Rede des Filmregisseurs David Lynch gehört hat. Und danach habe er beschlossen, nur noch seinen eigenen künstlerischen Vorlieben zu folgen.

Als Angehöriger der Moby-Welt ging man ja immer davon aus, dass dieser Musiker bisher nichts anderem gefolgt sei als seinen künstlerischen Vorlieben - und wird bestätigt. Anders ist kaum zu erklären, warum "Wait For Me" so unnachahmlich nach dem Moby aus jener Phase klingt, als er alte Blues- und Gospel-Vocals sampelte und sie in atmosphärische Tracks verpackte. "Play" hieß das Album, es erschien 1999, und monatelang konnte man ihm nicht ausweichen. Die Moby-Welt war für eine Saison überall.

Es braucht viel bösen Willen, um nun nicht erneut entzückt zu sein. Clever verbindet Moby auf "Wait For Me" sein Talent zur Herstellung von anheimelnden Klangwelten mit den Stimmen unbekannter Sängerinnen und Sänger. Mobys Freunde eben.


UniSPIEGEL 3/2009
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