15.10.2012

Leben ohne Ich

Wie fühlt sich das an, wenn man plötzlich nicht mehr weiß, wer man ist? Wenn man seine Mutter nicht mehr erkennt, seine Freunde, nicht die Geliebte? Wenn das eigene Spiegelbild einen Fremden zeigt? Lehramtsstudent Alexander weiß, wie das ist. Er verlor bei einem Unfall sein Gedächtnis.
UND LINN SCHRÖDER (FOTOS)
Es war der 16. Juli 2008, ein warmer Sommertag in Marburg. Es ist das Datum, an dem sich Alexanders Leben in ein Vorher und ein Nachher spalten sollte.
Der 24-jährige Student, Sport und Geschichte auf Lehramt, geht zur Uni, eine Klausur steht an. Er will eine Straße überqueren, da rauscht ein Auto um die Kurve. Alexander weicht zurück, stolpert und knallt mit dem Hinterkopf auf den Bordstein.
Kann passieren, dass einer auf den Kopf fällt. Kann gut ausgehen, Platzwunde, Gehirnerschütterung, Übelkeit, mehr nicht. Profan eigentlich. Aber auch Tragödien beginnen profan.
Alexander stürzt also böse, fällt in Ohnmacht, wacht wieder auf. Und weiß dann nicht mehr, wie er heißt, wo er herkommt, wo er hinwill.
Alexanders Geschichte ist die Geschichte einer Amnesie, die nicht zu Ende geht. Die zeigt, wie fragil das Gehirn ist und wie mächtig es zugleich über das Sein bestimmt, das Sein erst ausmacht. Es ist aber auch, da ist Trost, die Geschichte eines Neuanfangs.
Alexander hat lange überlegt, ob er auch mit seinem Nachnamen und auf Fotos gut erkennbar im UniSPIEGEL erscheinen möchte. Er hat es dann abgelehnt. Er will nun, vier Jahre nach dem Unfall, neu anfangen, nicht mehr nur der Mann ohne Gedächtnis sein und nicht mehr so oft darüber sprechen müssen, was ihm widerfahren ist. Er möchte, dass ihm die Menschen unvoreingenommen begegnen.
Im Krankenhaus
Nach dem Sturz ist Alexander mehrere Minuten bewusstlos, dann holen ihn herbeigerufene Sanitäter aus der Ohnmacht. "Wie heißen Sie?", fragen sie ihn. "Was ist passiert?" "Was für ein Tag ist heute?" Alexander kann keine Antworten geben, er kennt sie nicht. Vorübergehender Gedächtnisverlust als Folge einer Gehirnerschütterung und eines Schädelhirntraumas, diagnostizieren die Sanitäter. Sie irren.
In der Marburger Uni-Klinik bemühen sich die Ärzte, den Patienten zu beruhigen. Starker Schwindel, Übelkeit und Amnesie seien normal bei solchen Verletzungen. Die verschwänden üblicherweise nach einigen Stunden, heißt es. Alexander ist erleichtert. Die Computertomografie ergibt keine Auffälligkeiten. Sein Gehirn scheint okay.
Eine Schwester kümmert sich um ihn. Als sie für ein paar Minuten das Zimmer verlässt, ist Alexander das erste Mal nach dem Unfall allein. Ruhe im Zimmer, gelegentlich leise Schritte auf dem Flur. Er geht zum Spiegel. Und sieht einen Mann, den er nicht kennt. Nicht das lange dunkelblonde Haar, nicht die starken Schultern, nicht die Augen, die ihn jetzt anschauen. Er ist nicht mehr er. "Das war das seltsamste Gefühl überhaupt", erinnert er sich heute.
Der Freund
Die Ärzte wollen herausfinden, um wen es sich bei ihrem Patienten handelt. Sie durchsuchen Alexanders Rucksack und finden sein Portemonnaie, darin ein Personalausweis. Alexander bewohnt ein Zimmer im Haus einer Studentenverbindung.
Dort lebt auch Serkan, ein Freund, Medizinstudent, er hatte im Laufe des Tages bereits mehrmals versucht, Alexander anzurufen. Als am Abend das Gemeinschaftstelefon klingelt, ist Serkan als Erster am Hörer. Die Klinik ist dran. Alexander habe einen Unfall gehabt, aber es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Er sei bei Bewusstsein. Ob jemand in die Klinik kommen könne?
Serkan macht sich sofort auf den Weg. Den Anruf bei Alexanders Familie, die zwei Stunden entfernt von Marburg wohnt, verschiebt er zunächst, "ich wollte erst sehen, was los ist". Im Krankenhaus trifft er Alexander im Wartezimmer. "Er saß dort mit einem Röntgenbild in der Hand. Er sah aus wie immer, kerngesund." Serkan läuft auf seinen Freund zu. "Servus Alex!", sagt er. Alexander schaut ihn an. Erkennt ihn nicht.
Serkan bemüht sich, Vertrauen herzustellen. Sie sitzen im Wartesaal der neurologischen Abteilung auf unbequemen Stühlen und versuchen, Alexanders Leben zu rekonstruieren.
"Ich habe ihm erzählt, was er macht, wo er herkommt, wer wir sind." Nichts. Alexander erinnert sich an nichts, eine ganze Stunde lang geht das so. Dann tut sich etwas. Es ist nur ein Gefühl, etwas Vages. Er spürt plötzlich, dass dieser Mensch ihm einmal etwas bedeutete, dass er ihm irgendwie wichtig war.
"Ich kann es nicht richtig erklären", sagt Alexander. "Man spricht ja immer vom Band der Freundschaft. Vielleicht geht das nicht kaputt." Diese Wahrnehmung wird ihn ab jetzt begleiten, sie erscheint ihm wie eine Gabe. "Nach dem Unfall haben sich viele Leute bei mir gemeldet, mir geschrieben oder mich auf der Straße oder an der Uni angesprochen und so getan, als wären sie meine Freunde. Ich habe irgendwie gefühlt, dass das bei den wenigsten der Fall war", sagt er.
Die Mutter
Am Morgen nach dem Unfall kommt seine Mutter zu Besuch. Serkan hatte sie am Abend noch angerufen. Sie hat die ganze Nacht nicht geschlafen. An ihrer Seite: eine der beiden Schwestern von Alexander und seine Freundin. Alex sitzt im Bett und blättert in einer Zeitschrift, als sie das Zimmer betreten. Er freut sich nicht. Erkennt sie nicht. Vorsichtig setzen sich die drei zu ihm, seine Mutter will ihn umarmen. Er schreckt zurück. Fremde Frau. Zu nah.
"Die drei haben nur geweint", daran erinnert sich Alexander, es ist ja sein neues Leben, in dem das Gedächtnis wieder funktioniert, "sie mussten das Zimmer immer wieder verlassen. Da habe ich das erste Mal begriffen, dass das, was passiert ist, für mein Umfeld schwieriger zu ertragen ist als für mich selbst."
Für Alexanders Mutter ist es der "schlimmste Tag ihres Lebens". Vom eigenem Kind nicht erkannt, gar zurückgewiesen zu werden, das sei eine furchtbare Erfahrung. "Er hat mich angeschaut und mit mir gesprochen, als wäre ich irgendeine Unbekannte. Dass er mich nicht gesiezt hat, hat mich gewundert", erzählt sie.
Dennoch verbringt sie jeden Tag mehrere Stunden im Krankenhaus, versucht, die Nähe zu ihrem Sohn wieder aufzubauen. Die Prellung am Hinterkopf ist bereits ein paar Tage später nur noch eine Schwellung, doch Alexanders Gedächtnis will nicht zurückkehren.
Noch machen ihm die Ärzte Hoffnung. Einige Tage Amnesie seien nicht ungewöhnlich nach einem solchen Sturz, keine Angst, wird schon, Kopf hoch. Alexander glaubt ihnen nicht. "Der Tag, an dem ich das gespürt habe, war furchtbar. Es war die dritte Nacht im Krankenhaus, und ich stand eine halbe Stunde im Bad und habe geweint. Ich fühlte mich so hilflos."
Die Diagnose
Alexander bleibt zehn Tage im Krankenhaus. Als er entlassen wird, gilt er körperlich als gesund. Die Ärzte können nichts mehr für ihn tun. Regelmäßige Treffen mit einer Psychologin sollen ihm in den kommenden Wochen helfen, den Unfall zu verarbeiten und ins Leben zurückzufinden. In ein neues Leben. Auch die Ärzte signalisieren ihm jetzt: Es ist vielleicht eine dauerhafte Amnesie, alles, was vor dem Sturz auf die Bordsteinkante passierte, ist ausgelöscht und wird es vermutlich bleiben.
Zwar ist Alexanders prozedurales Gedächtnis, in dem Fähigkeiten wie Lesen, Laufen und Fahrradfahren verankert sind, nicht vom Unfall beeinträchtigt worden. Auch sein Allgemeinwissen ist noch da, er weiß, dass Angela Merkel Kanzlerin ist und ein Delfin kein Fisch. Doch sein episodisches Gedächtnis, das ist weg. Autobiografische, persönliche Erlebnisse sind ausgelöscht. Als wären sie nie passiert, als hätte jemand in seinem Hirn den "Delete"-Knopf gedrückt. Der erste Schultag? Weg. Der erste Kuss? Weg. Die erste Liebe? Weg. Alles weg. Alexanders Leben ist gelöscht. Er ist gelöscht. Es bleibt: der Wille zu überleben. Dazu muss sein Selbst, irgendein Selbst auferstehen, für das es sich zu leben lohnt.
Der Hirnforscher
Was mit Alexander geschah, ist äußerst selten. Der Psychologe und Gedächtnisforscher Hans Markowitsch von der Uni Bielefeld behandelte bisher deutschlandweit 50 Patienten mit dauerhafter Amnesie. Er geht davon aus, dass das Gedächtnis nicht verloren, sondern der Zugang blockiert ist - manchmal aufgrund eines traumatischen Erlebnisses, wie ein Unfall es sein kann. "Die Patienten haben eine lebensbedrohliche Situation erlebt und merken, dass sie sterblich sind. Sensible, stressanfällige Menschen reagieren darauf, indem sie die Erinnerung an ihr früheres Leben nicht mehr zulassen."
Wenn das stimmt, könnte das Gedächtnis theoretisch, Simsalabim, eines Tages komplett wieder da sein. Markowitsch hält das jedoch für unwahrscheinlich: "Je länger der Eintritt der Amnesie her ist, desto seltener wird die Rückkehr der Erinnerungen."
Die Rückkehr
Die ersten Wochen nach dem Unfall verbringt Alexander zu Hause bei seiner Familie. Er beginnt, minutiös sein Leben zu erforschen, er recherchiert seine Vergangenheit wie ein Biograf die Geschichte eines anderen.
Er lässt sich Fotos zeigen, besucht Freunde und Bekannte, unterhält sich mit Lehrern aus der Schulzeit. "Es war mir sehr wichtig, selber Dinge herauszufinden, auch die schlechten und dunklen Seiten. Es war auch teilweise interessant, im eigenen Leben Detektiv zu spielen."
Nach einiger Zeit stellt sich ein vages Gefühl der Nähe zu seiner Familie ein. Doch die will es nicht wahrhaben, dass alles, was sie gemeinsam erlebt haben, ausgelöscht sein soll.
"Ich habe versucht, ihn an die schönen Momente zu erinnern, an gemeinsame Urlaube", sagt Alexanders Mutter. "Habe ihm Fotos gezeigt, eine Collage mit Familienbildern, die ihm seine Schwestern zum Studienbeginn gebastelt haben, und sein Lieblingskuscheltier aus Kindertagen, weil ich dachte, dass er sich doch erinnern muss, dass er das doch alles nicht einfach vergessen haben kann. Solche Erinnerungen machen doch eine Persönlichkeit aus!"
Irgendwann will Alexander keine Fotos mehr sehen. Die zwanghaften Versuche, die Erinnerung heraufzubeschwören, strengen ihn an, nerven ihn, sie bringen nichts. Aber es tut sich etwas in seinem Kopf. Bilder aus seiner Vergangenheit kommen wie Blitze über ihn, ganz unerwartet und in Situationen, in denen er nicht damit rechnet.
Er schneidet gerade Tomaten, als er sich vor seinem inneren Auge beim Fußballspielen auf einer Wiese sieht, als kleiner Junge. Er sitzt in einem Behandlungsstuhl, als er sich an Szenen aus seiner Bundeswehrzeit erinnert. Er putzt sich gerade die Zähne, da kommt ihm das alte Badezimmer seiner Eltern in den Kopf. Er erinnert sich, dass er früher häufig mit seiner Mutter Brombeeren sammelte und die Früchte dann in eine kleine hellgrüne Plastikgießkanne warf. Dass er als Vierjähriger ein grünes Portemonnaie mit einem orangefarbenen Aufdruck besaß. Millisekunden aus dem Film seines Lebens.
Alex kehrt ins Verbindungshaus zurück und will sein Lehramtsstudium wieder aufnehmen. Serkan führt ihn herum, erzählt ihm die Historie des Hauses. Als es um das Wappen geht, unterbricht Alexander Serkan. Er hat einen Fehler in der Erzählung entdeckt. Plötzlich überspülen ihn Erinnerungswellen: Bilder aus dem Verbindungshaus. Partys, Spieleabende, gemeinsames Lernen. Er bekommt starke Kopfschmerzen, es wird ihm schwindelig. Das ist zu heftig. Darf nicht mehr passieren.
Alexander steigt langsam wieder ins Studium ein. Auch Kurse, die er bereits bestanden hat, wiederholt er. Sein Schulwissen ist größtenteils noch da, doch viele Teile des Gelernten der letzten drei Jahre sind verschwunden.
Der Zweifel
Nach ein paar Wochen beginnt Alexander sein neues, altes Leben in Frage zu stellen. Ihn quält die Frage, ob der neue Alexander auch Lehrer werden wollen würde. Über seine Zweifel spricht er nur mit Serkan, nicht mit seiner Mutter, die ihn nach seiner Rückkehr wiederholt daran erinnert hat, wie gern er doch immer Lehrer werden wollte. Serkan rät ihm abzuwarten, keine überstürzte Entscheidung zu treffen.
Er quält sich, nicht nur mit seinem Studium, auch mit seiner Freundin, die weiter an seiner Seite ist. Vier Monate waren die beiden vor dem Unfall zusammen, glücklich seien sie gewesen, auf dem Weg zu einer ernsthaften Beziehung, hat man ihm erzählt. Und nach dem Unfall? Seine Freundin kümmert sich um ihn, begleitet ihn sogar zu seiner Familie.
Alexander ist das zu viel. "Nach wie vor fand ich sie nett und attraktiv, aber eben nicht mehr." Innerlich ringt er mit sich: Soll er sich trennen? Sie ist ihm wichtig, aber er liebt sie nicht, nicht mehr. Zweieinhalb Monate nach dem Sturz auf die Bordsteinkante beendet er die Beziehung. "Sie war traurig und enttäuscht, aber hat mir keine Vorwürfe gemacht."
Die Krise
Zwei Jahre nach dem Unfall glaubt Alexander, Frieden gemacht zu haben mit seiner Amnesie. Manchmal sieht er sie sogar als eine Art Chance: ein neues Leben ohne die belastende Vergangenheit, nicht schlecht. Er studiert weiterhin auf Lehramt. Freunde, die ihm nahestanden, sind ihm erhalten geblieben, sie witzeln nun sogar ab und zu über seinen Gedächtnisverlust.
Die Freunde sagen, charakterlich habe er sich kaum verändert. Vielleicht sei er ein wenig nachdenklicher und emotionaler geworden. Erwachsener, sagt seine Mutter, zu der er wieder ein gutes Verhältnis hat. Alexander hat sich irgendwie eingerichtet in dem fremden, neuen Leben.
Doch dann bekommt er schwere Schlafstörungen. Gelingt es ihm einzuschlafen, erwacht er aus schlimmen Alpträumen. "Immer geht es um meinen Tod", sagt er. "Ich treibe auf dem Meer, halte mich an einer Planke fest, um nicht zu ertrinken. Irgendwann verlässt mich die Kraft, und ich gehe unter." Die Träume nehmen ihn so mit, dass er mit Übelkeit aufwacht, sich manchmal im Bett übergeben muss.
Mitunter kann er vier oder fünf Nächte am Stück nicht schlafen. Er versucht, seinen Körper zu überlisten, ihn auszupowern, indem er nachts drei Stunden Fahrrad fährt. Ohne Erfolg. Morgens schleppt er sich zur Uni, schreibt einen Teil seiner Prüfungen. Ein Semester lang übersteht Alexanders Körper die Belastung, gerade so, auf Kante.
Ihm ist klar, dass seine Schlafprobleme mit dem Unfall zu tun haben. Sprechen möchte er trotzdem mit niemandem darüber, ihn quälen Versagensängste: "Dass ich den Unfall noch immer nicht verarbeitet hatte, war mir unangenehm."
Als die rettenden Semesterferien beginnen, verkriecht Alexander sich zu Hause bei seiner Mutter, ohne ihr zu sagen, wie es ihm wirklich geht. Schlafen kann er immer noch nicht. Nächtelang läuft er durch den Wald.
Dann schafft er es nicht mehr allein und vertraut sich seiner Mutter an. Sie ist schockiert. Umgehend kümmert sie sich um seine Exmatrikulation, sie hat erkannt, dass er dieses Studium nicht mehr will. Sie besorgt ihm für vier Monate einen Platz in einer Klinik in der Nähe. Die Diagnose: psychosomatischer Flashback.
Die Medikamente, die er bekommt, um endlich wieder schlafen zu können, haben nicht den gewünschten Erfolg. Zwar wird er müde, aber die Nebenwirkungen sind stark. Ständiger Hunger, Abgeschlagenheit und körperliche Schmerzen sind die Folge. Nach dem dritten Medikament wehrt er ab. Seine Schlafstörungen, das ahnt er, werden so allenfalls vorübergehend verschwinden.
Erst durch Gespräche mit einer Psychologin kommt Alexander langsam zur Ruhe. Zusammen entwickeln sie eine Methode, um die Träume in den Griff zu bekommen. "Ich schrieb den Traum auf, bis zu dem Moment, in dem ich die Planke loslassen muss. Dann gab ich der Geschichte ein anderes Ende. Ein Taucher kommt und rettet mich, indem er mir eine Sauerstoffmaske aufdrückt." Jeden Abend vorm Einschlafen liest er die Geschichte. Der Alptraum kommt nur selten wieder.
Neuanfang
Vergangenes Semester, nach dem Abschluss der Reha, sucht Alexander sich einen neuen Studienplatz in einem anderen Bundesland, in einer anderen Stadt, in einem anderen Fach. Dort weiß kaum jemand, was ihm passiert ist. "Nach dem Rückfall wollte ich neu anfangen. Ich wollte einfach mit dem Vergangenen abschließen." Er fängt an, sein neues Leben als Leben zu begreifen.
In den ersten Monaten nach dem Unfall hatte Alexander sich nichts mehr gewünscht als die Rückkehr seiner Erinnerung, seines Ich von damals, das so komplett zu sein schien. Heute hat er sich eine neue Existenz geschaffen, und die kollidiert mit der alten. Daher wünscht er sich nichts mehr, als dass das alte Leben nie mehr zurückkehrt. "Ich merke, dass selbst die Erinnerung an schöne Dinge mich eher traurig macht. Dann kommt gleich der Gedanke an das, was ich verloren habe." Unvereinbar: der alte und der neue Alexander.
Als Zeichen für den Neuanfang feiert Alexander nun zweimal im Jahr seinen Geburtstag. Im März, so wie es in seiner Geburtsurkunde steht, und im Juli, am Tag seines Unfalls. "Ich habe beschlossen, dass der Unfall nicht zum Mittelpunkt meines Lebens werden soll. Mir ist etwas Schlimmes passiert, aber das macht nicht mein Leben aus. Mein Leben ist nicht vorbei. Ich habe es noch vor mir. Der alte Alex bleibt besser da, wo er jetzt ist." Eine Sache allerdings würde Alexander wohl doch gern aus seiner Vergangenheit mit in sein neues Leben nehmen. Vor kurzem hat er sich das erste Mal seit der Trennung wieder mit seiner damaligen Freundin getroffen. Vielleicht gibt es eine Zukunft für die beiden.
Es hat ziemlich geknistert. -
Von Marie-Charlotte Maas

UniSPIEGEL 5/2012
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