21.05.2012

Barbies und Kens im Businesslook

Interview mit Thomas Sattelberger, bis Mai dieses Jahres Personalchef und Vorstand der Telekom, über junge Deutsche, die ein MBA-Studium in den USA gemacht haben. Die Zeiten, in denen das als Karrieregarantie an der Wall Street galt, sind wegen der Finanzkrise vorbei.

Werden deutsche Unternehmen derzeit von MBAlern überrannt, die in den USA keinen Job finden?

Seit ungefähr zwei Jahren nehmen die Bewerbungen zu. Wer im Ausland einen MBA erworben hat, hatte wahrscheinlich darauf spekuliert, längere Zeit nicht nach Deutschland zurückzukehren. Doch der Arbeitsmarkt in den USA und in Großbritannien läuft schlecht, vor allem in der Finanzwirtschaft und der Beratung. Diese häufig monetär getriebenen Absolventen können aber nicht erwarten, dass wir deshalb jetzt die Arme ausbreiten.

Warum nicht?

Nicht wenige große deutsche Unternehmen haben schlechte Erfahrungen mit der Loyalität und Treue von angelsächsisch ausgebildeten MBAlern gemacht. Die Skepsis gegenüber diesen häufig selbsternannten High-Potentials ist daher groß: Sie gelten als Job-Hopper, die nur nach Eigenoptimierung streben. Jeder Personalchef weiß, dass sich Arbeitnehmer weiterentwickeln wollen, aber wenn Status und Gehaltszettel zum Wichtigsten werden, muss es zu Irritationen kommen.

Ein teurer MBA-Abschluss aus Übersee ist also hierzulande keine Job-Garantie?

Nein. Wer dachte, mit einem US-amerikanischen oder britischen MBA-Abschluss könne man in jedem deutschen Unternehmen Karriere machen, hat sich verzockt. Auch aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung: Das Studium ist häufig nur darauf angelegt, Geld und Macht zu vermehren. Das zählt vielleicht für die Investmentbranche, aber nicht für Unternehmen, die mit realer Wertschöpfung zu tun haben.

Welche Kernkompetenzen zählen denn für Sie?

Konzerne müssen zum Teil sehr schnell schwierigste Umwälzungsprozesse bewältigen, doch die Barbies und Kens im einheitlichen Businesslook predigen häufig nur Wirtschaftsweisheiten aus der Vergangenheit. Wir brauchen aber Talente mit unterschiedlichen Hintergründen und einem Verständnis von Soziologie, Psychologie oder Geschichte. Bildung, Verlässlichkeit und nachhaltiges Wirtschaften sind nämlich wichtiger als Shareholder-Value.


UniSPIEGEL 3/2012
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