10.12.2012

DRITTMITTEL / KORRUPTIONSWÄCHTERGeheime Verträge

Aldi-Süd-Hörsaal an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden
Deutsche Hochschulen stehen neuerdings unter Beobachtung der Organisation Transparency International. Die Korruptionswächter mit Sitz in Berlin sind besorgt, weil Unis und Fachhochschulen immer stärker von Geldgebern aus Wirtschaft und Industrie finanziert werden. "Uns fallen von Jahr zu Jahr mehr Beispiele von undurchsichtigen Kooperationen auf, die potentielle Interessenkonflikte mit sich bringen", sagt Christian Humborg, Geschäftsführer von Transparency International Deutschland. Die Summe der Drittmittel, die deutsche Hochschulen unter anderem aus der Industrie erhalten, hat sich seit 1998 mehr als verdoppelt. Damit vergrößerte sich der Anteil von Drittmitteln an der Gesamtfinanzierung von 16 auf 26 Prozent. Die Grundsicherung durch die Länder stieg trotz der Hilferufe klammer Hochschulen nur moderat. 660 Lehrstühle werden mittlerweile von externen Finanziers mit Eigeninteressen bezahlt. Die setzen dann zuweilen sogar durch, dass Gebäude und Räume nach ihnen benannt werden. So gehen Studenten in Wiesbaden, Düsseldorf und Würzburg zur Vorlesung in den Aldi-Süd-Hörsaal. Kritiker fürchten neben ausuferndem Namensponsoring, dass entsprechend mehr Auftragsforschung betrieben wird. Das ist auch Hintergrund einer in Köln anhängigen Klage, die die Offenlegung eines Geheimvertrags zwischen der Universität Köln und dem Pharmariesen Bayer zum Ziel hat. Im vergangenen Jahr erst hatte eine Kooperation zwischen der TU Berlin und der Deutschen Bank die Gemüter erregt. Die Uni hatte der Bank nicht nur ein Vetorecht bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen zugebilligt, sondern auch die Möglichkeit eingeräumt, redaktionelle Inhalte über das Finanzinstitut in Hochschulmedien zu platzieren. Die TU Berlin hat sich jetzt einen Verhaltenskodex gegeben, der solche Einflussnahme begrenzen soll. Doch die darin fixierten Regeln gehen dem TU-Asta und Transparency International nicht weit genug. Zwar ist im Kodex festgeschrieben, dass die Hochschule Studienergebnisse frei publizieren darf - was keine Selbstverständlichkeit ist. Doch die jährlich mehreren hundert Verträge der Uni mit externen Geldgebern müssen noch immer nicht offengelegt werden.

UniSPIEGEL 6/2012
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