Hamburg und München, das sind auch popkulturell zwei Welten. Erstere ist protestantisch und durch den Indierock geprägt, letztere katholisch und Schauplatz einiger großer Szenen der Disco-Geschichte. Schwer vorzustellen, aber diese Universen lassen sich vereinen. Die altgediente Hamburger Indierock-Band Die Sterne macht mit ihrer neuen Platte vor, wie man aus der Musikgeschichte der beiden Städte etwas ganz Neues zusammenschmelzen kann. Für ihr Album "24/7" haben Die Sterne sich mit dem Münchner Disco-DJ und Produzenten Mathias Modica zusammengetan. Herausgekommen ist eine Platte, die dissident ist, besserwisserisch und kulturkritisch. Aber eben auch glamourös, tanzbar und lustig.
Unter den Bands der sogenannten Hamburger Schule waren Die Sterne immer schon die, die am nächsten an der Tanzmusik gebaut hatten. Aber wie sie sich für "24/7" als Indie-Dance-Act neu erfinden, ist sensationell. Was im House aus der Maschine kommt, wird hier als Band eingespielt: sich ewig wiederholende Bassläufe, das Klavier, das zum Rhythmusgenerator mutiert.
Große Parolenschmiede waren Die Sterne auch schon immer. "Was hat dich bloß so ruiniert" oder "Universal Tellerwäscher" werden auch heute noch gern zitiert. So geht es auch hier wieder. Das Stück "Himmel" ist eine riesige Aufzählung diverser Glücksversprechen; einzelne Sätze wiederholt Sänger Frank Spilker so oft, bis er sich anhört wie eine Maschine.
Es gibt nicht viele Bands, denen es gelingt, nach 20 Jahren so frisch daherzukommen. TOBIAS RAPP
UniSPIEGEL 1/2010
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