10.12.2012

KOLUMNE / TITELKETTEN

Wer hat den Längsten?

Dr. med. Dr. med. dent Dr.

rer. nat.

Man ist schon ein bisschen geplättet, was sich ein Mensch mit Mitte dreißig schon alles herbeipromovieren kann. Auf der Homepage der Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Mainz lächelt uns etwa ein wissenschaftlicher Mitarbeiter als Dr. med. Dr. med. dent Dr. rer. nat. entgegen. Ob es damit nun gut ist oder der junge Arzt weitermacht mit der Titeljagd, ist nicht überliefert. Klar ist, dass er im Wettbewerb der Titelketten noch nicht vorn liegt, da gibt es zum Beispiel noch einen Prof. Dr. iur. Dr. rer. pol. Dr. h.c. LLM (Havard) an der Humboldt Universität Berlin, einen Professor Dr. iur. Dr. phil. MA, LLM (Cambridge) an der European Business School Wiesbaden oder einen Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. an der Ruhr Universität Bochum. Zudem schmückt sich manch einer noch zusätzlich mit Ehrendoktorgraden und Honorarprofessuren aus Turkmenistan, Rumänien oder einem anderen Land, wo es den Titel auch schon mal nach einem Kurzbesuch an der dortigen Uni als Mitbringsel gibt. Man könnte das Angeberitis oder akademischen Schwanzvergleich nennen, aber vielleicht handelt es sich ja auch um eine Art Selbstschutz. Man weiß ja nach den Fällen Guttenberg, Koch-Mehrin oder der Stoiber-Tochter Veronica, wie schnell man heutzutage einen Titel wieder los ist. Da ist es gut, mehrere zu haben, man will ja im Falle eines nachgewiesenen Plagiatversuchs nicht ganz nackig dastehen. Präventiv betrachtet ist es auch egal, dass ein Dr. Dr. Dr. vor dem Namen so klingt, als habe der Besitzer einen Sprung in dr dr der Schallplatte. Zumal entsprechende Studien belegen, dass ein Doktortitel den Aufstieg in Führungspositionen erleichtert und das spätere Gehalt um bis zu 25 Prozent vergrößert. Ob ein dreifacher Doktortitel mit einem Plus von 75 Prozent zu Buche schlägt, muss noch evaluiert werden. ANNA KISTNER

Prof. Dr. iur. Dr. rer. pol. Dr. h.c.

Prof.

Dr.

iur.

Dr.

phil.

MA,

LLM

Prof.

Dr.

Dr.

Dr.

habil.


UniSPIEGEL 6/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

UniSPIEGEL 6/2012
Titelbild
Abo-Angebote

Sichern Sie sich weitere SPIEGEL-Titel im Abo zum Vorteilspreis!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Bei Spodats erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

KOLUMNE / TITELKETTEN:
Wer hat den Längsten?